Das gepflegte Foul

„Die Bayern haben viel mehr foul gespielt als der Club“, sagte Hannes (klick) am samstagabendlichen Tresen. „Und Gebhart wird vom Platz gestellt.“

„Wenna soo bleed fauld, brauchda si nedd wunnan“, sagte Alfred (klick). „Im Middlfeld na Geechna na Ellboong ins Gsichd zu ramma wie a Gschdeerda. Der muss doch an Gnall hoom.“

„Vor allem, wenn er schon gelbverwarnt ist“, sagte ich. „Wobei es ja schon von Dummheit zeugt, wie er sich die gelbe Karte eingehandelt hat. Wenn ich gerade gefoult habe, mach‘ ich doch nicht das Gleiche ein paar Sekunden später. Da hat der Schiedsrichter ja gar keine andere Wahl als Gelb zu zücken. Unprofessionell sowas. An Dämlichkeit nicht zu überbieten.“

„Für mich war das eine klare rote Karte“, sagte der Wirt über den Tresen. „Gebhart kann froh sein, dass er nur Gelb-Rot gesehen hat.“

„Doppelt so oft gefoult wie der Club haben die Bayern“, sagte Hannes (klick). „Vor allem in der ersten Halbzeit war das Spiel ständig unterbrochen, weil sich ein Bayernspieler regelwidrig eingesetzt hat.“

„Ja“, sagte ich, „das haben die Bayern geschickt gemacht. „Wenn der Club am Ball war, haben sie den Spielfluss sofort unterbunden. Ohne dabei besonders brutal vorzugehen. Taktisches Foul, nennt man sowas…“

„Stimmt“, sagte der Wirt, „in diesem Bereich sind die Bayern dem Club überlegen.“

„…Das muss man können. Da zeigt sich der Unterschied zwischen einer Spitzenmannschaft und einem Abstiegskandidaten. In der ersten Halbzeit gab es kaum Unterbrechungen wegen Foulspiels eines Nürnbergers. Ich wette, dass Hecking in der Pause seine Spieler aufgefordert hat, resoluter in die Zweikämpfe zu gehen. Das haben die Spieler dann auch getan. Ergebnis: Eine Flut von gelben Karten und der Platzverweis gegen Gebhart…“

„Is ma aa aufgfalln. Is ma aa aufgfalln.“

„…Weil sie zu raubeinig einsteigen. Weil sie das gepflegte Foulspiel nicht behrrschen. Und weil sie foulen, wenn überhaupt keine Notwendigkeit dazu besteht…“

„Hossd scho Rechd. Hossd scho Rechd.“

„…wenn es absolut sinnlos ist. Wie der Ellbogencheck von Gebhart gegen Schweinsteiger. Und auch die Fouls von Gebhart vorher in Situationen, in denen überhaupt keine Torgefahr bestand. Und in Situationen, in denen ein taktisches Foul angebracht ist, lassen sie den Gegenspieler dann laufen. Siehe Plattenhardt in der Szene vor dem 0:1 in Mainz. Da hätte man foulen müssen. Sogar auf die Gefahr hin, eine gelbe Karte zu kassieren…“

„Vellich richdich. Vellich richdich.“

„…Da muss Hecking dringend was unternehmen: Übungseinheit Taktisches Foul.“

„Mal wieder typisch“, sagte Hannes, „die Mannschaft macht ein super Spiel und ringt den Bayern einen Punkt ab, und dir fällt nichts anderes ein als rumzumosern. Ich finde, wir können heute wirklich zufrieden sein. Hochzufrieden können wir sein.“

„Einigermaßen zufrieden vielleicht, hochzufrieden nicht“, sagte ich.

„Notorischer Nörgler“, sagte Hannes.

„Seit wann ist Realismus Nörgelei?“

„Realismus?“

„Ja, Realismus. Es bestand heute eine reale Chance, die Bayern zu schlagen. Die Voraussetzungen hätten günstiger nicht sein können. Punkt a: Die Bayern spielten nicht in Bestbesetzung. Punkt b: Die Bayern, die spielten, spielten unter Form. Punkt c: Unsere Mannschaft war in der zweiten Halbzeit über weite Strecken überlegen. So wie das Spiel gelaufen ist, war der eine Punkt zu wenig. Unsere Mannschaft hat heute zwei Punkte im Abstiegskampf liegen lassen. Fahrlässig liegen lassen.“

„Es werden einfach zu viele individuelle Fehler gemacht“, sagte der Wirt. „Das frühe 0:1 darf so nicht passieren. Da hat Pinola geschlafen. Die Spreizsprung-Einlage, mit der er retten wollte, was nicht mehr zu retten war, hatte was von Slapstick.“

„Wie ein Geißbock im Ballettunterricht“, sagte ich.

„Korz noochm Ausglaich muss da Geebhadd des zwaa aans machng. Woor a scheena Konda vom Glubb. Sauba vorgedroong und a scheena Bass aufn Geebhadd in da Middn, frai vorm Door. Doo hädds glingln missn. Wenns doo nedd glingld, kossd ka Schbill gwinna. Seebld der Bleedl iewan Boll! Und dann lässda si aa nuch vom Blods schdelln. Doo braungsa si nedd wunnan, wennsa kaane Bungde machng. Bleeda konni mi doch goor nedd ooschdelln.“

„Wichtig sind jetzt die Spiele gegen Fürth und Hoffenheim“, sagte der Wirt. „Da müssen jetzt wirklich Punkte gemacht werden. Da muss der Abstand zu den Abstiegsplätzen vergrößert werden.“

„Die gewinnen sie“, sagte Hannes. „Mit der Leistung von heute holt der Club aus den nächsten beiden Spielen sechs Punkte und dann ist alles im Lot.“

„Wennsa des schaffn wolln, missnsa owa ihre Doorschongsn bessa nudsn“, sagte Alfred.

„Und in der Abwehr keine amateurhaften Fehler machen“, sagte der Wirt.

„Und cleverer foul spielen“, sagte ich und nahm einen Schluck aus dem Glas und Alfred sagte: „Zaid fir a Zigareddn. Hossd aane fir miech, Michael? Kossdma aane geem?“, und ich gab Alfred eine Blend 29.

[Zu den Spielen: Mainz – FCN: klick; FCN – Bayern: klick, klick, klick, klick.]

11 Gedanken zu „Das gepflegte Foul

  • Also ich weiß ja nicht, ob man die Fouls von Timostschuk gegen Gebhart oder Frantz als „gepflegte Fouls“ bezeichnen muss. Meiner Meinung nach war das der erste Kandidat für eine gelbe Karte.

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  • Bereits in der ersten Halbzeit hätte Timoschtschuk zwingend Gelb-Rot sehen müssen. Ein anderes Zweikampfverhalten als ein Foul zu spielen hat er nicht angeboten.

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  • Mal sehen wie es gegen Fürth wird, wir kennen das ja, Gegner die selber spielen und mitspielen lassen, da sehen wir immer ganz gut aus, nur wenn wir selber auf die Socken kriegen und es nicklich wird gegen die vermeintlich schwächeren Mannschaften, sehen wir meistens nicht gut aus. Daher würde ich bis nächste Woche den Infight üben 🙂 gute Ansätze gegen die Bayern waren schon zu sehen.

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  • Die Berichterstattung des Bauern-Haussenders Sport1 hat mich so richtig geärgert, ich meine in den News heute abend. Zwar wurden die Bauern als schlechte Verlierer hingestellt und das gejammere thematisiert, aber gleichzeitig die Behauptungen auch nicht als falsch widerlegt. Zudem gab es nur Szeneneinspielungen mit rüdem Einsteigen von Clubberern. Keine Szene oder Erwähnung von Timoschtschuk, keine Richtigstellung, dass die Bauern doppelt so viele Fouls begangen haben wie wir, keine Szene von Schweini an Gebhardt Gurgel (natürlich nicht, aber hätte Pino so was gemacht…) nichts über das ständige Reklamieren von Müller, das Provozieren von Schweini usw. So bleibt letztlich der Eindruck hängen, wir hätten den Erfolg überhart erfoult, ohne Rücksicht auf die Gesundheit, werden praktisch als Kloppertruppe hingestellt. Objektiver Journalismus eben!

    Ekelhaft!

    Eigentlich sollte man da eine offizielle Protestnote absenden. Oder die seriösen Medien nehmen sich der Sache an und entlarven das Ganze falsche Getue.

    Tja, NN und NZ, ihr dürft das gerne als Aufforderung verstehen!

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    • Optimist,

      In Ergänzung dazu noch etwas: hab mir gestern noch einmal im Schnelldurchgang das Spiel auf Ligatotal angeschaut. Der Reporter schimpft doch tatsächlich über ide unverbesserlichen, die Bengalos zünden im NÜRNBERGER Block. Minuten später erst die Erwähnung, daß DIE MEISTEN Bengalos bei den Münchnern gezündet werden. Ich hab nirgendwo anders als bei den Münchnern welche gesehen. Ich hab viele die Münchner auspfeifen hören. Aber objektiver Journalismus geht halt anders.

      Positiv fand ich aber in der ersten Halbzeit wie er über die tolle Choreo geschwärmt hat. Leider war er zu uninformiert, um dabei erzählen zu können, wer dieser Jenö war. Grade im Rahmen von Kampf gegen Diskriminierung fänd ich so etwas wichtig zu erwähnen, daß sich der FCN mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt und wenn auch verdammt spät sein Fehlverhalten während des Nationalsozialismus korrigiert und daß auch die Ultras den erfolgreichen jüdischen Trainer nachträglich ehren mit dieser Choreo.
      Aber so etwas passt halt nicht ins Bild bei der Diskussion um die gewaltbereiten Fans, die vor allem in der Ultraszene ausgemacht werden.

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      • Beate60,
        bin mal gespannt, wie das Ganze heute in der Spieltagsanalyse aufbereitet wird (in der wir ja sonst nie vorkommen aber die Bauern immer einen dicken Sendeplatz bekommen). Sie spielen da ja gerne mit Statistiken – mal sehen, ob sie sie auch benützen, obwohl sie das blütenweiße Nest beschmutzen…

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        • Optimist,
          Statistisch gesehen waren wir diesmal wohl ebenbürtig, lediglich in bezug auf Ballkontakte (40/60%) und angekommene Pässe (73/81%) konnten die Bayern Zuspiele drunter vom Anfang und vom Schluß, wo die Bayern mal wieder ihre Handballtaktik zum Einsatz bebracht haben, diesmal aber zum Glück am Ende nicht mehr durchgekommen sind.

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  • Beate60,

    heute Abend ist Martin Bader zum Thema “Gewalt in den Stadien“ bei Blickpunkt Sport. Ich bin gespannt, wie dieses Thema aufbereitet wird.

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