Purer Dreck (und milde Note)

Purer Dreck

Von Hörnla

Ach was musste man oft von bösen/und gar so furchtbar traditionellen Derbys im Vorfeld hören oder lesen… . Genug gebuscht oder gebasht, ich will anders beginnen: mit fränkischem Kabarett. Dort lässt sich ab und an Lehrreiches beobachten. Dann, wenn nichts mehr hilft und du glaubst, es geht nichts mehr – dann kommt in der Regel eine todsichere Nummer her, die ihre Wirkung nie verfehlt. Franken lieben es, mild ironisch – d. i. in Wahrheit pseudoironisch – gebauchpinselt zu werden. Nein, so tönt es, in der Regel (egal welcher Künstler) nur mäßig variiert, von der Bühne, wir sind gar nicht doof, spießig, maulfaul, beschränkt, abgrundtief pessimistisch, ewig unterdrückt und misanthrop – sondern unsere weltoffene, gemütsreiche, an Esprit schier überbordende, heiter optimistische Art ist lediglich unter der für den Fremden zu knackenden Muffelschale verborgen. Rauhe Schale, güldener Kern. So lässt sich trefflich der Gedanke ausblenden, dass der Schein mit dem Sein vielleicht doch mehr zu tun hat als uns allen lieb ist. So lässt sich trefflich der ungemütliche Gedanke ausblenden, dass die altbayerische Dominanz für die Franken vielleicht sogar einen historischen Glücksfall darstellt, hasst der Franke in der Regel doch nichts so sehr und tief und inbrünstig wie den direkten Nachbarn, den der mit Zank und Streit und Gerichtsprozess überzieht und dem er nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnt.

Womit wir dann doch beim Spiel Nürnberg-Fürth wären, mit dem man eigentlich ganz schnell fertig sein kann, denn mit Fußball-SPIEL hatte das alles eher wenig zu tun. Große Traditionen wurden beschworen, „El Clasico“ wurde bemüht – und das nicht einmal zu Unrecht. Denn Begegnungen zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona kann man seit einiger Zeit schon kaum mehr anschauen, außer man erfreut sich daran, wie sich überragende Spieler gegenseitig in Nickligkeiten, lächerlichen Rudelbildungen, Fouls und sonstigem Mist aufreiben und darob zu spielen vergessen. Ich bemitleide im Nachhinein jeden neutralen Zuschauer, der sich, vielleicht beeindruckt vom großen Brimborium davor, das Spiel Nürnberg-Fürth ansah und sich daran berauschen durfte, wie sich mittelmäßige bis schlechte Spieler gegenseitig in Nickligkeiten, lächerlichen Rudelbildungen, Fouls und sonstigem Mist aufrieben und darob zu spielen vergaßen. In der Tat: man sah alles, das zu unterlassen geschworen wird – wenn mal wieder ein Unglück passiert ist, von der Spotzerei bis zum vogelwilden Foul. Abgeschirmt in der Glasglocke von Sicherheitsstufe 1.

Ach ja – Einschub: Darf man beim Fußballspiel aufs Tor schießen? Nach dem Samstag ist mir das nicht mehr so ganz klar, aber vielleicht haben sie ja die Rückpassregel dementsprechend erweitert.

Zerstörung pur. Nur Zerstörung. Lebhaft kann ich mich eigentlich, um zurück zum Spiel zu kommen, nur an die Großchance Asamoahs erinnern, bei der Schäfer seinem Vertreter im Tor zeigte, wie man Eins gegen Eins spielt. Lange stehen bleiben, noch länger stehen bleiben, der bereits deutlich verunsicherte Stürmer entscheidet sich endlich vorbeizuziehen, zu Boden gehen, Hände für den Schiedsrichter deutlich sichtbar auf den Boden, um eine Schwalbe zu verunmöglichen – und damit hat man dem Verteidiger alle Zeit der Welt verschafft um zu klären. Klasse – besser kann man das nicht spielen.

Was bleibt für den neutralen Zuschauer? Zwei Mannschaften, die in der Verfassung beide nichts in der Bundesliga verloren haben. Was bleibt dem Nicht- Neutralen, demjenigen, der, um Muhammad Asad zu paraphrasieren, aus dem Inneren schreibt, aus der Position brennender Liebe zu dem Verein und seiner Geschichte? Wenn man den ganz großen Bogen spannen will: der ungemütliche Gedanke, dass man da gerade das Aufeinandertreffen zweier ganz mieser Mannschaften gesehen hat, bei dem man K(r)ampf als Leidenschaft, Unsportlichkeit als Emotion und Unfähigkeit als taktische Mittel verkaufte. Dank an den Schiri, der uns alle mit dem Schlusspfiff erlöste, wonach sich Trainer Büskens nicht entblödete und mit seinem Veitstanz inklusive Präsentation der Armbanduhr den Nachmittag vollends zur Schmierenkomödie verkommen ließ. Aber vielleicht wären die verlorenen 40 Sekunden ja als die besten aller Fußballgeschichte in dieselbe eingegangen, wer kann das schon wissen.

Noch einmal: was bleibt dem Nicht-Neutralen, dem Clubberer? Wohl die Hoffnung, dass man den Tiefpunkt gesehen hat, denn von da an muss es ja per definitionem wieder aufwärts gehen. Bei Gelegenheit und mit nüchternem Verstand mag man sich darob dann doch sorgen, dass das Wesentliche der Nürnberger Arbeit der letzten Jahre schon seit einiger Zeit offenbar nicht mehr zutrifft. Es gelingt derzeit nicht, Spieler besser zu machen. Im Gegenteil.

Milde Noten

Von Alexander und Stefan

Eine große Frage stand nach Schlußpfiff Alexander und Stefan im Gesicht: Wie sollte man das jetzt individuell bewerten? Wie bewertet man die Leistung von Spielern, die augenscheinlich alles reingeworfen haben und denen Bemühen kaum abzusprechen war, die dabei aber eben vollkommen zu vergessen haben schienen, dass das Ziel des Spiels nicht ist, dem anderen den Ball triumpfierend abzunehmen und sich dann mit Beifall zu setzen. Leider gibt es im Fußball eben nicht wie im American Football eine Offense und eine Defense, sondern die anwesenden Spieler sind in Personalunion dafür verantwortlich nicht nur den Ball zu erobern, sondern dieses runde Mobbelding dann auch in Richtung des weißen Kasten des Gegners zu bugsieren und idealerweise im dafür zweckmäßigerweise angebrachten Netz zu versenken. So weit die Theorie. Die Praxis sah man dann auf beiden Seiten im Derby.
Also wenigstens Lob für das Bemühen? So lobenswert war das ja aber nicht mal: Unter 100 km Laufleistung zeigte die Tracking-Messung des FCN, kaum mehr bei den Fürthern – wahrlich kein berauschender Wert (um 115 km war der Regelwert dieses Spieltags). Lob kann es also nur für die geben, deren Hauptaufgabe das Tore-verhindern ist, auch wenn die Abstriche dann beim „Umkehrspiel“ erfolgen müssen. Dennoch musste man die Milde walten lassen: Immerhin war es trotzdem ein Auswärtsspiel und man spielte lange in Unterzahl, auch wenn man kaum glauben mag, dass es sonst groß anders gelaufen wäre – nach den Eindrücken der Minuten bis zum Platzverweis.
Lange Rede, milde Note (mit kurzer Begründung) – über die Einschätzungen darf man dann wieder trefflich diskutieren.

Raphael Schäfer 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Viel gab es ja nicht zu tun. In der 1gegen1-Situation perfekt. Bemerkenswert ruhig nach Spuckattacke.
Timm Klose Ohne Bewertung
Wenn wir Klose nicht hätten, sähe es zappenduster aus. Im Verbund mit Nilsson derzeit eine Bank. Versuchte sich auch im Vorstoß.
Javier Horacio Pinola Ohne Bewertung
Sein katastrophaler Fehlpass hätte beinahe das Spiel entschieden. Pinola wirkt noch immer wie ein Schatten seiner Selbst.
Per Nilsson Per Nilsson Ohne Bewertung
Was für Klose gilt, gilt auch für Nilsson. Die Innenverteidigung schien das Sorgenkind zu sein, ist derzeit aber die Lebensversicherung. Solange beide fit bleiben ...
Timothy Chandler Ohne Bewertung
Man spürt ihm an, dass er will - zur Not sich selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen. Aber es fehlt noch ein Stück.
Hanno Balitsch Ohne Bewertung
Saß etwas überraschend auf der Bank, kam dann um in Unterzahl die Defensive zu stabilisieren, verlor aber 9 seiner 14 Zweikämpfe. Nach vorne keine Impulse.
Marvin Plattenhardt Ohne Bewertung
Kam überraschend für Kiyo, sorgte dafür, dass die Pinola-Seite stabiler wurde und war mit 2 Torschüssen \"torhungrigster\" Clubspieler. Schien Fußball spielen zu wollen - wenigstens einer.
Timmy Simons 5 Notenpunkte (4 numerisch: 4)
Das Offensivspiel unterbindet er effizient, leider manchmal auch das eigene. Trotzdem unentbehrlich.
Mike Frantz Ohne Bewertung
Sicher ist Mike ein untadeliger Läufer und Kämpfer, aber zumindest in dem Spiel gegen einen limitierten Gegner ließ er erkennen, dass er selbst auch nicht viel mehr anbieten kann.
Markus Feulner 2 Notenpunkte (5 numerisch: 5)
Er wollte seine Chance nutzen und wirkte von Anbeginn an überdreht. Mit einer kleinen Provokation kam er noch durch, mit der großen Grätsche ging er und schadete so mehr als er nützte. Bedauerlich
Hiroshi Kiyotake Ohne Bewertung
Gerade gegen so einen schwachen Gegner muss da mehr von so einem Techniker kommen. Auch seine Standards diesmal vollkommen harmlos und leicht zu verteidigen.
Almog Cohen 5 Notenpunkte (4 numerisch: 4)
Warum Cohen den verletzten Simons ersetzte, obwohl man da schon wieder 10 gegen 10 spielte, bleibt rätselhaft. Brachte das Remis mit über die Zeit.
Alexander Esswein 2 Notenpunkte (5 numerisch: 5)
Man hatte sich so viel von ihm erwartet. Nun langsam verliert man die Hoffnung. Eine einzige Enttäuschung. War die erste Option für den taktischen Wechsel nach Rot.
Sebastian Polter Ohne Bewertung
Er ist auffälliger als Peki, was aber nur bedingt was mit Sport zu tun hat. Ließ sich provozieren und war gern mitten dabei. Ohne Torschuß, 2 Flanken, zu wenig.

4 Gedanken zu „Purer Dreck (und milde Note)

    • Alexander | Clubfans United, für einen Außenstehenden wars ja auch mit Sicherheit grausam. Als Fan kann man zumindest eine Befriedigung darin finden, dagegengehalten, sich nicht provozieren lassen und auch nicht in Unterzahl besiegen lassen zu haben. Die Einstellung hat wenigstens gestimmt, das war die Minimalforderung. Deswegen von mir auch ein Bassd scho, weil unter dieser Intensität eigentlich gar kein Spielfluss aufkommen konnte.

      Unsere IV hätte ich mit glatten 2 ern bewertet und Schäfer war tadellos, klasse, wie er Asamoah abgekocht hat. Leistungs- und Präsenzmäßig als Kapitän sehr besonnen in dieser Hektik. Dafür von mir auch ne halbe Note besser. Gleiches gilt übrigens für Pino, der in diesem hitzigen Spiel sogar eine tolle Führungsrolle übernommen hat uns so manches Rudel zu schlichten versucht hat. Ausgerechnet unser Heißsporn Pino…! Ich finde, das sollte man auch mal lobend erwähnen, wenn auch sein Katastrophen-Pass den sonst guten Eindruck als Spielerpersönlichkeit fast zunichte gemacht hat.

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  • Die Kicker-6 ist völlig berechtigt, weil das war kein Fussball-„Spiel“. Aber wo ich jetzt den Kommentar vom unverbesserlichen Optimisten lese fällt mir wieder ein, wie beeindruckend es war, wie unaufgeregt-sachlich Pino das Ding runtergespielt hat, trotz seines herrlichen Passes in den freien Lauf… Da haben sich zwei völlig übermotivierte Teams halt volle Kanne neutralisiert.
    Hoffe nur, dass die Spotzerei ein Nachspiel hat, weil des war Pfui!

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  • Eines mal gleich vorweg, auch bei mir hat sich weder während noch nach dem Spiel Begeisterung eingestellt ob der Leistung der beiden und insbesondere unserer Mannschaft! Wenn ich aber ehrlich bin hatte ich so etwas zumindest befürchtet, wenn auch mit der Überzeugung, dass wir das Spiel gewinnen werden.
    Allerdings sehe ich das Ganze bei Weitem nicht so dramatisch wie die Meisten hier und vor Allem in den Kommentaren zu „Overpaced im Derby-Krampf“.

    Ich für meinen Teil hatte das Gefühl, dass unser Club ab der 20. Minute dabei war das Ding langsam aber sicher unter Kontrolle zu bekommen. Dass dann Feulner diese Grätsche auspackt, wohlgemerkt aufgrund eines eigenen technischen Fehlers, fällt wohl in die Kategorie übermotiviert und blöd gelaufen.

    Und damit sind wir schon beim Trainer. Täusche ich mich oder hatte sich in den letzten Jahren auch unter Uns hier ein gewisser Stolz breit gemacht, dass man beim Club mittlerweile nicht sofort mit den gewohnten Automatismen des Profi-Fussballs auf größere und kleinere Krisen reagiert hat!? Bei mir zumindest war und ist das so! Und jetzt wird der Trainer immer öfter zur Diskussion gestellt. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich hätte nach der roten Karte anders gewechselt. Ich hätte Balitsch gebracht, allerdings für Polter und hätte Frantz oder Esswein zentraler spielen lassen. Aber ich denke Hecking hat sich bei dem Wechsel was gedacht und sein Fachwissen dürfte Meinem dann doch ein wenig überlegen sein. 😉
    Auch wurde die Einwechslung von Platte oft kritisiert. Aber ich denke Hecking hat das gemacht weil Platte ein Defensiver mit unbestrittenen Offensivqualitäten ist. Er hat also damit mit einem Spieler abgesichert der durchaus auch in der Lage ist Akzente nach Vorne zu setzen. Und er hat ihn ja auch für Kiyo gebracht und ich denke da spielte auch ein Rolle, dass die Standards von Platte in der Vergangenheit auch nicht von schlechten Eltern waren.

    Desweiteren kommen mir insgesamt in den letzten Wochen einige Spieler einfach zu schlecht weg. Ich will dafür nur zwei Beispiele nennen.

    1. Mike Frantz:

    „Sicher ist Mike ein untadeliger Läufer und Kämpfer, aber zumindest in dem Spiel gegen einen limitierten Gegner ließ er erkennen, dass er selbst auch nicht viel mehr anbieten kann.“

    Ich finde damit tut man ihm unrecht. Denn wir alle kennen den Mike Frantz vor seinen vielen doofen Verletzungen und ich sage, dass man mit diesem Wissen diese Aussage nicht so stehen lassen kann. Für mich ist er auf dem Weg zu alter Form und wird von Spiel zu Spiel besser.

    2. Pino

    Klar, sein Rückpass war eine mittlere Katastrophe, mittlere weil kein Gegentor ;-), aber ansonsten war er doch stabil und hat mindestens einmal im Fallen gegen Prib gerettet als der so gut wie durch war.
    Und auch in den letzten Spielen kam er mir durchweg zu schlecht weg!

    Ich hab diese beiden Spieler bewusst gwählt denn Beide sind welche von der Sorte die sich zu 100% mit diesem unserem Verein indentifizieren und immer vollen Einsatz bringen. Dass das nicht immer eine gute Leistung garantiert dürfte jedem klar sein der diesen oder einen anderen Mannschaftssport schonmal selbst betrieben hat.

    Ich will weder der Mannschaft, noch der sportlichen Leitung und auch nicht dem Trainer hier einen „Persilschein“ ausstellen! Aber ich habe das Vertrauen, dass die Mannschaft noch vor Weihnachten die Kurve kriegt und Trainer und sportliche Leitung die dazu erforderlichen richtigen Entscheidungen treffen!

    So, das soll mal reichen und am Mittwoch hauen wir Hoffenheim weg!!!

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