Schön blöd

Schön blöd is‘ auch schön.

Pflegte einer unserer Mathematiklehrer zu sagen, wenn wir nicht kapiert haben, was er an der Tafel vorrechnete. Dieser Satz, der der Pädagogenschaft von heute eine saftige Portion Schaum vor die den neuesten Erkenntnissen der Psychologie gehorchenden Mundwerke treten lässt, fiel mir ein, als sich Gebhart nach feinem Doppelpass mit Kiyotake frei vor dem Leverkusener Tor blöd anstellte und – wie schon zwei Wochen vorher gegen Bayern München (klick) – Anschauungsunterricht in dem Fach erteilte, das da lautet: „Wie bringe ich mich selbst um den Lohn meiner Arbeit und das möglichst effektiv?“

Als dann später in der zweiten Halbzeit – es stand mittlerweile 1:0 für Leverkusen (wer seine Chancen nicht nutzt…) – Frantz nach glänzender Vorarbeit von Gebhart das 1:1 verweigerte, hätte dieser Lehrer, unter dessen Fittichen ich mich in Mathematik von einer Vier auf eine Zwei verbesserte, wahrscheinlich

Religion eins, Mathematik fünf

gesagt. Wobei er das Wort Religion als Reljoon aussprach. Was hier nichts zur Sache tut. Im Gegensatz zur arithmetischen Schieflage, in die eine Mannschaft in der Tabelle gerät, wenn sie zu blöd ist, ihre Torchancen, so schön diese auch herausgespielt sein mögen, in Zählbares umzumünzen. Wenngleich…

…es ja schon einen Fortschritt darstellt, wenn der 1. FC Nürnberg ein Spiel verliert, weil er ein Depp ist, und nicht deshalb, weil er einfach keine (Tor-)Chance hatte. Der Auftritt unserer Mannschaft beim Tabellenzweiten war in dem, was man Fußballspielen nennt, deutlich besser als bei den Grottenkicks gegen Augsburg (klick), Mainz (klick) und Fürth (klick). Hätte sie ins Tor getroffen und einen Punkt aus Leverkusen mitgenommen, hätte sie sich ein Lob verdient. Gleiches gilt für Gebhart, der in einigen Szenen demonstrierte, dass er tricksen kann und der Ball nicht sein Feind ist (Religion eins, na ja, sagen wir zwei…), aber eben auch nachwies, dass der Unterschied zwischen schön gespielt und gut gespielt darin liegt, das Spielgerät halt auch mal ins Tor zu befördern (Mathematik fünf…). Aufsteigende Tendenz sehe ich auch bei Frantz, was allerdings nicht für seine Zielgenauigkeit im Abschluss gilt (blöderweise…). Zu bemängeln ist, dass die Verstärkung der Offensive durch die Einwechslung von Pekhart, Mak und Esswein (für Polter, Balitsch und Frantz) ohne spürbare Wirkung blieb.

Dass Polter nach präziser Flanke von Chandler (der kann’s also doch noch) nur die Unterkante der Latte traf (30. Minute), war Pech. Und dass Leverkusens Treffer zum 1:0 (37. Minute) nicht die Anerkennung verweigert wurde, war und ist eine Unverschämtheit. Das war klares Abseits. Ganz klares Abseits! Das hätte der zuständige Schiedsrichterassistent sehen müssen! Ein Schiedsrichterassistent, der das nicht sieht, gehört zum Augenarzt und nicht an die Seitenlinie eines Fußballfelds.

„Unverdiente Niederlage“, beklagte sich Hannes (klick) am samstagabendlichen Tresen und Alfred (klick) sagte: „Bleed gloffm firn Glubb, bleed gloffm, obba wenni maine Schongsn nedd mach, binni selba schuld aa…“

„Der Club hätte heute mindestens ein Tor verdient gehabt“, sagte Hannes.

„Mindesdns a Door vadiend ghobbd. Soo a Gwaaf wenni heer! A Door hobbi ma vadiend, wennis gschossn hobb. Wenni zu bleed bi, maine Schongsn zu machng, hobbi ma aa ka Door vadiend. Doo nidsd mas aa nedd, wenni sundsd nedd schlechd gschbilld hobb. Da Glubb brauchd zu vill Schongsn. Des hodd ma aa om Middwoch geecha Hoffmhaim gsääng. Gehd auf ka Kuhhaud, woss die doo vasiebd homm. Wenns doo bleed läffd, gwinna sa des Schbill aa nedd, und dann häddn sa bleed aus da Wäsch gschaud. Schee bleed häddn sa dann gschaud…“

„Schön blöd iss auch schön“, sagte ich und nahm einen Schluck aus dem Glas und Alfred sagte: „A Gwaaf machd ihr haid widda. Laaba nedd soo bleed doheer, gibb ma lieba a Zigareddn“, und ich gab Alfred eine Blend 29 und sagte: „Reljoon eins, Mathematik fünf.“

[Zu den Spielen: FCN – Hoffenheim: klick; Leverkusen – FCN: klick, klick, klick.]

26 Gedanken zu „Schön blöd

  • “Der Club hätte heute mindestens ein Tor verdient gehabt”

    Nö, da bin ich bei Alfred. Aber einen Punkt, den hatten sie verdient und den darf sich der Schiri ans Revers heften.

    0

    0
  • Das is a alde Haggn! Wären die beiden Grosschancen reingegangen, hätte der Glubb „toll gespielt und verdient…blabla“. So is halt alles net sooo tolll gewesen. Andersrum wars gegen Wolfsburg: Macht Gebhart das Kopfballtor nicht, jammert alles über den müden 0:0-Kick!? Aber, Gebhart is ja noch bei der Eingewöhnung, der kann ja noch dazulernen (im Gegensatz zu einem Pinola ;)!)

    0

    0
    • Bomber Manolo:

      Das is a alde Haggn! Wären die beiden Grosschancen reingegangen, hätte der Glubb “toll gespielt und verdient…blabla”.

      Gar kein Blabla!

      „Großchancen“ „gehen“ nicht zufällig mal „rein“ und mal nicht. Großchancen gehen rein, wenn der Ball gut geschossen ist. Und sie gehen nicht rein, wenn der Ball nicht gut geschossen ist. Tore fallen nicht vom Himmel, sie werden ERZIELT und genau das will gekonnt sein. Eine Mannschaft, die Großchancen versiebt, kann gar nicht „toll“ gespielt haben, weil sie das, was das Ziel des Fußballspielens ist, nicht beherrscht: Tore schießen.

      Für „Themaverfehlung“ gibt’s keine gute Note.

      0

      0
      • belschanov: “Großchancen” “gehen” nicht zufällig mal “rein” und mal nicht. Großchancen gehen rein, wenn der Ball gut geschossen ist. Und sie gehen nicht rein, wenn der Ball nicht gut geschossen ist. Tore fallen nicht vom Himmel, sie werden ERZIELT und genau das will gekonnt sein. Eine Mannschaft, die Großchancen versiebt, kann gar nicht “toll” gespielt haben, weil sie das, was das Ziel des Fußballspielens ist, nicht beherrscht: Tore schießen.

        Bayern München ist übrigens die Mannschaft, die mit Abstand die meisten Großchancen der Liga vergibt.

        0

        0
        • Alexander | Clubfans United:

          Bayern München ist übrigens die Mannschaft, die mit Abstand die meisten Großchancen der Liga vergibt.

          Die Bayern können sich offenbar alles „leisten“. (Sag‘ ich mal, weil mir nichts Besseres dazu einfällt…)

          0

          0
          • belschanov: Die Bayern können sich offenbar alles “leisten”. (Sag’ ich mal, weil mir nichts Besseres dazu einfällt…)

            Je mehr Chancen man hat, desto mehr Tore macht man in aller Regel auch. Da die Bayern die absoluten Chancenkönige sind, ist es wirklich so, dass sie es sich leisten können, nicht aus jeder Chance etwas zu erzielen. Prozentual kommt dann vielleicht die schlechteste Verwertung heraus, vom Punktekonto…

            Die Chancenstatistik beim Clubspiel:
            Leverkusen: 10 (bei 18 Schüssen)
            Nürnberg: 3 (bei 6 Schüssen)
            (Quelle „Wahre Tabelle“; der „Kicker“ wird es morgen ähnlich vermelden).

            Nüchtern betrachtet waren es zu wenig Chancen der Clubberer für ein Tor.
            Empfunden haben wir fast alle aber drei Dinge:

            1. Sie SPIELEN (gut/schön), haben Chancen, machen sie aber nicht rein.
            2. Was wäre wohl passiert, wenn der Winkemann an der Seitenlinie nicht so starke Konzentrationsprobleme gehabt hätte?
            3. Ein Punkt wäre verdient gewesen!

            Die Konsequenz für das Spiel gegen Düsseldorf: Es braucht NOCH mehr Chancen, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit Tore ERZIELEN!

            Wir laufen nämlich allesamt Gefahr (selektive Wahrnehmung), dass wir mit Hilfe des Ärgers über das Schiri-Gespann übersehen, dass die Leverkusener in den ersten Minuten bereits so viele Chancen hatten, wie wir im ganzen Spiel! Und unsere Freude darüber, dass wir uns auf „Augenhöhe“ zu Leverkusen präsentiert haben, was die Spielkultur angeht, spielt uns obendrein noch einen Streich in der Wahrnehmung der Chancenverhältnisse. Die Leverkusener hatten in der Summe (nicht nur die letzten 10 Minuten) durchaus einige, auf alle Fälle gleichwertige. Die Statistik meint: Sogar deutlich mehr!

            0

            0
  • Also nicht, dass ich mich nicht auch über die Fehlentscheidung aufreg. Aber: Im Standbild ist es zwar deutlich sichtbar, aber weiterhin knapp, dazu gehen die bewegungen genau entgegengesetzt. das kann man, wie ich finde, nicht „sehen müssen“

    0

    0
    • Soeren:

      Also nicht, dass ich mich nicht auch über die Fehlentscheidung aufreg. Aber: Im Standbild ist es zwar deutlich sichtbar, aber weiterhin knapp, dazu gehen die bewegungen genau entgegengesetzt. das kann man, wie ich finde, nicht “sehen müssen”

      Ein Schiedsrichter, der den 1. FC Nürnberg durch eine Fehlentscheidung benachteiligt, ist eine Pfeife. Und ein Linienrichter, der Selbiges tut, ist ein Fahnenheini.

      Das war immer so, das ist so und das wird immer so sein!

      0

      0
      • belschanov: Ein Schiedsrichter, der den 1. FC Nürnberg durch eine Fehlentscheidung benachteiligt, ist eine Pfeife. Und ein Linienrichter, der Selbiges tut, ist ein Fahnenheini.

        Das war immer so, das ist so und das wird immer so sein!

        😀 Yes!

        Was mich an der ganzen Sache aufregt ist, dass die Linienrichter sehr oft minimale Abseitsstellungen von ein paar Zentimetern erkennen aber wenn Kießling einen guten Meter im Abseits steht erkennen sie es nicht.

        0

        0
  • @ belschanov: Nunja, ich weiß schon was Du meinst, aber jeder der selbst gespielt hat, der weiß dass er einmal glücklicher abschließt und einmal nicht. Bestes Beispiel: Robert Vittek! Es gab eine Phase, da hat er geknipst, dass jeder „Angst“ hatte, er würde bald bei Real spielen. Kurz danach, war er wieder genauso „unglücklich“ vor dem Tor wie zuvor, sodass es nur zu Real Pegnitzgrund reichte.
    Aber schon klar, man kann sich diese Abschlüsse auch erzwingen, also geb ich Dir ja schon recht! 🙂

    0

    0
  • belschanov,

    Recht so! A schöne Gschicht, gar ned blöd!
    Mein Mathe-Lehrer hat bei allen möglichen und unmöglichen Situationen immer gesagt „bdfh“ (blöddummfaulhässlich). Diese Zeiten scheinen für den Club ja immerhin erstmal halbwegs überstanden zu sein.
    Übrigens ist ihm vor ein paar Jahren sein Haus abgebrannt – mit Eckes ist er aber weder verwandt noch verschwägert.

    0

    0
  • Scheinbar ist Gerechtigkeit im Fußball eine Mischkalkulation, den sehr viel Gerechtigkeit erfahren haben die Fürther SchiedsrichterimRudelManipulierer, indem sie weitere 0 Punkte zuhause eingefahren haben. Vielleicht sollten es die Fürther statt mit (Ein-)reden mal mit Fußballspielen versuchen. Wäre doch einen Versuch wert

    0

    0
  • OT: Babbel entlassen. GOTT SEI DANK ERST JETZT! Wäre interessant zu erfahren, ob er das Tattoo schon gestochen hat…

    0

    0
  • Wenns mit dem Chancen verwerten so einfach wäre, könnten die Wettbüros die Läden dicht machen.

    0

    0
  • Was ich dann wieder seltsam finde (selektive Wahrnehmung?), ist dass ein Weidenfeller mit 4 gehaltenen Torschüssen über den grünen Klee gelobt wird, einschließlich Berufung in die Kicker-Mannschaft des Tages, aber Schäfer mit deren 7 (!) nicht einmal eine glatte 2 als Note bekommt, zumal bei den 7 Paraden auch ein paar herausragende dabei waren und das Tor absolut unhaltbar war. Wahrscheinlich haben die eigenen „Fans“ ihn einfach zu oft schlechtgeredet.

    0

    0
    • Optimist,

      Jetzt aber mal die Kirche im Dorf lassen. Auf der Linie stark aber bei hohen Bällen oder Eckbällen unsicher wie immer. Deshalb kriegt er auch zurecht keine „2“.

      0

      0
  • Angeblich gleicht sich das ja über die Zeit weg aus: Einmal benachteiligt, dann bevorteilt, dann wieder benachteiligt usw.ff.

    Nur:
    Wie oft wurden wir denn mal bevorteilt? Ich kann mich da an keine einzige Szene erinnern. Ihr vielleicht?

    Im Gegenteil: Der letzte Abstieg hätte durch die eine oder andere gerechtfertigte Elfmeterentscheidung durchaus verhindert werden müssen, nicht „können“.

    Im Spiel gegen Leverkusen – das was der Stream hergab – gab es einige Szenen die im Zweifel für Leverkusen gegeben wurden:
    – Foul an Schäfer im 5m Raum (auch ein Klassiker, gegen St. Pauli das 3:2 oder auch mal gegen Gladbach ein 1:0, brachte uns das je eine Niederlage ein)
    – Eckball- und Einwurfentscheidungen: Da gab es einen Kopfball von Kießling, der ins Aus ging und die meisten Vizekusener drehten bereits zur Mittellinie ab. Irrtum: Schiri gab Ecke für die Pillendreher.

    Hmm, vielleicht kommen aber nach 20 Jahren Benachteiligung ja ab 2013 dann 20 Jahre Bevorteilung hinzu?
    Zeit wäre es dafür ja schon. Das ist überfällig. Längstens.

    Immerhin bemerkenswert fand ich das Zitat von Lewandoswki:
    „Wir haben 90 Minuten gemerkt, wie unangenehm Nürnberg spielt, aber wir können nun als einzige der Top 3 für uns reklamieren, sie geschlagen zu haben.“ Das war das Einzige, das mir am Wochenende Freude als Glubbfan bereitet hat.

    0

    0
    • Woschdsubbn,

      Es wäre doch mal interessant, wenn all das, was gefühlsmäßig viele Fans wahrnehmen, mal wissenschaftlich untersucht würde.
      Ich wüßte wirklich gern, ob Schiedsrichterentscheidungen und – fehlentscheidungen einen statistisch relevanten Unterschied bei verschiedenen Vereinen bzw. Spielern aufweisen, ob das entscheidende AUswirkungen auf die Tabelle hat (v.a. im Bereich europäische und Abstiegsplätze), wie unterschiedlich die Schiedsrichterleistungen wirklich sind und ob daraus abgeleitet die Einführung eines Videobeweises bei spielrelevanten Entscheidungen sinnvoll wäre.
      Die Verantwortlichen meinen ja, daß ein Videobeweis die Stimmung im Stadion gefährden würde, aber vielleicht würde er auch helfen frustrationsbedingte Aggressionen sowohl bei Spielern als auch bei Fans zu reduzieren. Dann wäre das im Endeffekt vielleicht eine wirklungsvollere Strategie die Gewalt in Stadion zu verhindern als all diese Reglementierungen, mit denen momentan versucht wird, Gewalt zu reduzieren.

      0

      0
  • Klassiker, gegen St. Pauli das 3:2 oder auch mal gegen Gladbach ein 1:0, brachte uns das je eine Niederlage ein)

    Es war das 2:1 gegen Gladbach. Klares Foul an Schäfer, ich saß genau auf der Höhe, und die Gladbacher drumherum haben es genauso gesehen. Trotzdem glaube ich, dass sich das alles irgendwie ausgleicht. Wir hatten bestimmt auch schon viel Dusel gehabt, müsste man mal die Gegner fragen…was Beate sagt, finde ich sehr interessant, wäre bestimmt auch ein Thema für eine Doktorarbeit. An alle Studenten, ran an die Arbeit!

    0

    0
  • Klassiker, gegen St. Pauli das 3:2 oder auch mal gegen Gladbach ein 1:0, brachte uns das je eine Niederlage ein)

    Es war das 2:1 gegen Gladbach. Klares Foul an Schäfer, ich saß genau auf der Höhe, und die Gladbacher drumherum haben es genauso gesehen. Trotzdem glaube ich, dass sich das alles irgendwie ausgleicht. Wir hatten bestimmt auch schon viel Dusel gehabt, müsste man mal die Gegner fragen…was Beate sagt, finde ich sehr interessant, wäre bestimmt auch ein Thema für eine Doktorarbeit. An alle Studenten, ran an die Arbeit!

    0

    0

Kommentare sind geschlossen.