Von Mützen, Handschuhen und langen Hosen

Dass Heiner Stuhlfauth in den 1920er Jahren seinen Dienst im Gehäuse des 1. FC Nürnberg mit einer Mütze auf dem Kopf versah, die aus heutiger Sicht eher an einen Bierkutscher als an einem Torwart erinnert (klick und klick), ist hinlänglich bekannt. Weniger bekannt sein dürfte, dass Edi Schaffer, Stuhlfauths nicht ganz so, aber durchaus auch legendärer “Nachfahre” in der Ära nach 1945 (klick), das FCN-Tor mit Handschuhen hütete, bei denen man sich unwillkürlich fragt: “Trug er die auf Platz auch, wenn es nicht Winter war?”

Wie ich zu dieser Frage komme?

Nun – weil ich diese (Fußball?-)Utensilien gesehen habe. In einer Vitrine des FCN-Museums (klick). Dort sind Schaffers Handschuhe ausgestellt – ebenso wie Stuhlfauths Mütze (versteht sich). Edis Handschuhe sehen aus, als hätte sie ihm jemand (Oma? Mutter? Gattin? Verlobte?) zu Weihnachten geschenkt. Noppenlos und ungriffig aus Wolle gefertigt liegen sie im Schrein: Selbstgestricktes für kalte Tage.

Kalt war es auch gestern beim ersten unter der Aufsicht von Michael Wiesinger absolvierten Training der Profi-Mannschaft des 1. FC Nürnberg, das ich mir vor dem Besuch des Club-Museums zusammen mit meinem Neffen Simon (im Foto rechts neben Kiyotake) und dessen gleichnamigem Freund (links) angesehen habe. Außer Balitsch, Mendler, Polter, Chandler, Korzcowski und – allerdings nicht eindeutig erkennbar – Ngankam trugen sämtliche Spieler lange Beinkleider in Form von Trainings- oder Strumpfhosen.

Ein Magath scheint Wiesinger also nicht zu sein (klick)…

Und wohl auch kein Napoleon (klick).

Obwohl – ein bisschen napoleonesk war sein Auftritt schon. Beim Spiel elf gegen elf (auf verkürztem Spielfeld) stand Wiesinger schweigend am Spielfeldrand, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Das Spiel leitete Armin Reutershahn als Unparteiischer.

Der Feldherr und sein General. Fällt mir gerade so ein (wohl um der Pointe willen…).

Das Trainingsspiel endete übrigens 1:1. Das 1:0 erzielte Mak für die Mannschaft, die so formiert war:

 SCHÄFER

MENDLER       NILSSON       KLOSE       PLATTENHARDT

SIMONS

MAK        GEBHART        FRANTZ        KLEMENT

POLTER

Den Ausgleich besorgte Feulner für die Mannschaft, die mit gelben Leibchen und in dieser Aufstellung spielte:

RAKOVSKI

CHANDLER       ANTONIO       KORCZOWSKI       PINOLA

BALITSCH

NGANKAM        FEULNER        KIYOTAKE        ESSWEIN

PEKHART

Beide Tore fielen nach der Trinkpause, nach der ein Torwart, dessen Namen ich nicht kenne, Schäfer ersetzte, der fortan ein Spezialtraining absolvierte.

Mak trug als einziger Spieler eine Kopfbedeckung: Wollmütze. Ich hätte ihn beinahe nicht erkannt (klick).

Die naheliegende Frage, welche (Feld-)Spieler Handschuhe anhatten, muss offen bleiben. Ich habe nicht darauf geachtet. Und das, obwohl ich meine beiden Begleiter vor der Abfahrt ausdrücklich darauf hingewiesen habe, Handschuhe und Schal mitzunehmen…

12 Gedanken zu „Von Mützen, Handschuhen und langen Hosen

  • Interessant, danke für diese Eindrücke.
    Über Schäfer´s Spezialtraining mach ich mir ein wenig Gedanken, hoffe aber, daß das nichts zu bedeuten hat in Richtung Verletzung?
    Und Wiesinger wird heute mit zwei Fingern im Mund abgebildet in der Bild mit der Aussage ab jetzt tanzen alle nach seinen Pfiffen. Also ganz so inaktiv scheint er nicht gewesen zu sein?
    Beim Vergleich mit Napoleon krieg ich erstmal Hoffnung für die Anfangsphase. Und erwarte, daß ihn jemand von einem “Rußlandfeldzug” abhält am Höhepunkt seines Erfolgs.

    • Beate60: Beim Vergleich mit Napoleon krieg ich erstmal Hoffnung für die Anfangsphase. Und erwarte, daß ihn jemand von einem “Rußlandfeldzug” abhält am Höhepunkt seines Erfolgs.

      nun ja, wenn es mal wieder gegen Zenit geht, hätte ich nichts einzuwenden 😉

  • Der Torwart der für Schäfer kam, dürfte Benjamin Uphoff von der U23 gewesen sein.
    Er ist wegen des Ausfalls von Alexander Stephan momentan unsere Nr.3 im Tor.

  • Höchst interessante Passage im aktuellen NN-Artikel. Da deutet doch einiges auf ein beginnendes (oder im Gang befindliches) Zerwürfnis mit DH hin. Besonders Balitsch ist erhellend:

    “Seine ehemaligen Profis arbeiteten die Personalie ausgesprochen professionell ab. „Das haben wir so zu akzeptieren“, erklärte etwa Hanno Balitsch trocken, der von Heckings Abschied nach eigenem Bekunden „nicht so überrascht war wie die meisten anderen hier“. Von denen ein paar sogar tief durchgeatmet haben sollen, als sie die Nachricht erfuhren. Twitter- Rebell Robert Mak („Verdammter Trainer“) konterte gleich mit einem sehenswerten Treffer im Eröffnungsspiel, Alexander Esswein wollte in der Rückrunde „sowieso durchstarten, egal unter welchem Trainer“. Und hätte es auch als „nicht schlimm“ empfunden, „wenn Hecking geblieben wäre“. „Es geht weiter, so ist der Fußball“, ergänzte Timmy Simons.”

    Vielleicht wars wirklich besser so, eine Trennung zur rechten Zeit….

  • Interessante Passage zum Thema von kicker online:

    Bader betonte, dass sich das Duo Wiesinger/Reutershahn gegen etliche Konkurrenten durchsetzte. “Darunter waren namhafte Männer aus dem Ausland, ich war selbst ein wenig erstaunt”, wunderte sich Bader gegenüber den “Nürnberger Nachrichten” über die Kandidaten, die sich beim Club ins Gespräch brachten.
    (http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/579808/artikel_wiesinger-peilt-20-punkte-an.html)

    …es darf gemutmaßt werden!

    • Alexander | Clubfans United:
      Apropos Mainz – die verlieren gerade Jan Kirchhoff für lau nach München. In Nürnberg hat man schon wegen Geringerem die Vereinsführung in Frage gestellt …

      Da verstehe ich die Mainzer nicht ganz, denn der Abgang war eigentlich seit langem klar, wenn man sich die Interessentenliste anschaut. Den hätte man im Sommer zu Geld machen müssen, vorallem weil er in Mainz ja nicht mal unumstrittener Stammspieler war.

      Ich kann mir auf der anderen Seite aber auch nicht vorstellen, dass Kirchhoff bei den Bayern glücklich werden wird…

  • Naja im Sommer hat Tuchel noch gesagt, dass Kirchhoff unverkäuflich ist, vielleicht wollte man auch verhindern, dass nach dem Abgang von Schürrle die Mannschaft komplett auseinander gerissen wird? Aber glücklich ist man in Mainz sicher nicht mit der Situation.

    Auf der anderen Seite verstehe ich Kirchhoff nicht, was will der denn bei den Bauern? Hat er nicht aus unzähligen Beispielen von jungen Spielern gelernt, zuletzt Petersen? Zu den Bayern geht man als Toptransfer +10MIO oder man scheitert da. Glaubt er wirklich er kommt an Leuten wie Badstuber und Dante in der IV oder Schweinsteiger, Martinez und/oder Gustavo vorbei? Wenn er schlau gewesen wäre hätte er noch einen Zwischenschritt bei Gladbach oder Dortmund eingelegt, wobei er es beim BVB auch nicht leicht gehabt hätte.

    Aber anscheinend steigt das eigene Ego so enorm bei einem Ruf der Bayern, dass ein Spieler nicht mehr klar denken kann, leider die sogenannten Berater auch nicht. So wird er der nächste talentierte Jungprofi, der in der wichtigsten Entwicklungszeit eine bis zwei Saisons auf der Bank verbringt und dann nie mehr an die Qualität anschließen kann, die man sich mal von ihm erhofft hat.

    Ich bin gespannt ob er noch viele Spiele in der Rückrunde machen wird?

    • Armin: Auf der anderen Seite verstehe ich Kirchhoff nicht, was will der denn bei den Bauern? Hat er nicht aus unzähligen Beispielen von jungen Spielern gelernt, zuletzt Petersen?

      Was soll denn schlimmes für Kirchhoff passieren, alleine von Bayern verpflichtet zu werden ist eine Referenz, die die meisten Bundesligaprofis nie vorweisen können. Und Petersen ist ja nicht gescheitert im Vergleich wo er herkommt zu seinem ursprünglichen Engagement in Cottbus, so ist auch die Leihe nach Bremen, wo er Stamm spielt soweit ich weiß, noch immer ein beachtlicher Karriereschritt. Nachdem man bei so einer schweren Verletzung, wie bei Badstuber nie weiß, wann er wieder zu alter Form findet und van Buyten langsam in Rente geht, hat Kirchhoff bei Bayern in meinen Augen noch bessere Chancen als in Dortmund als dritte Kraft in der Innenverteidigung, bei Boateng weiß man ja ebenso nie, welche Karten er so sammelt. Für mich macht die Verpflichtung aus Bayern sowie aus Kirchhoffs Sicht Sinn.

  • @belschanov: Danke für Deine Trainingseindrücke. Dann hat wohl Adam Hlousek doch noch nicht richtig mittrainiert? Es hatte doch geheißen, dass er nach seinem Kreuzbandriss zum Trainingsauftakt wieder bei der Mannschaft sein würde.

    • Töffi:
      @belschanov: Danke für Deine Trainingseindrücke. Dann hat wohl Adam Hlousek doch noch nicht richtig mittrainiert? Es hatte doch geheißen, dass er nach seinem Kreuzbandriss zum Trainingsauftakt wieder bei der Mannschaft sein würde.

      Die Prognose bezog sich damals auf den Kreuzbandriss. Zwischenzeitlich kam aber noch ein Problem mit der Patellasehne dazu. U.a. deshalb wurde einer möglichen Leihe von Plattenhardt frühzeitig ein Riegel vorgeschoben.

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