Marke „Eckstein“

„Das war Eckstein“, sagte ich und stellte eine Packung gleichnamiger Zigaretten auf den samstagabendlichen Tresen und Alfred (klick) sagte: „Hobb goor nedd gwussd, dasses die Margng nuch gibd. Frieha senn die vill graachd worn. Griechi aane? Raangma aane vo denna?“, und ich sagte: „Nein, Alfred. Von denen wird keine geraucht.“

Ich hatte mir die Packung im Herbst 1988 gekauft, als Dieter Eckstein (klick) völlig überraschend vom Club zu Eintracht Frankfurt wechselte. Ich wollte ein Erinnerungsstück haben. Damals wusste ich ja nicht, dass Eckstein zwei Jahre später wieder zum FCN zurückkehren würde.

„Was war Eckstein?“, fragte der Wirt über den Tresen und ich sagte: „Esswein. Esswein war Eckstein. Mit unwiderstehlichem Antritt dem Gegenspieler davongesprintet, an der Strafraumgrenze satt mit rechts abgezogen und drin das Ding. Ich gebe zu, ich hatte Esswein schon abgeschrieben. Aber was er heute und schon letzte Woche in Augsburg gezeigt hat – alle Achtung.“

„Der Club entwickelt sich mehr und mehr zum Meister der Effizienz (klick)“, sagte Hannes (klick). „Deutlich mehr Ballbesitz für den Gegner. Nur wenige Torchancen für den Club, aber fast maximale Trefferausbeute. Das war in Augsburg genauso.“

„Fast genauso“, sagte ich. „Schalke wusste mit dem Plus an Ballbesitz wesentlich mehr anzufangen als die Augsburger, aber der Club hatte das Glück, dass sich die Schalker vor dem Tor als Meister der Ineffizienz erwiesen. In Augsburg ging die Mauertaktik auf, weil der Gegner nicht die Klasse hatte, den Abwehrriegel zu knacken. Heute ging es gut, weil Schalke, das die Club-Abwehr ein ums andere Mal schwindlig spielte, beim Abschluss kläglich versagte und auch Pech mit Pfostenschüssen hatte.“

„Eigentlich hätte Schalke nach einer halben Stunde mit zwei oder drei Toren führen müssen“, sagte der Wirt, „und auch in der zweiten Halbzeit war Schalke bis zu Essweins 2:0 voll am Drücker…“

„Da gab es überhaupt keine Entlastung für die Abwehr“, sagte ich. „Jeder ‚zweite Ball‘ landete beim Gegner. Dauerdruck. Powerplay fast wie beim Eishockey.“

„… Bei einem normalen Spielverlauf wäre der Club frühzeitig weg vom Fenster gewesen und dann würde niemand von vorbildlicher Effektivität sprechen.“

„Vor dem Tor war der Club gnadenlos effektiv“, beharrte Hannes, „abgezockter Abschluss von Feulner beim 1:0…“

„Gegen den Spielverlauf“, sagte der Wirt.

„…tolles Tor von Esswein…“

„Marke Eckstein“, sagte ich.

„…und vor dem 3:0 sensationeller Pass von Kiyotake und dann tanzt Frantz den Torwart im Stile eines Klassemanns aus.“

„Dess Door häddi aa nuch gmachd. Der woor doch ganz allaa voorm Kibba. Doo gibds fir an Broofi doch goor nix annasch, ols dassa dess Door machd. Kumm Michael, raangma aane vo denna.“

„Nichts da, die Packung bleibt zu“, sagte ich und Hannes sagte: „Weichpackung nach alter Väter Sitte“, und nahm die in sattes Grün verpackten Zigaretten in die Hand und begutachtete die Banderole: „Drei Mark fünfundachzig. Die sind ja uralt. Wahrscheinlich längst vertrocknet.“

„Die komma scho nuch raang. Gloor komma die nuch raang. Fildaloos senn die, fildaloos. Dess senn nuch echde Rachngbudsa.“

„Die werden nicht geraucht“, stellte ich klar und nahm einen Schluck aus dem Bierglas und Hannes legte die Packung auf den Tresen und sagte: „Eigentlich müsste ja statt der fünf eine elf auf der Packung stehen. Eckstein hatte doch immer die elf.“

„Oder die dreiunddreißig“, warf der Wirt ein, „Esswein hat die dreiunddreißig. Hoffen wir, dass er sich auch weiterhin in solch prächtiger Form präsentiert.“

„Gib uns mal drei ‚Eckes-Edelkirsch‘ (klick)“, sagte ich. „Zur Feier des Tages.“

„Iech vadrooch doch kann Schnabbs. Gibbma lieba dess Bäggla midd di Zigareddn. Willsdmas nedd doch geem, Michael? Wennsdsa scho selba nedd raagsd. Wäär doch schood drumm“, sagte Alfred und griff nach den Filterlosen und ich schob die Packung zur Seite und sagte: „Fass da nicht hin!“

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick. Jemand sieht sie Dinge ähnlich: klick.]

18 Gedanken zu „Marke „Eckstein“

  • Eckstein Esswein. Wäre schön, die Geschichte wiederholt sich.

    ________

    Lieber Alfred,
    kauf dir selber ein Päckchen. Die Marke gibt es noch. 😉

    • Teo:

      Lieber Alfred, kauf dir selber ein Päckchen. Die Marke gibt es noch.

      Das mit dem „selber kaufen“ ist bei Alfred nicht ganz so einfach…

  • Da brechen wir doch mal eine Lanz für Frantz. Die Idee, ihn in Verbindung mit einer Umstellung zu bringen war schlichtweg genial. So konnte man Defensivstärke einwechseln, ohne auf die Konterschlagkraft zu verzichten.

    Solche Spieler braucht man, die Kampfkraft und taktische Disziplin mit Offensivgeist paaren. Vielleicht nicht als Stammspieler, aber als Option ganz wichtig.

    Interessantes Modell, mit 2 defensiven Außenstürmern (Frantz, Chandler) zu spielen, mit Esswein als beweglichere Spitze und Kiyo als Ballverteiler. Macht das nicht auch Freiburg so? Kruse ist ja auch kein Stoßstürmer…

    • Optimist,

      Gebe dir zwar in vollem Umfang recht.

      Mir wäre es allerdings noch lieber, wenn dafür Gebhart statt Frantz zur Verfügung stünde…

      Den hätte man wohl doch besser im Januar schon aufgeschnitten, mit der konservativen Behandlungsmethode gehts ja anscheinend auch nach mittlerweile zwei Monaten Pause nicht voran…

      • Scramjet,

        völlige Zustimmung, Gebhart ist da fußballerisch noch eine Klasse besser. Dann hätte das auch Stammformations-Format. Das hätte ich selbst fast noch dazugeschrieben, daher bin ich froh über Deine geistesgleiche Ergänzung 😉

  • Wunderbarer, ja geradezu göttlicher Text – darf man sagen: ecksteinesk!?! Mehr davon!

    • belschanov: Habe bei deinem Kommentar den Gefällt-mir-Button gedrückt.

      Vielen Dank – wäre aber wirklich nicht nötig gewesen.

      Viel wichtiger ist doch, dass die schöne grüne Packung unversehrt bleibt – der Alfred soll was anderes rauchen… zumindest bis zur z…..n. Erst dann würde ich ihm einen kleinen Zug gönnen…

    • Alexander | Clubfans United: Hat eigentlich GüKo sich von belschanov inspirieren lassen?

      Die Vermutung hatte ich Stillen auch, hätte es aber nie auszusprechen, geschweige denn zu schreiben gewagt. Aber jetzt, wo Du es sagst… Und auskennen tut er sich ja schon, der GüKo, und zwar wie kaum einer rund um den CLUB und das in allen Bereichen, d. h. eben auch in der Fan-Landschaft.

  • So wie GüKo es schildert, hatte Ex-Präsident Franz Schäfer bei Essweins Tor den gleichen Gedanken wie ich.

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