Pokal ist nur einmal im Jahr – Noten für das Duisburg-Spiel

„Alle Jahre wieder/
kommt das Erstrundaus/
auf den Valze nieder/
oh! was für ein Graus

Fegt auch ohne Segen/
weg die Euphorie/
zwingt auf allen Wegen/
Clubfans in die Knie

Schlägt mir in die Seite/
fest und voller Wucht/
fühl mich schon wie pleite/
sucht‘ am liebst‘ die Flucht

Sagt den Clubfans allen/
dass ein Depp er ist/
der Verein, der ihn‘ gefallen/
als er spielt‘ kein Mist.“

Da waren es schon drei. Drei Jahre in Folge mit Erstrundenaus. Es war die Abrundung einer abgrundtief schlechten Woche für den FCN, an deren Ende man fragend dasteht und wissen will: „Wo soll das nur enden?“ Die Aufarbeitung dieser Frage obliegt anderen Artikeln. An dieser Stelle der Versuch einer einigermaßen nüchternen Aufarbeitung des Ganzen in Form der Noten:

Spielnote: 4 Notenpunkte (4-, numerisch: 4,33)*

Unansehnliches Gekicke zwischen zwei biederen Mannschaften. Ob Duisburg mehr gekonnt hätte, lässt sich nicht beantworten. Die Zebras verlegen sich aufs Verteidigen. Das mussten sie jedoch eigentlich nicht wirklich beherrschen, denn von Nürnberg kam in 96 Minuten Spiel keine einzige fußballerische Aktion, keine einzige offensive Idee. Allein die Spannung verhindert ein durchaus denkbares „mangelhaft“.

Schiri Dingert: 10 Notenpunkte (2-, numerisch: 2,33)

Keine groben Fehler, manchmal etwas seltsame Zweikampfbewertung. Dennoch souveräne Spielleitung mit Gelben Karten zum richtigen Zeitpunkt. Einzig verwunderlich waren die 5 Minuten Nachspielzeit.

Trainer Ismael: 2 Notenpunkte (5, numerisch: 5,00)

Wirkte zum Teil unbeholfen. Dass Koch und Pachonik nicht in der Startelf standen war nach Fürth zwar nachvollziehbar, die Umstellung auf etwas, das ein 4-4-2 mit Raute sein sollte, im Spiel aber wie ein 4-3-1-2 aussah, erschien völlig planlos. Es war kein spielerischer Ansatz und keine Spielidee erkennbar. Konnte auf den Rückstand nicht reagieren. Die Einwechslungen von Gebhart und Sylvestr wirkten eher wie Verzweiflungstaten.

Die Spieler im Einzelnen

Raphael Schäfer 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Hatte mit einer Ausnahme nichts zu tun. Gegen den freistehenden Janjic rettete er souverän. Vor dem Tor von Stark zu ungenauem Passspiel gezwungen.
Dave Bulthuis 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Körperlich präsent, zweikampfstark. Offensivakzente konnte er allerdings nicht setzen.
Martin Angha 2 Notenpunkte (5 numerisch: 5)
Sollte es besser machen als Pachonik, machte es schlechter. Ließ sich vor der Elfmetersituation den Ball klauen, bestach sonst durch Flanken ins Aus.
Javier Horacio Pinola 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Quasi nicht gefordert. Kam aber seiner Rolle als emotionaler Anführer des Teams zu wenig nach.
Cristian Ramírez 6 Notenpunkte (4+ numerisch: 3.67)
Fehlerbehafteter als in den ersten beiden Saisonspielen, dennoch um Druck nach vorne bemüht, allerdings wenig ertragreich. Viele Fehlpässe bis zur Auswechslung nach 45 Minuten.
Timo Gebhart 6 Notenpunkte (4+ numerisch: 3.67)
Kann alles am Ball, will alles zeigen. Vergisst dabei, dass Fußball kein Einzelsport ist.
Alessandro Schöpf 6 Notenpunkte (4+ numerisch: 3.67)
Wollte das Spiel lenken, es wollte sich aber keiner lenken lassen. Hielt deshalb zu lange den Ball.
Willi Evseev 2 Notenpunkte (5 numerisch: 5)
Hing völlig in der Luft, war fast nicht ins Spiel eingebunden. Wenn doch nahm er sich wieder heraus.
Ondrej Petrak 5 Notenpunkte (4 numerisch: 4)
Wusste wohl selbst nicht genau, welche Position er spielen sollte. Defensiv ordentlich, nach vorne völlig überfordert.
Jürgen Mössmer 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
„Mighty Möss“ war um Stabilität bemüht, gewann einige Defensivkopfbälle, setzte aber keine Akzente nach vorne.
Niklas Stark 2 Notenpunkte (5 numerisch: 5)
Leitete den Elfmeter durch seinen Pass auf unpräzisen Pass auf Schäfer ein. Grätschte dann Janjic um. Der spielentscheidende Fehler. Stand auch bei Janjic‘ Großchance schlecht.
Jakub Sylvestr 5 Notenpunkte (4 numerisch: 4)
Auffälliger als Füllkrug, für den er kam, Dennoch kein Spiel für einen Stürmer wie ihn, der Platz aus der Tiefe benötigt.
Niclas Füllkrug 2 Notenpunkte (5 numerisch: 5)
Fand in seiner neuen Rolle als Stürmer nicht statt. Hatte einen Kopfball nach Freistoß, sonst nichts.
Peniel Mlapa  5 Notenpunkte (4 numerisch: 4)
Laufbereit, aber kaum anspielbar. Macht zu wenig aus seiner technischen Beschlagenheit.

*Das Benoten obliegt mit Beginn der Saison 2014/15 einem, der das beruflich macht. Das heißt nicht, dass es unbedingt besser ist, was da passiert, aber zumindest Übung im Benoten ist vorhanden. Zur besseren Differenzierung wird ab dieser Saison das bayerische Oberstufensystem verwendet, das statt den klassischen Noten Notenpunkte vergibt. Das Maximum sind 15 Notenpunkte, eine Eins Plus, also rechnerisch so etwas wie 0,67. Alle klassischen Notenstufen von Eins bis Fünf haben drei Abstufungen, also Plus, normal und Minus, so ist zum Beispiel die Note Drei aufgeteilt in neun Notenpunkte (+3), acht Notenpunkte (glatte 3) und sieben Notenpunkte (3-). Die einzige Note, die ohne Tendenz – und hoffentlich möglichst selten – vergeben wird, ist die Note 6. Ungenügend ist immer einfach ungenügend. Für eine genaue Auflistung siehe auch Wikipedia.

11 Gedanken zu „Pokal ist nur einmal im Jahr – Noten für das Duisburg-Spiel

  • Über 5 Punkte hat nach einem solchen Spiel keiner verdient.
    Da war kaum Luft nach unten…

  • Hatte mit einer Ausnahme nichts zu tun. Gegen den freistehenden Janjic rettete er souverän. Vor dem Tor von Stark zu ungenauem Passspiel gezwungen.

    1 Notenpunkt, weil:

    er den erwähnten Ball hätte wegdreschen können und daher das Tor auf seine Kappe geht. Er ist 36, Stark ist 19. Er muß die Situation klären, deshalb steht er da drin und nicht Rakovski.

    Den einen Punkt bekommt er trotzdem, weil er halt einmal angeköpft wurde und tatsächlich einmal bei einer Flanke rausgekommen ist und den Ball ungefähr am Elfer weggefaustet hat.

    Mehr als 2 Punkte bekämen von mir ausschließlich Mlapa und Bulthuis.

    Mlapa: Ging mehrfach zurück vor den eigenen 16er und tat da das, was eigentlich 6 andere erledigen sollten.

    Bulthuis: War der einzige, der nicht die Hosen gestrichen voll hatte und sich von tretenden Drittligisten den Schneid hat abkaufen lassen.

    Dingert bekäme von mir allerhöchstens 5 Punkte. Streckenweise erfolgten die Pfiffe gegen Duisburg im 10-Sekundentakt. Das darf so nicht passieren.

    Da bekommt auch Ismael noch einen Abzug. Der Klopp hätte in dem Spiel den Vierten schon zur Halbzeit aufgefressen. Aber in N spricht man ja nicht über Schiedsrichter und gegnerische Fouls. Da läßt man sich von Bayern und Freiburg vorführen und bezeichnet das als Fairplay und Understatement.

    Daß die Niederlage ihre Ursache nicht in der Härte des Gegners oder den vielen Fouls hatte, das steht natürlich absolut außer Frage.

  • Zwei Anmerkungen zur Notengebung, einfach um das Verfahren, nach dem ich benote transparent zu machen.

    Zum einen zum Thema „Da hat keiner mehr als ne XYZ verdient“. Das kann ich als emotionale Reaktion schon nachvollziehen. Das ist aber ungefähr so, wie wenn ich ne Klassenarbeit anschau, querlese, merke da komm ich am Ende bei einem Notendurchschnitt von 4,x raus und vergeb dann nur noch Vierer, egal wie die Einzelleistung ist. Da halt ich, wenn ich einigermaßen objektiv vorgehen will, nichts von. Das ist auch unfair einzelnen gegenüber, die eben nicht so schlecht waren. Aus rein emotionaler Sicht hätte ich für gestern am liebsten nur Fünfer gegeben, eine Art Klassenverweis (der Gott sei Dank ja verboten ist), die einzelnen Leistungen waren aber dann doch unterschiedlich.

    Zum anderen zum Thema: „Stark ist 19, Schäfer ist 35“. Da ist biologisch sicher richtig, beide sind aber Profifußballer. Es ist menschlich einen anderen Standard anzulegen, emotional nachvollziehbar ist es auch. Am Ende muss eine Benotung mE dann doch so erfolgen, dass an einer sachlichen Skala („Anforderungen an einen Zweitligaprofi“) bewertet wird und nicht an einer individellen Skala (Für Schäfer „Anforderungen an einen 35-Jährigen mit über 270 Bundesligaspielen“ und für Stark „Anforderungen an einen 19-Jährigen mit keinen 25 Bundesliga-Spielen“). Für die Schlussfolgerungen, die man zieht, muss man die Leute sicher nach ihrem Alter, ihren Fähigkeiten einschätzen, für eine Benotung mMn nicht. Meine Schüler sind zwischen 16 und 30, kommen von Mittelschule, Realschule und Gymnasium, trotzdem werden die alle nach dem selben Schema bewertet, auch wenn das natürlich nicht immer „fair“ für den einzelnen ist. Anders lässt aber halt sich keine Vergleichbarkeit schaffen.

    Mehr wird danach aber von mir dazu nicht kommen. Die beiden Grundsätze sind für mich auch nicht verhandelbar. Über einzelne Bewertungen (sei es der Schiedsrichter oder einzelne Spieler), lässt sich immer diskutieren, aber die Grundsätze sind mir so wichtig, dass ich davon nicht abweichen werde. Ich bin jetzt dann bis Freitag im Urlaub, den brauch ich auch, einfach mal kein Glubb.

    • Florian Zenger,

      Meine Bewertung Schäfers war nicht ausschließlich der Emotion geschuldet. Ich sehe da auch nicht unbedingt eine Verzerrung des Maßstabes.

      In der Schule ist klar, daß alle im Jahrgang die gleichen Aufgaben gestellt bekommen und daß man bei allen die gleichen Maßstäbe anlegt. Ich hab da beim Club so meine Probleme damit. Schließlich kicken da dank glorreicher Kaderzusammenstellung Spieler mit viel zu unterschiedlichen Voraussetzungen. Das ist quasi eine gemischte Klasse der Jahrgangsstufen 5-12, naja 8-10, denen man wöchentlich die gleiche Prüfung vorlegt.

      Einerseits verstehe ich Dich absolut. Wenn Du in die Klasse willst, dann ist das so, dann schreibst Du mit und kriegst die Note wie alle anderen.

      Andererseits gehört zu Schäfers Aufgaben neben dem Sauberhalten des Kastens eben auch das Einbringen seiner langjährigen Erfahrung und die Führung der Mannschaft. Diese Zusatzaufgabe hat auch ein Pinola, aber ein Stark oder Schöpf hat die nicht.

      Aus den Schulaufgaben meiner Söhne kenne ich, daß es mittlerweile häufig eine Art A-Note und eine B-Note gibt, aus denen dann die Gesamtnote errechnet wird. In Latein kann man sich z.B retten, wenn man die Übersetzung versiebte, dafür aber wusste, wer Caesar den letzten Dolch verpasst hat.

      Dann gebe ich ihm für die Torwartleistung eine 4, weil er eben nichts zu halten hatte, häufig Schwächen im Herauslaufen zeigt und selten den richtigen Mann anspielt.

      Für den Zusatzteil gibt es ein ungenügend, weil er in der einzigen Drucksituation, die er hatte, die falsche Entscheidung getroffen hat.

      Nehmen wir 2:1 Wichtung, dann komme ich auf 4,67. Jetzt hast Du mich natürlich ein Stück doch erwischt ;).

      Wenn ich jetzt noch ganz brav das letzte Bißchen Ärger mit mir selbst herausdiskutiere, dann komme ich irgendwie auch noch auf eine 4 bis 4+. Grummel…

      Genug der Grundsatzdiskussion, Du machst die Noten wie Du sie für richtig hältst und Du mußt Dich nicht verteidigen. Ich bin der, der seine Nörgelei erklären muß.

      Jetzt ab mit Dir in die clubfreie Zeit!

  • Absolut klar, Florian. Logisch.
    Du bemühst doch da sehr, keine Frage.

    5 Punkte bedeutet ausreichend.

    Ich habe gestern aber wirklich keinen gesehen, der besser war als:
    Ausreichend (4)
    Eine Leistung, die zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht.

    Du verstehst, was ich meine?

    Differenzieren ja, aber halt nur von 0 bis 5.

  • Ich versteh was Du meinst, klar, seh’s aber bei den drei Spielern, die kein „ausreichend“, sondern ein „befriedigend“ bekommen haben, anders. Bin mir aber durchaus bewusst, dass es keine absolute Objektivität gibt, wenn man Noten gibt (weder hier noch in der Schule) und find da könnte man über einzelne sicher verhandeln. Nur fehlt mir ehrlich gesagt zur weiteren inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Einzelleistungen einfach die Kraft. Ich bin einfach ziemlich leer grad und freu mich einfach, dass ich jetzt dann bis Freitag einfach mal Ruhe hab, hoff ich.

  • Florian, ich teile Deine Einschätzung weitestgehend und finde es großartig, wie sehr Du Dich um Objektivität bemühst, die manchmal eben doch der emotionalen Aufladung ein Schnippchen schlägt.

    Jetzt wünsche ich Dir einen erholsamen, Club-freien Urlaub!

    • zuckerpass,

      wenigstens müssen wir uns keine Sorgen machen, daß der Club das Pokalfinale verliert, oder daß er im Viertel oder Halbfinale verliert, kurz vor einem großen Pokalendspiel in Berlin…!
      Irgendwas Gutes muss man doch am Ausscheiden in der ersten Runde doch finden, aber peinlich ist es schon langsam, denn im Netz heißt es derzeit, daß es schon wieder eine Club-Pleite gibt(nach dem Abstieg, nach der Derby Niederlage).
      Außerdem ist der Pokal nicht so leicht, auch VFB Stuttgart liegt zur Halbzeit in Bochum zurück.
      Es gibt also noch Hoffnung für den Club.
      Vielleicht tritt Bader auch zurück, er hat ja auch Gutes für den Club getan, das wäre jetzt auch gut bzw. sehr gut, denn er kann damit auch im Management
      den Weg frei machen für andere Leute. Und auch im Aufsichtsrat tut Veränderung gut (siehe Kommentar Frank).

  • Positiv betrachtet: Die Noten wie auch das Spielergebnis sind besser als die Notschlachtung gegen die Vestenbergs-Kräuter. Wenn das nicht Mut macht, dieser Aufwärts-Trend…

    Für VI bitte ich um Milde. Er hat eine Spielidee (wegen der er auch geholt wurde) und stellt nun fest, dass er dafür nicht die richtigen Spieler hat. Spannend wird sein, ob er das Spielsystem dem Kader anpasst/umstellt. Oder a la Verbeek dogmatisch an der ursprünglichen Taktik festhält, Scheitern inbegriffen. Kriegt VI die Kurve, kann der Club diese Saison durchaus noch Platz 4 im bayerischen Ranking holen.

    • block4: Für VI bitte ich um Milde. Er hat eine Spielidee (wegen der er auch geholt wurde) und stellt nun fest, dass er dafür nicht die richtigen Spieler hat.

      was mir allerdings bislang noch nicht so gefällt, ist dass unser Pressing zu schwach ist und zu wenig über Außen kommt. Liegt aber wohl auch daran, dass wir dazu noch nicht die richtigen Leute haben. Echte durchschlagskräftige Außenstürmer fehlen mir noch.

      Was das Pressing betrifft, will ich hoffen, dass es nicht so gewollt ist. Wir sind fit genug und wir haben ja selbst erlebt, wie wirksam das sein kann 😉

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