Nicht schön, aber doch wunderbar – Noten zum Spiel gegen Leipzig

Valerien Ismael fühlte sich nach dem Spiel bestätigt. Bestätigt, weil die Mannschaft, das, was von ihr verlangt worden war, perfekt umgesetzt hatte. Bestätigt, weil das Tor über die als Schwachstelle ausgemachte rechte Abwehrseite Leipzigs gefallen war. Bestätigt, weil die Mannschaft nun verstanden habe, worum es geht. Gleichzeitig gab er aber auch zu, dass es momentan noch darum ginge, dass die Mannschaft Sicherheit gewinne, erst wenn sie diese erlangt habe, könne man an das Fußballerische denken.

Damit gab der Trainer unumwunden zu, dass es kein spielerischer Leckerbissen war, der da zur freitagabendlichen Prime Time in Nürnberg serviert wurde. Das Spiel fand fast nur in den 50 Metern um die Mittellinie herumstatt. Dadurch wurden die Räume unglaublich eng, Fehlpässe eher zur Normalität als zur Ausnahme: Am Ende sollte weniger als jeder zweite Pass eines Nürnbergers den eigenen Mann finden. Solche statistischen Spielereien mögen in ihrer Absolutheit wenig Aussagekraft haben, Ismael schob die Quote darauf, dass man sich für das schnelle, direkte Spiel entschieden habe, sie lassen aber Rückschlüsse auf den Charakter des Spiels zu.

Das Spiel war überaus taktisch und defensiv geprägt. Beide Teams attackierten die ballführenden Spieler des Gegners fast umgehend und sorgten so dafür, dass kaum Spielfluss entstand. Dafür war jedoch die Intensität der Auseinandersetzung enorm hoch. Beide Mannschaften mussten stets konzentriert und engagiert bleiben, durften sich keinen Lapsus erlauben. Da dies auch tatsächlich fast durchgehend gelang, gab es im Spiel bis zu Schöpfs Tor auch kaum Gelegenheiten zu Treffern. Erst danach, als sich der Charakter des Spiels änderte, es durch die offensiven Wechsel der Leipziger offener wurde, gab es häufiger Torchancen.

Doch alle Wechsel der Gäste nutzten nichts, die Defensive des FCN blieb standhaft und nahezu undurchdingrlich, so dass am Ende das dritte „Zu-Null“ im zehnten Spiel zu Buche stand. Diese Tatsache und dass Mannschaft und Trainer eine gemeinsame Vorstellung davon entwickelt haben, wie sie agieren wollen, muss deshalb wohl auch eher im Vordergrund stehen als die unverkennbaren spielerischen Mängel. Letzere sind in dieser Liga anscheinend verzeihlich, ohne Ersteres dagegen scheint wenig erreichbar.

Spielnote: 3 Notenpunkte (+5, numerisch: 4,67)*
Die Benotung des Spiels soll ja so etwas wie „Ansehnlichkeit“ und „Unterhaltungswert“ widergeben. Sie fällt daher auch entsprechend schlecht aus. Denn ein Spiel, das über 75 Minuten lang eigentlich nur im Mittelfeld stattfindet und durch eine enorm hohe Quote an Abspielfehler begleitet wird, ist nunmal nicht ansehnlich und wenig unterhaltsam. Dies gilt nicht für die Schlussphase. Dies gilt auch nicht, wenn man das Spiel dahingehend beurteilen würde, wie taktisch interessant es war oder wie gut die Vorgaben umgesetzt wurden.

Schiri Drees: 11 Notenpunkte (2, numerisch: 2,00)
Einwandfreie Leistung in einem allerdings auch sehr leicht zu leitenden Spiel. Leitete das Spiel 25 Minuten mit einer Oberschenkelzerrung. Ganz normale Spiele gibt es für den Mediziner in Nürnberg nicht.

Trainer Valerien Ismael: 11 Notenpunkte (2, numerisch: 2,00)
Stellte die Mannschaft so ein, dass sie wusste, was zu tun ist. Erreichte die Mannschaft, so dass sie nicht nur wusste, was zu tun ist, sondern es auch noch umsetzen konnte. Scheint in Nürnberg angekommen und scheint nicht nur seinen Stil, sondern auch seine Aufstellung gefunden zu haben. Vertraute zum dritten Mal in Folge der selben Startelf, verlor zum dritten Mal in Folge nicht. Sparte sich die Auswechslungen eventuell etwas zu lange auf.

Die Spieler im Einzelnen:

Patrick Rakovsky 13 Notenpunkte (1- numerisch: 1.33)
Für die glatte Eins hatte er zu wenig klassische Torwartarbeit zu verrichten. Einzig die Parade gegen Frahn (88.) fällt in diese Kategorie. Was er aber hervorragend machte, war das Mitspielen, verhinderte viele Angriffe im Entstehen, war durch Stellungsspiel präsent. Ein moderner Torwart.
Even Hovland Ohne Bewertung
Späte Lebensversicherung. Funktionierte, dritte Einwechslung, dritte gegentorlose Schlussphase.
Manuel Bihr 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Immer noch zu zweikampfschwach, aber insgesamt deutlich verbessert und solide. Profitierte von der defensiveren Grundausrichtung.
Ondrej Celustka 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Solide nach hinten wie die gesamte Mannschaft, nach vorne aber wenig effektiv.
Jan Polak Ohne Bewertung
Hatte seinen großen Auftritt schon vor der Einwechslung als er gemeinsam mit Pinola Frahn am schnellen Ausführen einer Ecke hinderte. Pinola und Frahn sahen Gelb, Polak nicht. So sieht Führungsstärke aus.
Daniel Candeias 6 Notenpunkte (4+ numerisch: 3.67)
Gewann kaum einen Zweikampf, stellte sich aber in den Dienst der Mannschaft in einem Spiel, in dem seine Qualitäten nur als Konterspieler gefragt waren, spielte hier einmal Schöpf schön frei.
Alessandro Schöpf 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Bonuspunkt für das Tor und weil er weniger als 50% Fehlpässe spielte. Ansonsten wie die anderen Offensivspieler mehr mit Defensivarbeiten beschäftigt. Erledigte diese ordentlich, aber nicht brilliant.
Jürgen Mössmer 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Unermüdlich, wichtiger Zweikämpfer. Defensivbollwerk. Nach vorne leider immer noch unbrauchbar.
Robert Koch 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Würde nur der Wille belohnt, Koch würde jenseits der 15 Punkte landen. Leider zählt nicht nur der Wille, sondern auch das Spielerische und das kam etwas zu kurz. Spielte viele Fehlpässe, machte aber defensiv wenig falsch.
Niklas Stark 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Nicht ganz so stark wie sein Nebenmann, mit einem Ballverlust vor der Pause, der zu einer der wenigen Gästechancen führte. Dennoch grundsolide.
Ondrej Petrak 11 Notenpunkte (2 numerisch: 2)
Sicher, solide, fast fehlerlos. Einer von nur vier FCN-Feldspielern mit mehr angekommenen Pässen als Fehlpässen.
Peniel Mlapa  Ohne Bewertung
Kam spät, hatte eine Torgelegenheit, die auf Grund fehlender Geschwindigkeit ungefährlich wurde.
Jakub Sylvestr 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Mehr als 75% angekommene Pässe sind an diesem Abend schon fast ein Sensationswert. Der Slowake war in der ersten Halbzeit der gefährlichste und präsenteste Nürnberger, kam zu Chancen, baute nach der Pause aber deutlich ab.
Niclas Füllkrug 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Eigentlich müsste das Tor ja ihm zugeschrieben werden. Erkämpfte in der Entstehung des 1:0 den Ball, verteilte ihn dann auch noch zweimal. War sonst sehr, sehr bemüht, kam aber außer bei seiner eigenen Großchance kaum zur Geltung.

*Das Benoten obliegt mit Beginn der Saison 2014/15 einem, der das beruflich macht. Das heißt nicht, dass es unbedingt besser ist, was da passiert, aber zumindest Übung im Benoten ist vorhanden. Zur besseren Differenzierung wird ab dieser Saison das bayerische Oberstufensystem verwendet, das statt den klassischen Noten Notenpunkte vergibt. Das Maximum sind 15 Notenpunkte, eine Eins Plus, also rechnerisch so etwas wie 0,67. Alle klassischen Notenstufen von Eins bis Fünf haben drei Abstufungen, also Plus, normal und Minus, so ist zum Beispiel die Note Drei aufgeteilt in neun Notenpunkte (+3), acht Notenpunkte (glatte 3) und sieben Notenpunkte (3-). Die einzige Note, die ohne Tendenz – und hoffentlich möglichst selten – vergeben wird, ist die Note 6. Ungenügend ist immer einfach ungenügend. Für eine genaue Auflistung siehe auch Wikipedia.

13 Gedanken zu „Nicht schön, aber doch wunderbar – Noten zum Spiel gegen Leipzig

  • Ein ganz wichtiger Sieg für die Psyche. Über die Fehlpässe muss man sich wohl nicht unterhalten. Ist es Nervosität oder Unvermögen? Mit fortlaufender Saison hoffen wir natürlich, dass sich die Fehler von Spiel zu Spiel reduzieren und eine stabile Mannschaft heranwächst.

  • Das Spiel würde ich mit 4 benoten, so schlecht fand ich es gar nicht, trotz der Neutralisation im Mittelfeld, bedingt durch die vielen Fehlpässe. Trotzdem war es immer spannend und man wusste nicht so richtig, wer noch ein Tor zustande bringt.
    Natürlich ein ganz wichtiger Sieg (gibt es auch unwichtige?), richtig klasse fand ich Pat und Petrak, freut mich besonders für unseren Keeper!

    • Gunner: Das Spiel würde ich mit 4 benoten

      Spiele, die der Club gewinnt, sind immer mindestens befriedigend!

      Füllkrug hätte ich noch einen Tick besser bewertet. Hat seine Rolle als Zielspieler für die langen Diagonalschläge auch recht gut erfüllt. Hätte auch sein Tor gemacht, wenn ihn Schöpf nicht übersehen hätte, als er danebenschoss.

      • Optimist,

        auch mir ist (erneut) aufgefallen, dass Füllkrug sehr kopfballstark ist und fast jeden langen Ball von Rakovsky weiterleiten konnte. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn man seinen eigenen vier Verteidigern nicht zutraut, das Spiel von hinten heraus aufzubauen.

  • Dass mit Rakovsky und Petrak nur 2 Spieler eine zweistellige Punktzahl erreichen, erscheint mir angesichts der insgesamt guten Leistung doch etwas hart benotet. Welches Spiel muss denn abgeliefert werden, damit es mal insgesamt „gut“ wird? 😉

    Ansonsten einfach erfreulich, dass Isamael ein Standing erreicht hat. Auch an der Seitenlinie ist er selbst hoch „emotionalisiert“, feuert permanent an, coacht. Auch die Kulisse hat mich zeitweise gefreut, es war seit langem mal wieder ein Block (oder zumindest ränge-) übergreifendes „ole oleeee … FC Nürnberg ole“ zu hören. Schön! So kann man erfreut ins sonnige Wochenende starten, sogar in München 🙂

  • Notendurchschnitt: 2,81 das ist doch schon durchaus lobenswert. Sowas hab ich eher selten. 😉

    Warum so wenige Spieler ins zweistellige rutschen, ist dann doch der mageren Offensive geschuldet. Das war defensiv wirklich gut, aber nach vorne war’s einfach zu wenig für ein „gut“ bei den allermeisten. Was die kompakte Leistung in Gänze gar nicht schmälern soll, es wurde die eine Seite des Spiels fast perfekt ausgeführt.

    Spannend übrigens, dass Füllkrug hier noch weiter gelobt wird, wir hatten intern schon drüber gesprochen, Stefan wollte ihn (wie von der NZ mit Note 5 passiert) noch schlechter bewertet sehen.

    • Florian Zenger: Spannend übrigens, dass Füllkrug hier noch weiter gelobt wird, wir hatten intern schon drüber gesprochen, Stefan wollte ihn (wie von der NZ mit Note 5 passiert) noch schlechter bewertet sehen

      Wenn du nix bis nicht viel hinbekommst, dann ist eine 5 (1-3 Punkte) angemessen. Aber eine gute Szene und kurz danach ein Aufblitzen von Genialität beim spielentscheidenden Assist verbietet ein „Abstrafen“. Ob im Ganzen seine Leistung auf Dauer befriedigend ist? Noch offen…
      Aber für gestern sind die 8 Punkte salomonisch oder: zengerisch!

    • Florian Zenger:
      Notendurchschnitt: 2,81 das ist doch schon durchaus lobenswert.

      Die Mühe, den nummerischen Notendurchschnitt zu berechnen hab ich mir jetzt gar nicht gemacht, 2,81 ist denke ich der Leistung dann auch angemessen, befriedigend mit Tendenz Richtung gut.

      Bei der Stimmung hätte mich schon mal interessiert wie das in den Jahren zuvor war, meine Stadionsbesuche der letzten Saison waren doch immer eher mau, der Großteil schweigt und bleibt still, die Ultras machen Dauerstimmung über 90 min egal was auf dem Platz passiert. Wenn ich da Liveübertragungen vom Betze oder aus Frankfurt sehe hat das schon nochmal ne ganze andere Wucht. Aber in der Außendarstellung heißt es immer die Stimmung im Frankenstadion sei so besonders. Diese Einschätzung teile ich nicht. In 2 Wochen haben wir wieder die gleiche Chose, wenn die Nordkurve wieder offen ist. Da kann ich nur hoffen, dass sich durch einen anhaltenden Aufwärtstrend auch die „normalen“ Zuschauer „emotionalisieren“ lassen und mal wieder bisschen Stimmung machen. 🙂 Selbst Waldhof Mannheim in der vierten Liga mit 7.000 Leuten in einem 24.000er Stadion bekommt es hin mal blockübergreifend „SVW“ hin und her zuschmettern. Warum geht das in Nürnberg nicht (mehr)?

  • Stimme den Benotungen weitgehend zu, wobei ich Schöpf auch die „11“ gegeben hätte.
    Bihr fand ich auch stark verbessert, während mir die rechte Seite deutlich anfälliger schien, wobei Leipzig das zum Glück zu spät oder gar nicht erkannte. Insgesamt überwiegt trotz aller spielerischen Mängel der Gesamteindruck, dass sich offensichtlich eine Mannschaft gefunden hat, die ihre defensive Stabilität auch gegen spielerische überlegene Teams wie Kaiserslautern und Leipzig zum Sieg nutzen kann.

    Und auch Holzmichels Beobachtung kann ich bestätigen…lange war das gesamte Publikum nicht so geschlossen hinter der Mannschaft gestanden, wie gestern – und das in vielen Phasen unabhängig davon, was im „Stimmungsteil“ der Gegengerade passierte…

  • Also ich muss leider auch Koch loben. Viel Kampf und er hat auch 2 gute Chancen. Einmal der stramme Weitschuss und einmal der Kopfball an den Pfosten. Deshalb hätte ich ihn mit 1-2 Punkten besser bewertet.

    Außerdem hatte ich ein interessantes Gespräch im August mit einem Dynamo Fan, der mir sagte das wir Koch falsch einsetzen. Er ist ein Zentraler Mittelfeldspieler und kein Flügel somit wären seine Qualitäten verloren gegangen. Und kaum setzt IV ihn in zentraler Position ein schon läuft es besser.

  • Hier wurden ein par dinge unterschlagen:

    Rakovsky hatte eine weitere gute parade

    Candeias steckt überagend durch die beine des gegners auf sylvestre im strafraum und schlägt flanken mit wahnsinns effet

    Mössmer und koch verteilen die bälle durchaus gut, sie haben denke ich nicht die aufgabe offensiv imstrafraum aufzutauchen

    Füllkrug hatte den willen und due mentale stärke zum sieg. Hat in der ersten halbzeit mit einemschönen flachen seitenwechsel auf candeias schon eine gefährliche situation eingeleitet

    Wie sich sylvestre reinhängt und nie aufgibt ist der hammer

    Und insgesamt steht hier einfach ein team auf dem platz, heißt alle kriegen von mir eine top note, sagen wir kollektiv eine 2

    🙂

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