Schäfer und der Wolff

Am vorletzten Wochenende wurden die deutschen Handballer Europameister. Durch ein 24:17 im EM-Finale gegen Spanien (klick) – ein Triumph, der nicht zuletzt das Verdienst ihres bärenstarken Torwarts Andreas Wolff war.

Wohin die Spanier … auch warfen, Wolff war schon da. „Das ist surreal, was er hier hält“, sagte der verletzte Kapitän Uwe Gensheimer (klick).

Wechseln wir die Sportart, aber bleiben wir im Text:

Wohin die Sechziger auch schossen und köpften, Schäfer war schon da. Surreal, was der Club-Torhüter alles von der Linie kratzte.

Statt surreal könnte man auch gespenstisch sagen. Zwar ist nicht überliefert, dass der eigentlich schon aufs Altenteil abgeschobene, dann aber aufgrund von seltsamen Schwächeanfällen seiner designierten Nachfolger reaktivierte Elder Goalman spiritistisch inspiriert ist wie sein zum EM-Helden avancierter Kollege im Handballtor, der von sich behauptet (klick):

Ich bin überzeugt, dass es Geister gibt. Mir fällt es schwer, nach einem Horrorfilm allein in der Wohnung zu schlafen.

Gut möglich jedoch, dass Löwen-Stürmer Mölders – den Spielfilm, wie seine Mannschaftskameraden reihenweise an Schäfer gescheitert waren, klar vor Augen – ein Gespenst im Clubtor sah, als er in der 86. Spielminute im Anschluss an einen von Schäfer entschärften Nahdistanz-Schuss den Ball nicht über den am Boden liegenden FCN-Schlussmann hinweg ins Tor beförderte, sondern diesem die Möglichkeit gab, das Spielgerät – und die letzte Ausgleichs-Chance der Hausherren – unter seinem Körper zu begraben. (Wie Mölders nach dieser nicht ganz diesseitigen Erfahrung geschlafen hat, ist zu erahnen…)

Kommen wir von den Gespenstern zum jungen Patrick Erras (klick). Auch er war ein Garant des Sieges. Nicht nur aufgrund des spielentscheidenden 1:0, das er mit einem in den Winkel platzierten 20-Meter-Schlenzer im Stile eines Klassemannes erzielte. Der Bursche besticht defensiv durch Zweikampfstärke und kluges Stellungsspiel (Antizipation der Passwege des Gegners…) sowie durch präzises Einfädeln von Offensivaktionen. Alles ganz cool und unaufgeregt. Alles reif und abgeklärt. Schön, das feststellen zu können. Um so unschöner die dumpfe Ahnung, dass mit jedem guten Spiel, das der Junge abliefert, Vereine anderen Kalibers hellhörig werden (klick)…

Der Oldie im Tor und der Youngster im zentralen Mittelfeld an der Seite von Hanno Behrens (harmonisches Tandem auf der Doppelsechs) waren die herausragenden Akteure einer Nürnberger Mannschaft, die sich in München insgesamt nicht so stark und ausgeglichen präsentierte wie in den Spielen vor der Winterpause. Beängstigend in der ersten Viertelstunde des Spiels die Lücken im kopflos…

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…wirkenden Defensivverbund, in dem sich besonders die linke Abwehrseite mit Sepsi, der deutliche Tempodefizite erkennen ließ und von Leibold nicht die nötige Unterstützung bekam, als anfällig erwies. Immer wieder spielten die mit Wucht beginnenden Löwen Diagonalbälle in diese Schwachstelle und kamen federleicht in den Rücken der Viererkette und zu hochkarätigen Gelegenheiten, die Schäfer wie mit Geisterhand zunichte machte. Im Laufe des Spiels wurden diese Abstimmungsprobleme dann aber zusehends abgestellt, in der zweiten Halbzeit geriet die Clubabwehr eigentlich nur bei der geschilderten Mölders-Chance in größere Gefahr. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr wurde Innenverteidiger Bulthuis zum Turm in der Schlacht. Der robuste Niederländer gewann wichtige Kopfballduelle und zeigte sich zielsicher in der Spieleröffnung.

Neuzugang Stieber konnte sich auf der vorderen rechten Außenbahn nur wenig in Szene setzen. Im Gegensatz zu Kerk, der Stieber ab der 62. Minute ersetzte und dem Burgstaller einen Assistpunkt klaute, als er in der Schlussphase des Spiels Kerks mustergültige Vorlage im Anschluss an einen grandiosen Solo nicht ins leere Tor, sondern in die Wolken schoss – eine Fehlleistung, die dem Club zwei wichtige Punkte gekostet hätte, wenn Schäfer kurze Zeit später nicht so grandios gegen Beister und Mölders gerettet hätte.

Ein eher glücklicher als den Torchancen entsprechender 1:0-Sieg in der Allianz-Arena. Aber drei wichtige Punkte, die den dritten Tabellenplatz festigen und den zweiten Platz dank der Niederlage des SC Freiburg in Bochum (klick) auf zwei Punkte heranrücken lassen (klick). Der Aufstieg wird aber nur gelingen, wenn unser Team wieder zu der mannschaftlichen Geschlossenheit und defensiven Stabilität zurückfindet, die sie am Ende der Vorrunde demonstrierte. Schäfer ist ein sicherer Rückhalt, aber mit Sicherheit nicht in jedem Spiel in solch überirdischer Verfassung wie am letzten Samstag. Sollte er es dennoch sein, stünde er mit 37 Jahren vor einer großen Zukunft. Dino Zoff war vierzig, als er mit Italien Weltmeister wurde (klick). Sag‘ ich mal, verbunden mit dem Hinweis, dass heute…

…Faschingsdienstag…

…ist.

[Zum Spiel: klickklickklick, klick.]

20 Gedanken zu „Schäfer und der Wolff

  • …an den 40-jährigen Dino Zoff (welch passender Vorname) hatte ich gestern auch gedacht!

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  • Bei aller Wertschätzung für die tollen Paraden von Raphael Schäfer und der Abgeklärtheit unseres Youngsters Patrick Erras, darf man das extrem mannschaftsdienliche Spielverhalten von Hanno Behrens nicht vergessen, bereits in den letzten Spielen vor der Winterpause agierte Hanno wie Timmy Simmons in seinen besten Zeiten.

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    • FCN4ever:

      Bei aller Wertschätzung für die tollen Paraden von Raphael Schäfer und der Abgeklärtheit unseres Youngsters Patrick Erras, darf man das extrem mannschaftsdienliche Spielverhalten von Hanno Behrens nicht vergessen, bereits in den letzten Spielen vor der Winterpause agierte Hanno wie Timmy Simmons in seinen besten Zeiten.

      Genau deshalb habe ich ihn im Artikel auch positiv erwähnt.

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  • FCN4ever,
    Ja, völlig richtig. Da war sogar der Sky-Reporter beeindruckt, als Hanno kurz vor Schluss eine Aktion in Gegners Strafraum hatte, nachdem er gerade erst am eigenen Tor geklärt hatte. Nach dem Abgang von Schöpf der neue Dauerläufer (über 12 km).

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      • Zwar ist nicht überliefert, dass der eigentlich schon aufs Altenteil abgeschobene, dann aber aufgrund von seltsamen Schwächeanfällen seiner designierten Nachfolger reaktivierte Elder Goalman spiritistisch inspiriert ist wie sein zum EM-Helden avancierter Kollege im Handballtor, der von sich behauptet:

        Was für ein wuchtiger Satzbau, damit überspielst du hier auch jeden 😉
        Schöne Zusammenfassung, ich vermisse jedoch den Clubfans München on tour Teil sowie den 60er Fan mit der Mütze. Immerhin darf ich die kopflose Abwehr symbolisieren, welche eine Ähre!

        Bulthuis kommt mir in den anderen Spielanalysen auch etwas zu schlecht weg. Habe vorgestern das Spiel nochmal in der Sky Wiederholung gesehe, er hat zwar einige Fouls gegen sich bekommen aber das lag auch am clever agierenden Okotie. Ansonsten hat er seinen Job ordentlich (und nicht schlechter als Margreitter) gemacht. Hoffen wir auf etwas mehr Stabilität links und einen besseren Umgang mit schnellem (weitem) Umschaltspiel des Gegners, das hat zu Beginn nicht gut ausgesehen. Ortega hatte es auch geschafft mit einem Abwurf und einem Abschlag direkt für Gefahr zu sorgen. Da war die Mannschaft in der Rückwärtsbewegung nicht (gedanken)schnell genug.

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  • Erras steht bis 2018 unter Vertrag. Wie an anderer Stelle schon erwähnt hoffe ich sehr auf Bornemann, dass er bei Ausbleiben eines surrealen (sehr schöner Beitrag, belschanov!) Angebots auf einen Verkauf im Sommer verzichtet.
    Es ist gut zu sehen, dass Weiler ein (in München zumindest halbwegs) funktionierendes Gefüge gebaut hat.

    Was tatsächlich Sorge bereitet ist die Schwachstelle links hinten. Sepsi reicht gegen durchschnittliche Zweitligaspieler noch halbwegs aus, da er selbst als solcher bezeichnet werden kann. Darüber allerdings wird es mehr als eng, sein mangelndes Tempo reißt immer wieder große Lücken in die Mitte, da er von Behrens/Erras bzw. Bulthuis unterstützt werden muss, zumal Leibold defensiv nicht genügend unterstützt. Ist bei schnell vorgetragenen langen Konterschlägen in den linken Rückraum auch schwierig.
    Wie auch immer diese Saison enden wird, auf der linken Defensivposition besteht mittelfristig Handlungsbedarf.
    Alles andere genügt zumindest derzeit hohen Zweitligaansprüchen – und das ist doch schon mal was.

    Vor gut einem Jahr ging nämlich ein anderes Gespenst bei uns um.

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    • Zuckerpass:
      Erras steht bis 2018 unter Vertrag.

      Woher hast Du das? Bei der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung wurde doch die Laufzeit verschwiegen.

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  • Bochum darf jetzt ruhig noch ein bisschen mehr laufen und nur nicht für Montag schonen 😉

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  • Töffi: Woher hast Du das? Bei der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung wurde doch die Laufzeit verschwiegen.

    Stimmt, hatte ich ganz vergessen und gedankenlos niedergeschrieben Bin gerade selbst erschrocken und musste heftig grübeln, wo ich das gelesen habe. Diese Jahreszahl findet sich ganz en passant im Spielerprofil auf Transfermarkt.de – das hatte ich irgendwie abgespeichert.
    Merkwürdig.
    Gespenstisch.
    Surreal.
    Aber da steht’s.

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  • Das Erras‘ Vertrag bis 2018 laufen würde, war zuletzt an mehreren Stellen zu lesen, u.a. im heutigen kicker, wo ein großer Artikel über den „Unbesiegbaren“ drin steht.

    Ob’s stimmt, lass ich mal dahin gestellt. Hatte aber eigentlich schon gehofft, der Vertrag würde länger laufen, mind. bis 2019, besser noch 2020…

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    • Scramjet:
      Das Erras‘ Vertrag bis 2018 laufen würde, war zuletzt an mehreren Stellen zu lesen, u.a. im heutigen kicker, wo ein großer Artikel über den „Unbesiegbaren“ drin steht.

      Ob’s stimmt, lass ich mal dahin gestellt. Hatte aber eigentlich schon gehofft, der Vertrag würde länger laufen, mind. bis 2019, besser noch 2020…

      Ja, ein Vertrag „nur“ bis 2018 ist nicht gerade etwas, womit man richtig viele Millionen herausholen könnte. Schon gar nicht, wenn er im Jahr 2017 wechseln sollte.

      Aber vermutlich sind die Ablösesummen in seinem Vertrag sowieso festgeschrieben: im Sommer 2016 x Millionen, im Winter 2017 y Millionen, im Sommer 2017 z Millionen.

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  • Vielleicht mußten die Bochumer etwas mehr laufen mit 10 Mann, könnte gut sein für uns, aber Robben verkörpert für mich die eklige Seite dieses schönen Sports, diese theatralische (Absprung)Fallsucht ist so erbärmlich.

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  • Juwe,

    aber Robben verkörpert für mich die eklige Seite dieses schönen Sports, diese theatralische (Absprung)Fallsucht ist so erbärmlich.

    Und Gert Jan hat es wieder schön gesagt, er schämt sich in dem Moment, dass er Holländer ist. #dasherzaufderzunge

    Am schlimmsten finde ich, dass Robben selbst nicht merkt, was er damit alles kaputt macht.

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  • So ein bisschen macht sich in mir zunehmend das Gefühl breit, dass es am Montag den ersten Rückschlag geben wird.
    Ich hoffe aber auf guten Besuch und darauf, dass eine eventuelle Niederlage das Team nicht aus der Bahn wirft.
    Die Bochumer Außen sind sehr dribbelstark und schnell, zudem haben auch sie viele Spieler, die Tore erzielen können. Das macht die Sache nicht einfacher.
    Wichtig ist die taktische und defensive Disziplin und die Effektivität im Abschluss. Dann könnte der Club gegen mein Gefühl doch was mitnehmen. Das wäre zu schön.

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  • Und Robben ist schon immer ein ganz mieser Spieler gewesen – deshalb passt er auch so perfekt dorthin, wo er jetzt spielt. Skrupellos alles dem Erfolg unterordnend.

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    • Zuckerpass:
      Und Robben ist schon immer ein ganz mieser Spieler gewesen – deshalb passt er auch so perfekt dorthin, wo er jetzt spielt. Skrupellos alles dem Erfolg unterordnend.

      Ganz Deiner Meinung. Hier wird er von den Medien hofiert, in England würde er zurecht mit Schimpf und Schande aus dem Stadion gejagt.

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