Der Club ist wieder „en vogue“

Die Länderspielpause über die Osterfeiertage offenbarte: Der 1. FC Nürnberg ist wieder im Fokus, bei den Medien wie am Transfermarkt. Nicht jeden freut das.

„Nürnberg? Wo stehen die eigentlich?“ – mit dieser arglosen Nachfrage offenbart der Bürokollege die ganze Malaise der 2. Liga: Aus den Augen, aus dem Sinn. Jenseits des Rummels der Bundesliga fallen für die 2. Liga maximal Krümel vom Tisch der medialen Aufmerksamkeit. Das wundert einen nicht, hatte man nach Jahren der Bundesliga-Zugehörigkeit ja selbst kaum Notiz von der deutschen Segunda División genommen. Mit der leicht pikierten, aber nicht ohne Stolz formulierten Antwort „3. Platz, mit Tuchfühlung nach oben und haben gerade den Ersten und den Zweiten geschlagen und sind seit 17 Spielen unbesiegt“ erntet man dann anerkennendes Augenbrauen-Heben. Immerhin.

Der FCN hat spätestens mit dem fulminanten Sieg über (Ex-)Tabellenführer RB Leipzig aufhorchen lassen und die Medien brauchen und lieben genau solche Geschichten. Geschichten von aufopferungsvollen Helden, unglaublichen Siegesserien, fantastischen Wiedergeburten und vor allem von frischen Gesichtern am Steuer. Der Club bietet derzeit von allem und dazu reichlich: Die Aufstellung des eigenen Vereinsrekords ungeschlagener Spiele, der charmante, stets akribische und bescheidene Schweizer, Coach Weiler, der sich auch durch vereinsinterne Querelen nie vom Weg und seiner Art hatte abbringen lassen und nun die Ernte einfährt, oder das Bild des „Burgi“ Burgstaller, der nach seinem 3:1 in der Nachspielzeit gegen Leipzig zu entkräftet war, um überhaupt noch richtig zu jubeln, und anschließend mit seiner Rückkehr auf internationaler Bühne in der österreichischen Nationalmannschaft geadelt zu werden. Herrlich.

Dass die anschließende, für gewöhnlich für den Vereins-Fan dröge Länderspielpause dann dazu geradezu prädestiniert war, aus diesem Mix ein mediales Bohei zu zaubern, war nicht überraschend. René Weiler hat sich bisher nicht gerade als Mensch präsentiert, der den medialen Fokus braucht, dazu muss man nur auf eine Pressekonferenz vor einem Spielen blicken, die manch anderer Trainer gern für joviale Selbstinszenierungen und rhetorische Bonmots geradezu zelebriert. Dass eben jener Weiler nun gleich gefühlte dutzend Mal im Clubfans-United-Pressespiegel mit Interviews, Portraits und Hintergrundberichten über den Anteil seines Wirkens am Erfolg auftaucht, die sich in Superlativen und Lobhudeleien gegenseitig fast übertreffen und das sogar im Ausland, ist wohl mehr Ausdruck cleverer Medienarbeit, die den Bedarf eben bedient, denn nacktes Kalkül des Schweizers in eigener Sache oder plötzlich ausbrechender Profilneurose.

„Deutsche feiern Weiler als neuen Tuchel“ Blick (Schweiz)
„René’s remarkable run“ Vavel (England)
„Der Ex-Aarauer René Weiler ist in Nürnberg auf grosser Fahrt“ Watson (Schweiz)

Der 1. FC Nürnberg muss diesen Medienzug jetzt abfahren lassen und selbst mit aufspringen, um aus dem „remarkable run“ auch wirklich auf „große Fahrt“ zu kommen. Bescheidenheit ist da maximal als Understatement sachdienlich, denn im Fußball ist mediale Aufmerksamkeit das sprichwörtliche Gold wert. Aufmerksamkeit bedeutet nicht nur Sponsoren-Interesse, Aufmerksamkeit lockt auch Talente, denn die wollen sich in der Regel selbst gern im Rampenlicht stehen sehen und sich wiederum für höhere Aufgaben empfehlen. Aufmerksamkeit lockt allerdings auch andere Interessenten und entsprechend mag dem bescheiden besitzstandswahrenden Fan der Unbill auch zugestanden sein, wenn er um seine Helden fürchtet, wenn nun auf einmal alle Welt nach Nürnberg schaut und sich dabei überlegt, ob der eine oder andere Baustein des Erfolgs nicht auch dem eigenen Streben dienlich sein könnte.

Ob sich Besitzstandswahrung im modernen Fußball generell noch als Modell unterhalb der Top 10 in Europa aufrechterhalten lässt oder gar erstrebenswert ist, mag man kontrovers diskutieren, der FCN mit seinen Möglichkeiten (und seinen finanziellen Bedürfnissen) ist da facto schlicht derzeit nicht in der Position, um selbige überhaupt in die Tat umzusetzen. Der finanzielle Schuh drückt, Transfereinnahmen werden gebraucht um die Forderungen der DFL zu erfüllen, und Spieler mit höheren Zielen, die so genannten ‚begehrten Talente‘, lassen sich heute generell kaum noch halten respektive würden mit Argusaugen zur Kenntnis nehmen, welcher Verein sich so verhält, um diesen als nächste Station tunlichst zu meiden.

Ein Aufstieg würde viele Probleme lösen, das ist wohl ‚Common Sense‘ rund um den Verein, befreite er doch zumindest von den aktuellen finanziellen Sorgen. Doch wäre ein Aufstieg auch nur der Anfang eines Wiederaufbaus, dessen Ziel einzig und allein der Platz im Bundesliga-Establishment sein kann und muss. Alternativlos ist der Aufstieg allerdings nicht – und das gerade weil der Erfolg hier seine Kinder frisst und sich damit wenigstens ernährt. Nur wenn der Club wieder genug Erfolgsgeschichten und Begehrlichkeiten produziert hat, kann es auch berechtigte Hoffnung auf eine Zukunft in Liga 1 oder 2 geben. Sicher wären Abgänge wie Burgstaller, Füllkrug oder auch Erras aktuell herbe Verluste, die jetzt ausgelöste Euphorie rund um den Club würde dafür aber andere anziehen, die über den (für manche; „zweiten Bildungsweg“) FCN ihre Chance nutzen wollen, um sich zu beweisen. Das Schöne ist nämlich: Im Fußball gibt es mehr Talent als Startelf-Plätze.

Der aktuelle Medienrummel sollte also willkommen und auch genossen sein, ob als Laudatio für den Trainer oder in Form von Transfergerüchten rund um Spieler, auch wenn es die bittere Pille zur Folge hätte, dass man von manchem gerade erst lieb gewonnenen sich wieder trennen muss. „Eine gute Medizin schmeckt dem Gaumen bitter“ (chin. Sprichwort). Die Folgen von Misserfolg sind in der Regel nur unter großen Mühen zum Nährboden für neue Triebe zu verarbeiten, die Auswirkungen von Erfolg kann man sich dagegen immer einfacher zum eigenen Vorteil machen, wenn man es denn zu nutzen weiß.

Ein Kommentar von Alexander Endl für Clubfans United

25 Gedanken zu „Der Club ist wieder „en vogue“

  • „Das Schöne ist nämlich: Im Fußball gibt es mehr Talent als Startelf-Plätze.“

    Ein wunderschöner Satz.
    Trost, Trotz und Zuversicht sprechen gleichermaßen heraus.
    Ein Satz, an den bestimmt nicht nur ich noch oft denken werde.

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    • Teo:
      „Das Schöne ist nämlich: Im Fußball gibt es mehr Talent als Startelf-Plätze.“

      Ein wunderschöner Satz.
      Trost, Trotz und Zuversicht sprechen gleichermaßen heraus.
      Ein Satz, an den bestimmt nicht nur ich noch oft denken werde.

      Das mag mit Blick auf die Spieler alles zutreffend sein, aber die medialem Gerüchte um einen Wechsel von René Weiler wollen trotz mehrfacher Dementi einfach nicht verstummen. Was so ein Trainertransfer aus einem funktionierendem System machen kann, haben wir ja leidvoll erfahren dürfen, ja müssen.

      Darum bin ich eher skeptisch, was diesen medialen Hype anbelangt.

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  • Wer ist alles am Sonntag vor Ort? Ich komme mit DerSchwager und Johnny Vegas.

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  • Ach du Schande, am Sonntag wird der Bornheimer Hang vorübergehend von fränkischen Truppen eingenommen und in Rot/Schwarz getaucht. Leider klappt es bei meinem Sohn und mir diesmal (trotz unserer guten, an anderer Stelle schon erwähnten Alternativen) nicht. 😐

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    • Holle:
      Ach du Schande, am Sonntag wird der Bornheimer Hang vorübergehend von fränkischen Truppen eingenommen und in Rot/Schwarz getaucht. Leider klappt es bei meinem Sohn und mir diesmal (trotz unserer guten, an anderer Stelle schon erwähnten Alternativen)nicht.

      Ich hoffe mal, daß sich die Fans zu Herzen nehmen, daß unser Verein das Geld für den sportlichen Bereich braucht. Daß also ein fröhliches Fest gefeiert wird mit einer erfolgreichen Mannschaft.

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  • Ich werde mir in Jüchen das ganze vom Beamer ansehen müssen.

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    • Alex:
      Holle,
      Frauen, muss man nicht verstehen

      Ja, allerdings konnte ich trotz Vorbereitungen und Kirchengedöns morgen noch ein Training für meine F-Jugend durchsetzen 😉 Nur muß ich aufpassen, dass sich mein Sohnemann nicht verletzt oder zumindest Sonntag noch laufen kann. 🙂

      PS: Doch kein Reizpunkt mit Prinzen in Bader96 😀

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  • Bader sieht sich wohl immer noch als Vater des Erfolgs:

    „Bader hingegen verwies nur darauf, dass sein früherer Arbeitgeber, der 1. FC Nürnberg, nach Anlaufproblemen inzwischen gut im Aufstiegsrennen zur ersten Bundesliga liege. Mit Spielern, die er zusammen mit Christian Möckel geholt hat.“

    sueddeutsche

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    • Alexander Endl – Clubfans United:
      Bader sieht sich wohl immer noch als Vater des Erfolgs:

      „Bader hingegen verwies nur darauf, dass sein früherer Arbeitgeber, der 1. FC Nürnberg, nach Anlaufproblemen inzwischen gut im Aufstiegsrennen zur ersten Bundesliga liege. Mit Spielern, die er zusammen mit Christian Möckel geholt hat.“

      sueddeutsche

      Und er macht es auch genauso falsch wie hier schon: sich Zeit lassen mit der Trainersuche.
      Und wenn der neue Trainer dann Schwierigkeiten haben sollte, mit den bereits verpflichteten Spielern eine funktionierende Mannschaft zu Saisonbeginn auf den Rasen zu bringen, wird er erklären, daß bei der Trainersuche selbstverständlich die Kandidaten gefragt wurden, was sie von den jeweiligen Spielern halten.
      Ich bin gespannt, ob der nächste Trainerwechsel dann noch vor der Winterpause über die Bühne geht. Und ob der U19-Trainer noch vor Saisonende eine Chance als letzte Patrone bekommt. Ich bezweifel sehr, daß Schaaf das wirlich bis Mai durchzieht.

      Aber was solls. Die in Hannover werden ihre eigenen Schlüsse ziehen.

      Bei uns geht es um Wichtigeres: wird die Mannschaft es gegen den FFSV hinbekommen an ihre Leistung anzuknüpfen und mit derselben Konzentration und dem gleichen Willen den nächsten Dreier erkämpfen?
      Oder war der Spannungsabfall durch die Länderspielpause zu groß?

      Können wir beim letzten Heimspiel den Aufstieg bejubeln? Oder müssen wir noch ein paar Wochen länger zittern.

      Meinen Nerven wäre Szenarion 1 sehr zuträglich.

      Noch ein anderes Thema: ich glaub, den Vereinsverantwortlichen (inkl. Aufsichtsrat) sind 6Mio Mühlsteine abgefallen, seit sie wissen, daß die Umschuldung der Fananleihe geklappt hat.

      Ab jetzt 20 Jahre lang Schulden abbauen, weil in den fetten Jahren kein einziger Cent zur Schuldentilgung zurückgelegt wurde und dann beim Abgang von bestellten Feldern reden. … Was ist eigentlich aus Ralph Woy geworden? Weiß das jemand?

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  • Holle,
    Hätte er doch die Hannover-Lösung schon bei uns umgesetzt.Das Ende mit Prinzen hat bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht.Für die zweite Liga ein Anderer ist ja durchaus vermittelbar.

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  • Auf 1,8 Mio. soll sich laut kicker nun die Rückkauf-Option für Werder belaufen. Statt der ehemals gehandelten 3 Mio. – da war wohl mehr der Wunsch der Vater des Baderschen Gedankens…

    Aber weiß einer, was eine Rückkauf-Option denn bedeutet?

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  • Alexander Endl – Clubfans United,
    Das wird ein Recht sein, den Spieler zu einem festgesetzten Preis (1,8 Mio.) abzulösen. Die Frage wäre, ob der Spieler wollen muss oder ob das gegen den Willen des Spielers geht. Ich denke aber, dass auch der Spieler das wollen muss, weil sonst wäre es ja keine „Kaufoption“, sondern eine Art Rückholung gegen Gebühr nach Leihe.

    1,8 Mio. sind aber verdammt wenig, wenn man berücksichtigt, dass die englische Liga im Sommer wieder voll zuschlägt und einige Bundesligisten dann wieder einen Batzen Geld zur Verfügung haben.

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  • Nur noch 30l Bier da. Auf die fettige Aioli-Sauce haben wir einen fränkischen Mirabellen aus Escherndorf gebraucht.
    Bochum ist nicht zuverlässig. Alles müssen wir alleine machen. Dann hauen wir halt den FCA oder den HSV in der Relegation in die zweite Liga.

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  • Huch, gerade ist hier ein Huhn mit Benzinkanister durchgerannt. Ich kann den Escherndorfer Mirabellenbrand empfehlen.

    Was hat denn MB gerade bei Sky im Interview zum Besten gegeben? Kommt doch noch Prinzen? Das ist ja recht spannend. Man muss nur mal die Wintertransfers von H96 ansehen. Eine Granate nach der anderen, die die Experten da verpflichtet haben. Sieben Spieler und keiner bringt was. Grandios. Das muss man erstmal hinbekommen, etwa 5 Mio. € auszugeben für nix.

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