Auf dem Tresen liegt ein Hut

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„Weem gheerdn deer Huud doo?“, fragte Alfred (klick) und stellte sich zwischen Hannes (klick) und mich an den samstagabendlichen Tresen und ich sagte: „Mir.“

„Woss läffsdn duu im Abrill midd amm Schdrohhuud durch die Geengd, nuch dazuu wenns schiffd wie bleed? Doo sedsi ma doch kann Schrohhuud auf.“

„Ist mein einziger. Ich habe keinen anderen Hut, den ich zücken könnte.“

„Huud ziggng? Worumm?“

„Weil der Club das Spiel noch gedreht hat. Was die Mannschaft heute in der zweiten Halbzeit geleistet hat, war phantastisch. 6:2 nach 0:2-Rückstand zur Pause, da kann ich nur sagen: Chapeau!“

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„Schdimmd scho. Iss scho richdich. Huud obb! Obba Duusl hodda aa ghabbd, da Glubb, dass da Schieri den Elfa zum Zwaa-Zwaa gebfiffm hodd. Wenn da Ausglaich nedd soo frieh fälld, waasd nedd, ob da Glubb dann nuch gwunna hädd. Doo hodda Duusl ghabd, da Glubb, Riesnduusl.“

„Er hat aber auch Pech gehabt, dass Füllkrugs Kopfballtor in der ersten Halbzeit nicht anerkannt wurde“, schaltete Hannes sich ein. „Klar war Füllkrugs Hand am Rücken des Gegenspielers. Aber ein Foul war das nicht. Das war ein normales Zweikampfverhalten in einem Kopfballduell. Wenn der Schiedsrichter da abpfeift, ist es konsequent, dass er dem Club diesen Elfmeter gibt. Vielleicht hat er ja gar nicht gepfiffen, weil Füllkrug zu Boden ging, sondern weil Behrens im Getümmel klar geklammert wurde. Wenn ein Schiedsrichter jeden Pipifax-Körperkontakt als Foul wertet, kommt er nicht darum herum, in dieser Szene auf Strafstoß zu entscheiden.“

„Iss ja aa worschd, obb dess a Elfa woor. Haubdsach da Glubb hodd na driddn Blods sicha. Eds isses endlich omdlich (klick).“

Der Wirt reichte mir ein Pils über den Tresen und grinste mich herausfordernd an: „Na ja, wenn der Club die letzten drei Spiel mit 0:3 verliert und Sankt Pauli gewinnt dreimal 4:0…“

„Ich hab‘ zwar einen Doktortitel“, sagte ich, „aber so theorieverliebt bin ich nicht.“

„Wärd obba schweer firn Glubb in da Relegadsjoon. Sauschweer wärd dess. Geecha Frangfurd kennad villaichd woss geh, obb blooß, wenn bai denna deer aane Schdirma doo, deer, deer, wie haaßda…“

„Meier“, sagte ich, „Alexander Meier.“

„…nedd schbilld. Obba glabbd ihr, dass da Glubb geecha a Monnschofd wie Breemen a Schongs hodd?“

„Glaub‘ ich nicht“, sagte der Wirt.

„Ich auch nicht“, bemerkte ich, „allerdings hab‘ ich heute beim Anpfiff zur zweiten Halbzeit auch nicht gedacht, dass unsere Mannschaft aus einem 0:2 ein 6:2 macht.“

„Weer scho bleed, wenns da Glubb nooch soo aana Sässong nedd baggng deed und in da näggsdn Sässong jeeda brauchboore Schbiela wooanäsch schbilld. Weer bleed, wenna widda bai Null oofannga missad, da Glubb“, sagte Alfred und tippte mir auf die Schulter: „Kumm, mier genga aane raang, hossd aane fir miech?“

Ich gab Alfred eine Blend 29 und stieg vom Barhocker und Hannes sagte: „Vergiss nicht, deinen Hut aufzusetzen.“

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[Zum Spiel: klickklickklick, klick.]

20 Gedanken zu „Auf dem Tresen liegt ein Hut

  • Chapeau dem Autor, dass er sein angekündigtes Versprechen wahr gemacht hat.

    Und wollen wir hoffen, dass auch am späten Abend des 23. Mai ein Hut auf dem Tresen in Bayreuth liegt…

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  • Manni der Libero:

    Und wollen wir hoffen, dass auch am späten Abend des 23. Mai ein Hut auf dem Tresen in Bayreuth liegt…

    Warum erst am 23.?
    Hoffentlich liegt der schon am 15. da!

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  • Die Rechnung vom Wirt ist auch nicht praxistauglich-es ist ausgeschlossen das der Club die nächsten drei Spiele 0:3 verliert und Pauli gleichzeitig alle Spiele 4:0 gewinnt.
    Eigentlich ist es,und er wird eingeschlossen sein in das Chapeau, an der Zeit vor Weiler den Hut zu ziehen.Was er innerhalb einer Saison aus dieser Mannschaft gemacht hat-Respekt

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  • Christian-Berlin,
    Stimmt. Wir müßten zweimal 4:0 und gegen Pauli 7:0 verlieren und Pauli zusätzlich zweimal 3:0 gewinnen.

    Da halte ich es doch noch für wahrscheinlicher, daß wir dreimal gewinnen (egal wie) und Leipzig zweimal nur unentschieden spielt und in seinem 3. Spiel nicht mit mehr als 8 Toren Unterschied gewinnt. Dann wären wir auf Rang zwei mit 68 Punkten und der besseren Tordifferenz.

    Ist das letzte Heimspiel eigentlich endlich ausverkauft?

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  • Zwischenfrage der kleine Club befindet sich als Tabellenzweiter mit 2 Punkten Abstand zum Tabellenersten auch in Aufstiegsgefahr. Was machmer denn, wenn es die Profis in die Belletage schaffen und die U21 in die 3.Liga, zugeben rein hypothetisch aber ja nicht unmöglich bei der Konstellation, wäre das finanziell überhaupt stemmbar?

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  • Für die U21 ist kein Lizenzantrag für die 3. Liga gestellt worden. D.h. selbst als Tabellenerster der RL Bayern werden sie nicht an den Aufstiegsspielen teilnehmen.
    edit-war schon jemand schneller…

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    • belschanov:
      Florian Zenger,

      wobei – so kann man spekulieren – der Lizenantrag nicht gestellt wurde, weil die Sache finanziell nicht zu stemmen wäre.

      Kommuniziert wurde dies so, dass man jedes Jahr evaluiert, ob ein etwaiger Aufstieg in die dritte Liga hinsichtlich der Talentförderung, in erster Linie abhängig vom vorhandenen Personal, sinnvoll wäre, und man aktuell der Ansicht sei, dass in der Regionalliga eine bessere Talentförderung möglich ist.

      Die finanziellen Aspekte dürften bei dieser Entscheidungsfindung natürlich trotzdem einen nicht unerheblichen Faktor dargestellt haben.

      Allerdings frage ich mich schon, ob man in der dritten Liga Talente wirklich bestmöglich fördern kann. Bisher war die Rolle aller Zweitvertretungen in der dritten Liga stets mehr oder weniger auf den Abstiegskampf beschränkt. Ob die Art und Weise, wie man dann in der Regel spielen muss, für die Entwicklung von jungen Spielern das Optimale ist, halte ich für fraglich.

      Zudem habe ich rein subjektiv, ohne jetzt groß in die Statistiken zu schauen, nicht den Eindruck, dass Vereine über Zweitvertretungen in der dritten Liga mehr Talente an die Profis heranführen würden als wenn diese in der Regionalliga spielen.

      Und ganz unabhängig davon finde ich, dass Zweitvertretungen in der dritten Liga generell nicht zugelassen sein sollten, da diese die Attraktivität der Liga schmälern.

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      • Scramjet: Zudem habe ich rein subjektiv, ohne jetzt groß in die Statistiken zu schauen, nicht den Eindruck, dass Vereine über Zweitvertretungen in der dritten Liga mehr Talente an die Profis heranführen würden als wenn diese in der Regionalliga spielen.

        Die Aussicht für ein Talent 3. Liga spielen zu können (und sich für den Verein oder auch andere Vereine so zu empfehlen) ist sicher attraktiver als Regionalliga.

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        • Alexander Endl – Clubfans United: Die Aussicht für ein Talent 3. Liga spielen zu können (und sich für den Verein oder auch andere Vereine so zu empfehlen) ist sicher attraktiver als Regionalliga.

          Das mag stimmen, aber das ist nicht das, worauf ich hinaus will.

          Das Entscheidende ist doch vielmehr: Ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich besagtes Talent bei den Profis durchsetzen kann, größer wenn er bei der zweiten Mannschaft in der dritten Liga spielt im Gegensatz zur Regionalliga?

          Ich habe nicht den Eindruck, dass dies der Fall ist.

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          • Scramjet: Das Entscheidende ist doch vielmehr: Ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich besagtes Talent bei den Profis durchsetzen kann, größer wenn er bei der zweiten Mannschaft in der dritten Liga spielt im Gegensatz zur Regionalliga?

            Die Antwort liegt irgendwie für mich auf der Hand. Wenn ich mich im Liga-Alltag mit höherklassigen Gegner messen kann und mich da durchsetze, ist der Sprung zur Bundesliga/2. Liga naheliegender. Allerdings ist das auch so eine Sache und nicht so einfach, wie man aktuell bei den „U21“-Teams von Bremen und Stuttgart sieht, die derzeit abstiegsbedroht sind.

            Wahrscheinlich macht es sich unter dem Strich nicht viel aus (sportlich), die Vorteile werden durch die Nachteile aufgefressen (Anforderungen 3. Liga, längere Reisezeiten) und wichtig ist eher, dass die Talente Spielpraxis bekommen und unabhängig vom Tabellenstand die Spielphilosophie des Vereins verinnerlichen.

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            • Alexander Endl – Clubfans United: dass die Talente Spielpraxis bekommen und unabhängig vom Tabellenstand die Spielphilosophie des Vereins verinnerlichen

              In dem Zusammenhang gibt es in der heutigen taz ein interessantes Interview mit einem Hamburger Sportpsychologen (dessen Sohn in der Leipziger Jugendakademie kickt), der dem DFB und den Nachwuchsleistungszentren die völlige Vernachlässigung der menschlichen/psycholoigischen/mentalen Seite der Jugend- und Juniorenausbildung vorwirft.

              Ausführlicher nachlesen kann man das wohl in dem soeben erschienen Buch der beiden SZ-journalisten Lorenzen/Marwedel unter dem Titel „Die Zukunft des Fußballs . Woher die nächsten Weltmeister kommen – Recherchen im System Jugendfußball“. Wäre doch was für Florians Pfingsferien…

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  • Geh ich auch von aus. Am Valznerweiher hätte man dann gar nicht mehr spielen können. Außerdem hätte man extrem Qualität zukaufen müssen.

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  • Scramjet,
    man sollte da auch nicht vergessen, dass es v.a. auch die A Jugend ist aus der die Talente gezogen werden. Zumindest bei den Bundesligavereinen springen die Spieler zumeist aus der U19 direkt in den Profikader.

    Auch die Abgänge der Club U21 finden sich mehrheitlich in die 3ten oder 4te Liga (z.B. Gärtner über Mainz nach Mannheim, Bihr 3te, Pachonik 3te). Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass die Chancen in U23 Mannschaften generell schon arg bescheiden sind den Sprung in die 1.Liga noch zu packen.

    Zum Thema Jugend beim Club wäre sicherlich ein Hintergrund Artikel mal nicht schlecht, hat da einer der Autoren Ahnung? Da spielt ja auch das Thema der (vermuteten) Nicht-Verlängerung von Prinzen mit rein.

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  • Ein richtig guter Nachwuchskicker fällt auch in der Regionalliga auf und kann dann immer zu den Profis hochgezogen und an den Kader herangeführt werden. Erst mittrainieren, dann vielleicht Trainingslager und dann eben in den Profialltag.
    Siehe Erras.

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  • Ich finde auch für die 3. Liga bräuchte man wieder einige gestandene 1b Profis, die Anfoderunden würden eher junge Talente aus der U21 blockieren.

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