Vom Mitleid gelähmt – Das Faninterview zum Duell mit dem KSC

Im Exklusivinterview vor dem Spiel Karlruher SC gegen den 1. FC Nürnberg: KSC-Fan Kirsten

Eine der interessantesten Fragen beim 1. FC Nürnberg beantwortete Trainer Alois Schwartz auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC gleich direkt und ohne Nachfrage. Thorsten Kirschbaum bleibt bis auf Weiteres die Nummer Eins im Tor des 1. FC Nürnberg. Die Begründung liegt nahe: Kirschbaum, 29 Jahre alt, brachte sich mit guten Leistungen in den letzten fünf Spielen wieder ins Rampenlicht. Besonders in der Ausstrahlung habe sich der gebürtige Würzburger laut Trainer Schwartz verbessert. Kein Grund also erneut einen Torwartwechsel zu vollführen. Gerade auch, weil der mittlerweile bald 38-jährige Raphael Schäfer wohl am Saisonende endgültig seine Fußballschuhe an den Nagel hängen wird. Laut Schwartz war die Entscheidung keine gegen Schäfer, sondern für Kirschbaum. Man sei froh, dass Raphael Schäfer wieder zurück ist. Sowohl auf als auch neben dem Platz kann er mit seiner Erfahrung etwas zum möglichen Erfolg beitragen und wird deshalb auch in Karlsruhe zum Kader gehören, dort aber auf der Bank sitzen.

Fehlen werden weiterhin die Langzeitverletzten Enis Alushi, Patrick Erras und Georg Margreitter. Shawn Parker (im Training umgenickt), Tim Leibold (Adduktorenprobleme) und Cedric Teuchert (Oberschenkelprobleme) sind derzeit angeschlagen, deshalb will Schwartz von Tag zu Tag schauen, ob für sie ein Einsatz oder Kaderplatz in Karlsruhe in Frage kommen. Definitiv ausfallen wird der nach seiner gelb-roten Karte gegen Union Berlin gesperrte Edgar Salli. Ein möglicher Ersatz für den Kameruner wäre wohl – unter der Voraussetzung eines Ausfalls von Tim Leibold – Rurik Gislason. Der Isländer hatte sich zuletzt im Testspiel gegen Jahn Regensburg wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert und musste mit einigen anderen Mannschaftskollegen noch in der Halbzeit zum Lauftraining um „die Kilometer aus der ersten Halbzeit nachzuholen“, so Schwartz. Den berühmten Wink mit dem Zaunpfahl scheint Gislason aber verstanden zu haben und machte über gute Trainingsleistungen wieder auf sich aufmerksam.

Unsere Spielvorbereitung in Sachen KSC hatte weniger mit Kilometer nachholen zu tun und – wie immer – mehr mit Gespräch suchen. Vor dem Spiel sprachen wir mit Twitter-Userin Kirsten ( @schrokim) über die Sache mit dem Kopf, zuviel Mitleid und die neue Fußball-Hochburg in der Zweiten Liga.

[Clubfans United] Hallo Kirsten! Schön, dass wir dich als Interviewpartner gewinnen konnten. Empfohlen wurdest Du uns via Twitter von @ballreiter. Da Dich die wenigsten Leser unseres Magazin kennen werden, stelle Dich bitte einmal kurz vor.

[Kirsten] Ich heiße Kirsten, wohne in Karlsruhe und gehe seit meinem 13. Lebensjahr in den Wildpark, bin Mitglied mit Dauerkarte. Ich war lange Zeit Allesfahrer, allerdings habe ich mittlerweile die Auswärtsfahrerei deutlich reduziert.

[Clubfans United] Unser Interview-Partner vom Vorjahr, der geschätzte @ballreiter, erwähnte, mit einem Grinsen im Gesicht, dass Du Vorsitzende des Thomas Oral-Fanclubs bist. Was hat es damit auf sich?

[Kirsten] Da muss sich Ballreiter noch einem Gespräch stellen 🙂 Das war Ironie. Ich äußere mich mitunter kritisch über den Trainer und bin daher weit davon entfernt, einem Oral-Fanclub beizutreten oder gar den Vorsitz zu übernehmen.

[Clubfans United] Ohne groß darüber nachzudenken fallen einem beim Thema KSC und FCN gleich mehrere Gemeinsamkeiten auf. Beide knapp, wenn auch der KSC um ein Vielfaches unglücklicher, in der Relegation gescheitert. Wie bei uns aktuell, verlief euer Saisonstart nach der Relegation holprig und am Ende wurde man “nur” Siebter. Woran hat es damals bei euch gelegen, alles nur Kopfsache?

[Kirsten] Ja, ich glaube größtenteils war das reine Kopfsache. Nach der Relegation ist der Verein und das gesamte Umfeld in Selbstmitleid zerflossen. Nicht ein paar Tage, sondern fast die ganze folgende Saison. Erschwerend kam hinzu, dass danach die Relegation bei jedem Interview, jeder Sky-Übertragung, etc. immer wieder Thema war, die ganze Saison über. Und so schön auch die Sympathie von Fußballdeutschland während der Relegation war, das Mitleid hat den gesamten Verein gelähmt.

[Clubfans United] Des Weiteren mussten beide Vereine ihre Saison unfreiwillig mit einem neuen Trainer beginnen und stehen mit acht Punkten im unteren Tabellendrittel. In Nürnberg musste Alois Schwartz von Beginn an viel Kritik einstecken, wie sah das Thomas Oral in Karlsruhe aus?

[Kirsten] Schon bei Bekanntgabe von Oral als Kauczinski-Nachfolger wurde in Karlsruhe „gebruddelt“. Und der schlimme Saisonstart verstärkt dies natürlich auch. Von vielen war er von vornherein nicht der Wunschtrainer und er muss liefern, was bisher nicht geschah. Er hat es sozusagen nicht leicht, die Kritiker sind laut.

[Clubfans United] In Nürnberg denkt man derzeit vorsichtig über eine Änderung der Rechtsform (Ausgliederung der Profimannschaft) nach. Gibt es in Karlsruhe ähnliche Gedanken?

[Kirsten] In Karlsruhe wird dies als Option für die Zukunft gesehen. Das Präsidium äußerte sich dahingehend, dass es aber kein Allheilmittel wäre und gut vorbereitet sein muss.

[Clubfans United] Karlsruhe, Kaiserlautern, Stuttgart. In den 90ern eine Fußball-Hochburg in der Bundesliga. Heute sind die drei genannten Vereine zusammen mit dem SV Sandhausen eine Südwest-“Hochburg” in der zweiten Liga. Deprimierend?

[Kirsten] Es ist natürlich deprimierend, dass sich der Fußball dahingehend verändert, dass immer mehr konzernorientierte oder auf Marketing basierende Vereine in der Bundesliga Fuß fassen. Auf der anderen Seite machen prominente Abstiege die 2. Liga auch interessant. Die 2. Liga verliert immer mehr das Image der grauen Maus und als Fan eines Zweitligavereins sind solche Duelle großartig.

[Clubfans United] Enrico Valentini sagte jüngst im einem Interview auf liga-zwei.de über einen möglichen Wechsel nach Nürnberg “Es wäre sicherlich ein Traum, da ich die Stadt liebe”. Sein Vertrag läuft in Karlsruhe am Saisonende aus. Können wir uns Hoffnungen machen?

[Kirsten] Generell ist es ja so, dass man auf Aussagen von Profifußballern zunächst mal nicht viel geben sollte 🙂 Aber Valentini ist in Nürnberg geboren, seine Schwester arbeitet beim Club, da wäre ein Wechsel zum FCN fast schon naheliegend.

[Clubfans United] Im letzten Jahr war Karlsruhe für uns einer der Stolpersteine im Kampf um den zweiten Tabellenplatz. Was haben wir dieses mal vom Karlsruher SC zu erwarten?

[Kirsten] Angst muss man derzeit vor dem KSC nicht haben. Oftmals komme ich mir wie im Testspielmodus vor, aber vielleicht wurde die Länderspielpause genutzt, um den Schalter umzulegen. Ein besonders attraktives Spiel erwarte ich von beiden Seiten nicht.

[Clubfans United] Dein Tipp?

[Kirsten] 2:1 für den KSC. Nicht, weil wir so stark sind, sondern weil es Zeit wird und man Heimspiele einfach gewinnen muss 🙂

[Clubfans United] Vielen Dank für das Interview! Das letzte Wort gehört dir! Was muss noch gesagt werden.

[Kirsten] Gerne. Mein letztes Wort? #nurderksc

Das Interview führte Stefan Helmer[Clubfans United] mit Kirsten[@schrokim] am 14.10.2016 via E-Mail.

 

8 Gedanken zu „Vom Mitleid gelähmt – Das Faninterview zum Duell mit dem KSC

  • Danke für das Interview, morgen gilts.

    Da schau her: Für Stuttgart ist Braunschweig heute in Dresden!
    Und die Westvorstadt sieht auch nicht gut aus.

    Die zweite Liga ist wirklich sehr interessant.

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    • Woschdsubbn: Danke für das Interview, morgen gilts.

      Da schau her: Für Stuttgart ist Braunschweig heute in Dresden! Und die Westvorstadt sieht auch nicht gut aus.

      Die zweite Liga ist wirklich sehr interessant.

      Der arme junge VFB Trainer „Nach dem 0:1 haben wir uns komplett verloren.

      Wir müssen den Schmerz jetzt zulassen.“

      Jetzt hoffe ich, daß es für uns und für Alois Schwartz heute ohne Schmerzen in Karlsruhe abgeht,aber ich habe mir schon mal eine Ibu zur Seite gelegt.

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      • Juwe: Jetzt hoffe ich, daß es für uns und für Alois Schwartz heute ohne Schmerzen in Karlsruhe abgeht,aber ich habe mir schon mal eine Ibu zur Seite gelegt.

        Was waren das für schöne Zeiten, als noch ein Aspirin ausreichend war 😉

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  • Aha! DD ist bei euch Dynamo Dresden, ich hatte schon überlegt was jetzt Düsseldorf mit uns zu tun hat.

    Zum Interview, von mir aus darf es ruhig ein langweiliges unattraktives 0:2 werden 😉

    Und noch ein Wort zur neulich angesprochenen unterschiedlichen Sichtweise der Spiele im TV oder im Stadion. Ich würde die Spiele lieber von der Taktik-Cam Perspektive aus verfolgen, ich finde diese Ansicht viel aufschlussreicher. Aber das doofe Sky sendet ja nur das Topspiel aus dieser Perspektive.

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  • Holle,
    Also ich muss doch sehr bitten – D is D, also F95, und DD is Dresden😁 Ein langweiliges, unattraktives 0-2 würde den Sonntag trotzdem definitiv aufhübschen!

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