Monaco

„Vo die ledsdn segs Schbiele fimf gwunna und aamoll unendschiedn, nedd schlechd, Herr Schbechd!“, sagte Alfred (klick) am sonntagabendlichen Tresen. „Viellaichd rollnsa ja dess Feld widda vo hindn auf, soo wie in da ledsdn Sässong.“

Ich schaute nach rechts zu dem Tisch in der Ecke, wo drei Männer Karten spielten, offenbar Poker, und hörte die Stimme von Hannes: „Vier Punkte auf den dritten Platz. Das lässt sich aufholen. Schade, dass Stuttgart gewonnen hat, wenn die nicht gewonnen hätten, wäre sogar der zweite Platz in Reichweite. Aber auch…“

Einer der Männer, so Anfang sechzig, trug Anzug und Krawatte, die beiden anderen waren deutlich jünger…

„…sieben Punkte sind nicht unaufholbar. Sind ja noch zweiundzwanzig Spiele (klick).“

…Baseballmütze mit dem Schirm nach hinten auf dem Kopf der eine, lichte Stirn, gepflegter Vollbart, an den Ellbogen ausgebeulter Rollkragenpullover der andere, Typ Studienrat, Mathematik und Physik.

„Freut mich für Schwartz, dass es jetzt gut läuft“, sagte der Wirt über den Tresen, „kann gar nicht sagen, wie mich das freut. War ja fast schon unverschämt, wie der Mann von manchen selbsternannten Experten…“

„Keksperten“, sagte ich, um eine Titulierung ins Spiel zu bringen, mit dem mein ehemaliger Sport- und Lateinlehrer Eleven bedachte, die kenntnisreich über Dinge schwadronierten, von denen sie keine Ahnung hatten.

„…angegangen worden ist. Es kann doch nicht sein, dass jede Aus- und Nicht-Auswechslung zum Anlass genommen wird, einem Trainer den Sachverstand abzusprechen…“

„Wobei man“, schaltete Hannes (klick) sich ein, „Sepsi gegen Aue eigentlich hätte rausnehmen müssen. Man sollte sowieso Leibold als Linksverteidiger aufbieten und Kammerbauer sollte neben Petrak im defensiven Mittelfeld spielen, zumindest so lange, bis Behrens wieder fit ist.“

Der Physiklehrer mischte und ließ abheben.

„Die solln den Schwadds edsad amoll machng lossn. Deer waaß scho, wossa machd. Vomm Burgschdalla hoddma aa nedd vill gsääng, woor aichndlich a schwogs Schbill vomm Burgschdalla, obba da Drääna hoddna draufglossn und dann hodda dess Schbill endschiedn.“

Der Mann mit der Baseballmütze legte zwei Chips in die Mitte des Tisches.

„Burgstaller wechselt man nicht aus“, sagte ich und wandte mich zum Wirt: „Die spielen da doch Poker. Ist das eigentlich erlaubt? Das ist doch ein Glücksspiel. Ich dachte immer, dass das öffentlich nicht…“

„Die spielen um Chips. Offiziell.“

„Verstehe.“

„Der vornehme Mann im Anzug ist Chefarzt im Klinikum. Die spielen öfters hier.“

„Woor nodierlich aa Gligg, dass da Kobfboll vomm Burgschdalla firn Doorwadd bleed obbgfälschd worn iss. Obba worumm sollma nedd aa amoll Gligg hoom?“

Der Chefarzt schien etwas bemerkt zu haben. Er stand auf und trat zu uns an den Tresen: „Hat jemand von Ihnen Interesse an der Partie teilzunehmen? Wir sind nur zu dritt. Vier, besser noch fünf Spieler wären eine ideale Runde.“

„Warum nicht?“, sagte ich.

„Doo soochi nedd naa.“

Wir setzen uns an den Tisch.

„Übrigens“, sagte der Chefarzt, „Süßklebe mein Name. Professor Reginald Süßklebe.“

„Schnabel“, erwiderte ich. „Doktor Michael Schnabel. Aber nennen Sie mich Cincinatti.“

„Wir haben nur Karten mit französischem Bild, keine amerikanischen“, bedauerte Süßklebe. „Ist nicht ganz stilecht.“

„Dann nennen Sie mich Monaco.“

Süßklebe erklärte: „Zwanzig Cent die weißen Chips, vierzig die blauen und ein Euro die roten. Jeder Spieler startet mit vierundzwanzig Euro. Zwanzig Cent Grundeinsatz.“

Er verteilte die Chips, mischte die Karten und streifte den Kartenstoß mit der rechten Hand über den Tisch. Ich zog die Karo As und hatte die höchste Karte.

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„Eckstein As gibt“, sagte ich und nahm die Karten.

„Karo As“, korrigierte der Physiklehrer.

„Eckstein kann man auch sagen“, entgegnete Süßklebe. „Es gibt übrigens auch Leute die sagen nicht Kreuz, sondern Treff.“

Mischen…

…abheben lassen…

…geben.

„Hodd aana a Zigareddn fir miech?“

„Hier drinnen dürfen Sie nicht rauchen“, sagte Süßklebe.

„Iech zindsa ja nedd oo. Obba Boogan ohne Zigareddn, dess gehd goor nedd.“

Ich gab Alfred eine Blend 29 und Alfred steckte sie sich hinters Ohr.

Karten aufnehmen:

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Aus den Boxen klang:

YOU’VE GOT TO KNOW WHEN TO HOLD THEM,

„Weiter“, sagte der Mann mit der Baseballmütze.

KNOW WHEN TO FOLD THEM

Süßklebe setzte zwanzig Cent, der Physiklehrer ging mit, Alfred erhöhte um zwanzig. Ich brachte die vierzig Cent, der Mann mit der Baseballmütze stieg aus und Süßklebe zog gleich.

Kartentausch.

„Eine, bitte!“, sagte Süßklebe.

Ich zog die oberste Karte vom Stoß, warf sie ihm hin und legte die abgelegte Karte unter den Stoß. Der Physiklehrer tauschte ebenfalls eine, Alfred zwei Karten.

Ich taxierte: Eine…

THE SECRET TO SURVIVING IS KNOWING WHAT TO THROW AWAY

…oder drei?

AND KNOWING WHAT TO KEEP

„Eine“, sagte ich und unwillkürlich stellte ich mir die Frage, ob der Club im Sommer 87 auch 0:1 in München verloren hätte, wenn Höher Eckstein früher eingewechselt hätte (klick).

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KLICK

[Zum Spiel: klick, klick, klick.]

5 Gedanken zu „Monaco

  • Nun traut sich vermutlich keiner, die Frage zu stellen, die sich jeder natürlich fragt…

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  • Der gepflegte Club-Fatalist erwartet natürlich, dass während man von der Wiederkehr des großen Eckstein träumt, ein Treff (von franz. trèfle, Kleeblatt) einen jäh aus den triumphalen Träumen reißt…

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  • Subtil, der schwarze König passt nicht in die Reihe.Aber kommt jetzt auch das Eckstein As?

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