Preußen Münster

„Wenn die bleedn Minsdara nedd valoorn häddn, häddi nainzich Euro im Oddsedd gwunna“, lamentierte Alfred (klick) am samstagabendlichen Tresen, „valiern die dahaam geecha Baadaborn, die Bleedl, olles annare hobbi richdich gedibbd, dass Augsburch baim HaÄssVau valierd und dass Ingolschdodd geecha Laibdsich gwinnd, bloß die bleedn…“

„Preußen Münster ist halt auch nicht mehr das, was es einmal war“, sagte der Wirt über den Tresen.

„Hauptsache der Club hat gewonnen“, bemerkte Hannes (klick).

„Bringt ihn auch nicht weiter“, entgegnete ich.

„Der Club hat gewonnen“, beharrte Hannes. „Das ist ein Anlass zur Freude.“

„Aber die Gesamtsituation! Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!“

K L I C K

„Wenn sie ausgliedern, wird’s hoffentlich besser (klick)“, sagte der Wirt. „Muss natürlich eine solide Sache sein. Aber wenn Meeske die Sache jetzt anleiert, wird er wahrscheinlich schon vorbereitende Gespräche mit möglichen Investoren geführt haben.“

„Erst muss man die Ausgliederung bei den Mitgliedern mal durchkriegen“, gab ich zu bedenken. „Ob man die nötige Dreiviertelmehrheit bekommt, ist nicht sicher. Da gibt’s einige, die diesen notwendigen Schritt verhindern wollen.“

„Die Volldroddl midd ihre Bengaalos, die senn beschdimmd dogeegn.“

„Die Ultras sind halt gegen Kommerzialisierung“, erklärte Hannes. „Sie sind antikapitalistisch.“

„Antikapitalistisch?“, blaffte ich. „Wenn sie antikapitalistisch sind, wogegen es ja nichts einzuwenden gibt, sollen sie demonstrieren oder in den politischen Untergrund gehen, aber sie sollen nicht einen Fußballverein kaputtmachen! Wobei das Ganze ja sowieso idiotisch ist. Als ob ein eingetragener Verein im Profisport den Gesetzen des Kapitalismus nicht ebenso unterworfen ist wie eine GmbH oder AG!“

„Logisches Denken“, warf der Wirt ein, „gehört nicht zum Selbstverständnis der Ultras.“

„Volldroddl senn dess, Volldroddl! Denna isses doch worschd, in welcha Liecha da Glubb schbilld, Haubdsach die kenna ihra Faaiala schiern. Und vomm Geechna die Fohna glaua. Und sich mid die Fänns vom Geechna foddzn, wenn die ihr Fohna zärigghoom wolln…“

„Und Böller zünden, damit der ohnehin schon marode Verein immer schön Strafen zahlen darf“, ergänzte der Wirt.

„…Soo bleed kosst ja goor nedd saa. Olls wennsa dauand bsuffm weern. Senn die bsuffm odda senn die wärgli soo bleed?“

„Eine gravierende Maßnahme ist die Ausgliederung schon“, sagte Hannes. „Schließlich verliert der Verein seine Unabhängigkeit…“

„Als ob der 1. FC Nürnberg jetzt unabhängig wäre?“, grätschte ich dazwischen. „Ständig die Scheißauflagen wegen der Reduzierung des negativen Eigenkapitals. Ständig diese Knebelung! Wenn’s blöd läuft, gibt’s zu Weihnachten einen Punktabzug. Nennst du das Unabhängigkeit? Der Club braucht Handlungsspielraum! Der Club braucht Unabhängigkeit! Mit dem Geld von Investoren verbessert sich die Kapitallage und der Verein ist ein Stück weit handlungsfähiger. Klar ist der Erfolg auch bei einer Ausgliederung der Profiabteilung kein Selbstläufer. Aber die Perspektiven sind auf alle Fälle besser als bei der gegenwärtigen Vorsichhinwurstelei.“

„Seh‘ ich auch so“, sagte der Wirt.

„Wenn der Club den Status als e.V. aufgibt, verliert er seine Identität“, argumentierte Hannes.

„Identität?“, fragte ich. „Die Identität des Clubs ist erste Liga. Die Identität des Clubs ist deutscher Spitzenfußball. Und ich sage dir auch, warum das so ist: Weil sich das aus seiner Tradition als neunmaligem deutscher Meister und vierfachem Pokalsieger ergibt. Weil sich das aus seiner historischen Würde ergibt. Die Öffnung des 1. FC Nürnberg für Investoren, das ist wahre Traditionspflege!“

„Leicht pathetisch, aber in der Sache völlig richtig“, pflichtete der Wirt mir bei. „Ausgliederung ist die letzte Chance. Sonst landet der Club auf Dauer in der dritten Liga. Und Preußen Münster darf nicht die Identität des 1. FC Nürnberg sein.“

Der Wirt stellte ein frisches Pils vor mich auf den Tresen und ich nahm einen Schluck.

Hannes hob sein Weizenbierglas und sagte: „Prost! Recht habt ihr. Und ich seh‘ das genauso.“

„Worumm reddsdn dann soo bleed doheer?“

„Ich hab‘ nur ein bisschen den Advocatus Diaboli gespielt.“

„Woss hossd gschbilld?“

„Den Anwalt des Teufels. Und ich fürchte, der Teufel sitzt mitten im Verein.“

„Beat the devil“, sagte der Wirt und ging zur Stereoanlage.

„A Gwaaf iss dess haid widda. Kumm, Michael, mier genga aane raang.“

Ich gab Alfred eine Blend 29 und aus den Boxen klang:

K L I C K

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

7 Gedanken zu „Preußen Münster

  • So isses! Wobei der Teufel eher steht und böllert als sitzt… 😉

     

    Shout at the devil! No surrender to the BdA!

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  • Beat the devil…
    Tja.
    Wird schwer, Kris.
    Der Teufel sitzt fest im Sattel und missbraucht schon Bruce Springsteens “No Surrender“ als Bannerspruch.
    Dabei würde euch Bruce never ever auf die Bühne lassen wie diese zwei Jungs (die können vielleicht nicht so gut singen, aber sie begreifen das Lied):

    youtu.be/zbHpjWy_zMg

    Sry, Bruce, ich muss mich fremdschämen…

    Es wird höchste Zeit zu handeln und Selbstverliebte und Schläger auszuschließen.

    Es wird Zeit.
    Zuviel Zeit wurde schon verschwendet:

    youtu.be/Kg-Qdrr3XSk

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  • Herrlich! Erst der schöne Text, dann als Bonus Kris Kristofferson, der sofort Übersprungsgedanken auslöst: Seine Version von „Hemingway’s Whiskey“ auf dem wunderbaren Guy Clark-Tribute-Album, dessen „Dublin Blues“… Und dann noch „Wasted on the Way“ – CSN’s „Allies“ ist eine meiner runtergenudeldsten LP’s ever. Und wo’s scho widder ham schlächern müssen in Düdo, da fällt mir dann sofort das ein: youtu.be/Vpc0ZQqGKhQ

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  • Schön, dass zumindest belschanov sich hier pointiert und schlagfertig mit dem wichtigen Thema (ich wunderte mich über die redaktionelle Zurückhaltung bereits im anderen Threat) auseinandersetzt. Ich habe mir bei den „Argumenten“ des Fananwalts die Haare raufen müssen. Wird schwer für Meeske mit rationalen Argumenten da was zu bewegen. Mir kommt die Diskussion mehr und mehr vor, als würden ein Atheist und ein Katholik sich über die Staatsordnung verständigen wollen. Demokratie vs. von Gottes Gnaden … Glaube und Vernunft gehen leider schwer zusammen.

    @Clubfanseit1965: Lass dir doch ausnahmsweise dein Kommunikations Know-How eine Zeit lang nicht vergolden, sondern hilf, Traditionspflege beim Club möglich zu machen 🙂

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