Dominik!

„Dess woor a Kullaboll“, sagte Alfred (klick) am freitagabendlichen Tresen, „a Kullaboll woor dess, a windlwaags Schissla. Normool muss da Kibba denn Boll hoom, wohrschainli woorna di Sichd vaschberrd, sundsd häddana ghalldn.“

„Stimmt“, sagte der Wirt über den Tresen, „der Ball sah haltbar aus.“

„Wenn der, der – Subaaro…“

„Sabiri“, sagte ich, „Abdelhamid Sabiri“, und Hannes (klick) ergänzte: „Den Namen muss man sich merken.“

„…wenn der nedd gedroffm hädd und iech weer sai Dreena, iech häddna gfoddsd, wall deer muss doch obbschbilln, doo woor doch oom aana vellich fraai gschdandn, deer hädd a obdimoola Schussbossidsioon ghabbd, doo hädd a Bässla kumma missn. Wenn da Boll soo aa drinna iss, iss guud, obba wenn da Kibba denn ghalldn hädd, und aichndlich mussa denn halldn, hädda gfoddsd gheerd, walla nedd obbgschbilld hodd.“

„Die Zeiten der Prügelstrafe sind vorbei, Alfred!“, mahnte der Wirt. „Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht mehr im Mittelalter.“

„Genau!“, pflichtete ich mit erhobenem Zeigefinger bei. „Die westliche Zivilisation hat begriffen, dass das Erziehungsmittel der Züchtigung nicht gut fürs Lernklima ist. Das ist gut so und darüber sollte auch ein Konsens bestehen.“

Ich nahm einen Schluck aus dem Pilsglas.

„Hobbda scho rechd, iech maans ja nedd asoo, iech hobbs ja selwa nuch dalebbd in da Schuul, wiema Daddsn griecht hamm auf die Hend midn Linnejool (klick), und wennsd die Hend wegggedsoong hossd, hodds die dobblde Radsioon nuchamoll geem und Kubfniss homma griechd vom Bfarra, saggrische Kubfniss, jeeds mool voorm Komfammandnundarichd, in da Dier woora gschdandn, da Bfarra, und hodd an jeedn a Kubfnuss draufghaud, broffilaggdisch, broffilaggdisch hod a jeeds a Kubfnuss grichd, leggsdmamm Oorsch hodd dess gedsoong, iss scho richdich, dass dess haiddsadooch nimma…“

„Immerhin“, sagte Hannes, „sind Alfreds Strafmaßnahmen nicht so final wie die von Hans Meyer.“

„Stimmt“, nickte ich Hannes zu.

„Inwiefern?“, fragte der Wirt.

„Iss ne alte Geschichte“, sagte Hannes.

„November 2005“, bemerkte ich.

„Was war da?“

„Stadion ‚Grüne Au‘ in Hof“, begann ich zu erzählen. „Der Club trat da zu einem Testspiel gegen eine tschechische Mannschaft an. War das erste Spiel unter Hans Meyer nach der Entlassung von Wolf (klick).“

„Eds kummd widda a Annegdoodn.“

„Wir standen direkt hinter der Trainerbank“, nahm Hannes den Faden auf. „Irgendwann ließ sich Reinhardt auf ein gefährliches Dribbling vor dem eigenen Tor ein. Die Sache ging gut. War eigentlich eine brillante Aktion. Als Meyer das sah, brüllte er…“

„Nicht so schnell!“, unterbrach ich. „Bevor er brüllte, fragte er einen Betreuer, ich höre es wie heute: ‚Wie heißt der junge Blonde da drüben, der rechte Verteidiger?‘ Als er die Antwort bekommen hatte, brüllte er übers Feld: ‚DOMINIK!‘ Mit grimmigem Gesichtsausdruck: ‚DOMINIK!‘ Und als der herschaute: ‚Wenn du das in Kaiserslautern machst, und das geht schief – ERSCHLAG‘ ICH DICH!'“

„Eine Woche später hat der Club dann in Kaiserslautern gewonnen (klick)“, sagte Hannes.

„Und Reinhardt hat überlebt“, resümierte ich.

„Wie haaßd deer Saborro nuchamoll midd Voornooma?“

„Abdelhamid“, sagte ich.

Alfred stutzte: „Dann hodda Gligg ghabd, wall denn Nooma kossd ned gscheid schraaia. Obba soong mussna da Dreena scho, dassa doo aichndlich obbschbilln hädd missn. In olla Ruh mussanas soong.“

„Vielleicht war Schwartz ja sogar froh, dass Sabiri nicht abgespielt hat“, gab ich zu bedenken.

„Warum?“, fragte Hannes.

„Bei dem Mann, der frei stand, handelte es sich um Kempe.“

„Auf alle Fälle“, sagte der Wirt, „hat Sabiri enormes Potential.“

„Definitiv ein Mann für die Zukunft“, blickte Hannes nach vorne.

„Seh‘ ich auch so“, stimmte ich zu. „Wenn der weiterhin so aufspielt, kann man ihn vielleicht schon nach dieser Saison gut verkaufen.“

„Den Kammerbauer vielleicht auch“, fügte Hannes hinzu.

„Ich glaube, der nächste, der verkauft wird, ist Möhwald“, orakelte der Wirt.

„Das nennt sich Entwicklung“, konstatierte ich und hob mein Glas.

„Scho draurich, in welchm finonzielln Zuuschdond da Baada den Varain hindalossn hodd. Demm gheeradn wärgli a boor gschaide Dadsn. Miech wundads bloß, dass deer an naaia Dschobb gfunna hodd“, sagte Alfred und bat mich um eine Zigarette.

Ich gab ihm eine Blend 29 und bekam für den Rest des Abend ein Lied nicht mehr aus dem Kopf, das zu den schlimmsten Errungenschaften der westlichen Zivilisation zählt und dessen Schöpfer nicht nur Kopfnüsse und Tatzen, sondern eine gehörige Tracht Stockhiebe auf den Nackten verdient gehabt hätte, wenn es nicht eine Frau gewesen wäre:

KLICK.

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

26 Gedanken zu „Dominik!

  • 😀 für mich als jüngeres Semester ein absolutes Highlight, erst die Anekdote zu lesen und dann auf Spotify das Albumcover zu diesem Lied zu sehen – ein breites Grinsen am Sonntagnachmittag, vielen Dank!

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  • Eine der besten Thekengeschichten seit langer Zeit!! Einfach Super. Schade nur, daß Du Dir den Schluss nicht verkneifen konntest.

    Ich habe zwar 1963 dieses Lied auch mehr als gehasst. Zumal es genau in die beginnende Beat-Ära fiel. Aber eine Tracht Prügel hätten damals wohl eher die vielen Millionen Käufer verdient,- aber nicht die Interpretin und Schöpferin.

    Nix für ungut 😉

     

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    • Ich kannte dieses Machwerk tatsächlich nicht. Zum Glück spiele ich nicht mehr aktiv Fußball, denn da würde ich jetzt lange ausfallen, bis meine Zehennägel nicht mehr aufgestellt sind!

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  • Bis heute war mir dieses Elend erspart geblieben, na herzlichen Dank, auf den Ohrwurm „freue“ ich mich jetzt schon😳… Aber einen interessanten Lebenslauf hat sie.

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  • Ich gesteh, dieses “ nique,nique,nique“ gehört seit Erscheinen zu meinem musikalischen Leben. Kennengelernt zu einer Zeit, in der der innerste Familienkreis noch meine musikalische Entwicklung sehr stark beeinflußen konnte. Ich finds aber immer noch “ schee“…. 😉

    Genau dieser Egoismus , der auch einen Burgstaller auszeichnet(e), macht in gewisser Hinsicht den Unterschied aus: Den Erfolg eines unberechenbaren Individualisten! Diesen Individualisten, in einer  glattgebügelten Sportart, in der das Sportgerät ansonsten über die Torlinie kombiniert werden soll, mit Prügelstrafe bei Misserfolg zu drohen, finde ich unschön… 😉

    Aber wieder a ganz feines Gschichdle!!!

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  • Klasse, dann besteht bei belschanov weder der Verdacht eines Productplacements noch unzulässiger Inanspruchnahmer  jeglichen finanziellen Vorteils…

    Und ich bin auch noch stolzer Schnorrer einer Blend 29.. ( gewesen)… 🙂

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  • Die Tresengeschichten mit Schock-Fotos und Warnhinweisen, das sähe nicht schön aus. Bin ganz verblüfft, dass es die Blend 29 wirklich gab, ich dachte immer, die seien eine Erfindung wie die Big Kahuna-Burger aus den Tarantino-Filmen.

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    • Und dazu einen Spirituosen-Klassiker der deutschen Wirtschaftswunderjahre: Racke Rauchzart. Eine derbe Mischung aus Schwarzwälder Schinken und Brennspiritus, die sich allen Ernstes Whisky nennen durfte.

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  • Europapremiere für Burgstaller, freut mich für ihn.

    Bekommen wir dafür auch schon ein paar Euro?

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  • Ja Burgi macht sich gut, macht eigentlich genauso weiter wie in Liga 2 🙂 fast jedes Spiel ein Tor

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  • Ein Fussballspiel dauert 90 Minuten oder bis die Bayern ein Tor schießen. 😕
    Geschieht Hertha aber recht , weil Stark nur verlängert und nicht wechselt und uns keine weiteren Transfererlöse bringt.😜

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    • Das ist doch nichts neues, dass die Schiris immer für die Bayern pfeiffen.

      Die werden dafür schon gut entlohnt werden.

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  • Ob eine andere Mannschaft eine „aus 5 mach 6 min“-Verlängerung geschenkt bekäme? Ja, das Tor muss man dann natürlich auch erst mal neistuddern, aber trotzdem. Würg.

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    • die empörung ist mehr als daneben. so wie hertha am boden rumgerollt hat und zeit geschunden wären zehn minuten auch noch angebracht gewesen, erst recht bei zwei wechseln in der nachspielzeit.

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      • So langsam wie die Bayern in den vorhergehenden 90 Minuten gespielt haben grenzte das Ganze schon arg an der Spielverzögerung, da waren die 6 Minuten extra schon gerechtfertigt.

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      • Ich lass mir doch meine Vorurteile nicht von irgendwelchen sog. Fakten verwässern😎 Hm, ob ich mich in Markalternativefacts umbenenne?

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  • Ich bin eher gespannt auf heute im Derby gegen 1860 mit unserem Kinderriegel hinten Kammerbauer, Mühl, Lippert + Papa Even Hovland. Es kann schief gehen, aber es gibt ja fast keine bessere Testmöglichkeit als in dieser Saison mit genügend Puffer nach unten und nach oben in der Tabelle. Let’s do it….ja und ich habe ein gutes Gefühl dabei, selbst wenn der ein oder andere Patzer mal dabei sein sollte. Freu mich auf heute abend

     

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    • Ich freu mich auch drauf.

      Auch wenn es hinterher oft was zu bfobfern gibt: Es ist halt doch immer wie ein Feiertag, wenn man weiss, dass heut noch der Club spielt.

      Mein Verein, und er wird’s immer bleim.

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  • Na dann hole ich mir jetzt auch mal ein Bier und das Fachblatt 7 und bereite mich vor. Gibt’s noch a Interview?

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