Aus-Verkauf und Mondflug

„Die Elfa hodda sauba vasengd“, sagte Alfred (klick) am freitagabendlichen Tresen, „zwaamool floch in die lingge Eggng…“

„Zweimal exakt gleiche Ausführung“, bemerkte Hannes (klick)

„Zwillingsschüsse“, sagte ich und nahm einen Schluck aus dem Pilsglas.

„…Doo hodda a gliggligs Händla ghabd, da Kellna, dassa denn aigweggsld hodd, deer hodd a sundsd frischn Wind naigebrochd, deer deer, sai Vadda hodd frieha amoll baim VfB Schduddgadd…“

„Kempe“, sagte ich, „Tobias Kempe.“

„…Obba sundsd woor dess a schwoggs Schbill vomm Glubb, dess woor aa nedd bessa olds wie undam Schwadds, doo woor ka Fordschridd zu sääng…“

„Man muss dem neuen Trainer Zeit geben“, entgegnete Hannes.

„Iech glaab nedd, dass doo mehr rauszuhulln iss. Doo deed werdschainds aa da Gardjoola nix ausrichdn, woss willdsdn midd deer Monnschoffd mehr erraichng olds dess, wossd in da gandsn Riggrundn siggsd. Wennsa weenigsdns denn Burgschdalla nuch häddn, denn häddnsa nedd obbgeem därfm…“

„Zu dem, was du gerade gesagt hast, zwei Bemerkungen“, schaltete ich mich ein. „Erstens wissen wir nicht, ob Guardiola ein besserer Trainer ist als die Trainer, die der Club in dieser Saison hat beziehungsweise hatte, weil Guardiola noch nie eine mit biederen Zweitligaspielern bestückte Mannschaft trainiert hat…“

„Wäre wirklich interessant“, sagte Hannes, „wenn mal ein sogenannter Startrainer wie Guardiola oder Mourinho eine Mannschaft wie den Club oder den KSC trainieren würde. Ob die mehr Erfolg hätten?“

„Iss scho richdich, iss scho richdich.“

„…und zweitens musste der Club Burgstaller verkaufen, weil er sonst wahrscheinlich die Lizenz für die nächste Saison nicht kriegen würde. Das war ein Notverkauf.“

„Wobei“, sagte der Wirt über den Tresen, „die Lizenz auch so nicht gesichert ist. Wie zu lesen ist, muss der Club im Sommer einen – Zitat – mittleren siebenstelligen Betrag, also um die fünf Millionen Euro durch Transfererlöse erwirtschaften (klick). Der Ausverkauf geht also weiter.“

„Wen wolldn die nuch vakaafm? Doo iss doch kaana mehr doo, woo a gschaids Geld bringd. Die, woo Geld bringa. senn doch alle scho vakaafd.“

„Irgendwann hat es sich ausverkauft“, sagte ich und nahm einen Schluck aus dem Glas.

„Möhwald ist sicherlich auch in der Bundesliga begehrt“, entgegnete Hannes, „Behrens vielleicht auch.“

„Aber nur, wenn sie in den restlichen Spielen bessere Leistungen zeigen als zuletzt“, gab ich zu bedenken. „Könnte eng werden, die  Lizenz zu kriegen. Leibold wäre ein heißer Verkaufskandidat, aber der kann wegen Verletzung am Schaulaufen nicht teilnehmen. Vielleicht empfiehlt sich ja Petrak, der heute allerdings auch nicht so recht überzeugen konnte.“

„Odda da Kemmbe, deer kennad villaicht sogoor in da Dschämmbjänsliech aigsedsd wärn, iech maan nedd imm Schbill selba, obba imm Elfmeedaschießn. Und in da ledsdn Sässong hammsa soo an Longa ghabd, an ganz Junga, imm Middlfeld hodda gschbilld, woor a guuda Moo, obba deer hoddsi dann aa valedsd und iss bis haid nuch nedd widda auf die Baa kumma.“

„Wenn sich Erras nicht verletzt hätte“, sagte ich, „wäre der bestimmt vor dieser Saison schon veräußert worden.“

„Die grieng doch für näggsds Johr ka gschaide Drubbm heer, die missn doch aufbassn, dassa nedd obbschdaing. Doo kennasd ja koddsn, wennsd in die Zuukumbfd schaust.“

„Das sehen nicht alle Fans so, Alfred“, erwiderte der Wirt, „viele freuen sich, dass das Stadion vielleicht bald Max-Morlock-Stadion heißt und sehen darin die Erfüllung ihrer Wünsche, und zwar egal, ob der Club in der Bundesliga spielt oder in der Regionalliga.“

„Na Morlogg wennsa nuch häddn, denn kennadnsa guud vakaafm. Deer deed an Haufn Geld bringa. Nooch haidichng Mooßschdeem wohrschainli värdsich bis fuchdsich Milljoona.“

„Den hätte man klonen müssen“, sagte der Wirt.

„Leider war die Wissenschaft damals noch nicht so weit“, stellte ich fest.

„Ist sie ja heute noch nicht“, korrigierte Hannes.

„Wall die Wissnschoffdla nix kenna!“, echauffierte sich Alfred. „Wallsa nix draufhamm!“

„Das kann man so nicht sagen“, beschwichtigte Hannes.

„Wallsa blooß reedn kenna, obba nix laisdn! Nooch da Moondlandung hodds ghaaßn, dess dauad nimma lang, dann landn Menschn aufm Mars, und bis haid, fuchdsich Johr schbeeda, iss nix gschääng! Voor a Boor Johr hommsa gmelded, dass ball Laid zum Mars gschiggd wern solln, ohne Riggfluuchkaddn, irchnd a holländische Firma will dess machng (klick), doo heersd aa nix mehr davoo. Wallsas nedd hiegrieng. Wallsa blooß reedn und nix ferdichbringa! Genau wie baim Glubb! Die reedn a blooß fordna und bringa nix zamm! Wallsa nix kenna! Wallsa nix draufhamm! Die kossd doch alle aufn Moond schießn, auf di Riggsaidn vomm Moond kossd die schießn, ohne Riggfluuchkaddn! Am bessdn glai selba miedflieng! Wall dess häldsd ja nimma aus, nimma zum Aushaldn iss dess!“

„Höchste Zeit für eine Zigarette“, schlug ich vor. „Komm, Alfred, wir gehen erst mal eine rauchen.“

„Doo soochi nedd naa. Wenndsd aane fir miech hossd“, sagte Alfred und aus den Boxen klang die Stimme von Frank Sinatra (klick):

FLY ME TO THE MOON

LET ME PLAY AMONG THE STARS

LET ME SEE WHAT SPRING IS LIKE

ON JUPITER AND MARS…

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

14 Gedanken zu „Aus-Verkauf und Mondflug

  • Immer wieder schön, die kleinen, aber feinen kulturellen Unterschiede. „Werdschainds“ – in Mfr. ist das doch ein „woarscheinds“, oder? Fiel mir auf, weil ich kürzlich erst einem dahergelaufenen Rheinländer Bescheid geben musste, dass Markazero nicht aus Franken, auch nicht aus Mittelfranken, sondern aus Westmittelfranken stammt. Der hod fei bleed gschaud😎
    Alfred am Mars ist eine lustige Vorstellung. Alz am Meckern weil nix los, Rauchverbot, Glubbspiel wird ned überdroong und wenn doch dauert’s ewich und drei Dooch, bis des Signal kummd…

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  • Naja, wenn sich aus unserer Mannschaft keiner anbietet, dann verkaufen wir halt Kutschke. Der bietet sich gerade prima an. Den derfma ned fagessn, den Guddschge.

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  • Die Gesamtsituation ist beschissen. Schlicht und einfach traurig, da hilft mir auch Alfreds emotionale Schmähung der Wissenschaft bzw. Clubverantwortlichen nicht drüber hinweg. Der FCN braucht nicht weniger als ein Wunder.

    Nach drei Spielen reiht sich auch Köllner in die Umfeld Kritik ein, die Fans sollen realistischer sein. Soviel zum Trainerwechsel, dem lamentierenden Schwartz, etc. Strukturelle Defizite sind vom Trainer nicht zu korrigerien und lassen sich auch nicht dauerhaft kaschieren. Deshalb war Weiler auch so fix wieder weg. Der wusste, dass er seinen Erfolg keinesfalls hätte wiederholen können.

    Zum koddsn das alles! Dienstag schaue ich wieder nicht live, geht auch um nichts mehr.

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    • Doch, am Dienstag geht’s schon um was:
      1.darum, drei Punkte mitzunehmen, zumindest einen, um in der Tabelle einen sicheren Platz zu festigen;
      2. darum, es aus Wettbewerbsgründen Hannover so schwer wie möglich zu machen;
      3. darum, den Fans und der Liga zu zeigen, dass der FCN wesentlich ansehnlicher und dynamischer Fußball spielen kann als im Gegurke gegen Karlsruhe.

      Das erwarte ich von Trainer und Mannschaft.

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  • Da bräuchten wir aber wieder gewogene Elfmeter um in Hannover was mitzunehmen.   Der einzige Clubstürmer spielt leider in Dresden. …das ist jetzt kein Jubel auf Kutschke eher Verzweiflung, dass wir nach vorne irgendwie gar nix erwähenswertes haben. Worauf soll man da denn hoffen?

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  • Sehe ich genauso Juwe!!! Nach den desolaten Auftritt gegen den KSC  kann es eigentlich nur um Schadensbegrenzung gegen H96 gehen.

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  • O mei, du immerwährendes Jammertal.

    Aber, nächstes Jahr haben wir einen Grund zum Feiern: 50jähriges der neunten Meisterschaft des Ruhm- und Tränenreichen. Danach gleich 40 Jahrfeier des Wiederauftstiegs in die 1. Liga. Außerdem sind es 30 Jahre her im UEFA Cup gegen AS Rom und auch nur knapp ausgeschieden. Im Jahr drauf gedenken wir  zum 50. Mal des folgenden  Meisterstücks, als Meister abzusteigen. Auch das muss man erst Mal hinkriegen.  Unser Club ist schon eine Marke. Dass er als Marke 300 000 000 Euro wert ist, wie es der VfB von sich zu meinen traut,  erscheint mir zu hoch gegriffen. Nach dem, was ich hier lese, liegt der Wert des Clubs bei geschätzt … ??? … weit unter Null, er sollte gleich zu machen. Der Depressionsvorbeugung wegen.

    Hauptsache wir holen in Hannover einen, von mir aus auch drei Punkte. Dann würde wir schon wieder ein bisschen fröhlicher dreinschauen.

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  • Doebs driffds✌🏼️Und den Abstieg nach Pokalsieg kömmer ja heuer scho feiern. Diiider Eggstain (Rom)!!!

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  • Und ist es in der 1. Liga besser? Gomez meint: „Mehr Gemurkse als sonst was!“ Was würden der hier bei uns schreiben, wenn er mitschreiben würde. Ach Gott, ich will’s gar nicht wissen. Über all Gerumpel. Aber von den chinesischen Wanderarbeitern schnell mal 250 Mio abgreifen, damit die ihre Rechtlosigkeit wegdröhnen. Man ist sich für nichts mehr zu schade. Und manch einer schreit Hurra, wenn der arabische Bauunternehmer zig Millionen für den Verein locker macht. Hat doch der Kaiser schon gemeint, dass an der Beschäftigung auf den Baustellen zwischen Kuweit und Katar alles ganz in Ordnung ist. Außer der Lohnzahlung, der Unfallverhütung, des Krankenschutzes, der Freizügigkeit und des Schutzes vor unternehmerischer Willkür. Wahrscheinlich habe ich noch einiges vergessen von dem, was dem Kaiser gar nie nicht aufgefallen ist, als er dort im dortigen*******Sterne Hotel nächtigend einmal nach dem Rechten geschaut hat. Nach den Menschenrechten hat er aber vorsichtshalber nicht hingeschaut.   Aber einem eingefleischten 60er Fanist das doch wurscht. Hauptsache das Projekt Champions-League wird herumposaunt.

    Da finde ich den Club immer noch ganz handsam, auch wenn es nicht immer die reine Freude ist, der Mannschaft zuzuschauen. Aber jeder der vom Fußball ein bisschen Ahnung hat, weiß es doch: Mal verspringt der Ball, mal ist auch der Gegner schneller und manchmal gewinnt sogar die bessere Mannschaft. Das hat der Podolsky, den ich schon als Poldy kannte, sehr richtig erfasst.

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    • Genau! Wen interessieren schon Menschenrechte, wenn der eigene Verein Geld bekommt und dadurch erfolgreich wird. Traurig, aber wahr. Der Club sollte sich bei den Textilunternehmen in Bangladesch umsehen, da wäre was zu holen. Wen interessiert es schon, wenn der Mitarbeiter während des Monsuns in seiner Hütte knietief im Wasser steht, während der Arbeit vergiftet wird oder unter dem leider zusammengestürzten Haus liegt.
      Jetzt habe ich die ultimative Idee: Dann könnten wir doch gleich Primark als Sponor nehmen. Lupenreines Unternehmen, deren Filialen nie im Leben betreten würde.

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      • Areva,Areva! Wer hat Areva gesagt? Sie war es..er war es , er war es

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      • Einmal war ich da drin, weil die Tochter eines Freundes uun-bää-dingt… Innerhalb kürzester Zeit bin ich geflohen, gerammelt voll war der Laden und wirklich jedem Teil hat man angesehen „des is a Glump“…

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