Wie wollen wir spielen? #FCNFCSP

Matchday! Spieltagsvorausschau mit Rückblick auf die Veranstaltung bei der Akademie für Fussballkultur.

Der Club empfängt St. Pauli am 28. Spieltag der Zweitligasaison am Freitagabend (Anstoß: 18:30 Uhr) und nicht nur der gegnerische Trainer Ewald Lienen, bekannt für seine akribische Arbeit am Tableau, wird sich fragen: ‚Wie wollen sie spielen?‘ Für die Hamburger eine drängendere Fragen denn je, will man das Spiel erfolgreich bestreiten und damit einen Schritt dahin gehen, den ‚worst case‘ doch noch verhindern. Immerhin stehen die einstiegen Weltpokalsiegerbesieger weiterhin auf einem Abstiegsplatz.

„Wie wollen wir spielen?“ fragt sich allerdings auch der FCN seit längerem nebst komplettem Anhang. Unter Dieter Hecking spielte man einst erfolgreich, aber für viele zu pragmatisch – sprich: Wenn du keine Offensive hast, dann mach hinten dicht und deinen Innenverteidiger gleich mit zum internen Torschützenkönig, indem du fast ausnahmslos auf Standards und Konter setzt. Zugegeben (und heute gern hinterhergetrauert): Das war nicht immer schön (eigentlich sogar selten), aber immerhin zufriedenstellend und sorgte für dauerhafte Bundesliga-Zugehörigkeit. Die Nachfolger haben vieles probiert, gescheitert sind sie im Folgenden alle. Ob ein Bestandsverwalter aus den eigenen Reihen oder ein offensiv-wilder Holländer, ob ein französischer Geburtshelfer oder ein pragmatischer Schwabe, am Ende stand immer noch ein wenig mehr von Weniger. Einzig Weiler konnte aus dem Wenigen zumindest kurzzeitig sowas wie ein kleines Feuer entzünden, scheiterte am am Ende doch am Faktischen und die kleine Flamme wurde von abgezockten Hessen ausgetreten. Aber auch Weiler konnte die Frage nach der Spielkultur nicht wirklich beantworten, hatte aber mit Burgstaller und Füllkrug zwei Spieler in den Reihen, die sich um selbige wenig Gedanken machten und so manches Spiel, jede Taktik auf den Kopf stellend, unkonventionell mit dem Kopf durch die Wand einfach entschieden.

Michael Köllner will die Frage nach dem „Wie“ beantworten, will sie gar zum Zentrum seines Schaffens machen. Und am Donnerstagabend im Südpunkt Nürnberg traf sich eine illustre Runde auf Einladung der Akademie für Fußballkultur unter der Moderation von David Bernreuther (kicker sportmagazin) mit den Gästen Christian Wück, DFB-Trainer U17-Junioren, Tobias Escher, Autor spielverlagerung.de, und Florian Zenger, Autor Clubfans United, um genau dieser Frage nachzugehen. Wie viel Taktik und Spielkultur braucht man heute im modernen Fußball? Und wie sieht das in Nürnberg aus? (siehe Live-Mitschnitt) Bezeichnend an diesem Abend ein Zitat von Tobias Escher, der sich auf einen beschwingten Abend einstellte, als er die Einladung zur Veranstaltung zu Jahresbeginn erhielt, bedeutete die Analyse des zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Nürnberger Spiels doch eher ein humoreskes Fest für den Taktiknerd. Doch „hoch und weit“ wurde beim Club vor einigen Wochen beendet, was dem Taktikprofi ein anerkennendes „Der FCN ist jetzt auf dem richtigen Weg“ konstatieren lässt. Eine durchaus wichtige Botschaft aus berufenen Munde, gerade weil Fortschritte im Offensivspiel auch für einen ambitionierten Fußball-Beobachter viel schwerer zu erkennen sind als defensive, vor allem wenn die Tore fehlen, wie Florian Zenger treffend anmerkte.

Doch ‚auf dem Weg‘, und sei es auch der richtige, heisst eben noch lange nicht angekommen und bedeutet noch viele Schritte, die zu gehen sind, bisweilen auch ungewöhnliche. Ein Tannenbaum ist so ein Beispiel. Dass das taktische System des 4-3-2-1 nicht gerade für Offensivpower steht, liegt auf der Hand und ist der erwarteten Power des Gegners geschuldet. „Beinahe hätte das Defensiv-Konzept sogar geklappt“, zollte Christian Wück, Ex-FCN-Stürmer und heutiger DFB-U17-Nationaltrainer dem Tribut, ließ dabei aber deutlich zum Ausdruck kommen, dass man so per se ganz sicher nicht zu vielen Torchancen kommen könne. Ein solch ‚reaktives System‘ sei im DFB wider alle Leitlinien, man habe allerdings auch den Luxus in einem der ambitioniertesten Fußball-Ländern der Welt die Top-Talente eines Jahrgangs für seine Idee zur Verfügung zu haben.

„Reaktiv“ Fußball-Spielen ist auch nicht Köllners Vision von Fußball, Köllner sieht aber neben der Vision auch die Gegenwart vor Augen – und die machte schon seinem Vorgänger schwer zu schaffen und hat sich seitdem aufgrund von Verletzungen nochmal deutlich erschwert. Daher sind es manchmal kleine Schritte abseits des gewünschten Weges, die einem näher zum Ziel bringen. Oder mit Blick auf Köllners Vision: Um aktiv Fußball zu spielen, muss man erstmal wieder lernen reaktiv gut zu stehen. Oder so ausgedrückt: Defensiv stabilisieren und Selbstvertrauen gewinnen, dann im sprichwörtlichen Sinne ’nach vorne schauen‘. Für Hannover kassierte der Club viel Lob, Köllner wird es dankbar mitnehmen, um seiner Mannschaft Stärke einzuimpfen, rein fußballerisch wird er die Spielweise nicht zum Credo erheben.

Gegen den FC St. Pauli ist im munteren Wechselspiel zwischen Abstiegskandidaten zu Hause und Aufstiegskandidaten auswärts wieder ein ganz anderes Spiel zu erwarten, wieder neue Chancen noch mehr richtig zu machen. Escher sah den Club am Donnerstag zumindest auf dem „richtigen Weg“ indem man es jetzt zumindest immer wieder versucht spielerische Mittel zu suchen und den langen Ball wegzupacken, auch wenn selbiges derzeit noch viel zu selten auch im letzten Drittel gelingt, was sich mit einer bescheidenen Tor- und Chancenquote pro Spiel deckt. St. Pauli ‚muss aber‘ erfolgreich sein, der Club nur gut spielen, dieser Mix im Spiel könnte interessant werden, gerade weil man am Millerntor nach einer Trendwende, die Hans Böller in der Nordbayerischen Nachrichten schon als Umschwung titulierte (leicht unterschlagend, dass man nach einem Zwischenhoch nun auch in 4 Spielen nur 2 Punkte holte), wieder an Fahrt verloren hat und nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt.

Credo des Abends im Südpunkt: Es kommt auf die richtigen Entscheidungen (am Platz) an. Und um diese treffen zu können, braucht es die (mentale) Befähigung dazu, die taktische Freiheit und nicht zuletzt die Zuversicht jeden einzelnen Akteurs. Ersteres ist eine Frage der Ausbildung und wird nicht zu Unrecht auch von Christian Wück in der Breite bemängelt. Die Kaderschmieden in Deutschland produzierten dazu schlicht viel zu viel Einheitsbrei auf höchstem Niveau, perfekt ausgebildete Talente, die vor lauter Perfektionismus am Frühstücksbuffet nicht mehr selbstständig wissen, was sie nehmen sollen, und entsprechend so spielen. Taktische Freiheit zu verschaffen obliegt dem Trainer, fordert aber auch vom Umfeld Geduld und Rückhalt, wenn die Versuche autonom zu entscheiden auch mal schief gehen, gerade wenn man sich im zweiten Regal der Beletage des Fußball bewegt. Und Zuversicht wächst mit Erfolgen auf dem Weg der kleinen Schritte, wozu es Akribie und langen Atem bedarf, aber eben auch erneut das Umfeld, das selbige positiv quittieren sollte und einen Raum des Wohlfühlens schaffen.

Wie wichtig also der „12. Mann“ auf dem Weg zum erfolgreichen und schönem Spiel ist, war an einem Taktik-Abend durchaus eine bemerkenswerte Erkenntnis. Dass beim Club ausgerechnet dort zur Zeit der Schuh drückt, weil die einen zu früh pfeifen und die anderen lieber gar nichts mehr sagen oder singen, weil sie sich mit dem Verein im Stellungskrieg über die Bewertung von DFB-Strafen nach Fan-Fehlverhalten und deren Konsequenzen befinden, ist sicher ’suboptimal‘. Aber da noch genug Plätze im Stadion frei sein dürften steht es ja jedem unabhängigen Fan frei, hier seinen Beitrag zu leisten und am voraussichtlich sonnigem Freitagabend ’seinen‘ Club zu unterstützen. Für einen erfolgreichen Abend – und auf dem Weg in eine positive Zukunft.


Die Pressekonferenz vor dem Spiel – „Epic Mike“ reloaded (und so schee):

37 Gedanken zu „Wie wollen wir spielen? #FCNFCSP

  • Hoch und weit scheint das Erfolgsrezept der „Abstiegsvermeider“ in der 1. Liga. Wenn es stimmt was im SZ-Artikel behauptet wird, dann kann der Club nur in der 2. Liga sich den Luxus erlauben, ein konstruktiveres Spielsystem einzuüben. .

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  • Man muß Kirschbaum jetzt nicht mit aller Gewalt ins Tor rein prügeln“

    Ich liebe die feinsinnige Oberpfälzer Sprachkultur, so viele feine Nuancen 🙂

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  • Falsche Überschrift. Es müsste heißen :
    Mit wem wollen wir spielen ?

    Ist ja bald keiner mehr gesund. Heute fehlt auch noch Möhwald.

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  • Gunner, Du wolltest sicher sagen „et hätt no emmer jot jejange“ 😉

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  • Kicker: „Die Club-Spieler sind physisch präsent und lassen St. Pauli nicht zur Entfaltung kommen. Nach vorne fehlen den Franken aber die Ideen“. Hmm, ob das gut gehen wird?

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  • Das kann ja echt eine angenehme Atmosphäre sein wenn der eintönige Singsang nicht kommt. Ich könnte darauf komplett verzichten!
    Aber ja, es zeigt sich immer mehr das uns ein richtiger Stürmer fehlt. Das Spiel ist derzeit Not gegen Elend…

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  • Wer ist dafür dass die neue Saison morgen beginnt? Die alte verursacht Depressionen

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    • Das ist doch die längste Vorbereitung auf die neue Saison aller Zeiten

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  • Ist Schwartz noch Trainer?
    Das ist nicht mehr zu unterbieten. Wir spielen wie ein Absteiger!

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    • Marius sagt
      07.04.2017 um 19:58

      Ist Schwartz noch Trainer?
      Das ist nicht mehr zu unterbieten. Wir spielen wie ein Absteiger!

      Die Mannschaft spielt genau das, was sie an Qualität zu bieten hat,

      die Mehrheit der Clubfans will das nur nicht wahrhaben.
      Daran konnte kein Schwarz etwas ändern und Köllner wird es ebenfalls
      nicht können. Mit diesem Kader ist kein Blumentopf zu gewinnen.
      Die Klasse ist noch längst nicht gehalten. Geht es auch gegen Aue
      schief, darf mit dem beten angefangen werden.

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    • Ist Schwartz noch Trainer?

      Nein, isser nicht, aber es sind noch die gleichen Spieler. Halt, stimmt nicht, es fehlen einige, z.B. Petrak, Sabiri und Lippert.

      Im übrigen haben wir ein gutes Spiel unserer Mannschaft gesehen. Aber das war ja vorher schon klar.

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      • Sicherlich muss man darauf hinweisen das derzeit einige Schlüsselspieler fehlen, aber sowas darf man in der jetzigen Tabellensituation nicht als Ausrede nehmen.

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      • Leider war unser Spiel wieder nur bis zum gegnerischen 16er gut und auch nur in der ersten Halbzeit. Ich habe nicht mitgezählt, aber behaupte mal Brecko hat die meisten Torschüsse abgegeben und das sagt schon fast alles über unsere Stürmer.

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        • Sag ich dir gerne : 1.FC Nürnberg gegen St. Pauli. Dafür könntest Du mir jetzt verraten was dich an meinen Worten zweifeln lässt, dass wir das gleiche Spiel angeschaut haben ?

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  • Wenn Lautern und Aue gewinnen, kann es noch echt eng werden, die Tabelle ist trügerisch.

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      • Das Dumme beim Club ist ja:6 Punkte nach oben-vergiss es, der Abstand ist zu groß
        6 Punkte nach unten-uiuiui, könnte knapp werden

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  • Es macht einen Riesenspaß, Fan des FCN zu sein. Bin gespannt auf die Erklärungen des ansonsten von mir bis auf seine vielen Ähs geschätzten Trainers Köllner…

     

    Andererseits: Wieder Clubspiel, wieder in Europa ein irrsinniger Terroranschlag, diesmal in Stockholm, davor verblassen alle Probleme auf dem Spielfeld.

     

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  • Das Blöde ist: Normalerweise ist so ein Spiel „seines“ Vereins ja eine schöne, willkommene Auszeit vom Irrsinn der Welt, aber dann sitzt man doch wieder nur schlecht gelaunt vor Push-Meldungen und dem live-Ticker, obwohl das, was woanders – diesmal in Stockholm – passiert, nun wahrlich schlimmer ist. Und obwohl man, also ich, das weiß, bin ich trotzdem von der Niederlage total angepisst😳 It’s a mad, mad world…

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    • Tja, stimmt schon, bin aber trotzdem auch sehr von der Niederlage enttäuscht. Die erste Halbzeit fand ich nämlich richtig klasse, bis auf die fehlenden Tore…

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  • Köllner wird wieder sehr gut erklären können, warum es nicht geklappt hat. Vielleicht sollte er als Experte zum Fernsehen gehen.

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  • Jetzt noch eine Niederlage im nächsten Heimspiel gegen Aue und wir sind in der Verlosung für die 3. Liga mit dabei…..

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  • Und „schwere Beine“ soll ich jetzt als Ausrede gelten lassen?

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  • Dieser Verein macht mich langsam sprachlos. Jahrelang durfte Bader rumpfuschen und dann kommt Bornemann und es wird noch schlimmer. Der Kader und der jetzige Trainer des Clubs ist nicht Zweitliga tauglich!!!  Bornemann hat bei mir jeglichen Kredit verspielt. Dieser Sportdirektor ist weder in der Lage einen gescheiten Kader zusammen zu stellen noch einen gescheiten Trainer zu verpflichten.

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  • Unter unserem neuen Trainer/Heilsbringer zeigt die Mannschaft ja mal richtig was sie drauf hat. Toll wie er Meeske zeigt, was er von der grandiosen Verpflichtung des „Stürmers“ Ishak hält. Hätte nur Schwartz auch so gut palavern können, hätten wir uns die Abfindung sparen können. Unterschied im Spiel seh ich wenig, nur daß Schwartz schon lange erkannt hatte, daß die Spieler kein System außer hoch und weit über 90 Minuten gebacken bekommen. Spielerisch und vielleicht auch vom Verständnis zu limitiert ?

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  • Sorry, nicht Meeske sondern Bornemann ist gemeint.

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