Maue Fakten, kühne Ziele

…wir haben ein gutes Spiel gezeigt, was das Engagement anging. Aber leider haben wir uns ein billiges Tor gefangen und unsere wenigen Torchancen nicht nutzen können.

So die Worte von FCN-Trainer Michael Köllner in der Pressekonferenz nach der saisonfinalen 0:1-Niederlage seiner Mannschaft beim vor dieser Partie noch abstiegsbedrohten FC Kaiserslautern (klick).

Ein gutes Spiel des Clubs habe ich nicht gesehen. Mag ja sein, dass das Engagement gestimmt hat. Doch Engagement allein macht noch kein gutes Spiel.

Dass sich der Club ein billiges Tor einfing, entspricht meiner Wahrnehmung. Ein direkt verwandelter Eckball ist ein billiges Tor – das einem finanzschwachen Verein allerdings teuer zu stehen kommt, wenn er dadurch in der Tabelle auf Platz zwölf abrutscht (klick) und ihm somit wertvolle Fernsehgelder entgehen (s. Kicker-Sportmagagzin Nr. 42/2017, Seite 72).

Kommen wir zu den wenigen Torchancen, die nicht genutzt wurden: Löwen, von Salli gut freigespielt, verzieht vor dem fast leeren Tor kläglich; Brecko (dass der mal im gegnerischen Strafraum auftaucht, hat Seltenheitswert) spielt nach guter Kombination aus aussichtsreicher Schussposition einen Kullerball zum Kaiserslauterner Torwart (dass der Pfeifenmann diesen groben Verstoß gegen die Rückpassregel nicht ahndete, ist FCN-typisches Schiedsrichterpech); Teuchert zieht aus ca. achtzehn Metern satt ab, der Torwart pariert; Sabiri säbelt aus Nahdistanz volley über das fast leere Tor.

Vier Torchancen in einem Spiel, in dem es nach Aussage seines Trainers für den neunmaligen deutschen Meister und vierfachen Pokalsieger darum ging, mit

drei Punkten einige Plätze in der Tabelle

der zweiten Bundesliga gutzumachen (klick), sind nicht allzu viel. Besonders, wenn keine von ihnen genutzt wird.

Nicht allzu viel sind auch die 42 Punkte, die unsere Mannschaft in den 34 Spielen der abgelaufenen Zweitligasaison erzielt hat und die sie in der Endabrechnung auf einem enttäuschenden (klick) zwölften Platz landen ließen. Schlechter schnitt der 1. FC Nürnberg in seinen bisherigen elf Teilnahmen an Spielrunden der eingleisigen zweiten Bundesliga nur zweimal ab: in der Saison 1994/95, in der er dem Abstieg in die dritte Liga nur deshalb entging, weil andere Vereine die Lizenz nicht erhielten (klick), und 1995/96, in der der Abstieg dann erfolgte (klick), ein Schicksal, das den Club mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit auch heuer ereilt hätte, wenn Guido Burgstaller, der in der Winterpause – der Finanznot des abgewirtschafteten fränkischen Traditionsvereins ebenso gehorchend wie den Wünschen des österreichischen Goalgetters – an Schalke 04 verkauft wurde, in der Vorrunde nicht 14 Tore erzielt hätte. Ohne Burgstaller holte der Club in der Rückrunde mickrige siebzehn Punkte. Siebzehn mal zwei ist 34 und 34 Punkte hätten mit ziemlicher Sicherheit den Direktabstieg bedeutet (klick).

Ebenfalls nicht allzu hoch ist der Punkteschnitt, den der FCN in den elf Rückrundenspielen, in denen Köllner das Traineramt innehatte, erreichte. Die Quote von 1,18 Punkten pro Spiel liegt sogar unter der von Köllners Vorgänger Alois Schwartz, der bis zu seiner Entlassung nach der Niederlage in Fürth am 23. Spieltag auf einen Schnitt von 1,26 kam. Allerdings liegt die Quote von 0,67, die in den ersten sechs Rückrundenspielen unter der Leitung von Schwartz erzielt wurde, deutlich unter Köllners Quote von 1,18. In Spielen, in denen Burgstaller nicht mehr zur Verfügung stand, schnitt die Mannschaft also unter Köllner erkennbar besser ab als unter Schwartz. Nicht aber gut genug, um einen frohgemuten Blick in die Zukunft zu erlauben, denn rechnet man 1,18 auf eine Gesamtsaison hoch, stehen nach 34 Spieltagen rund 40 Punkte (exakt 40,15) zu Buche, also noch weniger als in der abgelaufenen enttäuschenden Saison.

Den Ambitionen des aktuellen Club-Trainers scheinen diese Zahlen nichts anhaben zu können:

Im Idealfall wollen wir bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg mitspielen,

formuliert Köllner das Ziel für die nächste Saison (s. Kicker-Sportmagagzin Nr. 40/2017, Seite 63), ohne sich zu einer Zielsetzung unterhalb des doch etwas verwegen anmutenden Idealfalls zu äußern. Bei sachlicher Betrachtung der Dinge wäre schon eine Endplatzierung um Platz sechs herum ein vielleicht nicht utopisches, aber keineswegs leicht umzusetzendes Saisonziel. Ob es sich mit einer Mannschaft, deren Startformation Stand heute (den Wechselkandidaten Möhwald nicht eingerechnet) so:

KIRSCHBAUM (TW)

 KAMMERBAUER      MARGREITTER      MÜHL      LEIBOLD

              BEHRENS              ERRAS

  TEUCHERT                     LÖWEN                     KEMPE

SABIRI

aussehen könnte, verwirklichen lässt, ist die Frage. Keine Frage ist es hingegen, dass es nur realisierbar ist, wenn sich Löwen, Brecko (dem wohl Kammerbauer vorzuziehen wäre), Sabiri und Co. mehr Torchancen erarbeiten als beim Saisonfinale in Kaiserslautern – und diese dann auch besser nutzen.

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick, klick.]

7 Gedanken zu „Maue Fakten, kühne Ziele

  • Weise Worte:

    Allerdings liegt die Quote von 0,67, die in den ersten sechs Rückrundenspielen unter der Leitung von Schwartz erzielt wurde, deutlich unter Köllners Quote von 1,18. In Spielen, in denen Burgstaller nicht mehr zur Verfügung stand, schnitt die Mannschaft also unter Köllner erkennbar besser ab als unter Schwartz.

    …obwohl Schwartz eine ganze Vorbereitung hatte, um sich auf die neue Situation einzustellen und im Übrigen eine bereits eingespielte Mannschaft (falls sie das unter Schwartz überhaupt je war).

    Das ist die zentrale Erkenntnis, die man allen, die jetzt schon wieder am Trainerstuhl sägen unter die Nase reiben muss.

    So ärgerlich es letztlich war, aber die letzten 2 Spiele Auslaufen gegen Mannschaften, die noch am Abgrund standen verzerren die Statistik. Schade und gefährlich!

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  • Fassen wir’s doch so zusammen, wie es am Samstag ein langjährig leidgeprüfter und den Club durchaus mit Sympathie verfolgender Anhänger der Münchner Sechziger gemeint hat:

    Frage: Welcher ist der höchste Berg?

    Antwort: Der Nürnberg – da braucht man ein Jahr für den Aufstieg und ein Jahr für den Abstieg.

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  • Hiermit muss erneut ein Spendenaufruf erfolgen. Die Familie Endl kann sich nicht einmal ein normales Namensschild am Briefkasten leisten, wie ein Prüfbesuch aus gut unterrichteten Kreisen bewies. Das etwas verbogene, weil sicher am Rande bereits mehrfach feucht gewordene, selbstgedruckte und ausgeschnittene Etwas könnte natürlich auch pures Understatement darstellen.
    Am Wochenende immer im CU Bentley zum Golfen, was kümmert mich mein Briefträger!?
    Jedoch:
    Von wortreichen, wenn auch sicher gerechtfertigten Belobigungen im Blog ist es dennoch nicht möglich, ein standesgemässes Namensschild (Emaille mit Goldrand uswff) anfertigen zu lassen.
    Deshalb, o Ihr gläubigen CUler, krempelt Euere Brieftaschen um und gebt Euere Geldspende doch gerne an ein offensichtlich bedürftiges Präsidiumsmitglied. Der Fußballgott möge es Euch danken!

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  • Warum hat Woschdsubbn sich in Herbertgerbert umbenannt?

    @clubfanseit1965: Ich  glaube der Nürnberg ist noch höher als der 60er meint, der Aufstieg dauert Jahre!

    @belschanov: Springst du nun auch auf den Statisikzug auf? Ich dachte die Erbsenzählerei ist des Lehrers Sache 😉 Indes die Formulierung mit dem billigen Tor, welches dem Club teuer zu stehen kommt, sehr fein!

    Machen wir Urlaub, reden uns derweil den Mund über die Kaderpolitik und Vergangenheit fusselig (lange nichts von Martin B. gelesen!), bauen Luftschlösser und reißen sie wieder ein. Am ersten Spieltag hocken wir so oder so wieder am TV, Radio oder im Stadion und freuen uns bzw. leiden mit dem Club.

    „The Circle of Fussballfan“ – jetzt nicht im CU Fanshop erhältlich.

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    • „The Circle of Fußballfan“ – da möchte ich doch direkt darum bitten, sich den 1.8. vorzumerken, dann erscheint nämlich das neue Buch von Manuel Andrack, „Lebenslänglich Fußball – vom Wahnsinn, Fan zu sein“. Aus gut unterrichteten Kreisen weiß ich, dass CU drin vorkommt😉
      Und @Herbertgerbert: Das ist Endl’sches Understatement, vgl. Familie Albrecht / Aldi. Wir sollten die Privatsphäre des Oligarchen respektieren und also von Spenden absehen.

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  • Richtig Holzmichel! Auch ich fiebere der nächsten Saison schon entgegen. Obwohl ich mir völlig bewusst bin, dass es nur ein weiteres von noch mehreren Zweitligajahren wird (sofern der Klassenerhalt in dieser ausgeglichenen Liga klappt). Immerhin bin ich von dieser Spielzeit nicht so enttäuscht, wie ich dies aufgrund der konstant mäßigen Leistungen und der wenig erbaulichen Perspektiven sein müsste. Habe es aber geschafft, mich in Lethargie zu flüchten, dazu ab und an kräftig fluchen – hilft!

    Irgendwie wird es schon weiter gehen. Wir haben Sebert und Renner, Voack und Böbel überlebt, irgendwann werden wir auch die Hinterlassenschaften von Woy-Bader hinter uns gebracht haben!

     

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  • Etwas zum darauf freuen: am 29. Juni veröffentlicht die DFL die Spieltage der nächsten Saison. Dann kann man sich schon mal für die wichtigen Heimspiele von Freitag bis Montag Urlaub eintragen 😉⚽️

    Nach der Saison ist ja immer auch vor der Saison

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