Wo ist Reutlingen?

Verfehlte der 1. FC Nürnberg vor fünf Jahren mit einem dritten Rang in der Oberliga Süd noch knapp die Teilnahme an der Endrunde zur deutschen Mannschaft (klick), so beschloss er die abgelaufene Saison auf einem enttäuschenden 12. Platz:

1. FC Bayern München; 2. TSG Hoffenheim; 3. SC Freiburg; 4. Eintracht Frankfurt;

5. FC Augsburg; 6. VfB Stuttgart; 7. FC Ingolstadt; 8. Darmstadt 98;

9. 1. FC Heidenheim; 10. SpVgg Greuther Fürth; 11. SV Sandhausen; 12. 1. FC Nürnberg;

13. Jahn Regensburg; 14. *TSV 1860 München; 15. Kickers Würzburg; 16. Karlsruher SC.

*Für den qua Lizenzentzug zum Zwangsabstieg verurteilten TSV 1860 München rückt in der nächsten Saison der SV Wehen-Wiesbaden nach.

Damit gehört der neunmalige deutsche Meister und vierfache Pokalsieger, dessen Sportstätte künftig den klangvollen Namen „Max-Morlock-Stadion“ tragen wird, zwar weiterhin zum 16er-Feld der süddeutschen Eliteliga, den zu seiner Selbstdefinition gehörenden Nimbus einer süddeutschen Spitzenmannschaft hat er jedoch eingebüßt. Emporkömmlinge wie der FC Augsburg, der 1. FC Heidenheim, der SV Sandhausen sowie der alte Rivale aus Fürth haben ihn überholt, z.T. so weit, dass der FCN in ihrem Rückspiegel nur noch als winziger, mehr schwarz als rot schimmernder Punkt zu erahnen ist. Was, wie Ex-Club-Trainer René Weiler lapidar feststellt, aber durchaus im Trend der Zeit liege (klick):

Was einmal war, ist heute wenig wert … Heute gibt es weltweit sehr viele gute Klubs, die den Traditionsvereinen den Rang wirtschaftlich abgelaufen haben.

Dies, so Weiler, gelte es zu akzeptieren.

Stimmt. Fakt ist Fakt, und was Fakt ist, muss man akzeptieren. Wobei angesichts der unschönen Faktenlage „lässt sich nicht negieren“ die angemessenere Formulierung wäre.

Unschöne Faktenlage?

Na gut, mag der eine oder andere (ab)geneigte Leser da sagen, könnte schlimmer sein. Ganz wie Kai Wörner (klick), der für mehr…

… Euphorie …

im Umfeld des fränkischen Altmeisters plädiert und unzufriedenen FCN-Anhängern rät, sie mögen doch…

… mal in Aachen, Essen …. oder Saarbrücken nachfragen, ob diese Vereine mit uns tauschen wollten.

Nicht, ohne hinzuzufügen:

Ich wette, sie würden es liebend gerne.

Stimmt. Abgetauchte Ex-Oberligisten gibt es einige. Und zwar nicht nur in Bereich der Oberligen West und Südwest, auch auf dem Territorium der Oberliga Süd (klick).

Wo ist Schweinfurt 05?

Wo sind der VfR Mannheim und Bayern Hof?

Wo ist Kickers Offenbach?

Und wo, zum Teufel, ist der SSV Reutlingen?

Der 1. FC Nürnberg ist noch da. Und wenn sich seine Spieler anstrengen, hat er durchaus die Chance, seine Zugehörigkeit zur süddeutschen Oberliga zu behaupten.

Im Gegensatz zum SSV Reutlingen.

Das sollte dem FCN-Anhänger genügen. Er darf – so er will – ob dieses Umstands gerne auch euphorisch werden. Als ich in meiner Kindheit mit meinem Großvater mal spazieren ging und wir an der leeren Auslage eines offenbar nicht so recht florierenden Bekleidungsgeschäfts vorbeikamen, sagte mein Opa:

Nichts drin, aber der Mensch freut sich.

18 Gedanken zu „Wo ist Reutlingen?

  • Platz 4 in der kommenden Saison bleibt für mich ein der Situation angemessener Anspruch.

    40 Punkte Ende Februar 2018 zu Pinos Geburtstag und dann mal sehen, ob es in der Belschanoverliga Süd zu Platz 7 reicht…

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  • Ach ja, Reutlingen: Als Student in Tübingen bin ich in den Siebzigerjahren mal nach Reutlingen ins Station an der Kreuzeiche gefahren, um zu schauen, wie der SSV spielt. War gut, aber schon damals ging nix über den FCN.

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  • Interessant. Heute schon das 2.Mal über “ Reutlingen“ gestolpert. Das erste Mal, als ich gesehen habe, dass ein gewisser “ Mössmer“ bei Young Boys Reutlingen spielt. Und jetzt wieder, diesmal der SSV Reutlingen. Ich erinnere mich augenblicklich an mein letztes Ereignis mit Reutlingen. Es war in der schlechtesten Saison des Glubbs. Das Heimspiel gewann der Glubb mit 2:1 oder 2:0 und so ein junger Trainer dozierte in der Pressekonferrenz enttäuscht, dass eigentlich sein Verein ( Reutlingen) besser war und gewinnen hätte müssen. Ungläubiges Staunen überall, was diesen Trainer nur noch weiter anstachelte…. sein Name : Ralf Rangnick… 😉

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  • Das ist ein interessantes Thema, das belschanov hier anspricht. Es geht um die vielen Vereine aus der Vergangenheit, die einst auf Augenhöhe mit dem Club waren.
    Neben den oben schon genannten Vereinen aus der „Oberliga Süd“ gibt es noch etliche andere Vereine aus dem Rest der Republik. Man muss sich doch nur mal die „Ewige Tabelle“ der Bundesliga anschauen. Folgende Vereine haben irgendwann den Anschluss verpasst bzw. sind in der Versenkung verschwunden:
    Bayer Uerdingen, Hansa Rostock, Energie Cottbus, Alemannia Aachen, Wattenscheid 09, Rot-Weiß Oberhausen, Hessen Kassel, Rot Weiss Ahlen, Union Solingen, VfL Osnabrück usw.

    Aus dem Süden der Republik sind auch noch zu nennen: Waldhof Mannheim, FC Homburg, SpVgg Unterhaching, Stuttgarter Kickers, SSV Ulm, jetzt auch FSV Frankfurt

    Wie so oft im Leben ist alles eine Frage des Standpunkts.

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  • Das Problem sind weniger Systemfragen oder objektive Gründe sondern Personen, meist sind dann solche in der Verantwortung, die Kraft des Amtes mehr an ihrer eigenen Profilierung interessiert sind als an der des Vereins, wenn das auch noch gepaart ist mit Inkompetenz gehts brutal schnell nach unten. Davon abgesehen ich vermisse keinen 🙂 …solange noch 18 Gegner da sind.

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  • Laut Medien ist Kutschke so gut wie verkauft an Ingolstadt für einen „einstelligen Millionenbetrag“ jetzt wäre doch Geld vorhanden für Maroh 🙂

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    • Das Geld wird schnell irgendwo versickert sein und später heisst es dann, es ist keins da.

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      • Richtig! Statt das Kapital weitsichtig in Betongold wie z.B. einem Hubschrauberlandeplatz für zukünftige Traineridole sinnvoll zu investieren, wird das Geld stattdessen sinnlos im Konsum aller Fußballmannschaften des Vereins verprasst. Wir kommen einfach auf keinen schwarz-roten Zweig mehr.

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    • Genau deshalb habe ich auch Angst, wenn wir die Kaderplätze ausschließlich für sog. Talente, wie Hufnagel auffüllen. Spieler, die noch viel zu weit weg sind, um uns echt zu helfen, bähen jedoch den Kader auf, Kosten Geld und verhindern, dass wir erstmal eine echte Verstärkung und nicht nur „Masse“ verpflichten. Ich sehe das größte Problem im Sturm. Man kann von Teuchert und Sabiri nicht 25 Tore erwarten. Und recht viel mehr Torgefahr haben wir nicht, außer wenn Kerk und Erras direkt wieder wie in besten Tagen voll durchstarten.

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  • Meidricher Sportverein Duisburg gegen den 1.Fussballclub Nürnberg. Hatten wir das nicht vor ein paar Jahren? Eins null verloren?

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      • Unwillkürlich denkt man bei „MSV-FCN“ erst mal an „1:0“, „1:0 n.V.“ oder „3:1 n.E.“ .. bei Dauernieselregen.. Stopp! Nix da!! Bädschmer!!!

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  • Korrektur Jones : Es heißt Meidericher Spielverein (MSV). Das Duisburg ist erst 1967 hinzugekommen.
    Wird nicht einfach an der Wedau

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    • Ein „Spielverein“ in einer sog. „Schauinsland-Reisen-Arena“ – ist die Bilanz dort so schlecht, weil wir da immer nur über die Namen gelacht haben? Eine perfide „Zebra“-Strategie… und schon wieder muss ich lachen… gefährlich😅

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  • Heimbilanz MSV-FCN: 15 Siege, 5 Remis, 2 verloren. Letzter Pflichtspiel-Sieg in Duisburg laut „fussballdaten“ 1985 im alten Wedaustadion. 1-3, Brunner und 2x ein gewisser Herr Eckstein… 2014, vier Tage nach 1-5 gegen irgendeine andere Stadt, in der ersten Pokalrunde raus, „Für den Zweitligisten 1. FC Nürnberg wird es unter dem neuen Coach Valérien Ismaël langsam ungemütlich“ (DerWesten). Aber Momendemal, ich war bei nem Dauerregen-Testspiel-0-1 in Duisburg, da geht was, muss halt nur Saenko treffen! Außerdem, mit nem Köllner Trainer (Heimbilanz MSV-FC: 11 Siege, 13 Remis, 12 Niederlagen). Na also.

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