U21 verliert turbulentes Geisterspiel bei den Löwen mit 5:3

In einem furiosen Spiel kam die U21 des FCN zweimal zurück ins Spiel, musste sich am Ende aber doch geschlagen geben.

Dienstag um 14 Uhr ist keine normale Zeit für ein Fußballspiel, doch im Stadion an der Gründwalder Straße fand auch kein normales Fußballspiel statt. Der DFB hatte angeordnet, dass die Partie zwischen dem TSV 1860 München und der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte und so war auch der Anstoßzeitpunkt kein Problem für die nicht-vorhandenen Zuschauer. Dabei hätten diese Partie mit acht Toren wahrlich Zuschauer verdient gehabt.

Der kleine Club begann in einer Formation, die der des großen Club am Sonntag durchaus ähnelte, einem 4-1-4-1, das offensiv ausgerichtet war und durchaus auch als 4-3-3 notiert werden konnte. Erstmals konnte Reiner Geyer auf Spieler aus dem Profikader zurückgreifen, in München waren dies der Ex-Löwe Alexander Fuchs und der gebürtige Münchner Lucas Hufnagel. Auch wenn der Club die erste Chance des Spiels hatte als Simon Rhein den Ball nach fünf Minuten knapp über das Tor schlenzte, gehörte die Anfangsviertelstunde klar den Löwen. Es wirkte fast ein wenig so, als wären die jungen Nürnberger etwas in Ehrfurcht erstarrt ob des Namens des Gegners und der historischen Spielstätte. In kurzer Folge hatten die Gastgeber durch Helmbrecht und Mölders exzellente Gelegenheiten, scheiterten aber an Axel Hofmann oder dem eigenen Unvermögen. Dabei profitierten die Löwen vor allem von Fehlern des FCN II im Spielaufbau, aber auch von Stellungsfehlern des kleinen Clubs. Ein solcher sorgte dann auch für das 1:0 der Gastgeber nach 13 Minuten. Andermatt spielte steil auf Mölders, der nicht im Abseits stand, da Eder zu langsam reagierte, so dass der Angreifer freie Bahn in Richtung Axel Hofmann hatte und eisklat zur Führung verwandelte.

Doch fast postwendend glich der Club aus. Jonas Hofmann zog aus 35 Metern ab und traf über den schlecht postierten Marco Hiller hinweg zum Ausgleich. Das Gegentor sorgte dann für einen Bruch im Spiel der Löwen, die wirkten plötzlich verunsichert, standen auch defensiv nicht sicher und taten sich vor allem schwer damit den extrem agilen und ballsicheren Manuel Feil in Griff zu bekommen. Dieser dribbelte sich in der halben Stunden zwischen Ausgleich und Pause immer wieder durch die Abwehrreihe der Gastgeber, etwas das er auch nach der Pause probierte, dabei aber weitaus ineffizienter und egoistischer zu Werke ging. Lediglich die unsortierten Laufwege der Angreifer der U21 des FCN sorgten dafür, dass die Löwen in dieser Phase nicht in Rückstand gerieten. Gleichzeitig schaffte es die Nürnberger Defensive nun besser die Löwen vom eigenen Tor wegzuhalten, pressten früher und machten das Zentrum besser dicht, so dass die Münchner es kaum mehr in Richtung Tor von Axel Hofmann schafften.

Dies gelang ihnen dann erst wieder nach der Pause, als die Sechziger durch zwei Standardsituation per Doppelschlag mit 3:1 in Front gingen. Zunächst riss Hufnagel den Ex-Cluberer Timo Gebhart von hinten um, als dieser in den Strafraum eingedrungen war. Den fälligen Elfmeter verwandelte Gebhart selbst zur erneuten Führung. Vier Minuten später war erneut Gebhart der Ausgangspunkt, seine Freistoßflanke ans entfernte Fünfmetereck köpfte Mauersberger in die Mitte, wo Weber schneller als Wallner und Eder reagierte und zum 3:1 ins Tor des FCN köpfte. Doch wie in der ersten Halbzeit kam dann nach einem Torerfolg der Bruch im Spiel der Löwen und der kleine Club zurück in die Partie. Es begann mit einem Freistoß von Simon Rhein drei Minuten nach dem 3:1, dieser landete bei Philipp Hercher auf dem Kopf und flog von dort in hohem Bogen über Hiller hinweg zum 3:2 ins Tor und setzte sich nach einer Ecke für den FCN II fort. Die Löwen konnten den Ball nicht klären, weshalb der Ball Alexander Fuchs vor die Füße fiel. Der Ex-Münchner knallte den Ball humorlos in die Maschen zum 3:3.

In der Phase nach dem 3:3 hatte der FCN dann zunächst sogar Möglichkeiten zum Führungstreffer, doch nach den Ballgewinnen fehlte die gedankliche und körperliche Geschwindigkeit, um schnell zu kontern und auch bei längeren Ballbesitzphasen in der gegnerischen Hälfte fehlte dann die gedankliche Schnelligkeit, um den Ball präzise zum eigenen Mann zu bringen. Doch auch den Löwen fehlte diese Geschwindigkeit im Abspiel. Eine Tatsache, die wahrscheinlich den extrem hohen Temperaturen in der Landeshauptstadt geschuldet war. Als auf Grund dessen alle schon damit gerechnet hatten, dass das Spiel mit einem Remis enden würde, schlugen die Löwen doch noch zu, auch wenn ihnen dabei der Zufall zur Seite stand. Bei einem Freistoß von gebhart an den langen Pfosten sprang Robin Heußer der Ball an die Schulter und von dort ins Tor. Doch damit nicht genug: Eine Minute später tanzte dann Karger Eder an der Strafraumkante aus und schlenzte die Kugel zum 5:3-Endstand ins Tor.

Der kleine Club wurde damit um einen Punkt gebracht, letztlich setzte sich aber die individuelle Klasse der Löwen dann eben doch durch. Der Erfolg geht auf Grund der besseren und größeren Chancen für die Sechziger durchaus in Ordnung, dennoch war für die U21 des FCN in diesem Spiel mehr zu holen gewesen. Sie bewies, dass sie sich von Rückständen nicht aus der Ruhe bringen ließ und kam zweimal zurück ins Spiel. Am Ende fehlt aber dann doch immer noch ein wenig die defensive Ordnung in einer neu formierten Abwehr. Offensiv dagegen ist der FCN II bereits vollständig in der neuen Saison angekommen. Am Samstag kann er dies um 14 Uhr am heimischen Valznerweiher gegen den Aufsteiger aus Pipinsried unter Beweis stellen.

Das Spiel in Zahlen:

TSV 1860 München (4-3-3): Hiller – Weeger, Weber, Mauersberger, Köppel – Berzel (83. Türk), Gebhart, Andermatt (71. Tempelmann) – Helmbrecht, Mölders (90. Bachschmidt), Karger – Trainer: Bierofka

Nürnberg II (4-1-4-1): A. Hofmann – Knipfer, Wallner, Eder, Heußer – J. Hofmann – Hufnagel, Fuchs, Rhein, Feil (77. Engelhardt) – Hercher – Trainer: Geyer

Tore: 1:0 Mölders (13.), 1:1 J. Hofmann (16.), 2:1 Gebhart (49. Foulelfmeter), 3:1 Weber (53.), 3:2 Hercher (56.), 3:3 Fuchs (63.), 4:3 Heußer (87., Eigentor), 5:3 Karger (89.)

Gelbe Karten: Karger, Berzel – Fuchs, Eder
Schiedsrichter: Markus Pflaum (Hallstadt)
Zuschauer: 0 (Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit)

Fotocredit:
Titelbild verwendet unter Creative Commons Lizenz. Urheber: Ampfinger. Original zu finden unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Sechzger_kassen_nordost.JPG

11 Gedanken zu „U21 verliert turbulentes Geisterspiel bei den Löwen mit 5:3

  • Wen wunderts, die U-Elf befindet sich im permanenten Umbruch. Die besten Spieler sind in die erste Mannschaft gewechselt, manchmal spielen Rekonvaleszenten mit und dann noch viele neue Spieler aus der A-Jugend oder dem Zukauf.
    Man darf nicht absteigen und soll aber viele Aufgaben erfüllen.
    Dafür war der Auftritt doch sehr gelungen und einige Spieler sind mir schon gut aufgefallen: Der Torhüter, Fuchs, Hofmann und Feil.
    Auch gut erkennbar war die Kopie des neuen Spielstils der ersten Elf.
    Genau so stellt man sich das vor: Eine einfache Maßnahme, die die Transparenz zwischen dem Personal steigert.
    Da das sicher keine Raketentechnik ist, wundert man sich als interessierter Zuschauer, weshalb so eine offensichtliche Idee erst seit doch eher kurzer Zeit umgesetzt wird.

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    • Ich hoffe, daß deine Einschätzung stimmt. Es war ja schon mal so, daß wir eine U19 hatten, die eigentlich zu jung war und dann eben abgestiegen. Und es ist auch nicht hilfreich für eine Mannschaft, in der Spieler sich entwickeln sollen, wenn die Taktik geändert werden muß, um die Klasse zu halten.
      Aber ich geh mal davon aus, daß die Verantwortlichen das schon richtig einschätzen können. Und freu mich dann erstmal an den positiven Aspekten des Spielberichts.
      Und das heißt: trotz beeindruckender Namen bei den 60ern haben unsere Jungs die Nerven gehabt, Rückstände aufzuholen.
      Und die Defensive braucht eben Zeit, um sich einzuspielen.

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  • Gerade zu Beginn hatte man den Eindruck, dass es unseren Jungs weniger um den Spielausgang ging als darum, das eigene System durchzuziehen, das wurde vor allem im Aufbauspiel ersichtlich.
    Die Löwen pressten extrem aggressiv und früh, trotzdem hat man immer versucht, den Ball hinten herauszuspielen anstatt mal nach vorne zu dreschen, auch wenn die angespielten Leute dann direkt in Eins-gegen-Eins-Situationen verwickelt wurden und es kaum Abspielmöglichkeiten gab. Das führte auch zu vielen Ballverlusten und Chancen der 60er.

    Dass man mehr auf den eigenen Spielstil denn aufs Ergebnis bedacht ist, zeigt ja die erneute hohe Zahl an Gegentoren, wie schon in der Vorsaison. Wenn es weiterhin so ein probates Mittel ist, um die Spieler auf den Übergang zu den Profis vorzubereiten, soll es mir recht sein. Sind ja durchaus einige interessante Spieler dabei. Ganz aus dem Blick sollte man die Tabellensituation aber doch nicht verlieren…

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  • Ich bin beeindruckt, dass das Spielsystem dermaßen durchgezogen wird. Das hat mir beim Club immer gefehlt, zudem ist die Neuverpflichtungsrate bei den jungen Spielern angenehm hoch.
    Man könnte den Eindruck gewinnen, das alles wäre so gewollt und dahinter steckt ein Plan, der seit Mitte der letzten Saison ja auch – trotz Talfahrten und noch fehlender Konstanz – aufzugehen scheint.

    Ich hoffe nur, dass es allen gelingt, die Jungs so einzustellen, dass sie am Ende vier oder fünf Teams hinter sich lassen können.

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    • Die hohe Neuverpflichtungsrate sehe ich eher als negativ an – das bedeutet ja schließlich, dass aus denen eigenen Nachwuchsteams nicht genug geeignete Spieler nachkommen.

      Dabei wäre es vorteilhaft, wenn die jungen Spieler das Spielsystem bereits in den Jugendmannschaften vermittelt bekommen und dies nicht erst lernen müssen, wenn sie in unsere U21 kommen.

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      • Naja man kann aber auch nicht erwarten, dass alle Talente aus der eigenen Jugend und dem Umkreis von Nürnberg kommen.
        Siehe Löwen und Sabiri 😉

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        • Ich vermute mal er meinte die hohe Neuverpflichtungsrate bei den Profis von anderen Vereinen mit oder ohne Ablöse und nicht die geografische Nähe der Jugendspieler

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        • Zitat: „Naja man kann aber auch nicht erwarten, dass alle Talente aus der eigenen Jugend und dem Umkreis von Nürnberg kommen.“

          Nicht?
          Make Metropolregion great again, würde ein bekannter Twitterer dazu sagen.

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      • Es gibt auch Stimmen im Umfeld, die das durchaus kritisch sehen, erst recht, weil viele der letztes Jahr für die U21 geholten (Kott, Amouzouvi, Carls, Hoffmann, Leyla) schon wieder weg sind. Da wird viel Trial and Error unterstellt.

        Köllner sieht das im persönlichen Gespräch natürlich anders, meint, er sähe es als seine Pflicht die Spieler dann baldmöglichst weiterzuvermitteln, wenn klar wird, dass es in Nürnberg nichts wird oder sie hier keinen Entwicklungsschub machen (deshalb hat man z.B. Hannes Hoffmann trotz gültigen Vertrags nach Großaspach wechseln lassen, da ein weiteres Jahr Regionalliga für seine Entwicklung Gift wäre, aber der Sprung zu den Profis zu groß).

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      • Bei Spielern, die die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten durchlaufen haben, gehe ich erst einmal davon aus, dass sie alle möglichen Spielsysteme weitgehend beherrschen. Bin kein Experte, aber frühzeitige Spezialisierung auf ein System oder eine Position würde für mich auch keinen Sinn ergeben. Denke man sollten die Burschen in allen nur vorstellbaren Systemen und Positionen, also vielseitig, ausbilden.

        Was die taktischen Fähigkeiten von Jugendspielern anbelangt, hatte ich vor ein paar Jahren ein, etwas übertrieben ausgedrückt, Schlüsselerlebnis. War einmal ein passionierter (Hobby)läufer, habe mehrmals die Woche fleissig trainiert. Aus Zeitgründen war ich ab und an gezwungen einfach nur öde 400m-Tartanbahnrunden in einem nahe gelegenen, kleinen Stadion zu drehen und war dabei Zeuge eines Stützpunkt- oder Sichtungstraining, nehme an des Berliner Fussballverbandes (nur der Vollständigkeit halber, da lebe ich).

        Die Burschen, schätze mal C-Jugend, haben dabei ein Trainingsspielchen veranstaltet, Elf gegen Elf, und dabei über eine halbe Stunde lang ausschließlich in (Grund)Formation gespielt. Es schien so als ob individuelle Offensivaktionen, wie etwas Dribblings, auch lange Bälle, egal ob hoch oder flach, verboten waren. Schwerpunkt war offensichtlich nur das Spielen im Block als geschlossene Einheit. Das war krass zu sehen. Die beiden Teams haben funktioniert wie Maschinen, die diszipliniert, streng geordnet und kollektiv nach links und rechts nach vorne und hinten verschoben haben. Mit immer den gleichen Abständen nach vorne, nach hinten, nach links, nach rechts. Da wusste jeder haargenau was er zu tun hatten. Wie erwähnt, dass waren 13- bis 14jährige.

        Auch deshalb meine Annahme. Denke die Hauptaufgabe eines Profitrainers ist weniger die weitere, individuelle Ausbildung der Spieler, als vielmehr das Zusammenschweißen einer Mannschaft aus dem bereits bestehenden Kader. Auch aus notwendigem Pragnatismus. Nicht das Voranbringen des Einzelnen steht im Vordergrund, sondern die Entwicklung, das Bauen, einer Mannschaft.

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