Ihr gännt nach Hause fahn

„Nee, nee, nee, neee du!“, blaffte ich über den Tresen, „mit Taktik braucht man mir nach einem solchen Auftritt wirklich nicht zu kommen!“

„Nach dem 0:1 hätte Köllner offensiver wechseln sollen“, beharrte der Wirt. „Ich hätte Zrelak als zweiten Stürmer neben Ishak gebracht und voll auf lange Bälle…“

„Fordna dess Dagdigg-Gwaaf…“, ließ Alfred vernehmen (klick).

„…in die Spitze gesetzt.“

„…Dess Schbill iss doch nedd weecha da Dagdigg valoorn worn. Doo hodd da Kombfgaist gfehld. Die häddn in di Zwaikämbf mehr dageeng halldn missn. Die hommsi vom Geechna na Schnaid obbkaafm lossn. Dess senn doch Lullis, Lullis senn dess! Wenni nedd dageeng halld, brauchi goor nedd ärschd oodreedn…“

„Genau so isses!“, pflichtete ich Alfred bei und nahm einen Schluck aus dem Pilsglas.

„…Dann konni glai dahaamblaim! Wenni blooß a weng midn Oorsch waggln will, konni glai dahammblaim!“

„Ihr gännt nach Hause fahn, ihr gännt nach Hause fahn!“, intonierte ich.

„Ist schon richtig“, sagte Hannes (klick). „In Aue kann man verlieren. Aber nicht so.“

„Was?“, fragte ich. „Was hast du gesagt?“

„Er hat gesagt, dass man in Aue kann verlieren kann, aber nicht so“, antwortete der Wirt.

„Was?“, fragte ich nach. „Was faselt der?“

„Du hast’s doch gehört“, sagte der Wirt.

„Soo a bleeds Gwaaf! Bleeda komma ja goor nedd daheerreedn! Ärschdns hoddma a Schbill nedd zu valiern und in Aue scho glai goor nedd, und zwaidns valiersd audomaadisch a Schbill, wennsd soo lullihafd aufdriddsd wie haid da Glubb.“

„Dann verlierst du auch gegen den ASV Cloppenburg. Daheim gegen Cloppenburg!“, führte ich aus. „Unglaublich, was manche Leute für ein Geschwätz machen! Aber nicht so. Genau so verliert man Spiele! GENAU SO! UND ZWAR EGAL, OB MAN MIT DREIER-, VIERER- ODER MIT SCHNEEKETTE SPIELT (klick)!“

„In Aue hätte heute jede Mannschaft verloren“, schaltete sich einer ein, der Weizenbier trinkend neben Hannes am Tresen saß.

„Wie bitte?“, fragte ich.

„In Aue hätte heute jede Mannschaft verloren“, wiederholte er.

„Na dann sind wir aber froh, dass sich der 1. FC Nürnberg auf Augenhöhe mit Real Madrid befindet!“, gab ich zurück.

„Ich weiß gar nicht, was Sie haben. Ist doch nur Fußball.“

„Was haben Sie gesagt? Können Sie das nochmal…“

„Kumm, Michael, gib ma a Zigareddn, mier genga aane raang! Dess Gwaaf komma si ja nedd ooheern. Dess gehd ja auf ka Kuhhaud, auf ka Kuhhaud gehd dess.“

Ich gab Alfred eine Blend 29 und hob die Stimme, wobei ich mich bemühte, die erzgebirgische Phonetik hautnah erlebbar zu machen:

IHR GÄNNT NACH HAUSE FAHHN, IHR GÄNNT NACH HAUSE FAHN,

IHR GÄNNT, IHR GÄNNT NACH HAUSE FAHN!

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

P.S.: Ich danke Kevin Möhwald, der mit folgender „Stimme zum Spiel“ die Inspiration zu diesem Text gab: „Es hat an Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten gefehlt (klick).“

21 Gedanken zu „Ihr gännt nach Hause fahn

  • :D, Subber, Michael, genauso isses! Wenni blooß a weng midn Oorsch waggln will trifft es exakt!

    Edit: Wie bekomme ich auf nem Desktop die lustigen Gesichter wie auf dem iPhone her? 😀 Sieht ja ziemlich doof aus.

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  • Google: „Die Lulli ist auch ein Kinderausdruck für das weibliche Geschlechtsteil“. Hä? Hab ich was verpasst?

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    • Frag mal bei der Strobels Käte nach, welche sich schon in den Sechzigern für eine Aufklärung für alle engagierte.

      Sechziger? Statistiker Töffi, übernehmen Sie.

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      • Ein kleiner Buchstabe, ein großer Unterschied: Das Substantiv „Lulle“ hat in Deinem Text definitiv femininen Genus(s). Darauf eine Blend 29.

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        • @Markazero:

          Dann müsste der Plural von „Lulli“ statt „Lullis“ „Lullen“ lauten (schöne Alliteration!).

          Aber dass eine Blend 29 eine „Lulle“ ist, wusste ich noch nicht. Danke für den Hinweis!

          „Hossd a Lulln fir miech? Kossdma aane geem?“

          Geht das fränkisch?

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          • Das geht sicher. Wird aber dann mit drei, also insgesamt vier l (lullln) geschrieben.

            Zum Glück ist Länderspielpause – da kann man über solche Fragestellungen umfassend nachdenken und ausgiebig diskutieren.

            Off topic: War jemand von den hier Mitlesenden/schreibenden gestern in Windsbach und kann Eindrücke schildern, die über das hinausgehen, was bei fcn.de steht?

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          • Bin skeptisch, kenne „Lullen“ nur aus dem nord- und westdeutschen Sprachraum. Lullis am Blads, Kibbm in da Wäddschaffd, wir sollten das sauber trennen. „In“? „Vor“! Verdammtes Rauchverbot… Der Herbst kommt…

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  • Es gönn doch nisch wohr sein! Jetzt gömmt der Belschanöv nöchmol mit dem Auer Schmäh daher, als öb een mol nisch gereischt haben täte! Pfui!
    (Gibt es Regeln oder ein Nachschlagwerk zur korrekten Orthografie von Dialakten? Das ist unheimlich schwer!)

    Ich denke Taktik und Auftritt gegen einander auszuspielen ist nicht gewinnbringend. Natürlich hat ein Fehler wie von Kammerbauer vor dem 2:0 oder das abgefälschte Tor zum 1:0 nichts mit Taktik zu tun. Wie es dazu kommt und an welchen Stellen man (wichtige) Zweikämpfe führt (und verliert) hingegen schon. Die Gleichung zu Aue lautet für mich: Taktische Unterlegenheit + Lullihaftigkeit = Ihr gännt nach Hause fahn!

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    • Nach deiner Einleitung muß ich auch sagen, dass belschanovs Überschrift irgendwie nicht stimmig ist.
      Müsste es nicht
      „Ihr gäönnd nach Häöse fäööhn“
      oder so ähnlich heißen ? 🙂 😉

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  • Ich betrachte das positiv: Die Mannschaft hat jetzt 2 Wochen Zeit, sich über die verschenkten Punkte und die verpasste Siegprämie mal so richtig zu ärgern. Ihre Wut kann sie dann zielgerichtet auf die kommenden Gegner richten und sich im Spitzenbereich der Tabelle festbeißen. Dann hätte die unnötige Niederlage durchaus ihr Gutes.

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  • Staunen über die Nachbarn im Teeladen. Noch vor Kurzem erreichten mich (nicht nur) von dort ernstgemeinte Stimmen, dass das Paket ausgebautes Stadion + Schuldenfreiheit + Konstanz das Kleeblatt schneller und dauerhafter in der 1. Liga blühen lassen wird, als dies dem hochverschuldeten Rekordmeister der Herzen möglich sein kann. Nun die x-te Trainer Entlassung, Dauerwechsel bei Sportchefs (Entlassung, Flucht, Posten erst gar nicht angetreten) und Spielern.

    Erinnert mich an düstere rot-schwarze Zeiten. Merke: Auch woanders ist nicht alles Gold, was grün erscheint. Die kochen ihren Tee auch nur mit heißem Wasser…

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  • Off topic – ist jemand der Einheimischen am Fr./Sa. beim Lagerverkauf in der Lenkersheimer

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  • Gestern feiert der Club einen sensationellen 13:1 Sieg in Windsbach, den ich über den professionellen Facebookstream der Nürnberg Versicherung bewundern durfte und hier im Blogg wird kein Wort darüber verloren. Schämt euch 😉

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  • Teuchert mußte lt. Kicker krankheitsbedingt von der U21 abreisen. Ist bekannt ob er schwerer verletzt ist?

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  • Pingback:KW 35/2017 | beGLUBBt

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