1:6! Zebras wie die Lemminge #msvfcn #fcn

Der 1. FC Nürnberg gewinnt beim MSV Duisburg mit 6:1.

Drei Tore von Ishak, zwei Tore von Löwen und der eingewechselte Teuchert macht nach dem Ehrentreffer von Duisburg per Elfmeter nach seiner Einwechslung das 6:1. Ein Spektakel an der Wedau. Aber die Zebras konnten einem eigentlich nur leid tun.

Köllners Sorgenfalten durften sich noch vertieft haben, als die medizinische Abteilung die Krankenakten zur Tür hereinreichte. Neben der bekannten Ausfälle der Stammkräfte Kerk und Kammerbauer musste auch der mitgereiste Möhwald final doch passen, dazu meldete sich auch noch Magreitter und Petrak krank. Die Aufstellung daher wohl eher improvisiert: Kirschbaum im Tor, davor drei Innenverteidiger mit dem wieder genesenen Mühl, Löwen und Ewerton, Leibold und Valentini auf den Außen und im Mittelfeld sortierten sich der ebenso nach langer Verletzung wieder genesene Erras, Behrens, Hufnagel und Werner hinter Ishak, der als Zielstürmer endlich auf den Durchbruch hoffte.

Ob das dann eine 5er Kette oder doch eher ein 3-4-2-1 war, sollen andere beurteilen, faktisch sah es so aus, als wolle Duisburg den Club an die Wand spielen. Parallelen zum St. Pauli-Spiel waren nicht ganz von der Hand zu weisen, nur mit umgekehrten Rollen: Der Club verteidigte mit Mann und Maus und die Zebras drückten auf den Führungstreffer. Doch im Gegensatz zu St. Pauli brauchte es keine Stunde, bis man zum Lucky Punch ansetzte, der Club stellte schon nach 10 Minuten auf 0:1 mit der quasi ersten gelungenen Aktion nach vorne. Werner bedient Ishak, beide nicht im Abseits, der trocken ins leere Tor. Duisburg davon unbeeindruckt griff weiter an, der Club traf. 25. Minute, wieder Werner, diesmal über rechts, wieder quer auf Ishak, wieder trocken ins leere Tor.

Zur Pause taten einem die Duisburger „fast“ leid, so viel Mühe, so wenig Ertrag und der Gegner nutzt fast jede Chance, als sei es das selbstverständlichste der Welt. Dass die Duisburger an dem Tag noch an sich glaubten, wurde ihnen quasi zum Verhängnis. Auf der Jagd nach dem Anschlusstreffer und damit der Belohnung für all den Einsatz, fing man sich erst einen (eher unberechtigten) Freistoß in zentraler Position (51.) und daraus resultierend das 0:3 per Direktschuss von Löwen. Spätestens da hätte man wohl das Spiel abschenken müssen, auch weil Kirschbaum einen absoluten Sahnetag erwischt hatte und auch beste Gelegenheiten, ob im Eins-gegen-Eins, auf der Linie oder gegen Fernschüsse, beinahe beliebig entschärfte. Das 0:5 daher auch eine Frage von fehlender Einsichtsfähigkeit gegenüber einer unvermeidlichen Fußballweisheit: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Dem Club gelang vorne auf einmal „fast“ alles, Duisburg brauchte einen Elfmeter, um wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen. Der war zwar berechtigt (zwei weitere in der Begegnung hätte man gegen können, jeweils auf einer Seite), änderte aber im Grunde nichts, denn der Club kam auch noch zum 6:1 durch Teuchert in der 89. Minute.

Nürnberg darf sich freuen. Darüber, dass bei Ishak vielleicht endlich der Knoten geplatzt ist, über tolle Tore, die zumindest vorübergehende Position 4 in der Tabelle bringen und zudem ein Plus von 5 Toren in der Tordifferenz, was nochmal richtig wertvoll sein könnte. Dass es vor allem defensiv ganz gewaltig im Gebälk krachte, darf in Anbetracht der letzten Negativerlebnisse und der doch bitteren Ausfälle von Magreitter, Kammerbauer und Petrak mit gewisser Milde bewertet werden, vor allem wenn es dann so endet. Wenn es so beabsichtigt war, dass man so tief stand und Duisburg kommen ließ, um sie auszukontern, dann hat man alles richtig gemacht und in Anbetracht der Personallage auch vollkommen nachvollziehbar eine reaktivere Ausrichtung gegen einen euphorisierten Gegner (zuletzt selbst 4:0 in Bielefeld siegreich) gewählt.

Die taktische Detail-Aufarbeitung dürfte trotzdem spannend werden. Vor allem Löwens Rolle wurde ganz unterschiedlich bewertet, vor allem in Halbzeit 2, wo man ihn schon teilweise als Stürmer beschrieb. Aus der Dreierkette in den Sturm als taktische Variante, das hätte man wirklich selten in der Bundesliga bisher gesehen. Zudem ist das Comeback von Erras eine genauere Betrachtung wert, wie auch die Leistung von Hufnagel und das Verhalten von Teuchert, der nach dem 6:1 kaum Anzeichen großer Freude ausstrahlte. Worüber man wenig diskutieren werden muss sind die Top-Leistungen von Ishak, Löwen und Kirschbaum an sich. Alles unter Note 1 wäre hier schon fast verwunderlich.

26 Gedanken zu „1:6! Zebras wie die Lemminge #msvfcn #fcn

  • Zitat: „Alles unter Note 1 wäre hier schon fast verwunderlich.“

    Nennt man das jetzt Steilpass auf Florian, oder eher in Zugzwang bringen ;-)?

    Endlich mal wieder ein großartiger Nachmittag mit dem Club, wurde aber auch Zeit.

  • Es steht ja letztlich alles in irgendeinem Zusammenhang, vielleicht war das einfach die Trotzreaktion auf St. Pauli. Der Wille zählt oftmals mehr als Taktik.

    • grundsätzlich kommt sowas immer nur von leuten, die nix von taktik verstehen. an ignoranz und vor deutschen tugenden triefendem populistischem stumpfsinn kaum zu überbietender kommentar. mit dem fußballdiskursvokabular in den achtzigern hängen geblieben. positiver nebeneffekt: du musst köllner nicht loben, obwohl er richtigerweise auf ishak statt partymaus teuchert gesetzt hast. durchsichtiges manöver.

      • Es geht hier nur um Fussball und sonst nichts! Ich denke, dass es alle Glubberer freut, wenn Ishak endlich in die Gänge kommen sollte. Trotzdem war die Kritik an ihm berechtigt, denn in den ersten 19 Spielen hat er recht wenig gezeigt. Apropós 80/90er: wenn Teuchert und Salli so gute Leistungen zeigen wie damals Eckes (der auch hin und wieder mal einen Schluck zuviel gemacht hat) und Sané, soll es uns allen recht sein.

        Als Fan darf man auch mal den Trainer kritisieren, denn auch der ist nicht fehlerfrei obwohl gerade MK (den ich auch schon letzte Saison, als es nicht gut lief, gut fand) sicher mehr von Fussball versteht als die Mehrzahl der Fans, die zudem nicht den gleichen Einblick in die aktuelle Lage haben.

        • Man darf nicht nur kritisieren, man muss sogar – zumindest wenn man sich wie hier auf einer Plattform befindet, die sich nicht als Feelgood-Blog und Selbsthilfegruppe für depressive Verstimmung versteht. Die Frage ist dabei eben immer der Ton und die Argumentation. Wenn eine Leistung nicht gut war, rein subjektiv betrachtet, und man erklären kann, was man nicht gut fand, sollte es immer erlaubt sein, dies auch kund zu tun. Da muss dann aber natürlich mehr kommen als „der kann halt nix“. Das schließt auch ein, dass man Leistungen kritisiert, auch wenn es Gründe dafür gab, sei es Trainingsrückstand etc. Die Leistung bleibt dann ja schlecht, die Hintergründe darf man dann gern für eine positive Zukunft mit einrechnen.

          Tatsächlich hat man manchmal das Gefühl, dass es bisweilen oszilliert. Die einen hauen einfach immer drauf, manchmal auch auf einzelne Spieler oder einen Trainer, einfach weil die Nase nie passte und man hofft, dass es ‚endlich‘ wirklich krachend scheitert, nur um dann Recht gehabt zu haben, die anderen nehmen reflexartig Spieler oder Trainer in Schutz, wenn sie kritisiert werden – eine Art Beschützerinstinkt.

          Sachlich vorgetragen sollte man Meinung hier immer zur Diskussion stellen dürfen. Wenn dabei Respekt vor dem Kritisierten besteht und auch eine Bereitschaft auf allen Seiten, sich abweichende Meinung anzuhören und ggf. sogar die eigene zu korrigieren, dann haben wie hier eine Oase einer Diskussionskultur, die ihresgleichen sucht.

          • Also ich finde, dass die checks and balances hier schon echt gut funktionieren. Wer sich verbal vergreift wird doch immer sehr schön innerhalb kürzester Zeit wieder eingebremst. Ob sachlich-faktisch-analytisch oder ironisch. So sollte es – hüstel – in einem Feelgood-Blog und einer Selbsthilfegruppe auch sein. „Hallo, ich heiße Markazero und bin Clubfan“. „Bravo, hallo, toll, du stellst dich deinem Problem, Respekt“!

          • Ich stimme dir zu, nur sollte man auch nicht überbewerten, was man hier lax als Fan von sich gibt soweit es nicht aus dem Rahmen fällt. Ob im Stadion oder hier: als Fan lässt man auch gerne mal Dampf ab, wenn man frustriert ist. Sorry! Wie gesagt, es handelt sich nur um Fussball und es gibt viel Wichtigeres im Leben. Ich persöhnlich werde in Zukunft deine Andeutungen zu Herzen nehmen und – wenn überhaupt – ein bisschen differenzierter argumentieren.

            Jedoch möchte ich klarstellen, dass man auch nichts zusätzliches in Aussagen anderer hineininterpretieren sollte. Wenn jemand richtiger- oder auch falscherweise behauptet „Spieler A hat eine bessere Technik, ein besseres Kopfballspiel, etc. als Spieler B“, heisst das noch lange nicht
            „Spieler B kann halt nix“. Ich freue mich, dass wir nicht nur 11 gute Stammspieler haben, sondern auch eine gute Bank. Ich täusche mich gerne mal, wenn einer unserer Spieler viel besser ist, als er es vorher angedeutet hat.

      • Wille,Leidenschaft,die Spielweise der zweiten Liga annehmen,nenn es wie du möchtest,aber ohne diese Attribute geht es nicht…

        Da geht es um Sachen wie sich in den Dienst der Mannschaft stellen,den extra Kilometer zu laufen und vor allem an sich selbst zu glauben.

        Gerade Spitzenteams glauben an sich und stecken nie auf…deshalb schießen die gerne kurz vor Schluß die entscheidenden Tore…eben auch weil der unbedingte Siegeswille da ist!

        Ob das gestern ausschlaggebend war,keine Ahnung.

        Ob Köllner gestern richtig aufgestellt hat,diese Frage stellt sich bei dem Post gar nicht.

        War das populistischer Stumpfsinn? Nein,sondern eine Meinung die respektiert werden will.

        Was ich nicht akzeptierte ist das Schwingen der Populismuskeule,das ist weit über das Ziel hinausgeschossen!!!

    • Auch wenn ich mir das Bonmot in seiner Totalität nicht zu eigenen machen will, da ich mit dem Begriff „Willen“ nicht viel anfangen kann: In Duisburg ist es tatsächlich schwierig auszumachen, wo es an der Taktik gelegen haben soll, Duisburg hat die Schwächen des 3-4-3 in der ersten Halbzeit fast perfekt ausgenutzt, ist immer in die Halbräume gekommen (Außenverteidiger stehen hoch), fast immer dann nach innen gezogen (es fehlt die „echte Sechs“) und dennoch haben sie kein Tor gemacht. Wären die Dinger von Stoppelkamp drin gewesen oder hätte Kirschbaum nicht so einen sehr guten Tag gehabt, am Ende hätte der eine oder andere wahrscheinlich wieder „vercoacht“ gerufen.

      • Ja, hätte ich! Bitte ab jetzt wirklich keine Dreier-Abwehrkette mehr. Danke.

  • Seit Bestehen des Profi-Fußballs hatte der Club bisher nur ein einziges Mal mehr als fünf Tore in einem Liga-Auswärtsspiel erzielt. Das war in der 2. Bundesliga Süd im September 1975 beim 7:3-Sieg in Mainz. Und da es auswärts auch noch nie ein 5:0 gab, ist das 6:1 von Duisburg der höchste Liga-Auswärtssieg für den Club im Profi-Fußball.

  • Wenn jemand Beweise braucht, dass Fußball manchmal verrückt ist, hier sind sie:

    5. Spieltag: Club – St. Pauli 0:1
    6. Spieltag: Duisburg – Club 1:6

    5. Spieltag: Bielefeld – Duisburg 0:4
    6. Spieltag: Duisburg – Club 1:6

    5. Spieltag: Club – St. Pauli 0:1
    6. Spieltag: St. Pauli – Ingolstadt 0:4

    5. Spieltag: Ingolstadt – Aue 1:2
    6. Spieltag: St. Pauli – Ingolstadt 0:4

    5. Spieltag: Ingolstadt – Aue 1:2
    6. Spieltag: Aue – Kiel 0:3

    Merke: Auf Heimniederlagen folgen Auswärtssiege, und auf Auswärtssiege folgen Heimniederlagen. Und zwar deutliche.
    Alles nur Zufall? Ein bisschen viele Zufälle auf einmal…

    • Ballbesitzfußball wird überbewertet auch wenn es für fast jeden die heilige Kuh ist

  • Die Mannschaft hat sich in jedem Fall ein großes, kühles, frisch gezaptes Bier verdient 🙂

    Aber was ist denn mit Teuchert los? Schiesst n Tor und schleicht dann traurigen Blickes übers Feld…freu Dich doch, Junge, hast n Tor gemacht!

    • Vielleicht ein bisschen Demut… der Sieg ist dann insgesamt doch ein paar Tore zu hoch ausgefallen.

  • Wenn du mit den kleinen Neffen aus dem Kino kommst und denkst, die Kicker-App spinnt – dann kann nur der Club gespielt haben.

  • Mein Matchplan ist voll aufgegangen: Bayreuther Hell statt Köpi – zackbumm?

    • Könnt ich ja mal der Brauerei Maisel/Bayreuther Bierbrauerei als neuen Ansatz fürs Marketing vorschlagen … treff deren Veranstaltungsmanagement nächste Woche

      • Guter Plan! Werbespruch oder Verriss – je nach Laune – dann von belschanov. Ob dann jemand überhaupt verstehen wird, ob’s ein Werbespruch oder Verriss ist? Er selbst überhaupt?

      • „Bayreuther Hell das Sieg-Bier für Cluberer in der Ferne /in der Fremde“ … so oder ähnlich
        … Genuss mit oder ohne Blend29

        • Liebe Kinder, Rauchen ist nicht gut! Aber die schwarz-roten Blend68 bzw. Luckies waren irgendwie ganz passend.

  • Der Hammer ist unser Eduard Löwen. Was für eine Waffe. Der Kerl beeindruckt mich immer mehr. Gibt es etwas was der nicht kann? Wahrscheinlich kommt der ins Tor falls Kirsche mal ausfällt.

      • Oder Jogi … gegen St. Pauli das war ja schon der Versuch mit falscher Neun wie Jogi zu spielen und auch schwaddze Hose und schwaddzes Hemd kamen optisch hin.

        Also das war heute in Duisburg echt ein Kracher kanns immer noch kaum glauben. Hätte mir jemand vorher gesagt Isak schießt 3 Tore in einem Spiel hätte ich geantwortet eher kauft sich der Papst ein Doppelbett.

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