Sieg für die Roten

„Lässt der Heinzi vier Minuten nachspielen!“, erregte sich der Wirt hinter dem sonntagabendlichen Tresen. „Vier Minuten! Ohne Anlass! Ich hätte in der Nachspielzeit fast einen Herzinfarkt gekriegt.“

„Wenn er nicht so lange hätte nachspielen lassen“, entgegnete Hannes (klick), „hätte Behrens nicht das 3:1 machen können.“

„Du musst Nerven haben“, warf ich ein und nahm einen Schluck aus dem Pilsglas.

„Inn da Noochschbillzaid hoddas ja ganz guud gmachd, da Glubb“, sagte Alfred (klick) , „dess woor scho gleffa, wiesa onn da Färda Eggfohna di Zaid vo da Uhr gnumma hamm…“

„Ja, das war gut“, stimmte ich zu, „so macht man das. Genauso! Mögen sich die gegnerischen Fans darüber aufregen, wie sie wollen.“

„…obba dass dess Schbill nuch so eng worn iss, dess hädd nedd bassiern därfm. Soo-a Schbill därfi doch nedd nuch aus da Hend geem. Woss machdn da Kibba doo? Woss renndn deer demm Färdä nooch? Deer hädd deem nedd noochrenna därfm. Dann hädds denn Elfa nedd geem.“

„Unsere Mannschaft hätte schon in der ersten Halbzeit klarer führen müssen. Da wurden im Umkehrspiel, das an sich gut angelegt war, beste Chancen versiebt, weil der letzte Pass schlampig gespielt war oder der Ball aufgrund technischer Mängel verloren ging. Das ist noch das Manko unserer Mannschaft: Mangelnde Präzision beim endgültigen Herausspielen von Torgelegenheiten und immer wieder Stockfehler.“

„Du mit deinem Perfektionismus!“, winkte Hannes ab. „Der Club hat jetzt drei Spiele in Folge gewonnen und ist Tabellenzweiter. Da sollte das Lob und nicht die Kritik im Vordergrund stehen.“

„Stimmt“, sagte der Wirt. „Freuen wir uns darüber, dass die Rot-Schwarzen seit langer Zeit endlich mal wieder in Fürth gewonnen haben!“

„Die hamm haid ja goor nedd rood-schwadds gschbillt. Die hamm ganz in Rood geschbilld. Worumm hammdn die haid kaanne schwaddsn Hoosn ooghabbd?“

„Lag wahrscheinlich daran, dass die Fürther mit schwarzen Hosen spielten“, antwortete Hannes.

„Kann auch ein politisches Bekenntnis am Tag der Bundestagswahl gewesen sein“, gab der Wirt zu bedenken. „Klare Absage an die rot-schwarze Koalition.“

„Gut möglich“, bemerkte ich. „Ein klares Signal, dass sich die SPD wieder auf ihre linken Wurzeln besinnen muss. Als deutschem Meister von 1968 kommt dem 1. FC Nürnberg da eine besondere Verantwortung zu.“

„Schulz scheint verstanden zu haben (klick)“, sagte Hannes.

„Soo-a Gwaaf! Woss hoddn die Bundesdoochswohl middm Glubb zu doo? Dess iss doch a Gwaaf. A Gwaaf iss dess. Gibbma lieba a Zigareddn!“

„Wenigstens in Fürth haben heute die Roten gewonnen“, sagte ich und gab Alfred eine Blend 29.

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick, klick.]

18 Gedanken zu „Sieg für die Roten

  • Allmächd, der Club in Rot-Rot der Bundestagswahl wegen, da kämen nicht viele drauf! 😉
    Aber beinahe logisch, Deutsche Meister 1968, summer of love. Der Club, klassischer Mitglieder-Verein, das soziale Gewissen des deutschen Fußballs, die APO der DFL. Und Nürnberg, SPD-Hochburg, große Tradition als Arbeiter-Stadt.

    Aber rein optisch gefällt mir das seit den 60ern bevorzugte Rot-Schwarz besser! Wobei Rot-Rot immer noch schöner ist als das farblos-unschuldige Reinweiß. Und dies allemal besser als Neo-Braun, um wieder den Bogen zurück zur Wahl zu finden.

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    • Da sich der Summer of Love 1967 ereignete, ist die 68er-Meisterschaft wohl eher das freudige Ergebnis dessen.
      Make Love and win.
      🙂

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  • Dann hätte ich den Club in gelb, oder vielleicht noch mit schwarzen Hosen spielen lassen, rein in rot wären doch die Zuschauer die Verlierer. 😉

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    • Nein Gelb ist eine Knecht Farbe, die von anderen nur benutzt werden, um weiter zu gewinnen.. wenn rot verbraucht ist.

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      • Du wählst bestimmt grün-pink kariert, so wie Eure hippen Golfhosen aussehen. 🙂

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        • Kariert geht gar nicht, ein NoGo ist eher was für kleinkarierte. Wir haben vor 2 Wo mit Thomas Müller vom FCB bei den bayrischen Meisterschaften im Longest Drive teilgenommen. Es gibt wohl kaum einen Fußballer der länger schlägt als Thomas 278m ich komme nur auf 252m even not short. Habe ihm zu seinem guten Schwung gratuliert, cooler Typ 🙂 ..mit Bildchen und Youtube Video . Sieger wurde ein Basketballer aus Fürth 1,96m Hüne, 365m

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          • Bei Alex würde uns allen auch karierte Strapse reichen 🙂

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  • Jetzt mal abgesehen von den Farbenspielen – stellt Euch einfach mal vor „das Eifon kackt ne Viertelstunde vor Anpfiff des Derbys ab“. Keine Info, kein gar nix. Ihr rennt wie bekloppt zum nächstbesten Internetcafé,
    stellt Halbzeitführung fest, kauft SIM-Card-Adapter, reaktiviert olle Nokia-Handys mit minimal-Internet und stellt ne Viertelstunde nach Abpfiff fest: UUFFF!!!! Tja, binnich wohl echt Clubfan. Machste nix.

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    • @Markazero:

      In diese Verlegenheit würde ich nie kommen, weil ich bei Club-Spielen nicht aufs I-Phone angewiesen bin. Da sitz‘ ich vorm Fernseher oder ich bin im Stadion. Abgesehen davon, dass ein I-Phone nicht abstürzt…

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    • Ja, und jetzt stell dir mal vor, du machst mit der Familie nen Ausflug in der Eifel.
      Da ist der Empfang soooo toll…

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      • Welcher Clubfan macht einen Familienausflug in die Eifel, wenn der Club spielt?

        Na gut, vielleicht sollte ich mal über den Grund nachdenken, warum ich unverheiratet bin…

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  • Ein Eifon KANN 98 % anzeigen und sich spontan verabschieden (vgl. Kommunalwahl DDR, Frühjahr ’89) und aber auch eine kaputte Ladebuchse haben (nein Alex, nicht Unterbuxe😎). Das ist dann wie Familienausflug in der Eifel (alternativ Tecklenburger Land, Südtirol…): kein Empfang und kurz vorm Durchdrehen („Dörbie!!! Häschaffdzaidn!!! Leck mich!!!“)…! Man hat’s nicht leicht als Fan…

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    • Sag nix gegen mein Unterbuxen, hab mir jetzt extra welche mit Einhörnern drauf gekauft. Der Kauf davor, mit Elefant inklusive Rüssel, waren glaub ich auch ein Volltreffer. Zumindest mussten alle Frauen laut lachen. Weshalb sie anschließend gegangen sind, weiß ich allerdings nicht.

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      • Südtirol ist ein Ländchen, daß in der modernen Zeit angekommen ist: Bis hoch auf 2000 Höhenmetern hatte ich überall LTE Empfang.

        Zugegeben:
        Dort müssen auch nicht Industrien mit der Technik des 19. Jahrhunderts wie Chemie oder Explosionsmotoren mit Steuern hochsubventioniert werden, damit was Verkaufbares herauskommt.

        Ich bin am Wochenende an der Mainschleife auf Männerwellness. Am Samstag bis kurz vor Spielbeginn steht die Weinlese am Lump an.
        Der Club wird danach mit Beamer auf der Leinwand angeschaut. Dazu gibt Brohdwerschd vom Innungsmeister und Huppendorfer Bier.

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        • Bist etz scho wieder nicht dabei? Tssss…., so wird das nix mit dem Aufstieg. Außerdem fehlt dem Klaus dann sein Bruder im Geiste und an Deiner Stelle müssen Tom und ich wieder die Unmengen an Bier trinken, sie sonst Ihr beide allein vernichtet. Ich habe Angst!

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        • Dann geh dort mal in den Wald, Du wirst staunen, wie schnell jenseits von Touri-Hotspots kein Empfang mehr ist (macht aber nix, weil das die schönsten Ecken sind)!

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