Alfred muss sich entscheiden

Als ich am Tresen ankam, redete Hannes auf Alfred (klick) ein: „Du meinst Löwen! Und Löwen ist nicht tätowiert! Zumindest nicht am Arm!“

„Erhitze Gemüter?“, fragte ich. „Warum erhitzte Gemüter? Der Club hat doch gewonnen. Dritter! Der Club ist wieder Dritter!“

„Horch amoll, Michael, deer woo geecha Kiel (klick) den schwochng Bass zum Deuchad gschbilld hold, korz bevoor die Kiela dess Zwaa-zwaa gschossn hamm, dess woor doch deer, woo om Orm däddowierd iss wie bleed…“

„Weiß ich nicht“, sagte ich, „hab das Spiel ja nicht gesehen.“

„Das war objektiv Löwen“, sagte der Wirt und reichte mir ein Pils über den Tresen, „und Löwen ist am Arm nicht tätowiert. Objektiv nicht (klick).“

„…Iss ja aa worschd, obb deer däddowierd iss, obba dess woor a gands schwocha Bass, denn Bass därfa soo ned schbilln, deer maand wohl, deer hodd a Gfiehl imm Fuuß wie da Eesiel, dess woor a Bessla, woo deer gschbilld hood aufn Werna imm Schbill geecha die Frandsoodsn (klick)…“

„Aber nicht auf Tobias Werner“, warf Hannes ein.

„…obba doo därfa nedd soo häggdisch obbschbilln, woor fraili a guude Kondaschongs, obba dess mussa sääng, dass a Bass doo zu risgannd iss, doo mussa, woor ja nimma long zu schbilln…“

„Vorbei“, unterbrach Hannes, „es ist vorbei! Das ist Vergangenheit!“

„…Naa, dess iss nedd vorbai, bleed iss dess gweesn, schdrundsbleed, doo mussa omm Boll blaim, hodd ja Blodds ghabd, doo mussa dess Demmbo vaschlebbm, doo därfa nedd so a Riesigoo aigeh, wenn deer den debbadn Bass nedd schbilld, schießn di annan na Ausglaich nedd und da Glubb schdehd in da Dabelln bessa doo…“

„Schieß dich nicht so auf Löwen ein!“, rief Hannes, „der hat auch schon gezeigt, dass er ein guter Mann ist, ist doch klar, dass so ein junger Spieler…“

„Dem gheerd amoll dichdich da Kubbf gwaschn, haid hodda aa widda an Bogg gschossn, woo zu ann Geechndoor gfiehrd hodd, zumm Zwaa-aans fir di Braunschwaicha, doo hodda si ohne Nood na Boll obbnehma lassn, doo hädda obbschbilln missn, wenna obbschbilln muss, driggsda, und wenn na Boll halldn muss, schbillda ann Fehlbass…“

„Es haben ja auch schon andere Fehler gemacht“, beschwichtigte Hannes, „denk nur an Kirschbaums Stockfehler gegen Ingolstadt (klick).“

„Dess iss woss annasch. Deer woor zu bleed na Boll zu schdobbm, obba deer anna, obba edsad däddowierd iss odda nedd, iss worschd, deer schbilld zu lässich, deer iebaschädsd saine Fähichkaidn, deer maand, er iss da King, geecha Bielefeld schbillda ohne Obbsicherung Fuußdennis midd dem, midd dem, iss a baamlonga Laggl…“

„Erras“, sagte ich, „Patrick Erras.“

„…deer hodd haid nedd gschbilld, doo hau-i di Kulln doch naus, doo konni doch nedd fir di Galerie schbilln, ma hodd ja gsääng, woss dann bassierd, schebban dudds dann, schebban (klick).“

„Hast du das Spiel heute gesehen?“ fragte mich Hannes. „Oder hast du wie gegen Kiel verweigert?“

„Habe verweigert.“

„Aber Sandhausen schaust du dir wieder an?“

„Klar, jetzt ist der Club ja wieder Dritter. Hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht.“

„Und wenn der Club heute 1:0 gewonnen hätte und bei gleicher Punkt- und Tordifferenz mit Union Berlin auf dem vierten Platz stehen würde, weil er dann weniger Tore als die Berliner geschossen hätte (klick), würdest du dir dann…“

„Dann nicht. Vierter ist nicht Dritter.“

„Das ist doch Schwachsinn.“

„Kann schon sein.“

„Der Mann hat halt Prinzipien“, sagte der Wirt zu Hannes.

Ich nahm einen Schluck aus dem Pilsglas: „Aber erzählt mal. Gebt mal einen Spielbericht.“

„Hab heute das Spiel auch nicht gesehen“, sagte Hannes.

„Geht dein Fernseher immer noch nicht?“, fragte ich (klick).

„Nee, nee, hab einen neuen. War mit meiner Mutter bei meiner Tante, die ist heute 85 geworden.“

„Verstehe“, sagte ich. „Deine Tante hat kein Sky.“

„Konnte das Spiel auch nicht sehen“, bemerkte der Wirt. „Reparatur der Zapfanlage. Musste dem Handwerker zur Hand gehen. Wenn du Fragen zum Spielverlauf hast, musst du dich an Alfred wenden.“

„Woor firran naidrooln Zuschaua a subba Schbill. A Schbeggdoogl. Obba fir di Glubbfänns a Ochdabohnfohrd. A emmodsionoole Ochdabohnfohrd. Deer, woo vorna drinna schbilld, deer deer, ann bieblischn Nooma hodda, Isaag odda Eesau odda wie deer haaßd…“

„Du meinst wahrscheinlich Ishak“, sagte ich.

„Der ist am Arm tätowiert“, merkte Hannes an, „sichtbar tätowiert (klick).“

„…deer hold zwaa saubare Doore gmachd, dess zwaide woor a Draam vo ann Door, a Boognlambm middn Kubbf nooch aana guudn Flanggng, obba bevoori ann genauan Berichd geeb, deedi gern ärschd amoll aane raang, hossd a Zigareddn fir miech, Michael, kossdma aane geem?“

„Klar“, entgegnete ich, „aber nur unter einer Bedingung.“

„Woss firra Bedingung?“

„Dass du dir das FCN-Wappen auf den Unterarm tätowieren lässt, wenn der Club in dieser Saison aufsteigt.“

„Soo-a Schwachsinn! Iech lossmi doch nedd däddowiern. Doo missadi ja hoffm, dass da Glubb nedd aufschdaichd.“

„Deine Entscheidung, Alfred“, sagte ich. „Deine Entscheidung.“

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick, klick.]

16 Gedanken zu „Alfred muss sich entscheiden

  • Hallo Herr BELSCHANOV,

    deine Glosse ist wieder super, eine echte Bereicherung!
    Sag mal, wie lange brauchst du denn da jedes Mal dafür? So etwas schüttelt man doch nicht aus dem Ärmel.
    Ich glaube, du wärst auch in einem Literaturforum gut aufgehoben, (Leselupe oder Wortkrieger).
    Bestimmt könntest du dort Karriere machen. (-:

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  • Ein wahrhaft gelungener Beitrag. Hoffentlich ist Belschanov bis zum Saisonende nicht mehr auf die Berichterstattung von Alfred angewiesen…

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    • für mich als geborenen Unterfranken und seit >40 Jahren in Nürnberg lebend ist das oberfränkische Idiom eine echte Herausforderung. Dem genauan Berichd von Alfred sehe ich also gespannt entgegen.

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    • Belschanov ist ein typischer Erfolgsfan, wenn die Sonne über dem Club wieder scheint dann ist er wieder da. Erfolgsfans mögens gerne einfach

      😮

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      • Er tut sich halt schwer mit der schon von Kurzzeit-Ministerpräsident Beckstein bescheinigten „Leitensfähigkait“, die ein Clubberer haben muss.

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        • Frustrationstoleranz. Also wenn man Clubfan ist, ist man für fast jede Ehe gut vorbereitet. Weil du Beckstein erwähnst, vermutlich benötigen wir die Leidensfähigkeit bald wieder unter einem fränkischen Landesvater Söder

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          • Allsodeswemmerbaimnexdnpaddaidoochinallerruhebeschbrechnwieinnaragudnehedabraungmerkannschnellschussdawaddmerainfachamolab… usw…😄

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  • Doud fei ned überdreihm midm Loohb. Aweng a „bassd scho“ däd a langer. Mir senn ned suh redseelich. Ned gred is doch aa gnuuch gsachd.

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  • Und nix gschad is globd genug…
    aber a basd scho is scho abrachd
    und ibrigends @josch, a fier a Oberfrängin, die nuch dazu in Bareidh aerberd is des lesn ned einfach, gehd manchmol nur laud

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    • Dessweng iss da Dieda Heness aach nie a erfolgraicha Mennetscha worrn. Konnd ja garned. Der iss imma gschaidad, egool worra wor. Sei Bruda, derrer do su aan Sunnakeenich bai dene Baian machd, der hodd frieh mimm Giggn aafgeert, sunnst hädder nuuch an greeßern Schodn olls wierra eeh hodd midd saine Lieechn wecha dena Staiasochn, zum Bedriechn hodds bai demsai Hirrn no graichd. Die sinn olle däddowiert, in derrer ihrn Scheedl homm die do olle a schbedsielles Giggadaddu.

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