„Das sind alles wunderbare Jungs“ – U21-Trainer Reiner Geyer im Exklusiv-Interview #FCN #FCNNLZ

Clubfans United Interview mit U21-Trainer Reiner Geyer

Entspannt kann der Cheftrainer der U21 bei diesem Tabellenstand sein. Zu Beginn der Winterpause steht der „kleine Club“ auf Rang Zwei der Tabelle, hat 55 Tore erzielt und spielt vor allem in den Heimspielen begeisternden Offensivfußball. Dementsprechend kommentiert er dann auch die Berufung seines langjährigen Weggefährten Armin Veh zum Sportdirektor beim 1. FC Köln mit einem ironischen „Da braucht er ja keinen Co-Trainer“, um direkt danach zu betonen, wie sehr er seinen eigenen Co-Trainer Fabian Adelmann schätzt: „Bin froh, dass ich ihn habe. Für seine 26 Jahre ist er als Trainer auch sehr weit.“ Der Chef der Club U14 ist voll in die Trainingsplanung und -steuerung involviert, die letzten Entscheidungen in Sachen Aufstellung und Mannschaftsführung liegen aber natürlich bei Geyer. „Das ist auch der große Unterschied zu meiner vorherigen Tätigkeit als Co-Trainer, als Chef will jeder von dir eine Entscheidung und die musst du dann auch treffen.“ Seine bisherigen Entscheidungen waren überwiegend positiv wie die Ergebnisse und auch die Entwicklungen der Einzelspieler unterstreichen. Im Gespräch mit Clubfans United resümiert Reiner Geyer die bisherige Saison und blickt voraus.

Interview mit Reiner Geyer

[Clubfans United] Herr Geyer, In den ersten vier Ligen in Deutschland hat niemand mehr Tore geschossen als Ihre Mannschaft, gemessen an der Anzahl der Tore pro Spiel ist nur Energie Cottbus leicht besser. Wie erklären Sie die offensive Stärke Ihres Teams?

[Reiner Geyer] Das ist eine durchaus erwähnenswerte Statistik. Das liegt sicher zum einen daran, dass wir sehr spannende Spieler haben, die Talent, Qualität und Zielstrebigkeit vor dem Tor in hervorragender Weise verbinden. Zum anderen liegt es aber auch an unserem offensiven Spielstil, der sich eben durch genau diese Zielstrebigkeit in Richtung Tor auch auszeichnet.

Auffallend ist ja auch, dass Ihre Mannschaft zu Hause eine absolute Macht ist: Eine Niederlage am Valznerweiher, eine im Stadion, aber neun Siege am Max-Morlock-Platz. Macht’s den Jungs einfach Spaß zu Hause?

Den Platz kennen einige Spieler schon seit Jahren und alle gehen da jeden Tag im Training vorbei. Da entwickelt man einfach ein gutes, ein heimisches Gefühl. Es entsteht schnell eine „Komm da gehen wir jetzt raus und hauen die weg“ Einstellung. Das geht mir auch so, wenn ich Donnerstag oder Freitag vor einem Heimspiel am Platz vorbeigehe. Da denke ich mir dann immer, das wird ein gutes Spiel.

Trotz der tollen Bilanz und der vielen Tore sind die Heimspiele ja eher schwach besucht. Würden Sie sich da mehr Zuspruch, mehr Aufmerksamkeit wünschen?

Wir sind die U21, die zweite Mannschaft. Das ist ja kein Phänomen, das auf Nürnberg begrenzt ist, egal wo Sie hingehen – egal ob in Lauf, Röthenbach oder beim Club – in jedem Verein wollen die Anhänger die erste Mannschaft sehen. Und vielleicht ergibt sich ja nach der Winterpause eine Konstellation, dass wir gegen 1860 München einmalig das Stadion recht voll kriegen. Immerhin spielt dann Erster gegen Zweiter, die Sechziger bringen bestimmt 7000 Leute oder mehr mit, die Profis spielen auswärts. Da könnten wir dann als Club gemeinsam dafür sorgen, dass möglichst viele Nürnberger die U21 unterstützen.

Wenn man dieses Spiel gegen die Löwen gewänne, wäre man ja doch recht nah am Tabellenführer dran. Da könnte man ja sogar noch um den Aufstieg mitspielen. Aber wird überhaupt eine Lizenz beantragt für Liga Drei?

Die Frage kommt zu früh. Wir schauen sicher auch auf die Tabelle, aber das ist nicht unser primäres Ziel als U21. Natürlich darf man nicht nur von „Entwicklung“ sprechen, weil ohne positive Ergebnisse verläuft auch die Entwicklung schleppender, aber es geht uns vor allem darum, wie wir auf dem Platz stehen und dass die Spieler individuell und als Mannschaft besser werden.

Ungefähr seit dem Bayreuth-Spiel hat das 3-4-3 als Grundformation durchgesetzt. Entspricht das so Ihrer Idealvorstellung von Fußball oder hat sich das aus dem Spielermaterial ergeben?

Die Änderung hat sich vor allem aus defensiven Gründen ergeben. Wir haben am Anfang einfach zu viele Gegentore kassiert. Bis zum Spiel gegen Bayreuth waren es 25 in elf Spielen. Dann sucht man als Trainer natürlich nach Lösungen für dieses Problem. Ich war der Überzeugung, dass wir mit einer Umstellung auf ein 3-4-3 mehr Stabilität in die Mannschaft bekommen und das hat ja dann auch funktioniert. Seitdem kamen nur mehr 13, ebenfalls in 11 Spielen, dazu.

Nachdem die Profimannschaft auch im September auf ein System mit Dreierkette und Vierermittelfeld umgestellt hatte, gab es ja sogar Spekulationen, dass es eine „Anweisung von oben“ war, da jetzt umzustellen. Dem war also nicht so?

Der Cheftrainer bleibt natürlich immer der Cheftrainer. Aber wir treffen Entscheidungen gemeinsam im Leitungsteam und diskutieren da mal kontrovers, mal leidenschaftlich, aber bisher sind wir immer zu einer guten Lösung gekommen.

Apropos Cheftrainer. Wie oft schaut der Cheftrainer der Profis eigentlich bei der U21 im Training vorbei? Bei den Spielen ist er ja fast immer da, wenn er nicht mit der ersten Mannschaft unterwegs ist.

Die Trainingsplätze der beiden Mannschaften liegen nebeneinander, da sieht man sich ständig und auch sonst ist die Kommunikation sehr eng vernetzt. Wir tauschen uns im Leitungsteam des NLZ rege und konstruktiv aus.

Wie sieht denn im Leitungsteam diese Aufgabenverteilung eigentlich aus? Ist Michael Köllner da doch de facto der Chef?

Es hat jeder seine Zuständigkeitsbereiche und es wird gemeinsam entschieden. Michael Köllner zieht immer wieder Spieler aus der U21 und der U19 ins Training hoch. Ich kümmere mich um die Verzahnung von U21 und U19 und auch um das Übergangsmanagement, also begleite die Spieler dann auch aktiv auf ihren Schritten hinein in den Männerfußball. Daniel Wimmer ist für die U17 bis U14 zuständig und darunter bis zur U8 koordiniert das Reinhold Hintermeier.

Das Übergangsmanagement leitet zu der Frage über, die wahrscheinlich die meisten Clubfans beschäftigt. Wer von Ihren Spielern schafft’s denn am ehesten zu den Profis?

Zuzutrauen ist das nicht wenigen. Das sind alles wunderbare Jungs, die sich in den letzten sechs Monaten individuell und als Mannschaft entwickelt haben. Aber jetzt konkrete Namen zu nennen, wäre auch denjenigen gegenüber, die ich jetzt nicht nenne, unfair. Letztlich gehört da auch immer ein Quäntchen Glück dazu, dass man im richtigen Moment bei den Profis vorspielt, wenn sich einer verletzt und man genau dann auch überzeugt, so dass der Profitrainer sagt „Du bleibst jetzt oben“.

Falls einer oben bleiben würde, hätte man quasi eine ungeplante personelle Veränderung. Gibt es denn auch geplante Veränderungen?

Stand heute haben wir weder Zu- noch Abgänge, aber so etwas kann natürlich immer ganz schnell gehen. Auf jeden Fall kommen mit Cedric Euschen, der mit einem Kreuzbandriss aus Saarbrücken kam, und Kevin Zizek, der ja schon in der U19 gut dabei war, sich jetzt aber den Knorpel im Knie glätten lassen musste, zwei Langzeitverletzte ins Team, die beide noch gar nicht für die U21 gespielt haben. Das sind quasi zwei offensive Neuzugänge. Wir hoffen auch, dass bis nach der Winterpause Steffen Eder wieder dabei ist und er seine Leistenprobleme in den Griff bekommt.

Die Planungen für die kommende Saison laufen wahrscheinlich schon auf Hochtouren. Nimmt Sie Dieter Nüssing mit auf die Scouting-Trips?

Auf jede Spielersichtung kann er mich natürlich nicht mitnehmen, dafür habe ich hier zu viel zu tun, aber wir waren auch schon gemeinsam unterwegs. Dieters Arbeit kann man im Übrigen nicht genug würdigen. Er ist der Scout schlechthin mit einem unglaublichen Auge für Talente, die voll durchstarten können, gerade für solche die in unterklassigen Vereinen spielen. Von ihm hat der Club wirklich schon gewaltig profitiert.

Bei den Überlegungen für die kommende Saison spielt sicher auch die U19 eine große Rolle. Wie groß sind Ihre Sorgen, dass die U19 absteigt?

Die U19 hat jetzt zweimal in Folge gewonnen, den Anschluss ans rettende Ufer wiederhergestellt. Ich bin mir sicher, dass die Jungs da unten jetzt rauskommen. Wenn man so eine Durststrecke positiv beendet, setzt auch ein Lernprozess ein, man glaubt wieder an sich. Nach der Winterpause kommt dann mit Ekin Celebi auch noch ein wichtiger Spieler wieder zurück. Die Jungs schaffen das.

In einigen Vereinen endet ja das NLZ inzwischen mit jener U19. Können Sie den Schritt von Vereinen wie Leverkusen, Frankfurt oder Leipzig nachvollziehen ihre zweite Mannschaft abzumelden?

Das kann ich nur ganz schwer nachvollziehen. Der ein oder andere Spieler braucht gerade mit 18 oder 19 Jahren einfach noch ein Jahr, vielleicht auch zwei um sich so weit zu entwickeln, dass er dann in den Profifußball wechseln kann. Daher finde ich die Lösung mit der U21 hier in Nürnberg auch sinnvoll, eine U23 muss es nämlich nicht unbedingt sein. Aber für den FCN sehe ich es positiv, wenn immer mehr Vereine ihre zweiten Mannschaften abmelden, weil wir dann durchaus Spieler von diesen Vereinen bekommen, siehe zum Beispiel Simon Rhein, der aus Leverkusen kam.

Wir sprachen ja vorhin schon vom Aufstieg. Genau dieser Aufstieg aus der Regionalliga ist derzeit stark umstritten, weil nicht alle Meister der Regionalligen aufsteigen können. Wie stehen Sie zu dieser Regelung?

Ich verstehe, dass man die Meinung vertritt, dass Meister aufsteigen müssen. Aber irgendwann wird die Pyramide im Fußball so breit, dass dieser Grundsatz schwierig zu verwirklichen ist. Da muss man, egal ob das auf Ebene der Regional-, Ober- oder Bezirksliga ist, irgendwann zum Mittel der Aufstiegsspiele greifen. Nachdem der Aufstieg aber nicht das primäre Ziel für uns ist, habe ich mich noch nicht wirklich intensiv mit der Regelung beschäftigt.

Das andere Reizthema in der Regionalliga dieser Tage ist die chinesische U20-Nationalmannschaft, die Pflichtfreundschaftsspiele gegen die jeweils spielfreie Mannschaft der Regionalliga Südwest austragen sollte, was aber nun noch unklar ist, ob dies passiert oder nicht. Es hätte ja auch die Regionalliga Bayern treffen können, die hat ja auch immer eine spielfreie Mannschaft. Hätten sie da mitgemacht?

Nein. Ich glaube, wir hatten sogar eine Anfrage, ob wir ein solches Freundschaftsspiel durchführen wollen. Aber wenn wir ein Testspiel brauchen, dann fragen wir bei einem der Partnervereine an, da brauchen wir nicht nach Fernost zu schauen.

Ein schöner Schlussgedanke, Herr Geyer. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Titelbild: Reiner Geyer nach dem 5:0 des FCN II gegen den FC Unterföhring (Foto: Dieter Rebel, fupa.net)

3 Gedanken zu „„Das sind alles wunderbare Jungs“ – U21-Trainer Reiner Geyer im Exklusiv-Interview #FCN #FCNNLZ

  • Danke Florian. Ein interessantes Interview. Macht mich neugierig auf mehr Infos. Z.B. wie sieht das Übergangsmanagement aus?

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  • Bitte nicht persönlich nehmen, aber mich stört, auch ansderswo und allgemein, die Redewendung ‚Material‘, wenn dabei Menschen gemeint sind.
    Danke.

    Ansonsten freue ich mich, etwas über die U21 zu lesen, gibt ja kaum ein Forum für den Nachwuchs, auch wenn Geyer hier bei manchen Fragen keine wirkliche Antwort gegeben hat.

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    • Nehm ich auf meine Kappe, normal bin ich da sprachsensibler, mag‘s eigentlich auch nicht, wenn z.B. Kollegen sagen, dass man mit dem „gegebenen Material“ keine besseren Schnitte erreichen kann. Mea Culpa!

      Geyer ist halt fast 40 Jahre im Geschäft, das merkt man schon. 😉

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