Das Experiment

Prüfer 1 (klick): Herr Doktor Schnabel, wir haben Sie einbestellt, um…

Man kann mit dem bisherigen Saisonverlauf verhalten zufrieden sein. Die Mannschaft steht zur Winterpause punktgleich mit dem Tabellenzweiten auf dem dritten Platz und der Rückstand auf Platz eins beträgt nur einen Punkt (klick). Wenn ich sage „verhalten“ zufrieden, bezieht sich diese Einschränkung darauf, dass bei mehr Konzentration und Abgeklärtheit sechs Punkte mehr drin gewesen wären. Ich meine damit die Spiele gegen…

Prüfer 1: Herr Doktor Schnabel, wir dürfen vorausschicken, dass wir Sie nicht einbestellt haben, um Ihre Expertise zur sportlichen Situation des 1. FC Nürnberg einzuholen.

Ich verstehe nicht.

Prüfer 1: Das ist auch nicht notwendig.

Prüfer 3: Ich denke, es ist nur recht und billig, Herrn Doktor Schnabel über den Beschluss der Kommiss…

Prüfer 1: Herr Kollege, ich darf Sie darauf hinweisen, dass Erklärungen…

Prüfer 2: Nur recht und billig. Hihihi!

Prüfer 1: …zu Beschlüssen der Kommission nicht den protokollarischen Regularitäten…

Prüfer 3: Es ist nur fair, Herrn Doktor Schnabel über die neue Situation zu informieren.

Prüfer 2: Nur fair. Hihihi!

Prüfer 3: Herr Doktor Schnabel, ich teile Ihnen mit – oder: ich muss Ihnen leider mitteilen –, dass die…

Prüfer 1: Herr Kollege, ich warne Sie!

Prüfer 3: …Kommission aufgrund unserer Gesprächsprotokolle und der allgemeinen Beobachtung Ihres Wirkens im Umfeld des 1. FC Nürnberg beschlossen hat, auf Ihre Expertisen zur sportlichen Situation des Vereins zu verzichten. Diese Funktion, so der Kommissionsbeschluss, soll in Zukunft allein…

Prüfer 1: SIND SIE WAHNSINNIG!

Prüfer 3: …Ihrem Kollegen Blumenthaler obliegen. Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, Ihnen ganz persönlich mitzuteilen, dass ich diese Entwicklung außerordentlich…

Prüfer 2: Ihnen ganz persönlich mitzuteilen. Hihihi!

Prüfer 3: …bedaure, denn…

Prüfer 1: Herr Kollege, das wird Konsequenzen haben!

Wenn die Dinge so stehen, ist es mir nicht verständlich, warum Sie mich zu einem Gespräch gebeten haben. 

Prüfer 1: Wir haben Sie nicht zu einem Gespräch gebeten, wir haben Sie einbestellt.

Prüfer 2, während er etwas in sein Mobiltelefon tippt: Zu einem Gespräch gebeten. Hihihi!

Prüfer 3: Herr Kollege, ich darf Sie bitten, auf Ihr überhebliches Gelächter zu verzichten!

Prüfer 1: Herr Doktor Schnabel, was wissen Sie über Snus?

Über wen?

Prüfer 2: Den Experten spielen wollen und nicht wissen, was Snus ist. Hihihi!

Prüfer 1: Snus ist eine aus Skandinavien stammende Modedroge (klick). Diese Droge soll in letzter Zeit vermehrt auch von Fußballspielern zum Zwecke der Leistungssteigerung angewendet werden (klick). Es handelt sich um Oraltabak.

Also um Kautabak?

Prüfer 1: Sie werden von unserem Ärzteteam das Notwendige über die Beschaffenheit und die Handhabung dieser Droge erfahren.

Wie bitte?

Es klopft an der Tür. Die Tür geht auf und es erscheinen zwei in grüne Trainingsanzüge gekleidete und mit Pickelhauben (klick) behelmte Männer, der eine baumlang und hager, der andere klein und dickbäuchig. Die Männer streben auf Prüfer 3 zu und stellen sich hinter ihn. Prüfer 3 erhebt sich und verlässt…

Prüfer 2: Hihihi!

…von den beiden Männern flankiert den Raum.

Prüfer 1, mit beiden Händen den Sitz seines Krawattenknotens prüfend: Herr Doktor Schnabel, wie wir wissen, spielen Sie jeden Mittwoch von 18 Uhr bis 19 Uhr 30 in einer Freizeitsportgruppe Hallenfußball. Die Kommission hat beschlossen, dass Sie das in Zukunft, d.h. in einem von unseren Ärzten zu bestimmenden Zeitraum, mit Snus im Mund tun werden.

Die Kommission hat was?

Prüfer 1: Sie werden von uns in Kürze eine Einberufung zu einem Gespräch mit unserem Ärzteteam erhalten.

Meine Herren, ich teile Ihnen mit, dass ich diese Einberufung nicht wahrnehmen werde. Ich rauche vor und nach dem Spiel eine Blend 29, aber ich spiele nicht mit Kautabak im Mund Fußball. Darüber hinaus erkläre ich, dass ich an einem weiteren Kontakt mit Ihrer Institution nicht interessiert bin.

Prüfer 2, während er etwas in sein Mobiltelefon tippt: An einem weiteren Kontakt mit Ihrer Institution nicht interessiert. Hihihi!

Prüfer 1: Dass Sie mit Snus im Mund spielen werden, ist beschlossene Sache. Gleiches gilt für den weiteren Kontakt mit unserer Institution.

Ihre Beschlüsse interessieren mich so viel wie das berühmte in Peking umgefallene per pedes angetriebene Verkehrsmittel. Ich bin ein freier Mann in einem freien Land! Übrigens ganz nebenbei: Zurzeit bin ich aufgrund einer Rippenprellung, die mir beim Fußballspielen von einem Holzer zugefügt wurde, ohnehin nicht einsetzbar.

Prüfer 1: Das ist uns bekannt. Unsere Ärzte werden Sie schnell wieder fit machen…

Prüfer 2: So fit wie einen Turnschuh. Hihihi!

Prüfer 1: …Sie werden schneller wieder Fußball spielen, als Sie denken.

Es klopft an der Tür.

Prüfer 1: Herr Doktor Schnabel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

6 Gedanken zu „Das Experiment

  • Bitte beim Handballspielen die Nutzung von Kunstharz für eine bessere Ballkontrolle achten.
    Könnte das Kunstharz auf die Fußballschuhe aufgetragen, auch in dieser Ballsportart weiterhelfen?

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  • Hmmm…
    so noch gar keine Idee…
    Hat Herr Doktor Schnabel diesen Snus evtl. geraucht als er diese Zeilen verfasste?

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  • Unwillkürlich frage ich mich natürlich, wer von den Prüfern jeweils Alexander, Stefan oder Florian sein könnte…

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    • @Markazero:

      Dass du dir diese Frage stellst, ist vom Autor nicht intendiert. Dieser Fall ist mal wieder der Beweis dafür, dass der Autor keine Kontrolle darüber hat, was der Leser aus seinem Text herausliest. Wobei die Dinge in diesem speziellen Fall zusätzlich dadurch verkompliziert werden, dass der Autor selbst nicht so recht weiß, was er mit diesem Text eigentlich aussagen will. Oder sagen wir besser: was er KONKRET aussagen will. Ich kann nur so viel sagen: Die Idee zu dieser Geschichte kam mir, als ich in der aktuellen 11 Freunde-Ausgabe die Story über Snus las.

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      • „Dieser Fall ist mal wieder der Beweis dafür, dass der Autor keine Kontrolle darüber hat, was der Leser aus seinem Text herausliest.“ – Zum Glück müssen wir nicht soweit gehen wie Roland Barthes und den Tod des Autors postulieren.

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  • Dann ist zumindest klar, wie Eure Redaktions-Sitzungen zum Glück NICHT ablaufen. Hmmm… vielleicht hat sich der Text während einer weihnachtlichen Bräsigkeit (Verdauungs-Nickerchen) im Halbschlaf ganz von selbst geschrieben. Anlässe: Dislikes gesammelt, Snus-Artikel, der Rest dann so aus dem Lameng zusammengerührt. Es gibt ein Fremdwort für diesen Zustand zwischen Traum und Wachsein, das ich mir leider ums Verrecken nicht merken kann.

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