Naturgesetz

Als ich am Tresen ankam, schaute Hannes (klick) in sein Handy und las vor (klick):

Ich denke, dass ich einen guten Abschluss habe, auch Tempodribbling und Eins-gegen-eins-Situationen würde ich als meine Stärken bezeichnen. Ich laufe gerne mit hohem Tempo auf die gegnerischen Verteidiger zu.

„Frohes neues Jahr, die Herren!“, grüßte ich. „Schön, mit einem Zitat von Dieter Eckstein (klick) empfangen zu werden.“

„Dess iss ka Dsidood vorm Eggschdaa, dess iss a Dsidood vomm Daichadd“, stellte Alfred (klick) richtig.

„Ach so. Aha.“

Der Wirt stellte ein Pilsglas unter den Zapfhahn.

„Woss willdn deer bai Schallge? Deer hood jaa need amoll in da dswaadn Liecha ann Schdommblodds ghabbd.“

„Ist doch klar“, sagte der Wirt, den Zapfhahn mit Bedacht betätigend.

„Woss issn doo gloor?“

„Klar ist“, antwortete der Wirt, „dass in der Winterpause ein Clubspieler zu Schalke wechselt. Das ist ein Naturgesetz.“

„Stimmt“, stimmte ich zu: „2016 Schöpf, 2017 Burgstaller. Und 2018…“

„…Teuchert“, ergänzte der Wirt. „Same procedure as every year.“

„Tja“, stellte ich fest, „schon schade. Ich hatte gehofft, Teuchert wird unser neuer Eckstein.“

„Worumm hoddn deer dann kann Schdommblodds ghabbd? Nedd amoll in da dswaadn Liecha hood deer ann Schdommblodds ghabd. Wenn deer soo guud weer wie da Eggschdaa, dann hedda ann Schdommblodds ghabbd. Dess konnsi doch ka Drääna nedd laisdn, dassa ann Schdirma, woo soo goud iss wie da Eggschdaa…“

„Nur zur Klarstellung: Ich sage nicht, dass Teuchert so gut ist wie Eckstein. Ich sage nur, dass er ähnliche Anlagen hat und vielleicht so gut werden kann wie Eckstein.“

„…auf di Bengg seddsd odda goor nedd firs Schbill nomminierd.“

Der Wirt reichte mir das Pils über den Tresen. Ich nahm einen Schluck und sagte: „Bei mir hätte Teuchert gespielt. Offensiv rechts. Der mit hohem Tempo auf die gegnerischen Verteidiger zulaufende Teuchert und der Knipser Ishak hätten meines Erachtens gut miteinander harmoniert. Aber ich bin nicht der Club-Trainer. Ich hab‘ ja nicht einmal eine Trainerlizenz.“

„Dass Teucherts Tage beim Club gezählt sind“, gab der Wirt zu bedenken, „war doch schon klar, als der im letzten Sommer seinen Vertrag nicht über die jetzige Saison hinaus verlängerte. Und genau deshalb spielte Teuchert in Köllners Planungen auch keine Rolle mehr. Ist doch logisch, dass ein Trainer nicht auf einen Spieler setzt, der ohnehin in der Winterpause verkauft wird, damit der Verein wenigstens noch eine Ablöse für ihn kassiert. Es geht im Fußball, speziell beim 1. FC Nürnberg, nicht nur um das Sportliche. Es geht auch um die Erfüllung von Auflagen. Ums wirtschaftliche Überleben.“

„Das ist wohl wahr“, pflichtete ich bei. „Es ging auch nicht um das Sportliche, als Eckstein im Herbst 1993 verkauft wurde. Übrigens auch nach Schalke.“

„Naturgesetz“, sagte der Wirt.

„Am Ende dieser Saison stieg der Club dann in die zweite Liga ab“, sagte ich.

„Dafür steigt er heuer ohne Eckstein, äh Teuchert, in die Bundesliga auf“, entgegnete Hannes.

„Aber nur, wenn die Mannschaft sich besser anstellt als gegen Kaiserslautern und Wolfsburg“, versetzte ich. „Und wenn…“

„Und wenn! Und wenn!“, äffte Hannes mich nach. „Nix und wenn! Ständig diese Bedenkenträgerei!“

„…und wenn von den Herren Möhwald, Leibold und Kammerbauer, deren Verträge ja auch zum Saisonende auslaufen, nicht doch noch der eine oder andere vor der Rückrunde…“

„Worumm hammdn die fordna schbilln därfm? Worumm hoddn da Drääna auf die nuch geseddsd, wenn die aa nooch da Sässong zum Nulltarief weggsln kenna?“

„Ist doch logisch“, sagte Hannes.

„Die Loogigg vaschdee iech nedd.“

„Weil“, erklärte Hannes, „es ja nicht sein kann, dass jeder Spieler, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, nicht mehr aufgestellt wird.“

„Doo gibbida Rechd, dess iss loogisch. Obba dass der aa schbilln därf und der anna nedd, dess iss nedd loogisch, doo schbilln annare Faggdoorn a Rolln. Iech hogg doch nedd ann Schbiela, woo soo goud iss wie da Eggschdaa auf di Bengg, dess konnima als Drääna doch goor nedd laisdn. Kumm, Michael, mier genga aane raang. Hossd a Kibbm fir miech? Kossdma aane geem?“

„Bin gerade erst gekommen, Alfred. Jetzt trink ich erst mal mein Bier.“

„Dann gibbsdma aane, und iech geh allaa…“

„Same procedure as every year“, sagte der Wirt.

„Naturgesetz“, bemerkte ich.

3 Gedanken zu „Naturgesetz

  • Er ist halt leider nicht oder noch nicht so gut wie Eckes.
    Ihr am Tresen, seid nicht so pessimistisch. Der Club hat noch immer einen großen Schuldenberg abzutragen. Warum auf einen Spieler setzen, der seit Monaten keinen Hehl daraus machte, sich zu höherem berufen zu fühlen? Haben wir ähnliche Aussagen von Möhwald, Leibold oder anderen Spielern des Clubs je in dieser eindeutigen und spekulativen Zweideutigkeit vernehmen müssen?
    Nein.
    Dass der Club solche talentierten Kicker in der momentanen Situation halten kann ist doch naiv. Wenn ein Spieler seine angeblich über der Mannschaft/der Liga bestehende Qualität (vgl: Sabiri, Abdelhamit) immer mal wieder proklamiert, diese jedoch in seinen allgemeinen Verhaltensweisen (siehe: Verletzung, Mach1 u.a.) nicht untermauert und sich damit außerhalb eines gerade in der 2. Liga so überragend wichtigen Mannschaftsgefüges (siehe: Holstein Kiel 2017, Darmstadt 98 2013-2016) stellt und es dann bei Vertragsverhandlungen darauf hinauszulaufen scheint, dass der Verein (bei Nichtaufstieg?) ein Minusgeschäft machen würde, ist es überhaupt kein Wunder, wenn der klamme Club am Ende noch einen Erlös einzustreichen versucht.
    Mit Teuchert ist keine Korsettstange (siehe: Behrens, Hanno; Ewerton; Margreitter, Georg; Valentini, Enrico u.a.) verlustig gegangen, sondern ein vielversprechendes Talent, das zu höherem berufen scheint, aber nicht die richtige Einstellung an den Tag legte, als dass er sich selbst unverzichtbar zu machen in der Lage war.
    Also:
    Keine Verschwörungstheorien gegen Schalke. So ist der Markt. Und beim Club sitzen inzwischen Leute am Ruder, die den Verein mit Übersicht zu führen verstehen.

    Auch wenn es der Fanseele manchmal wehtut.

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    • „Keine Verschwörungstheorien gegen Schalke. So ist der Markt.“

      Im Gegenteil, ich finde sogar, dass uns Schalke da eher geholfen als geschadet hat. (uuups, das war aber ein lauter Aufschrei von Juwe gerade….)

      Nein, im Ernst, die haben wenigstens realistische Preise gezahlt und auch nicht einfach gewartet, bis die Verträge auslaufen. Die Spieler hätte man sich ja auch schon per Option sichern können. In unserer Situation hätte man auf jeden Fall Schöpf, aber wohl auch Burgi auch für deutlich weniger verscherbeln müssen. Und abgeben hätten wir sie sowieso müssen!

      Bei Teuchert mussten wir zwar nicht, aber auch hier sehe ich den Bedarf von Schalke nicht, ihn jetzt schon und für Geld zu holen. Da hätte man auch einfach abwarten und dann die halbe Ablöse als Handgeld verwenden können.

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