Von Zwergen und vom Müssenmüssen

„Tabellenzweiter (klick)“, rieb ich mir am samstagabendlichen Tresen die Hände. „Feine Sache.“

„Heddi nedd gedochd“, bemerkte Alfred (klick), „dass Kiel in Färdd nedd gwinnd (klick). Dass da Dabellndswaide baim Voorledsdn nedd gwinnd, häddi nedd gedochd. Iech hobb auf Kiel gedibbd. Edds hoddsma main Oddsedd dsahaud.“

„Leider hat’s für Fürth nicht zum Sieg gereicht“, sagte der Wirt über den Tresen. „Und leider hat sich der Tabellenletzte gegen den Tabellenführer nach der 1:0-Führung noch abziehen lassen (klick).“

Ich nahm einen Schluck aus dem Pilsglas: „Der gewünschte Zwergenaufstand ist ausgeblieben.“

„Woss firra Aufschdond?“

„Der Zwergenaufstand“, sagte Hannes (klick). „Ist eine politische Anspielung.“

„Ach soo. Eddsad vaschdeh-i. Ihr maand dess, woss da Rindelen odda wie der haaßd ieba die Essbeedee gsoochd hodd (klick).“

„Der Dobrindt“, korrigierte Hannes.

„Iss doch worschd, midd Rind binni scho richdich gleeng.“

„Heuer muss es mit dem Aufstieg klappen“, sagte der Wirt. „Glänzende Ausgangsposition. Das darf nicht mehr verspielt werden.“

„Genauso isses“, pflichtete ich bei.

„Klappen müssen muss gar nix“, widersprach Hannes. „Statt Forderungen aufzustellen, solltet ihr euch darüber freuen, dass der Club so gut in der Tabelle dasteht. Der Club spielt eine erfolgreiche Saison. Das steht jetzt schon fest. Er wird – das kann man wohl jetzt schon sagen – die Saison im vorderen Tabellendrittel abschließen. Wenn’s zum Aufstieg reicht, wäre das schön. Und wenn’s am Ende nicht reicht, war die Saison trotzdem erfolgreich.“

„Bleeds Gwaaf!“

„Warum bleeds Gwaaf? Hättet ihr vor der Saison gedacht, dass der Club nach zwanzig Spieltagen so gut dasteht?“

„Nicht unbedingt“, sagte ich.

„Na also. Dass der Club im Augenblick Zweiter ist, ist eine Überraschung. Eine positive Überraschung. Das ist ein Anlass zur Freude, aber kein Anlass, den maximalen Erfolg zum Gradmesser dafür zu machen, ob diese Saison erfolgreich sein wird oder nicht. Diese Saison ist unabhängig von ihrem Ausgang schon jetzt ein Erfolg.“

„Widerspruch!“, hielt der Wirt dagegen. „Klar ist der gute Tabellenstand eine Überraschung, aber wenn man nach dem zwanzigsten Spieltag ganz vorne mit dabei ist, ob überraschend oder nicht, dann kann das Ziel nur Aufstieg lauten. Und wenn das Ziel nicht erreicht wird, war die Saison kein Erfolg.“

„Genau so isses“, pflichtete ich bei, „und genauso sehen das ja auch die Spieler. Kann ja gar nicht anders sein.“

„Welcher Spieler sieht das so?“, fragte Hannes.

„Leibold“, antwortete ich. „Leibold hat in einem Interview öffentlich erklärt: Es darf nur eine Mannschaft  geben, die mit uns in die Bundesliga aufsteigt – vorausgesetzt, wir bringen konstant unsere Leistung (klick).“

„Klare und ehrliche Ansage von Leibold“, sagte der Wirt. „Es liegt allein an der Mannschaft, ob es mit dem Aufstieg klappt. Und wenn es nicht klappt, liegt die Verantwortung bei der Mannschaft.“

„Genauso isses.“

Hannes nahm einen Schluck aus dem Weizenbierglas.

„Gloor muss da Glubb aufschdaing, obba laichd wärds nedd. Wennas baggng will, mussa bessa schbilln als wie in die leddsdn Schbiele. Geecha Reengsburch hodda Gligg ghabbd, dassa iewahabbds a Unendschiedn erraichd hodd (klick), und in Berlien iss die Obbwehr in da ärschdn Holbdsaid a boormool bees ausgschbilld worn. Und nooch da Bause issa hindn zwoor bessa gschdandn, obba doo hodda saine Kondameechlichkaidn nedd guud genuch gnuddsd. Doo iss nooch vorna iewahabbds nix gloffm. Aamoll hodd deer Blonde doo, deer Blonde doo, iss glaabi da Schbillfiehra…“

„Behrens“, sagte ich, „Hanno Behrens. Ja, das war eine ganz schwache Aktion von ihm. Erstklassige Kontersituation, zwei gute Abspielmöglichkeiten…“

„Doo mussa obbschbilln, doo därfa si nedd fesdlaafm. Doo hädd a gloore Doorschongs rausgschbilld wärn missn, doo häddns den Sogg zuumachng missn…“

„Sag‘ ich doch“, sagte der Wirt: „Es liegt nur an den Spielern.“

„Höggschde Konzentration!“, forderte ich. „Höggschde Konzentration!“

„…obba gloor mussas haaia baggng, da Glubb, doo gibbds doch goor nix annasch. Weer a Riesnendaischung, wennas haaia nedd baggng deed. Kumm, Michael, mier genga aane raang, hossd a Kibbm fir miech?“

„Gib mir noch eine Minute“, sagte ich.

„Worumm?“

„Ich muss mal.“

„Dann gibbma die Dsigareddn glai, kossd ja dann noochkumma!“

[Zum Spiel: klick, klick, klick.]

3 Gedanken zu „Von Zwergen und vom Müssenmüssen

  • Da haben alle Beteiligten große Wahrheiten ausgesprochen!
    Vor allem Alfred: „Irgendwas mit Rind“! Sehr schön!

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  • „Es darf nur eine Mannschaft geben, die mit uns in die Bundesliga aufsteigt“ – für mich klingt das danach, dass er vom direkten Aufstieg des FCN ausgeht, aber welche andere Mannschaft meint Leibold? Und warum gönnt er dem Dritten, wer immer es sein mag, nicht eine erfolgreiche Relegation?

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    • Weil die Relegation eh wieder der HSV gewinnt in der letzten Sekunde. Der alte Dino ist einfach nicht ganz kaputt zu kriegen. :-O ,, man munkelt aber der HSV hat in seiner Geschäftsstelle Champagner ausgeschenkt als sie hörten, daß die Stuttgarter Korkut verpflichtet haben.

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