Run for Home

„Dess woor scho a Ellfa“, beharrte Alfred (klick), „der Diesburcha hodd den Werna gloor oogremmbld. Imm Riggng hodda na oogrembld.“

„Aber Werner hat den Rempler auch dankbar angenommen“, sagte der Wirt über den Tresen, „bei so einem leichten Schubser fällt man nicht um, wenn man nicht umfallen will. Wenn so ein Elfmeter gegen den Club gepfiffen wird, springen die Club-Fans im Quadrat…“

„Gloor falli um, wenn ma aana imm Schdroofraum ann Remmbla vo hindn gibbd. Woss bessas komma doch goor nedd bassiern. Demm annan sai Hend hodd onn maim Riggng nix zu suung…“

„War eine dumme Aktion des Duisburger Verteidigers“, bemerkte Hannes, „vor allem, weil sich Werner ja mit dem Ball aus dem Strafraum herausbewegt hat. Aber Rempeln im Strafraum ist Elfmeter.“

„Woor sauba gschossn, da Ellfa, schee bladsierd ins Eggla vo demm Blondn doo, iss glaabi da Kabbideen, Behrend odda wie der haaßd…“

„Behrens“, korrigierte ich, „Hanno Behrens.“

„Behrens war der Mann des Tages“, schwärmte Hannes, „den Elfmeter zum Einsnull souverän verwandelt und gnadenlos präzise beim Zweinull.“

„Nach glänzender Vorarbeit von Palacios“, ergänzte der Wirt.

„Obba woss woor’n middm Kibba baim Geengdoor loos? Worumm issn deer nedd zumm Boll ganga? Deer muss doch zumm Boll geh!“

„Uli Stein“, sagte ich und nahm einen Schluck aus dem Pilsglas.

„Warum Uli Stein?“, wollte Hannes wissen.

„Uli Stein – ich glaube zumindest, es war Uli Stein – hat einmal, als er in einem Spiel einen Schuss ohne den Hauch einer Reaktion in sein Tor hatte segeln lassen, vor Journalisten seine Regungslosigkeit damit begründet, dass er gesehen habe, dass der Ball unhaltbar war. Warum solle er eine Reaktion zeigen, wenn er weiß, dass sie zwecklos ist?“

„Du willst also sagen“, erwiderte Hannes, „dass Bredlow gesehen hat, dass der Schuss nicht zu halten war, und deshalb erst gar nicht zum Ball ging?“

„Bredlow ist ein guter Torwart“, antwortete ich. „Und ein guter Torwart, sieht, ob er einen Ball parieren kann oder nicht.“

„Wahrscheinlich wird Bredlow demnächst in die Nationalmannschaft berufen“, ließ der Wirt vernehmen.

„Sofern er den Bundestrainer nicht als Suppenkasper bezeichnet (klick)“, schränkte ich ein.

„Bleeds Gwaaf! Denn Boll hädd mai Ooma midda Middsn ghalldn. Dess woor a vellich uneedigs Geengdoor, a Door, woo die Diesburcha vellich uneedich widda ins Schbill gebrochd hodd. Nooch da Holbdsaid woor dess Schbill widda vellich offm. Doo hodda Brobleeme ghabbd, da Glubb, Brobleeme hodda doo ghabbd. Vellich uneediche Brobleeme…“

„Ja“, sagte der Wirt, „bis zu Löwens erlösendem Dreieins hing der Sieg am seidenen Faden.“

„War ein klasse Schuss“, schnalzte Hannes mit der Zunge, „ein super Dropkick.“

„Dess woor doch ka Drobbkigg nedd! Deer hodd denn Boll aus da Luffd gnumma. Middm linggng Fuuß hodda na Boll aus da Luffd gnumma. Dicht iebam Boodn hodda na gnumma. Woor mehr Innasaidn wie Schbann. A gfiehlvolla Schuss woor dess. A gfiehlvolla, guud bladdsierda Schuss. Ka Drobbkigg. A Drobbkigg iss a Schrohl. Iss nedd laichd zu schießn, a Drobbkigg, wallsd na Boll genau in demm Momend dreffm mussd, woo-a aufm Boodn aufseddsd. Morng gehma amoll aufn Bolldsblodds. Dann schdelldsd di nais Door und iech zaich da, woss a Drobbkigg iss. Soo schnell kossd di goor nedd weggduggng, wie die Granoodn auf diech zufliechd, wenni aus zwandsich Meedan obbdsiech. Dess woor doch ka Drobbkigg nedd!“

„Auf alle Fälle stehen nach diesem Dreier die Chancen nicht schlecht, dass der Club in der nächsten Saison endlich wieder in der Liga spielt, in die er gehört“, sagte der Wirt. „Sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Neun Punkte vor Platz vier. Wäre eine Riesenenttäuschung, wenn das heuer nicht klappen würde.“

„Nuch issa nedd durch, da Glubb. Nuch issa nedd dahaam. Nuch lang nedd dahaam issa. Senn ja nuch ellf Schbiele. Doo ko nuch vill bassiern. ‚Drobbkigg‘, soochda. Dess woor doch ka Drobbkigg. Dier zaichi amoll, woss a Drobbkigg iss. Kumm, Michael, mier genga aane raang. Hossd a Kibbm fir miech? Kossdma aane geem?“

Ich gab Alfred eine Blend 29 und aus den Boxen klang:

RUN FOR HOME, RUN AS FAST AS I CAN,
OH-OH RUNNING MAN RUNNING FOR HOME (klick)…

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

7 Gedanken zu „Run for Home

  • Belschov, einfach grandios, wie du dieses nömbergerische in Schriftform bringst, eimpfocch grondiooos.
    Dodäfür griegst a Goldmedallia vo miä.

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    • ich meine da eher eine ländlicheren Gegend rauszuhörlesen, Oberfranken wäre meine Wahl

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      • Da gehts eigentlich scho los ein Nürnberger versteht einen hardcore Oberfranken also zb. einen Hofer schon nicht mehr. Wenn ein Oberfranke richtig loslegt denkt man sogar hier bei uns das ist schon fast tschechisch.

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        • Neulich war ich in Münchberg, da ging’s mir wie anfangs mir den Tresen-Geschichten: klingt fränkisch, aber irgendwie falsch. Aber für Ansbacher Ohren klingen ja sogar Nämbercher a weng übertrieben (Stichwort Sprachschranke bei Roßtal)😜

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          • Ein nasales „Hoo!“: Ich hatte damals 12 Monate Zwangsaufenthalt im Fichtelgebirge von Wousiedl aus auf den Schneeberg gebucht. Die Dialekte, die sich da gehalten haben waren unglaublich vielfältig. Die Nahe Oberpfalz ab Arzberg, dann Sölb (da war ich mal Eishockey anschauen), Rawertz, Bahraid, Grohnich, Lamitz, Weißenstadt usw.
            Schade, daß das dort alles den Bach runtergeht. Die Grenzöffnung brachte nicht den erhofften Schub. Nach wie vor ziehen die jungen Leute dort in Scharen weg und die Gemeinden sterben aus. Die Bevölkerungsentwicklung sieht auch die bayerisches Staatsregierung als „stark abnehmend“ bis 2035 mit mind. -7,5% voraus.
            Punktuell gibt es zwar Firmen wie Rehau oder PEMA, aber es überwiegen doch die Industriebrachen. Es gibt keine Perspektiven. Auch sehr sichtbar, wenn man sich die Zeit nimmt und mit dem empfehlenswerten Bayern-Böhmen-Ticket die wunderschöne Zugstrecke abfährt. Eine echte Empfehlung. Der Umstieg ist meistens in Rawertz und da erschrickt man schon etwas, wie noch viel öder das nach zwanzig Jahren inzwischen alles geworden ist. In der Stadt war kein Cafe zu finden, nicht einmal eine Bäckerei gab es da. Immerhin noch einen sehr annehmbaren Bahnhofskiosk. Dann fährt man Richtung Grenze noch an einigen Ruinen einstiger Weltgrößen der Porzellanproduktion vorbei. Ganz traurig alles.
            Die „Strukturpolitik“ besteht darin, mit Geldern, die aus dem Krankenkassen-/Rententopf stammen, den Kur- und Heilbadtourismus zu fördern. Dann kommen zu den alten Leuten dort noch viel mehr alte Leute zu Besuch. Grandios.

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            • Grohnich herrlich!
              Ich als Grohnichee mouch ja dia Dreesngschichtn. Danggschön Belschanov!

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  • Ein Jammer, dass wir Alfreds Drobbkigggranoodn am Bolldsbloods nie begutachten werden. Was wäre das für ein Spaß..

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