2:2 vor 17.689 – U21 trotzt Löwen Remis ab #FCNM60 #FCN

U21 erspielt 2:2 (1:2) gegen die Löwen. Das erste Spiel der U21 des FCN nach der Winterpause bot genug Material, um komplett auf das Sportliche verzichten zu können: 17689 Zuschauer bei einer Viertligapartie, damit fast 10.000 mehr als knapp acht Kilometer entfernt bei einem Zweitligaduell. Knapp 13.000 Gästefans, die ein Auswärtsspiel zum Heimspiel machten. Temperaturen, die allen – Zuschauern, Spielern, Offiziellen, Mitarbeitern, Journalisten – zu schaffen machten. Allerdings würde man den Beteiligten damit Unrecht tun, denn Clubtrainer Reiner Geyer hatte absolut Recht, wenn er nach der Partie von einem „rassigen Regionalligaspiel“ sprach.

Ein Regionalligaspiel, in das sich seine Mannschaft nach anfänglicher Nervosität und Kaltstart hineingespielt hatte; ein Regionalligaspiel, das durch eine unglückliche Schiedsrichterentscheidung eine Wendung erhielt; ein Regionalligaspiel, das Geyers Mannschaft wahrscheinlich sogar gewonnen hätte, wenn es noch einige Minuten länger gedauert hätte.

Dabei hatte es danach in der Anfangsphase des Spiels gar nicht ausgesehen. Gleich mit dem ersten Angriff waren die Löwen durch Simon Sefering in Führung gegangen: Nach einem klaren, aber ungeahndeten Textilfoul an Profileihgabe Lucas Hufnagel waren die Gäste mit drei Angreifern vor dem von nur mehr zwei Clubverteidigern abgesicherten Tor von Nikola Vasilj aufgetaucht und hatten dann den numerischen Vorteil gekonnt ausgespielt. Zwanzig Minuten später traf dann Sascha Mölders nach einer Freistoßflanke von Steinhart per Kopf zum 0:2 und der Erfolg der Löwen schien nur noch Formsache.

Dabei hatte sich der „kleine Club“ in der Phase vor dem zweiten Gegentor eigentlich freigespielt, hatte die Nervosität ob der großen Kulisse abgelegt und nach schönem Solo von Maximilian Krauß und Ablage auf Simon Rhein bereits die Chance zum Ausgleich gehabt. Doch die Kombination der beiden Profitrainingslagerteilnehmer endete am Innenpfosten der Münchner. Insgesamt hatte sich die U21 zu diesem Zeitpunkt besser auf das System der Löwen eingestellt, die das 4-1-4-1 phasenweise wie ein 4-3-3 interpretierten und ließ insgesamt wenig Chancen zu, so dass das 0:2 vor allem der gnadenlosen Effizienz der Gäste geschuldet war.

Die Gäste waren es dann aber auch, die dem Club den Weg zurück ins Spiel ebneten: Ein Kopfball von Weeger zurück zu Torwart Hiller geriet zu kurz, Maxi Krauß lief durch, eroberte den Ball und spielte ihn am Keeper vorbei, überließ ihn dann Erik Engelhardt, der die Kugel ins leere Tor bugsierte. Es war der verdiente Lohn dafür, dass die U21 des FCN nach dem 0:2 weiter ruhig mitgespielt hatte, auch wenn die echten Torchancen bis dahin fast gänzlich gefehlt hatten.

Dass auch die Löwen nicht jede Chance verwerten, bewies nach der Pause Sascha Mölders, der Topstürmer der Sechziger tauchte allein vor Nikola Vasilj auf, doch der Bosnier wehrte Mölders‘ Schuss mit dem Bein ab. Es sollte die letzte Gelegenheit des Spitzenreiters der Regionalliga Bayern sein. Beim Club hatte Reiner Geyer kurz darauf Lucas Hufnagel durch Manuel Feil ersetzt, der Topscorer des FCN II hatte sofort bessere Bindung an das Spiel als der Mann aus dem Profikader und bereits kurz nach der Einwechslung nach einem hinter die Abwehrreihe gelupften Pass die Chance auf den Ausgleich, doch er traf bei seinem Drehschussversuch den Ball nicht richtig.

In der 67. Minute trat dann das Schiedsrichtergespann in den Mittelpunkt des Geschehens. Löwen-Kapitän Felix Weber war an der Seitenlinie behandelt worden und wollte wieder das Feld betreten. Laut Daniel Bierofka hatte der Vierte Offizielle dann Weber das Betreten des Felds erlaubt, doch Schiedsrichter Beitinger hatte dies nicht getan, so dass der Löwenspieler wegen unerlaubten Betretens des Spielfelds verwarnt wurde, da er vier Minuten vorher wegen Meckerns bereits die Gelbe Karte gesehen hatte, musste Weber also in die Kabine.

Der Feldverweis war wie ein Schlag mit dem Hammer für die Gäste. Der Club übernahm sofort die Spielkontrolle und kam acht Minuten später auch zum Ausgleich. Andreas Knipfer wechselte per Diagonalball die Seite, flankte zu Erik Engelhardt, der auf dem linken Flügel stand. Der Stürmer spielte den Ball per direkter Volleyabnahme zurück in die Mitte, wo er den Kopf von Alexander Fuchs fand. Der Ex-Löwe beförderte den Ball per Kopfballtorpedo ins Netz.

Die Löwen hatten in der Schlussphase der Dominanz des Clubs gar nichts mehr entgegen zu setzen, überließen den Gastgebern den Ball phasenweise für mehrere Minuten ohne eigenen Ballkontakt. Es war also folgerichtig, dass der FCN II sogar noch Chancen auf das 3:2 hatte; so setzte Feil einen Ball an den Pfosten. Es blieb aber beim Remis, das den Abstand der beiden Teams in der Tabelle weiter sieben Punkten beträgt. Für den kleinen Club geht es nun gegen die Mannschaft weiter, deren Zuschauerrekord man nicht geknackt hat, den FC Augsburg II. In zwei Wochen ist dann der FV Illertissen am Valznerweiher zu Gast, 4.200 Nürnberger werden es wohl dann nicht werden, aber auch keine 13.500 Gästefans.

Das Spiel in Zahlen:

1. FC Nürnberg II (3-4-1-2): Vasilj – Jäger, J. Hofmann, Wallner – Knipfer, Rhein, Fuchs, Hercher (90. Harlass) – Hufnagel (58. Feil) – Krauß, Engelhardt

TSV 1860 München (4-1-4-1): Hiller – Weeger (46. Koussou), Weber, Mauersberger, Köppel – Wein – Kindsvater, Berzel, Seferings (78. Türk), Steinhart – Mölders (90. Ziereis)

Tore: 0:1 Seferings (4.), 0:2 Mölders (27.), 1:2 Engelhardt (43.), 2:2 Fuchs (75.)

Gelbe Karten: Hufnagel, Krauß, J. Hofmann, Fuchs / Berzel
Schiedsrichter: Beitinger (DJK Regensburg 06)
Zuschauer: 17689 (Max-Morlock-Stadion)

Gelb-Rote Karte: – / Weber (unerlaubtes Wiederbetreten des Platzes)

18 Gedanken zu „2:2 vor 17.689 – U21 trotzt Löwen Remis ab #FCNM60 #FCN

  • Danke für den Bericht! Im Livestream war ja – zumindest bei mir – streckenweise nicht allzu viel zu erkennen…

    Was ich als U21-selten-Gucker erkennen konnte: Unsere Zweite scheint durchaus einen gepflegten Ball zu spielen, angelehnt an die erste Mannschaft. Erfreulich!

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    • Das ist doch genau das Konzept von Köllner und Bornemann: Verzahnung des NLZ mit den Profis. Die spielerische Entwicklung und das Erlernen derden Spielsystemen zugrunde liegenden Ideen sind dabei ein wichtiger Bestandteil
      Ziel: dem Nachwuchs den Einstieg bei den Profis erleichtern.
      Erfreulich, daß das so schnell umgesetzt werden konnte.

      Wenn die U19 jetzt noch den Klassenerhalt und die Profis den Aufstieg schaffen, wäre das eine phänomenale Entwicklung in unglaublich kurzer Zeit und trotz fehlender finanzieller Mittel.

      So kurz aufkeimende Gedanken was wäre wenn lassen sich durch Gedanken wie Spitzenreiter Spitzenreiter Hey hey hey zum Glück schnell vertreiben. 🙂 🙂

      Für die 60er liest sich das allerdings schlecht. Scheint eher dem Glück zu danken zu sein, falls die wirklich aufsteigen.

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      • Die individuelle Klasse bei Leuten wie Mölders oder Steinhart oder Weber ist schon deutlich über Regionalliganiveau, daher werden die mMn keine Probleme bekommen auf Platz 1 einzulaufen. „Auswärts“ beim Zweiten zu zehnt ein 2:2 ist jetzt auch kein Beinbruch. Fand allerdings beim Club deutlich eher eine spielerische Linie erkennbar als bei den Löwen, die müssen sich in den Aufstiegsspielen schon deutlich steigern, da warten mit Cottbus, Saarbrücken, Offenbach/Mannheim und Köln/Uerdingen wahrscheinlich schon andere Kaliber. Kann ja nur einer gegen den Nordvertreter spielen.

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        • Saarbrücken, da hatte ich mir ja schon vor 1 Jahr Patrick Schmidt als Perspektivspieler beim Club gewünscht. Letzte Saison 22 Tore (Punktespiele), diese Saison nach 24 Spielen auch schon wieder bei 18 Toren. Habe ihn zweimal live spielen sehen, das hat mich sehr beeindruckt, technisch stark trotzdem auch körperlich groß mit 1,85. Typischer Strafraumspieler. Man sieht seinem Spiel den Torinstinkt förmlich an. Ob erstmal für die 2. Mannschaft aber als Perspektive die Profis, was hätte man bei 200 Tsd falsch machen können. Ich glaube er wird Saarbrücken auch durch die Reli in die 3. Liga bringen mit seinen Toren.

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    • Ach ja, der Live-Stream … puuuhhh … in der Halbzeitpause wurde erklärt, wie das ohne Kameramann und mit künstlicher Intelligenz funktioniert („Das System erkennt automatisch, wo der Ball ist und schwenkt die Kamera mit.“).

      Von wegen. Es war erbärmlich. Ist wohl nicht nur mir aufgefallen. Ich könnte da ein paar Szenen beschreiben … Ohne Menschen geht es halt doch (noch) nicht.

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      • Das kann ich nur ausdrücklich unterstützen!Ohne Kameraleute geht es nicht.

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        • Der BFV will diese Technik auch noch intensiver nutzen, um Spiele live zu übertragen.
          Für diejenigen, die zu Hause auf dem Sofa sitzen und möglichst viele Spiele anschauen wollen ist das vielleicht super. Wenn man aber bedenkt, dass das durch alle Vereine in Bayern durch die Abgaben an den Verband mitfinanziert wird, ist das schon kritisch, was der Verband da macht. Der BFV läßt die kleinen Vereine dafür zahlen, dass noch mehr Leute dem heimischen Sportplätzen fern bleiben!

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          • Bin da Deiner Meinung, habe auch BFV-Präsident Koch schon mal drauf angesprochen, der meint, es ließe sich kein Rückgang feststellen. Nun gut, ob er das nur so dahersagt oder ob er Zahlen hat, lässt sich nicht wirklich feststellen, halte die These aber für gewagt.

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            • Ich kann mir bei einer „einfachen“ Internet-Übertragung schon vorstellen, dass es Aufmerksamkeit generiert, aber eben am Ende keine Alternative zum Stadionbesuch ist. Amateurvereine haben ja oft nur sehr wenige Hatdcore Fans, die immer kommen, aber einige die sporadisch kommen, vielleicht können solche Übertragungen auch Bindung zum Verein schaffen.

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  • Hatte Feil die bessere Bindung zum Spiel weil die Mannschaft ihn und er die Mannschaft gewohnt ist oder wird Hufnagel einfach keine Bindung mehr zu irgendeiner Clubmannschaft finden?

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    • Wohl eher beides. 😁 Hufnagel tat sich einfach schwer, wollte dann auch vieles alleine machen – typische Profi in der Regionalliga Geschichte „Ich zeig mal, dass ich viel besser bin.“ – und blieb da einfach oft hängen. Feil kennt natürlich die anderen, da stimmen dann Kauf- und Passwege eher (Feil hatte in 30 Minuten zwei richtig gute Chancen, Hufnagel in 60 keine), Feil ist aber mMn auch der bessere Dribbler im Vergleich zu Hufnagel, d.h. die gleichen Situationen löst er einfach erfolgreicher. Hufnagel tut sich irgendwie schwer, das wirkt alles immer wie gewollt und nicht gekonnt, obwohl er als Profi und Nationalspieler es wahrscheinlich schon kann, aber halt nicht auf den Platz bringt.

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  • Törles Knöll ist 20 Jahre alt, vom HSV und ab nächster Saison unser neuer Stürmer?
    Heißt es jedenfalls.

    Kennt den jemand?
    Ich nicht.
    Wenn in meinem Bekanntenkreis jemand Törles mit Vornamen hieße, wüsste ich das.

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    • Der Vorname ist phonetisch in der Nähe von torlos. Auweia. Hoffentlich ist das dann eher ein gutes Omen!
      Bisher ist das aber doch nur ein Gerücht der Hamburger MoPo oder ist das schon offiziell?

      Den Bericht des erfrorenen Florians können die erfrorenen Johnny Vegas, DerSchwager und ich nur bestätigen: Fußballerisch war unsere U21 den 60ern eindeutig überlegen. Das sah nach einem Plan aus, der gut umgesetzt wird, wenn man das mit den Auftritten der ersten Elf vergleicht.
      Es gab da eine Phase am Ende, da sahen die 60er nur den Ball und die Ballbesitzquote unserer U21 war gefühlt bei 90%. Ok, auch wenn das vielleicht der doofen Herausstellung des 60er Vierers geschuldet war, fanden wir die Leistung außerordentlich.
      Auch das 2:2 war der Hammer! Ein Flügelwechsel in Strafraumnähe, der zuerst danach aussah, als hätte der Flankengeber von Rechts sich bei der Flanke verschätzt und die einfach viel zu hoch angesetzt, war das wohl mitnichten der Fall! Der Spieler auf den linken Flügel nahm den Pass dann volley an, spielte ihn in die Mitte und da rauschte der ehemalige 60er Fuchs heran und wuchtete die Volleyflanke dann granatenmässig in die Maschen. Ein tolles Tor genau vor unserer Nase im 42er Block! Und es sah gar nicht nach verunglückter Hereingabe aus sondern nach planmässigen Vorgehen. So schnell wie das ging, konnte die 60er Defensive sich gar nicht hin- und herdrehen. Das war einfach erste Sahne! Gibt es das irgendwo auf Youtube?

      Ich habe mich nur dauernd gefragt: Weshalb wird das erfolgreiche Modell SCF/Mainz05 erst so spät kopiert und umgesetzt? Das hätten wir doch alles schon Jahre früher tun können! Nein, stattdessen wurde viel Zeit und Geld vergeudet. (Das können wir in Deutschland so richtig gut, viel Zeit und viel Geld vergeuden.)

      P.S.: Die Veranstaltung als Ganzes war leider wieder teilweise zum Schämen organisiert: Kein Bierstand außerhalb des Stadions war geöffnet, innerhalb waren die wenigen Verkaufsstände überfordert mit der Zuschauermenge. Nur ein einziges Törlein war für einige Tausend Zuschauer auf der Haupttribüne geöffnet. Weshalb zählt die Dauerkarte nicht automatisch als Eintrittskarte für die U21 Mannschaft? Eintrittskarte hatte kein VGN Ticket dabei. Heißes Wasser zum Händewaschen auf der Haupttribüne, sonst nirgends Usw.ff.

      Als ob nicht schon seit Wochen feststeht, daß das ein außergewöhnliches Spektakel werden würde, traf das die Veranstalter wohl alles ganz plötzlich!

      Nun kann wieder fröhlich die Verantwortung zwischen dem FCN und der Stadion GmbH hin und her geschoben werden…. das ist das schlimme dabei. Keiner ist für nix zuständig. Das ist alles outgesourced.

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      • Oder der Vorname besagt, dass er für viele Törles sorgt! Der Name scheint eine Erfindung zu sein, das Einzige, was Google dazu findet, sind er und der erste Roman von Robert Musil (den ich nicht gelesen habe). Wikipedia schreibt dazu: „‚Die Verwirrungen des Zöglings Törleß‘ ist der erste Roman von Robert Musil und gilt als eines der frühen Hauptwerke der literarischen Moderne“. Oje, verwirrt im Strafraum. Oder sorgt gar er für Verwirrung, nämlich beim Gegner? Moderne ist gut. Weiter:
        „Die Handlung spielt vor dem Hintergrund der Ichfindung des jungen Törleß im Spannungsfeld von Rationalität und Emotionalität einerseits sowie Intellektualismus und mystischer Welterfahrung andererseits“. Wow, das klingt nach Konzept-Fußball à la Köllner auf höchstem Niveau, hoffentlich überfordert er damit seine Mitspieler nicht. Jedenfalls herzlich willkommen!

        PS: schöner Spielbericht auch vom erfrorenen und fast verdursteten diesmal fastnicht-Meckerer.

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        • Also ich glaub es wird erst richtig klasse, wenn Schleimer mit Törles spielt. 😀

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  • Besides..dieses Jahr glaube ich nicht mehr, dass der HSV sich wieder selbst am Strohalm herauszieht. Nächstes Jahr wird die 2. Liga definitiv wieder prominenter. Wir könnnte da auch nicht mithalten, da uns bei Nicht Aufstieg zu viele Stammspieler verlassen werden. Wir sollten uns deshalb zwingend nach oben verdünnisieren..

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