Spezialauftrag

Prüfer 1: Herr Doktor Schnabel, wir haben Sie einbestellt, um Ihren Bericht zum Spiel des 1. FC Nürnberg bei Dynamo Dresden einzuholen.

Meinen Bericht?

Prüfer 1: Sie haben ganz richtig gehört: Ihren Bericht.

Man hat mir nicht mitgeteilt, dass ich über dieses Spiel berichten soll. Ich dachte, diese Aufgabe…

Prüfer 2: Man hat mir nicht mitgeteilt. Hihihi!

...obliegt nunmehr allein dem Kollegen Blumenthaler (klick).

Prüfer 1: Erstatten sie Bericht!

Salli.

Prüfer 1: Salli?

Sie haben ganz richtig gehört: Salli.

Prüfer 2: Werden Sie konkret!

Salli hätte nach 35 Minuten ausgewechselt werden müssen. Ein Spieler – zumal ein Offensivspieler -, der eine so klare Torchance so kläglich vergibt, gehört stante pede ausgewechselt. Zudem sollte er eine Strafe wegen Lächerlichmachung des Vereins erhalten. Der 1. FC Nürnberg ist ein Fußballverein – ein Profiverein – und keine Gruppierung zur Veranstaltung von Slapstick. Da kann man ja gleich Mr. Bean oder Buster Keaton auflaufen lassen.

Prüfer 1: Erklären Sie uns, warum der 1. FC Nürnberg aus den letzten fünf Spielen nur drei Punkte geholt und nur zwei Tore erzielt hat!

Palacios, Zrelak, Salli, Stefaniak.

Prüfer 2: Konkret bitte!

Palacios hatte gegen Fürth kurz vor der Pause eine Riesentormöglichkeit. Wäre der Club da in Führung gegangen, wäre das Spiel wahrscheinlich anders gelaufen. In Bielefeld hätte der Club Mitte der ersten Halbzeit in Führung gehen müssen, aber Zrelak vergab eine Maßflanke per Kopf jämmerlich. Gegen Darmstadt ließ wiederum Zrelak in der Anfangsphase des Spiels eine gute Chance liegen. Hätte er getroffen, wäre das Spiel in die richtigen Bahnen gelenkt worden. Zrelak war es auch, der am Samstag in Dresden kurz vor Schluss eine gute Möglichkeit vertändelte, indem er nach einem langen Anspiel nicht direkt abzog, sondern versuchte, sich den Ball vom rechten auf den linken Fuß zu legen, eine in ihrer Staksigkeit eines Mittelstürmers von Format unwürdige Aktion. Sallis Slapstick-Einlage in diesem Spiel habe ich schon angesprochen, bleibt noch zu beklagen, dass Stefaniak den Dresdner Führungstreffer, der auch – ich sage auch – durch einen Torwartfehler verursacht wurde, im Gegenzug hätte egalisieren müssen, denn so frei kommt man im Strafraum des Gegners nur selten zum Schuss.

Prüfer 1: Herr Doktor Schnabel, welche Trikotgröße haben Sie?

Wie bitte?

Prüfer 1: Sie spielen doch am Mittwochabend immer in der Halle Fußball. Da haben Sie doch ein Trikot an. Welche Größe?

M. Oder S. Kommt drauf an.

Prüfer 1: Schuhgröße?

42.

Prüfer 1 gibt Prüfer 2 ein Signal und Prüfer 2 tippt etwas in sein Mobiltelefon.

Prüfer 1: Sie weisen erstklassige Leistungsdaten auf.

Was?

Prüfer 1: 13 Tore und sieben Assists im Schnitt pro Spiel. Chapeau! Snus (klick) scheint Ihnen gut zu bekommen.

Nun, da muss ich schon einiges relativieren…

Prüfer 2, während er immer noch in sein Mobiltelefon tippt: Einiges relativieren. Hihihi!

…erstens spielen wir ohne Torwart, der den Ball mit der Hand abwehren darf, auf Handballtore und zweitens sind die Gegenspieler zum Teil technisch ziemlich unbedarft und nicht gerade Bewegungstalente. Da ist es nicht schwer, sich in Szene zu setzen, wenn man einigermaßen mit dem Ball umgehen kann und über eine gute Übersicht verfügt.

Prüfer 1: Ihre Leistungsdaten sind brutal stark. Daran ist nicht zu deuteln. Die Kommission hat beschlossen, Ihnen einen Spezialauftrag zu erteilen.

Einen Spezialauftrag?

Es klopft an der Tür. Die Tür geht auf und es erscheinen zwei in grüne Trainingsanzüge gekleidete und mit Pickelhauben (klick) behelmte Männer, der eine baumlang und hager, der andere klein und dickbäuchig.

Prüfer 1 zu den Pickelhaubenträgern: Bringen Sie den Mann in die Kleiderkammer! Der Zeugwart ist über alles Nötige informiert.

Ich verstehe nicht. Soll das ein Scherz sein? Das kann doch nicht ernst gemeint sein.

Prüfer 2: Soll das ein Scherz sein? Hihihi!

Lassen Sie mich! Lassen Sie mich los! Hilfe!

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

13 Gedanken zu „Spezialauftrag

  • Endlich mal wieder eine Geschichte vor der Kommission, sehr schön! 🙂
    Salli sollte es mal mit Snus versuchen, vielleicht wird es dann noch was mit „brutal starken“ Leistungsdaten.

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  • Statt Snus kann übrigens auch Schnubbfers zur sportlichen Leistungssteigerung dienen, wie der Weltmarktführer Pöschl aus Niederbayern betont.
    Die Versammlung der Kläglichkeit der Versiebung der besten Torschanxen in den letzten Spielen, führt nicht zur Steigerung des Optimismus gegen den nächsten Gegner Heidenheim.

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    • Du mußt nicht koksen, um ein perfektes Stellungsspiel zu sehen. Ich empfehle Dir diie Fernsehspiele von Cicciolina, grandiose Kunst auf der Kleinkunstbühne.

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      • Hab ihre Fotos mit Jeff Koons 2002 in der Kunsthalle Bielefeld gesehen. Naja. Das Stellungsspiel von Kampa auf der Linie und Driller beim Siegtor hat mir danach besser gefallen😎

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  • Sehr schön! Zwar mache ich mir ein wenig Sorgen, dass Sohn Bär vor dem Fernseher vereinsamen könnte, aber andererseits wird er mächtig stolz sein, wenn die Stimme im TV von der „Tormaschine“ schwärmen wird, dem „Bären im kleinen oder mittleren Trikot mit dem Killerinstinkt vor dem Tor“, die „schon wieder zugeschlagen und den Club dem Aufstieg einen entscheidenden Schritt näher gebracht hat“! Alfred wird es dann schon immer gewusst haben.

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    • Ich bin belschanov und nicht Papa Bär!

      Im Übrigen bete ich darum, dass Ishak gegen Heidenheim wieder einsatzfähig ist…

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      • Ein Kassiber aus der hermetisch abgeschirmten Kleiderkammer, wie ist das möglich?!? Kein Papa Bär, ein Papa Fuchs! Bezügl. Ishak: dito.

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  • Bei den Anmerkungen zu Palacios, Zrelak, Salli und Stefaniak unterschreibe ich jedes Wort. Vor allem bei Salli.
    Toller Text, schöne Geschichte.

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  • Bildjournalismus erster Gülle.
    Bin gespannt, ob es ihnen und Laass und ihren Cokommentatoren gelingt, die Stimmung so zu vergiften, daß wir gegen Heidenheim wieder ein Pfeifkonzert zu hören bekommen.

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    • Wer hier ein Dislike gibt, kann nur die Presseartikel meinen. Die andere Erklärung darf man hier nicht mehr sagen :mrgreen:

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    • Dabei dachten wir den schlimmsten haben wir aus der Butze raus gekauft und zum Pressesprecher gemacht 🙂 oder läßt man ihn immer noch schreiben

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      • Da frage ich mich immer, ob das nicht gewollter Symbolismus ist, wenn sich der Westfale demonstrativ am Ende „-phall“ schreibt :mrgreen:

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