Analyse: Tore zum rechten Zeitpunkt #SVSFCN #FCN

Analyse, Statistik, Stimmen und Noten zum Spiel: SV Sandhausen vs. 1. FC Nürnberg 0:2 (0:1) Der Club steigt auf, auch weil er im richtigen Moment die Tore macht.

Die Analyse:

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Startformation im 4-1-4-1

Michael Köllner veränderte die Startelf im Vergleich zum Spiel gegen Braunschweig in einer Hinsicht: Für Tobias Werner rückte Laszlo Sepsi ins Team. Im Kader ersetzte der wieder ins Training zurückgekehrte Ewerton Lukas Jäger, weitere Veränderungen fanden nicht statt. Das hieß auch, dass die Innenverteidigung wie in den Wochen zuvor aus M&M bestand. Auf dem Feld bedeutete die einzige personelle Veränderung in der Startelf, dass Sepsi als Linksverteidiger randurfte; Tim Leibold rückte dafür eine Position nach vorne ins linke Mittelfeld.

Der Club begann schwungvoll und kam bereits nach 45 Sekunden gefährlich in Richtung des Sandhäuser Tores, doch Behrens‘ Hereingabe in Richtung Löwen wurde vom Schiedsrichter als hinter der Torlinie befindlich gewertet. Dennoch war die Aktion ein Zeichen für die Bemühungen des FCN wie schon in Kiel ein frühes Führungstor zu erzielen. Die Gastgeber versuchten dies allerdings ihrerseits zu verhindern, indem sie massiert standen und versuchten den Club zum Risikoball in die Tiefe zu zwingen. Dies gelang Sandhausen zunehmend besser, weder die vertikalen noch die diagonalen Bälle der Außenverteidiger fanden im Spiel ihre Abnehmer, stattdessen flogen diese Bälle ins Aus.

So verlor das Spiel nach etwas mehr als zehn Minuten auch zusehends an Tempo und Direktheit, ins Aufbauspiel auf beiden Seite schlichen sich viele kleine Fehler ein, immer wieder wurde der Ball durch gezielte Angriffe von den Verteidigern den Angreifern entwendet. Beide Mannschaften taten sich schwer gezielte und präzise Anspiele in die Spitze zu bringen. Gleichzeitig unterband Sandhausen in dieser Phase viele Aufbauaktionen des FCN mit kleinen Fouls. Nach 20 Minuten standen 6:0 Fouls für die Gastgeber zu Buche, bei gleichzeitig 56% Ballbesitz für den Club. Der Tabellenzweite war also feldüberlegen ohne sich großartige Chancen zu erspielen. Ein Kopfball von Ishak in der 16. Minute nach Flanke Leibold und ein Kopfball von Leibold nach Flanke von Möhwald (30.) waren die einzigen Torannäherungen.

Da gleichzeitig Sandhausen aber überhaupt keine Torchancen hatte, war das, was in der 36. Minute passierte, durchaus dem Spielverlauf entsprechend. Nach einem Foul an Leibold gab es Freistoß, diesen setzte Valentini in die Mauer, was dem FCN aber die erste Ecke des Spiels einbrachte. Diese brachte Valentini auf Margreitters Kopf, dessen Kopfballtorpedo konnte der – wie im Hinspiel – stark aufgelegte Schuhen noch entschärfen, doch der Ball prallte in Richtung Behrens, der dann per Kopf zum 1:0 traf. Der Club ließ auf die Führung gleiche einige weitere Halbchancen folgen, wirkte sicher in der Partie.

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Ungefähre Formation nach der Möhwald-Auswechslung

Dies änderte sich nach der Pause. Sandhausen kam wacher aus der Kabine, wollte sich nicht auf die Ergebnisse auf den anderen Plätzen verlassen, um den Klassenerhalt fix zu machen. Bereits in der 49. Minute hätte Sukuta-Pasu zum Ausgleich kommen können, da Margreitter unter einer Hereingabe hindurch gesprungen war und der Sandhäuser Angreifer so frei zum Kopfball kam. Doch statt ins Tor köpfte er in die Arme von Bredlow. Der Clubkeeper war dann auch etwas später zweimal gegen Rurik Gislasons Kopfbälle zur Stelle. Der Isländer wirkte in 90 Minuten gegen den Club torgefährlicher als in 1102 Minuten für den FCN, scheiterte aber mehrfach an Fabian Bredlow.

Der Club war in dieser Phase zu passiv, ließ die Gastgeber gewähren und bekam wenig Zugriff auf den SVS, der aber aus der Überlegenheit eben nur zu den erwähnten Kopfballchancen kam und die Überlegenheit nicht in den ganz großen Druck ummünzen konnte. Gleichzeitig standen die Gastgeber plötzlich weit offen und boten dem Club Platz zum Konter. Den ersten dieser Konter setzte Möhwald noch an den Pfosten und Ishaks anschließender Kopfball wurde von Schuhen über die Latte gelenkt. Den zweiten Anlauf über Möhwald, Leibold und Löwen schloss der Club dann aber zum 2:0 ab. Die Rückkehr des FCN in die Bundesliga war damit besiegelt.

Das merkten auch die Sandhäuser, die nun ihre Bemühungen deutlich abschwächten, das Spiel lief nun einfach dem Ende entgegen. Da tat es dann auch nichts mehr zur Sache, dass Köllner Werner und Zrelak für Sepsi und Möhwald brachte und auf ein flaches 4-4-2 umstellte, um das Spiel nach Hause zu fahren und auch, dass Löwen, Zrelak und Werner noch einen Konter in kläglichster Weise vergaben, blieb Nebensache. Mit dem Schlusspfiff war vor allem eins klar: Der FCN steigt wieder auf.

Die Zahlen:

Sandhausen Nürnberg
0
Tore
2
7
Torschüsse
10
3
Schüsse aufs Tor
8
1,0
expected goals (shot-based)
1,8
10
Ecken
2
54,1
Ballbesitz (%)
45,9
74,2
Passquote gesamt (%)
65,8
93,2
Passquote eig. Hälfte (%)
85,6
49,3
Passquote geg. Hälfte (%)
48,1
21,8
Lange Pässe (%)
21,6
45,3
Gewonnene Zweikämpfe (%)
54,7
0,9
expected goals (non-shot)
0,9
17
Fouls
14
110,79
Laufdistanz (km)
112,45
1
Abseits
1

Trainerstatement (Michael Köllner):

„Ich glaube, das wird man erst in den nächsten Tagen realisieren. Ich sehe die ganze Situation auch immer im Kontext. Wenn man sieht, welche Entwicklung die Mannschaft im letzten Jahr genommen hat, ist das schon unglaublich. Mit dem Aufstieg wird ein Traum wahr. Wir wussten immer, dass vieles möglich ist, wenn wir vor größeren Verletzungen verschont bleiben und in schwierigen Phasen die Ruhe behalten. Es ist wahnsinnig schön, dass wir es geschafft haben.“

Trainerstatement (Kenan Kocak):

„Wir haben den Klassenerhalt nicht geschafft, weil andere heute für uns gespielt haben, sondern weil wir 42 Punkte geholt haben. Mit Tim Knipping mussten wir heute den achten Knochenbruch der Saison hinnehmen. Hinzukommen weitere Verletzungen wie die von Andrew Wooten oder der Abgang von Lucas Höler. Wenn du dennoch 42 Punkte holst und in der Liga bleibst, dann verdient das einen großen Respekt. Das sollten wir nicht vergessen. Mit dem Spiel heute bin ich sehr zufrieden, wir haben so gut wie nichts zugelassen. Beim 0:1 hat die Zuteilung nicht gestimmt. Danach waren wir drauf und dran, den Ausgleich zu erzielen. Beim 0:2 dürfen wir nicht so einfach in einen Konter laufen. In Bielefeld wollen wir noch einmal alles mobilisieren und einen positiven Saisonabschluss feiern.“

Spielererstatement (Hanno Behrens):

„Der Aufstieg war das große Ziel, der große Traum, der jetzt wahr geworden ist. Es war ein unglaubliches Gefühl in so einem Spiel das erste Tor zu schießen. Jetzt werden wir zwei, drei Tage feiern und dann schauen wir weiter in Richtung Sonntag. Die Schale am Ende in der Hand zu halten, wäre ein schöner Bonus. Dafür werden wir nochmal Gas geben!“

Die Spieler im Einzelnen:

Fabian Bredlow 11 Notenpunkte (2 numerisch: 2)
Zwei gute Paraden gegen Gislason, war im Torwartspiel tadellos. Allein die Streuung im Spiel nach vorne war immens.
Tim Leibold 10 Notenpunkte (2- numerisch: 2.33)
Gewann viele Zweikämpfe auf seiner Seite, leitete als Gefoulter beim Freistoß vor der Ecke das 1:0 indirekt ein, erzielte das 2:0 selbst. Hatte eine weitere Chance.
Eduard Löwen 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Schöne Vorlage zum 2:0, dafür mit dilettantischem Ausspielen des Konters in der Schlusssekunde. Nicht immer ganz konzentriert, aber ordentlich.
Laszlo Sepsi 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Fing einige Bälle ab, aber auch mit einigen Problemen in Sachen Präzision im Aufbauspiel und Tempo gegen den Ball. Insgesamt aber ohne größere Fehler.
Georg Margreitter 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Abgesehen von einem Stellungsfehler, der zu einer Großchance von Sukuta-Pasu führte, solide in der Defensive. Klärte viele Bälle. Sein Kopfball leitete das 1:0 ein.
Enrico Valentini 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Leitete mal wieder ein Tor durch einen Standard ein. Dazu mit starken 62% gewonnenen Zweikämpfen auch defensiv solide, wenn auch ohne die ganz großen Glanzlichter.
Miso Brecko Ohne Bewertung
Kam in der 90. Minute für Ishak. Stand somit auf dem Platz, als der Aufstieg offiziell wurde.
Kevin Möhwald 10 Notenpunkte (2- numerisch: 2.33)
Wichtiger Ballgewinn, der das 2:0 einleitete. Mit wenigen Fehlpässen, vergab vor dem 2:0 allerdings eine Konterchance, schlug dafür aber einige gute Flanken.
Hanno Behrens 10 Notenpunkte (2- numerisch: 2.33)
Warf sich in extrem viele Kopfballduelle (13) und erzielte auch den wichtigsten Führungstreffer per Kopf. Im Spiel mit kleineren Aussetzern, aber als Antreiber enorm wichtig.
Ondrej Petrak 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Brauchte einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Dann aber recht passsicher (76%), wenn auch nicht wirklich stabil in den Zweikämpfen.
Lukas Mühl 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Rettete einige Male per Tackling, stand insgesamt solide, wenn auch ohne die auffälligen Glanzlichter der letzten Wochen.
Tobias Werner Ohne Bewertung
Kam in der 80. Minute für Sepsi. War am seltsamen Konter in der Schlussminute beteiligt. Spiel war aber gelaufen als er kam.
Mikael Ishak 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Ging wieder einmal enorm viele Wege, rieb sich in vielen Duellen auf, gewann wieder einmal 50% seiner Zweikämpfe. Hing aber etwas mehr in der Luft als in den letzten beiden Partien.
Adam Zrelak Ohne Bewertung
Kam in der 84. Minute für Möhwald. War ebenfalls am komischen Konter beteiligt, sonst gilt auch für ihn: Das Ding war durch als er kam.

17 Gedanken zu „Analyse: Tore zum rechten Zeitpunkt #SVSFCN #FCN

  • Wie die Mannschaft insgesamt jetzt im Saisonendspurt aufgetreten ist, verdient höchsten Respekt!
    Der Druck war immens, die Stimmung unruhig, die Pessimisten laut…

    Und dann beseitigen die Jungs mit einer Serie von drei Siegen (bzw. 13 Punkten aus den letzten 5 Spielen, insgesamt ist man ja schon wieder seit 7 Spielen unbesiegt) mit echt starken Leistungen alle Zweifel, erledigen die Sache im Alleingang, ohne sich auf irgendwelche Schützenhilfe zu verlassen!

    Kaum zu glauben, dass tatsächich noch vor gut einem Monat „Fans“ eine handfeste Trainerdiskussion losgetreten haben…

    Jetzt heißt es erstmal nur zurücklehnen und genießen…

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    • Die letzte Niederlage war tatsächlich das 0:1 in Bielefeld mit dem Gegentor in letzter Sekunde.

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  • Also Löwen den nicht ausgespielten Konter anzulasten find ich schon etwas schwierig. Was die anderen beiden da machen (insbesondere Zrelak) ist halt voll Kreisklasse. Wie man’s besser macht hat man ja beim Freilaufen von Leibold beim 2:0 gesehen. Einziger Vorwurf an Löwen: Er hätte es in dem Moment dann selbst machen müssen.

    Ansonsten war das doch alles ganz anständig und aufgestiegen sind wir auch 🙂

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  • Ich hätte mir für den Aufstieg heute ein paar Extrapunkte gewünscht, die Mannschaft hat ja nicht nur die Aufgabe gegen Sandhausen erfolgreich erledigt, sondern auch den ersten Platz erreicht und den Aufstieg sicher gemacht. Gerade letzteres konnte man in der Saison sicher nicht erwaten, sprich Mannschaft und Trainer haben mehr als Ihr soll erfüllt. Das sollte man dann auch mal in die Noten einfließen lassen ;-).

    Ich bin sehr glücklich wie sich die Mannschaft in den letzten Spielen präsentiert hat und freue mich nun auf das große Finale und hoffe unsere Jungs geben noch mal Gas, jetzt will ich die Meisterschaft in Liga 2. Wir müssen auf die Felge drauf.

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      • ich stelle fest – die Versetzung ist nicht mehr gefährdet.
        Interessant, was wir bei Mitarbeit und Betragen lesen werden. Bei letzteren sind unbedingt auch die während des Schuljahres Abgegangenen zu berücksichtigen, bitte.

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  • Wirklich schön daß wir jetzt noch ein Punktspiel für die Galerie haben, bevor der Ernst des Lebens wieder anfängt.

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  • Ich weiß gar nicht, was ich zuerst schreiben soll?
    Als allererstes gilt mein Dank dem Trainer Michael Köllner mit seinem Team. Dann der sportlichen Leitung Bornemann und Meeske, sowie der ganzen Mannschaft (inkl. den Winterabgängen).
    Auch den Fans, den Fanclubs und CU. Alle haben zum Aufstieg beigetragen.
    Dem Himmel sei dank, dass die Befürchtungen vieler Kritiker und Pessimisten (auch hier in CU, allen voran Juwe) nicht eingetroffen sind.
    Ich selbst, hatte zwar auch manchmal meine Bedenken, ob es heuer mit dem Aufstieg klappt, war aber dennoch sehr zuversichtlich, dass das Köllner mit seiner Überzeugung, seinem Sachverstand und seiner sympathischen Art hinbekommt. Er hat es geschafft, aus einem zusammengewürfelten Haufen eine MANNSCHAFT zu formen.
    Das habe ich bei vielen seiner Vorgänger vermisst.
    Übrigens: Die „Hochrechnung nach dem 34. Spieltag: 62 Punkte“ kann nicht mehr aufgehen.
    Ich runde einfach mal auf und behaupte, es werden 63 Punkte.
    Viel Dank, und auf Wiedersehen in der 1. Liga.

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  • In der PK vor dem Düsseldorf Spiel hat Köllner, nach Vorlage des eigenen Pressesprechers, in einem 10 minütigen Parforceritt über Verein, Sponsoren, Haupttribüne und Nordkurve erklärt er bleibt natürlich Trainer.

    Und er will noch die 3 Punkte gegen Düsseldorf-das aber nur am Rande

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    • ich fand die 10-minutigen Ausführungen zwar ziemlich wirr, aber das spiegelt wohl auch die Komplexität seiner Gedanken wider …
      egal wichtig ist er bleibt und ich hab auch Vertauen, dass er sein Bestes in der 1. Liga geben wird und hoffe alle im Umfeld haben die nötige Geduld und Zuversicht, dass der eingeschlagene Weg auch weiter gegangen werden kann!

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    • Ich freue mich auf das Battle Köllner vs Streich irgendwann im Herbst, Hoffentlich reicht Platz am Parkplatz für die vielen Übertragungswagen.

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  • Also wenn man das mal auf Fußball projeziert hat nur Martin Luther King bedeutungsvollere Reden gehalten 😮 wenn man 10 mal Ausführungen zu dem Begriff Ruhe und Stabilität um den Verein rum hört, bekommt man den Eindruck diese Saison haben wilde Horden versucht den Valznerweiher in Schutt und Asche zu legen. Vielleicht sollte Köllner einfach mal ein wenig chillen 🙂 … Liegestuhl aufs Leistungsnachwuchszentrum stellen und Tee reichen. Alles wird gut, ich bin sicher

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  • In seiner aktuellen Form ist der Videoschiri der letzte Dreck!
    Und vor allem: Als Stadionbesucher ist man damit die ärmste Sau. Was soll das!?

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  • So lange es funktioniert und man Hamburg den Chaoten übergeben kann, soll es mir recht sein. 😜

    Es ist vollbracht!

    Aber wahrlich absurde Szenen in Hamburg. Das sind keine Fans!

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    • Ein Verein, der sich über eine Uhr definiert, ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.

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  • Ist Bornemann mit seiner Tätigkeit bei uns nicht ausgelastet!? Oder weshalb ist er noch nebenbei Sportdirektor des zukünftigen Regionallisten Rot-Weiß Erfurt? Die superschnelle ICE Direktverbindung Nürnberg-Erfurt in etwas über einer Stunde mag ihm ja dabei helfen. Aber ich finde diese Ämterhäufung schon etwas übertrieben. Er hat doch jetzt schon soviel zu tun, unseren Kader mehr Erstligafähigkeit zu verleihen. Das muss doch reichen!?

    P.S.: 🙂
    P.P.S.: Herrlich, dieses Jahr wieder mal nix mit einem Abstieg zu tun zu haben. Nächstes Jahr wirds wieder anders aussehen 🙁

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