Analyse: Später Knock-Out dank ausgenutzter Schwächen #FCNF95 #FCN

Analyse, Statistik, Stimmen und Noten zum Spiel: 1. FC Nürnberg vs. Fortuna Düsseldorf 2:3 (2:1) Der Club verliert im letzten Saisonspiel erstmals nach Rückstand, weil er nach der 30. Minute zu passiv wird.

Die Analyse:

FCNF95-2018
Startformation im 4-1-4-1

Michael Köllner veränderte die Startelf im Vergleich zum Spiel gegen Sandhausen zweimal: Für Laszlo Sepsi rückte Tobias Werner ins Team, ebenso musste Lukas Mühl auf der Bank Platz nehmen, Ewerton ersetzte ihn. Im Kader kam es zu einer weiteren Veränderung statt Hufnagel saß Palacios auf der Bank. Das hieß, dass von den vier Leihspieler nur Werner spielte, die andere drei – Garcia, Stefaniak und Hufnagel – mussten auf der Tribüne Platz nehmen, ebenso wie Alex Fuchs, Lukas Jäger und diverse Langzeitverletzte (Erras, Kerk, Lippert, Alushi).

Der Club begann furios, bestürmte das Tor der Fortuna und kam gleich mit der ersten Torchance zur Führung: Einen Freistoß von Löwen ließ Wolf nur prallen, Margreitter verwertete per Abstauber. Nur sechs Minuten später legte Löwen am rechten Strafraumrand auf Ishak, der in die Mitte flankte. Dort stand Leibold und setzte den Ball gekonnt mit dem Fuß ins lange Eck. Nach zwölf Minuten schien der Club fest auf Kurs „Zweitligameisterschaft“. Düsseldorf hatte massive Probleme mit dem schnellen Spiel des FCN auf die Flügel, wurde überrollt von Wucht und Wille der Gastgeber, die vom da noch lautstarken Publikum angetrieben wurden.

Doch beides verschwand im Laufe der ersten Halbzeit zusehends. Düsseldorf arbeitete sich ins Spiel hinein, eroberte immer wieder Bälle im Aufbau und ließ den Ball präziser laufen als der FCN. Am Anfang tat sich die Fortuna noch schwer dieses erste Freischwimmen in Chancen umzumünzen; die Bälle in die Tiefe kamen nicht an. Doch schnell fanden die Gäste ein Mittel, mit dem der Club Probleme hatte.

Immer wieder hatte die Abwehr Schwierigkeiten hohe, tornahe Flanken, die sich vom Tor wegdrehten zu verteidigen. In der 28. Minute vereitelte Fabian Bredlow noch mit Hand und Fuß eine Doppelchance von Usami und Hennings, doch knapp zehn Minuten später traf die Fortuna nach einer derartigen Hereingabe. Usami hatte sich in der Mitte von Ewerton gelöst und gekonnt mit dem Kopf verwandelt. Nach dem 2:1 versuchte der FCN wieder aufzudrehen, kam aber nicht zu zwingenden Chancen, auch weil dann die Präzision in den Abspielen in Strafraumnähe fehlte. Es ging mit der knappen Führung in die Pause.

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Ungefähre Formation nach der Möhwald-Auswechslung

Nach der Halbzeit war dann Düsseldorf die klar spielbestimmende Mannschaft, der FCN verlegte sich darauf die Fortuna nun auskontern zu wollen. In einer Szene mit Löwen und Möhwald wäre dies beinahe gelungen, doch wenig später glichen die Gäste aus. Nach einer verunglückten Klärung legte Haraguchi den Ball auf Gießelmann und der Ex-Fürther schlenzte den Ball ins Toreck. Hier, wie auch beim 2:1 zeigte sich, dass der FCN oft die Außenbahnen auf Strafraumhöhe zu passiv verteidigte. Gerade hier entstanden einige gefährliche Situationen für die Gäste.

Nach dem Ausgleich tauschte Michael Köllner, brachte Zrelak für Werner, stellte phasenweise damit auf ein flaches 4-4-2 um, bei dem allerdings Möhwald die hängende Spitze gab und Zrelak linksaußen agierte. Dadurch bekam der FCN wieder etwas mehr Zugriff zum Spiel, stand nun auch wieder höher, störte die Düsseldorfer früher. Doch die Angriffe, die der Club fuhr, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Löwen vergab mehrfach gute Zuspielmöglichkeiten, einmal behinderten sich Ishak und Zrelak. Auch Düsseldorf kam zu Gelegenheiten, hatte aber ähnliche Probleme wie der Club. Es fehlte im Endstadium der Angriffe an Präzision.

In der 83. Minute tauschte Köllner dann zum zweiten Mal. Um dem verstärkten Offensvipersonal der Fortuna – Lovren und Nielsen waren gekommen – Rechnung zu tragen, stellte er auf ein 4-2-3-1 um. Da Petrak aber angeschlagen war, musste Löwen auf die Position neben Behrens rutschen. Seinen freien Platz auf der Außenbahn nahm dann Salli ein, der eingewechselt wurde. Die gewünschte zentrale Stabilität bekam der Club durch den Tausch aber nicht, wenig später ersetzte Mühl dann Möhwald und Löwen ging auf die Zehn, während Mühl sich neben Behrens ins defensive Mittelfeld begab. Gleichzeitig wollte Köllner mit Mühl einen weiteren Kopfballspieler bringen, da Funkel auf der Gegenseite den 1,94m großen Kujovic gebracht hatte.

All diese Maßnahmen fruchteten aber nicht, nach einem zweifelhaften Foulpfiff im Zentrum gegen Löwen, gab es in der Nachspielzeit noch einmal Freistoß für die Fortuna. Dieser war fast schon geklärt, ehe Lovren den Ball mit dem Außenrist – erneut aus dem angesprochenen Raum – in die Mitte chippte, wo ihn Ayhan mit dem Kopf ins Tor verlängerte. Das 2:3 war gleichbedeutend mit der Tabellenführung für die Fortuna. Diese steigt damit als Erster auf, obwohl sie nach 12 Minuten mit 0:2 zurückgelegen war. Der Club spielte nach der frühen Führung nicht schlecht, aber nicht mehr konsequent genug. Düsseldorf dagegen kämpfte sich ins Spiel und nutzte die Schwachstellen des FCN konsequent aus.

Der späte Treffer und die dadurch verpasste „Meisterschaft“ sind durchaus ein Wermutstropfen nach zuvor drei Siegen in Folge und sieben Spielen ohne Niederlage. Die Freude am Aufstieg nehmen sie natürlich nicht, auch wenn der Club mit „nur“ 60 Punkten der zweitschwächste Direktaufsteiger seit Einführung der Relegation ist; nur Darmstadt hatte 2014/15 noch weniger Punkte (59). Vielleicht sind die 60 Punkte aber auch ein gutes Omen: 2008/09 stieg der Club mit der gleichen Punktzahl auf. Er hielt danach mehrfach die Klasse: Zumindest den Klassenerhalt im ersten Jahr würden sicher alle Beteiligten derzeit ungesehen unterschreiben.

Die Zahlen:

Nürnberg Düsseldorf
2
Tore
3
13
Torschüsse
11
4
Schüsse aufs Tor
7
1,3
expected goals (shot-based)
1,2
3
Ecken
5
42,7
Ballbesitz (%)
57,3
78,7
Passquote gesamt (%)
83,4
94,1
Passquote eig. Hälfte (%)
89,6
61,3
Passquote geg. Hälfte (%)
72,9
13,9
Lange Pässe (%)
18,1
53,2
Gewonnene Zweikämpfe (%)
46,8
1,0
expected goals (non-shot)
1,1
14
Fouls
11
110,25
Laufdistanz (km)
105,43
0
Abseits
2

Trainerstatement (Michael Köllner):

„Egal, wen man trifft, die Leute freuen sich immens. Jeder bedankt sich für den Aufstieg. Daran sieht man die Bedeutung dessen, was wir in diesem Jahr geschafft haben. Wir werden jetzt sicher noch ein paar Tage feiern. Das gehört auch dazu. Die Akribie, mit der alle Beteiligten in dieser Saison gearbeitet haben, war einer der Schlüssel für diesen Erfolg. Wir hatten nicht die beste Mannschaft, aber wir haben uns im Laufe der Saison zu einer echten Spitzenmannschaft entwickelt.“

Trainerstatement (Friedhelm Funkel):

„Ich weiß überhaupt nicht, was ich zu dieser Mannschaft und der heutigen Leistung sagen soll. Was die Jungs heute abgeliefert haben, ist unbeschreiblich. Wir haben den 0:2-Rückstand sehr gut weggesteckt und eigentlich schon in der ersten Halbzeit eine gute fußballerische Leistung gezeigt. Nach dem Anschlusstor haben wir in der Halbzeit gesagt, dass wir hier heute alles erreichen können. Erst machen wir mit einem überragenden Tor von Niko den Ausgleich, dann packt Davor eine solche Außenrist-Flanke aus und Kaan trifft den Ball perfekt per Kopf. Das war die Krönung einer unglaublichen Saison.“

Spielererstatement (Kevin Möhwald):

„Es ist ärgerlich, dass wir dieses Spiel noch verloren haben. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben, weil wir nach dem 2:0 aufgehört haben, Fußball zu spielen. Düsseldorf hat das ausgenutzt. Aber wir verdrängen das jetzt ganz schnell, weil der Aufstieg über allem steht. Wir haben ein ganzes Jahr auf diesen Moment hingearbeitet: jetzt werden wir die Fesseln lösen und noch ein paar Tage Gas geben. Das haben wir uns auch verdient, denke ich. Der Club ist bekannt für seine fantastischen Fans. Das hat man heute wieder gesehen. Schon bei der Fahrt zum Stadion haben sie uns eine Gänsehautatmosphäre bereitet.“

Die Spieler im Einzelnen:

Fabian Bredlow 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Bei Gegentoren zwei und drei unglücklich, aber nicht mit voller Schuld. Davor mit starker Doppelparade gegen Haraguchi und Hennings. Enorme Streuung in den Abspielen.
Enrico Valentini 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Nach vorne ordentlich. Defensiv manchmal etwas zu passiv, aber ohne grobe Fehler.
Ewerton Almeida Santos 6 Notenpunkte (4+ numerisch: 3.67)
Fast ohne Fehlpass (41/42), beim 2:1 sicher, beim 2:3 vielleicht zu weit weg vom Mann. Viel Routine im Klären des Aufbaus, bei hohen Bällen von außen aber wacklig.
Georg Margreitter 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Durch das Tor etwas besser bewertet als der Nebenmann, ansonsten ähnliches Urteil. Klärte einiges, was zentral kam, bei Flanken von Außen aber nicht immer sicher. Meckert beim 2:3 noch bevor der Ball bei Ayhan war.
Tim Leibold 9 Notenpunkte (3+ numerisch: 2.67)
Herrliches Tor zum 2:0. Insgesamt immer wieder um Stabilität und Entlastung bemüht, was nicht immer gelang.
Eduard Löwen 10 Notenpunkte (2- numerisch: 2.33)
Indirekte Vorlage zum 1:0 per wuchtigem Freistoß, am 2:0 durch Ablage auf Ishak beteiligt. Musste vier verschiedene Positionen (LM, RM, DM, ZM) in einem Spiel spielen, was ihm - sichtlich erschöpft - einigermaßen gut gelang. Mit herausragenden 79% gewonnen Zweikämpfen.
Ondrej Petrak 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Als er ausgewechselt werden musste, ging ein Stück Stabilität nach hinten verloren. Wurde aber im Aufbau oft ausgelassen.
Hanno Behrens 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Zu Beginn starker Antreiber, nach seiner unglücklichen Gelben Karte im Elan beeinträchtigt. Attackierte Gießelmann vorm 2:2 nicht energisch genug. Insgesamt aber gute statistische Werte: 81% Passquote, 67% Zweikampfquote, 11,2 Kilometer Laufstrecke
Kevin Möhwald 8 Notenpunkte (3 numerisch: 3)
Sichtlich um Tempo und Geschwindigkeit im Umschaltspiel bemüht. Allein die Entscheidungen am Ball, waren nicht immer die richtigen.
Lukas Mühl Ohne Bewertung
Kam in der 86. Minute für Möhwald, stand beim 2:3 nicht gut.
Tobias Werner 5 Notenpunkte (4 numerisch: 4)
Wie immer mit schwacher Zweikampfquote (20%). Kam kaum zum Zuge, lief sich oft fest.
Mikael Ishak 7 Notenpunkte (3- numerisch: 3.33)
Sehenswerte Vorlage zum 2:0. Rieb sich wie immer in vorderster Front auf, kam aber ab der 30. Minute fast gar nicht mehr zur Geltung.
Adam Zrelak 5 Notenpunkte (4 numerisch: 4)
Kam in der 62. Minute für Werner, blieb blass, auch weil er kaum einen Ball zum Mann brachte.
Edgar Salli Ohne Bewertung
Kam in der 83. Minute für Petrak. Hatte einen schönen Pass auf Möhwald, sonst wetgehend wirkungslos.

13 Gedanken zu „Analyse: Später Knock-Out dank ausgenutzter Schwächen #FCNF95 #FCN

  • Jau, so kann ich das auch nach dem Stadionerlebnis bestätigen. Die gute Note hat sich Löwen tatsächlich verdient: Stärken gut eingesetzt, dazu kaum „zu viel gewollt“, im Zweifel nen kühlen Kpf bewahrt. So ist er ein absoluter Top-Spieler. Möhwald hätte sich da gestern was abschauen können – der wird aber trotzdem fehlen. Was er vorne zwischen den Abwehrketten noch in der Lage ist mit dem Ball zu machen ist auch gestern aufgefallen.
    Mit Zrelaks Bundesliga-Tauglichkeit tue ich mich weiterhin schwer – er läuft die Gegner schlecht an, schafft es dabei nicht mal nen Zweitliga-Verteidiger am Ball ins Schwitzen zu bekommen. Aber gut, nach nem halbe Jahr Ishak sah das für mich ähnlich aussichtslos aus 😉

    5

    0
    • Wenn man sich ansieht, wen der Club in der Vergangenheit als Stürmer geholt hat und wie die sich dann entwickelt haben, kann man bei Zrelak schon noch die Hoffnung haben, dass auch er sich entwickelt.Was Stürmer angeht hat der Club beim Scouting ein verlässliches Händchen.Drimic, Ginczek,Füllkrug, Burgstaller und Teuchert sind durch alle gute Bundesligastürmer.Ishak und Zrelak werden einen Platz in dieser Reihe finden.

      7

      0
  • Ich fand Löwen gestern unseren besten Mann. Seit langem wieder eine starke Vorstellung. Von mir hätte er mind. 1 Punkt besser bekommen. Auch Möhwald hat mich gestern voll überzeugt. Seine öffnenden Diagonalbälle werden uns am meisten fehlen (10 Punkte). Von Werner habe ich allerdings keine einzig gelungene Aktion gesehen. Sein Frustfoul, für das er sich folgerichtig gelb abgeholt hat, hat genau dazu gepasst. Für mich nicht mehr als 2 Punkte. Auch Petrak hat mir gestern im Gegensatz zu seinen jüngsten starken Auftritten nicht gefallen. Wenig gedankenschnell und robust wurde ihm in der 1.HZ 2.x in der eignen Hätte der Ball abgenommen, was zu Konterchancen des Gegners geführt hat: 6 Punkte

    7

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  • Der Kommentator von Sky hat gestern in der ersten Hälfte bei Löwen davon gesprochen, dass für ihn heute Scouts aus Manchester und Barcelona im Stadion seien. Kann das jemand als Ente entlarven oder muss man sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen, dass solche Vereine an ihm dran sind? Ich will dem Sky-Kollegen ja prinzipiell erstmal nix glauben…

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  • Und siehe die Beispiele aus abgelaufener Saison Sabiri, Teuchert, Kammerbauer….also mal die Kirche im Dorf lassen. Barcelona hrhr … ich denke große Gefahr besteht da erstmal nicht. 🙂
    Für mich sind Spieler wie Behrens, Leibold jedenfalls schlauer auf dem Boden bleiben und Spielzeit bekommen.

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    • Das sehe ich ähnlich. Gerade bei der Grundschnelligkeit und taktischer Disziplin muss Löwen den nächsten Schritt machen, wenn er sich nur in der 1.Liga etablieren will. Da ist schon noch ein wenig zu tun bis Manchester…ich würde es ihm in jedem Fall gönnen -. und uns die 15 Mio.

      3

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  • Mal ne andere Frage, vielleicht kannst du da vor allem Info dazu geben, Florian:
    Was ist eigentlich mit der U21 los?
    Aus den letzten 9 Spielen nur 4 Punkte, 18 Gegentore…

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  • Mehr als den kursiven Satz im Vorspann gibt es zur Analyse im Grunde nicht zu sagen – siehe auch Möhwald-Statement. Freue mich auf schöne Analysen von Florian in den nächsten BuLi-Jahren, hoffentlich ohne solche kursiven Sätze! Vorerst freuen wir uns weiter über den #wiederaufstieg2018 und auf den #klassenerhalt2019

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