„Wir müssen mehr machen als die anderen“ – Trainingsauftakt beim FCN

Knapp 600 Zuschauer und 25 Spieler beim Trainingsauftakt am Valznerweiher.

Den Lacher des Tages hatte Törles Knöll. Der Neuzugang meinte bei seiner Vorstellung: „Ich komme ja auch aus vom Dörflichen, deshalb gefällt es mir hier sehr gut.“ Ob er damit den 1. FC Nürnberg als Provinzverein titulierte oder doch einfach den familiären Charakter des FCN und seines Ursprungsstadtteils lobte, war nicht endgültig zu klären. Jenseits dessen war für die 21 Profis (Bredlow, Mathenia, Goden, Valentini, Ewerton, Mühl, Margreitter, Leibold, Petrak, Erras, Jäger, Löwen, Behrens, Fuchs, Kerk, Salli, Tillman, Palacios, Ishak, Zrelak, Knöll – es fehlte lediglich Dennis Lippert) und 4 Nachwuchskicker (Wendlinger, Piwernetz, Rhein, Engelhardt) aber vor allem Schwitzen statt Lachen angesagt. Etwas mehr als zwei Stunden lang ließ Michael Köllner die Spieler bei sengender Hitze trainieren, es standen vor allem Passformen auf dem Übungsplan.

Denn an der Spielweise soll sich, so der Trainer im Gespräch nach der Einheit, nichts ändern. Der Stil solle gleich bleiben, auch wenn die Systematik zum Teil anders aussehen werde. Ob dies nun ein vermehrtes Einsetzen einer Dreierkette, das Umstellen auf einen Zweiersturm oder doch völlig neue Ideen darstellt, da ließ sich der Oberpfälzer nicht in die Karten schauen. Auch in Sachen Saisonziel wählte Köllner einen eher ungewöhnlichen Ansatz: Er verbalisierte das Ziel „stabile Saison“, vermied aber den Begriff des Nichtabstiegs als Ziel und begründete dies damit, dass er das Ziel nicht im Wettstreit mit den anderen Mannschaften sehe, sondern wie im Vorjahr in der steten Weiterentwicklung der Mannschaft. Er sei aber überzeugt, dass, wenn man jede Woche seine Leistung bringe, es am Ende auch zu Siegen führen würde. Eine fixe Platzvorgabe, wie zum Beispiel Platz 14, würde das eigene Denken nur reglementieren.

Der Chefcoach versprühte also Zuversicht, betonte wie sehr die Mannschaft und ihr Zusammenhalt im Vorjahr als Faustpfand diente. Und als wäre es abgesprochen gewesen erklärte Neuzugang Christian Mathenia, dass genau das Fehlen dieses Zusammenhalts im Vorjahr beim HSV das Problem und ursächlich für den Abstieg gewesen sei. Köllner betonte daher auch wie wichtig die Charakterfrage bei den Neuzugängen sei. Wie viele Neuzugänge nun letztlich noch im Laufe der Vorbereitung zum Verein stoßen, das hänge auch von den individuellen Entwicklungen der angeschlagenen Spieler wie Erras oder Kerk ab. Während Erras schon wieder alle Übungen mitmachen konnte, war Kerk noch nicht bei allen Trainingsinhalten am Start. Nach dem Trainingsauftakt erklärte er auch, noch nicht wieder bei 100% zu sein, auf Grund der langen Vorbereitungszeit von sieben Wochen müsse man aber auch nichts überstürzen und das Ziel sei es, am ersten Spieltag bei vollständig fit zu sein. Unabhängig von der Entwicklung bei Kerk suche man vor allem im Zentrum und „auf den Streifen“ noch nach Verstärkungen, so Köllner, betonte aber gleichzeitig, dass er kein Problem damit habe, dass der Kader noch nicht vollständig beisammen sei. „Wenn ich das gewollt hätte, hätte der Vorstand das sicher erfüllt.“

Erfüllt hat der Vorstand Köllners Wunsch nach Timothy Tillman. Der 19-Jährige war am Vortag mit Kaufoption vom FC Bayern München ausgeliehen worden und freute sich wieder in seiner Geburtsstadt zu sein. Der Schritt nach Nürnberg sei kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt, auch weil er Köllner als den richtigen Trainer für seine Entwicklung sehe. Er wisse, dass er in Sachen Kopfball und Körperbau noch zulegen müsse und daran wolle er nun arbeiten. Darauf angesprochen, dass er ja erstmal nur ein Jahr in Nürnberg Station machen werde, philosophierte er: „Ein Jahr ist für einen 19-Jährigen eine lange Zeit.“ Da er sich nun vollständig auf den Fußball konzentrieren könne, hoffe er durchstarten zu können. Beim Durchstarten helfen werden dem FCN in dieser Saison nicht nur ein veränderter Trainerstab, sondern auch eine verbesserte, zum Teil GPS gestützte, Leistungsdiagnostik, wie Köllner ausführte. „Wir müssen die Zeit effizient und effektiv nutzen. Auch weil wir mehr machen müssen als die anderen und wohl auch mehr laufen.“

28 Gedanken zu „„Wir müssen mehr machen als die anderen“ – Trainingsauftakt beim FCN

        • Wenn der Club im Sommer 2019 die Kaufoption zieht, hat Bayern zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt (z.B. Sommer 2021) für eine festgelegte Summe(, die in der Regel deutlich höher als die Kaufoption ist) zurückzukaufen.

          Diese Konstruktion gab’s u.a. bei Schöpf. Da hat der Club (ohne vorige Leihe) ihn 2014 für 400.000€ gekauft und hätte ihn im Sommer 2016 für 3,5 Mio€ zurückkaufen können. (Und da der Club ihn im Winter vorher für 5 Mio.€ verkauft hat, konnte Bayern die Option nicht ziehen.)

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      • Danke für Deinen Bericht, Flo. Gab es wenigsten Erfrischungsgetränke und Essensverpflegung für die Trainingskibitze?

        Was ist Deine Meinung zu Kerk? Kann der, eingedenk der bald ein Jahr langen Verletzungszeit (seit August 2017), noch ernsthaft vor der Winterpause zu ersten Einsätzen kommen oder ist er erst in der Rückrunde nach der Winterpause eine Option? Es wird doch behauptet, ein Spieler braucht immer doppelt so lange, wie seine Verletzungszeit dauerte, bis er wieder auf derselben Form ist.

        Bald gehts wieder los und der in weiten Teilen enttäuschende Showfußball hat ein Ende.

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        • Nachdem ich im Pressebereich eingepfercht war (mit Sonnenschirm und Wasser), kann ich zur Verpflegung nichts sagen.

          Also vor der Winterpause auf jeden Fall, wenn kein Rückschlag kommt. Ob er wirklich zum Saisonstart Ende August schon bei 100% ist, wie er selber vorhat, wage ich dann doch zu bezweifeln.

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  • Vor ein paar Wochen (und zwar nach der Verpflichtung von Mathenia, Knöll und Goden) war zu lesen, dass noch ein zentraler Stürmer, ein zentraler Mittelfeldspieler (Möhwald-Ersatz) und zwei Spieler für die Flügel (=“Streifen“) geholt werden sollen.

    Ist Tillman der Möhwald-Ersatz?

    Sind Knoll und Göden „ernsthafte“ Kandidaten für die Profimannschaft?

    Plant man eventuell nach dem Vorbild der deutschen Nationalmannschaft mit einem Torwart (Mathenia) auf dem linken „Streifen“?

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    • Tillman hat in den letzten Jahren vor allem auf dem Flügel (meist links) gespielt, sieht sich aber eher als „Zehner“. Ich hab ihn in der Übersicht mal als Außenbahnspieler eingeplant, aber das kann sich verändern. „Der“ Möhwald-Ersatz ist er aber wohl nicht. Knöll und Goden trainieren bei den Profis, tendenziell würde ich Knöll (38 Regionalligatore, zwei volle Saisons im Seniorenbereich) eher als „ernsthaft“ ansehen als Goden. Für den Torwart auf dem linken Streifen sucht man noch jemanden.

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      • D.h. wir dürfen uns noch auf mindestens zwei „ernsthafte“ Verpflichtungen freuen:

        1) „den“ Möhwald-Ersatz;
        2) einen Spieler für den rechten „Streifen“.

        Sollten Knoll (oder Knöll?) und Tillman vom Status her nicht vollständig „ernsthaft“ sein, wäre unsere Vorfreude auf zwei weitere vollständig „ernsthafte“ Neuzugänge zu erweitern:

        3) einen Spieler fürs Angriffszentrum (einen „Sturmtank“/“Mittelstürmer“ oder wie immer man die Funktion dieser Person fachterminologisch präzise benennen will);

        4) einen Spieler für den linken „Streifen“ (wobei es sich nicht unbedingt um einen Torwart handeln muss).

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          • Was wie man hört aufjedenfall noch kommen soll ist:
            – Möhwald-Ersatz
            – Schneller Konterstürmer

            Außerdem auf den Zetteln:
            – gestandener ZDM der den Laden hinten dicht und vorallem zusammen hält.
            – 1-2 Spieler für die Flügel

            Tillmann wurde anfang letzter Woche bereits als Backup für den Möhwald-Nachfolger angekündigt, insofern wird da definitiv ein gestandener Spieler kommen. Der Konterstürmer war soweit ich das mitbekommen habe auf Köllners Wunschzettel, muss also icht zwingend von der selben Kategorie sein, in der Richtung wird eher jemand im ZDM gesucht. Ob der dann auch zu haben ist, ist wieder ne andere Frage, so groß ist unser Budget ja nun nicht. Fülle hätte das etwas aufbessern können aber daraus wurde leider nichts wie wir wissen.

            Was die Aussen angeht bin ich etwas zwiegespalten, Knöll ist vom Körper her soweit BuLi zu spielen, der Typ is ne ganz schöne Kante, er scheint aber die richtige Einstellung mitzubringen. Die gehören aber wohl eher zur Kategorie „schauen bei Bedarf“.

            Wäre jedenfalls meine Einschätzung.

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            • Wenn von den Viertligatalenten einer den Durchbruch schon im kommenden Jahr schafft – also 15-20 Einsätze – dann wäre das toll. Es sind immerhin 3 Klassen + eine neue Mannschaft/System, was die Jungs kurzfristig schaffen müssen. Für mich sind da insbes. Investitionen in 2019/2020.

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  • Habe wohl wieder was verpasst, seit wann ist denn der ‚Streifen‘ state of the art ?

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  • Interessant war bei dem Köllner Video oder Podcast letzte Woche auch als er sagte er hatte ne Tipprunde zur WM da war selbst er als Bundesligatrainer grottenschlecht (vermutlich aus Solidarität oft auf Yogi gesetzt) . Wie oft regen wir uns auf wie man gegen auf dem Papier schwache Gegner verliert. Jedes Fußballspiel hat vom Pfiff an eine eigene Storyline, die nicht vorhersehbar ist.
    Nehme mich da selbst nicht aus, was hatten wir schon für Diskussionen wie man gegen den Gegner verlieren kann. Es entscheidet halt jedes Spiel auch wer das bessere taktische Konzept hat an dem Tag.
    Das deutsche System war ja schnell entschlüsselt bei der WM, weil sie immer so spielen. Wannenfußball von links nach rechts oder umgekehrt.

    Diese Woche habe ich etwas Zeit glaube ich schnappe mir auch mal ne gute Kamera und fahr zum Trainig als Kiebitz, die neuen gucken.

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      • Beim Tippspiel liege ich zwar ingesamt nur im Mittelfeld, aber dafür habe ich die Halbfinalteilnehmer fast genau vorhergesagt. Nur Deutschland war falsch, das wird von Kroatien ersetzt. England, Frankreich und Belgien habe ich richtig, bin gespannt, ob mein Weltmeistertipp mit England eintritt…..

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    • Das habe ich mir fast gedacht, als ich neulich die „Ist verzichtbar“-Liste von Kohlfeldt auf Transfermarkt (2.7.2018, 21:25 Uhr) las und da der junge Bauer aufgeführt wurde. Falls Valentini mal ausfallen sollte, brauchen wir da einfach Ersatz, weil Lippert noch auf unbestimmte Zeit nicht verfügbar ist. Ich denke, das ist keine schlechte Sache. Eine Leihe ist auf dieser Position in Ordnung.

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  • Sehr schön, der nächste diktatorische Staat ist bei der WM ausgschieden. Nur noch Demokratien im Halbfinale vertreten, mir gefällt das.

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      • Außenseiter sind keine mehr dabei 🙂 wenn man die Aktualitäten berücksichtigt vor der WM war mit allen verbliebenen zu rechen.

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        • Genau das macht die WM ja noch merkwürdiger als sie eh schon ist: erst denkt man ‚krass, alle sind schon raus‘ und dann stellt man aber fest: ‚einer-der-eh-schon-Topfavoriten‘ vs. ‚Goldene-Generation-schon-längst-nicht-mehr-nur-Geheimtipp‘ sowie ‚Da-kündigt-sich-schon-länger-was-Großes-an-und-dazu-noch-Superstar-Kane‘ vs. ‚Immer-schon-stark-und-mit-vielen-CL-Topspielern-besetzt‘.
          Mir gefällt das. Durch und durch ein ein Klasse-Halbfinale mit viel Geschichte. Quasi die Erben von Zinedine Zidane, Luc Nilis, Paul Gascoigne und Davor Suker am Sart.

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  • Wer kommentiert denn heute aus Erlangen? Dem Bartels Tom schenke ich ja gerne und uneingeschränkt meine Ohren, aber der ist wohl noch irgendwo vor Moskau.

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    • Gute Frage, ich bin leider nicht vor Ort, muss jetzt aufs Hofgarten-Weinfest…

      Aber vom Auftritt in Würzburg in zwei Wochen werde ich berichten können.

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    • Sorry, aber ich konnte nicht, die Tore sind zu schnell gefallen und die Wechsel waren fast geräuschlos und schnell. Und dann tauchte aus dem Nichts auch noch ein gewisser Alexander Endl mit Sohnemann auf. Da musste man dann noch einige Extraplauschrunden durchführen.
      Interessant war vielleicht die superschnelle Auswechslung, die sicher noch ungeplant nach ca. 30 Minuten den aus dem Kölnernnachwuchs stammenden Goden betraf. Der wurde, nachdem er eine hundertprozentige Chance vergab, mit dem aus Schwaig stammenden Piwernetz ersetzt.
      Der Herr Endl berichtete darüber, er hört irgendwas über „Hoffentlich hat er sich nicht schwer verletzt“ während Herr Johnny Vegas mitbekam, wie Goden von Köllner/Schommers taktisch die Leviten gelesen bekam.
      Sonst so: Rätselhaft, weshalb vor allem Zabotini der „zweiten Mannschaftswechselgruppe“ angehörte. Waren das die verletzten und/oder nach dem Urlaub vielleicht etwas mehr angerosteten Spieler als die Elf, die von Beginn an spielen durfte?

      Meine Eindrücke:
      – 15€ sind für ein Gast- und Trainingsspielchen doch ein stolzer Preis. Da hätte man wenigstens noch was wie inkl. ein Getränk oder Bratwurstbrötchen einbauen können. Das ist auch nicht besonders familienfreundlich.
      – Tillman spielte den Möhwald in der ersten Hälfte ganz ordentlich. Leider war aber auch zu sehen, daß er bei etwas robusteren Einsteigen eines Bayernligagegenspielers, wie einem marktüblichen Rempeln, sofort zu Boden ging. Ob das jetzt Neymaresk war oder ob er einfach noch keine Robustheit hat, war vom schattigen Hintertorplatz schlecht zu sehen.
      – Tom kann sehr schön grillen, gibt aber beim Tischkicker den Ball nicht mehr her.
      – Über unsere Goalies kann man gar nix sagen, dafür hatten die einfach zuwenig zu halten. Mathenia könnte endlich ein Torwart werden, der bei Hereingaben nicht den Schäfer macht.
      – Der Trainer hat ein schönes Club-Zimmer mit vielen Devotionalien, Beamer, Musik Bierkrugsammlung und Tischkicker. Sein selbstgefertigtes Chutney ist hervorragend.
      – Köllners Unzufriedenheit war manchmal gut bis zu uns quer über den Platz zu hören, wenn auch dank des Oberpfälzeridioms nicht zu verstehen.
      – Knölls Leistung gab weitaus weniger Gesprächsstoff als sein sehr besonderer Vorname.
      – Palacios und Zrelak harmonierten fein in der zweiten Hälfte
      – Bauer ist eine deutlich sichtbare Verstärkung und für mich der erste richtige und bisher für die ersten Elf auch der einzige Neuzugang.
      – Piwernetz, Rhein, Fuchs, Goden und Tillman sind Ergänzungsspieler mit mehr oder weniger Perspektive. Tillman ist als Zehner deutlich auffälliger als Fuchs, das kann aber auch an der weitaus höheren Qualität der Spieler der ersten Hälfte gelegen haben. Godens Auftritt war eher schwach, der von Piwernetz eher stark. Rhein hatte defensiv auch einige gute Szenen.

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