Örtlich betäubt

„Einmal Gegengerade ermäßigt“, sagte ich und zeigte meinen Mitgliedsausweis.

„Die Gegengerade ist für dieses Spiel geschlossen“, erwiderte die Dame an der Kasse, „es gibt nur Karten für die Haupttribüne und die Nordkurve.“

Ich nahm Nordkurve Block 10, und als ich meinen Platz bezog und den Blick über die Gegengerade…

…schweifen ließ, war ich froh, nicht dort sitzen zu müssen. Oder würde jemand von euch gerne auf einer solchen Bestuhlung…

…Platz nehmen?

Was ich dann im Testspiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem spanischen Erstigisten Real Valladolid, der wie der Club in diesem Jahr wieder in die höchste nationale Spielklasse aufgestiegen ist, zu sehen bekam, riss mich nicht von meinem zum Glück sauberen Sitz. Die Defensive der Hausherren…

MATHENIA (TW)

VALENTINI        MARGREITTER        MÜHL        LEIBOLD

PETRAK

SALLI        FUCHS       BEHRENS        ZRELAK

ISHAK

…stand ohne die verletzte Stammkraft Ewerton halbwegs – ich betone: halbwegs – solide, das Angriffsspiel war vielleicht nicht ganz so be-täubt wie die Sitzgelegenheiten auf der Gegengerade, es fehlte aber die letzte Zündung. Torchancen aus dem Spiel heraus waren Mangelware, Gefahr für das Gehäuse der Spanier entstand in erster Linie aus Standarsituationen. Symptomatisch dafür der 1:0-Siegtreffer durch einen in der 45. Minute von Valentini direkt verwandelten Freistoß aus 18 Metern. Vorausgegegangen war ein Foul an Alexander Fuchs, der anstelle von Eduard Löwen spielte und seine Sache recht ordentlich machte. Große Glanzlichter vermochte er aber ebensowenig zu setzen wie sein Partner im offensiven Mittelfeld Hanno Behrens.

Valentinis Freistoßtor war Höhepunkt und Ende einer ersten Halbzeit, aus der es ansonsten nicht viel zu berichten gibt. Haften bleibt ein über das Tor streichender Margreitter-Kopfball nach einer Valentini-Ecke und eine vom spanischen Torwart entschärfte Direktabnahme von Behrens. Auf der anderen Seite hatten die Gäste eine sehr gute Gelegenheit, als Mathenia einen Ball nicht richtig zu fassen bekam und es den Spaniern nicht gelang, das Spielgerät im Getümmel ins Tor zu stochern.

Auch in der zweiten Halbzeit nahm das Spiel keine große Fahrt auf. Nach gut zehn Minuten landete ein Kopfball von Margreitter im Tor der Iberer, der Treffer wurde aber von Schiedsrichter Schröder wegen angeblichen Foulspiels nicht anerkannt. Wenige Minuten später foulte ein Spanier Zrelak als letzter Mann und wurde von Schröder nach Begutachtung der Videobilder vom Platz gestellt.

In der 64. Minute wechselte Köllner doppelt: Palacios und Knöll kamen für Salli und Zrelak:

MATHENIA (TW)

VALENTINI        MARGREITTER        MÜHL        LEIBOLD

PETRAK

KNÖLL        FUCHS       BEHRENS        PALACIOS

ISHAK

Nach einer Maßflanke von Valentini zwang Knöll den spanischen Keeper mit einem Kopfball zu einer Glanzparade, ehe in der 72. Minute wieder ein Doppelwechsel erfolgte: Bauer und Erras für Ishak und Petrak:

MATHENIA (TW)

BAUER        MARGREITTER        MÜHL        LEIBOLD

ERRAS

VALENTINI        FUCHS       BEHRENS        PALACIOS

KNÖLL

Ab der 81. Minute ersetzten schließlich Tilman und Kerk Fuchs und Valentini, der zwischenzeitlich auf der offensiven rechten Außenbahn agiert hatte:

MATHENIA (TW)

BAUER        MARGREITTER        MÜHL        LEIBOLD

ERRAS                    BEHRENS

PALACIOS                   KERK                   TILMAN

KNÖLL

Gut drei Minuten vor Spielende wäre eine Nachlässigkeit in der Nürnberger Abwehr fast mit dem Ausgleichstreffer bestraft worden, als ein Schuss der Gäste am Lattenkreuz landete. Dann trudelte die über weite Strecken vor sich hintrudelnde Partie…

…aus.

Dem 1. FC Nürnberg ist zu wünschen, dass ihm beim Bundesligaauftakt bei Hertha BSC in zwei Wochen von den rekonvaleszenten bzw. verletzten Stammkräften Erras, Kerk und Löwen zumindest die beiden zuletzt genannten gesund zur Verfügung stehen. Petrak kann Erras ganz gut ersetzen, ob sich aber die für Bundesligaverhältnisse ohnehin dünn besetzte Offensivabteilung ohne die Ideen eines Löwen und die Dynamik eines Kerk von einer flügellahmen Taube zu einem Adler mit kräftigen Schwingen entwickeln kann, ist fraglich.

[Zum Spiel: klick, klick, klick.]

4 Gedanken zu „Örtlich betäubt

  • Ja, da hat die güntergrasselnde Edelfeder aus Bayreuth schon Recht: Nicht voll überzeugend war die Vorstellung, eher lala, aber irgendwie dann doch in Ordnung. Man weiß auch:
    1. Solche Spiele sind zum Testen da, aber kein Maßstab für Ligareife.
    2. Es kommt immer drauf an, Eingeübtes anzuwenden.
    3. Ja keine Verletzungen!

    Aber GG würde sagen: Jetzt brauchen die Plebejer keinen Aufstand zu proben, Unkenrufe auszustoßen und schon alarmistisch auf die Blechtrommel zu hauen! Ja die Bundesliga ist ein weites Feld, aber der Butt wird’s schon richten. Bevor wir uns in Telgte treffen, sollten die Verantwortlichen beim Club (Vorstand, Trainer, Spieler) alles tun, damit die Gegner nicht mit uns Katz und Maus spielen – sonst haben wir Hundejahre vor uns.

    Was gesagt werden muss: Lasst uns auf die Vorzüge der Windhühner vertrauen!

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  • Durchaus interessante Aufstellungsvarianten. Hoffen wir, dass Bornemann noch diese Woche die Flügel der Taube per Neuzugang kräftigt. In den 30 Minuten Überzahl hätte (Till-)man durchaus noch ein kerkes Törles erzielen knöllen, pardon, können. Tja.

    Ich fange derweil mit der zurecht allseits unbeliebten „ausgerechnet“ Reihe an:
    1. Spieltag (Berlin): 1:0 Plattenhart (direkter Freistoß), 1:1 Leibold (Linksschuss, Vorlage Löwen), 2:1 Stark (Kopfball, Vorlage Esswein).
    Fortsetzung folgt…

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    • Ich würde eine andere Form des „Ausgerechnet“ bevorzugen:

      Bis zum 1:1 gehe ich mit, aber dann folgt das 1:2 durch einen Fernschuss von Petrak, den Stark unhaltbar abfälscht. Auch hier wäre dann ein „Ausgerechnet“ gerechtfertigt.

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      • Jetzt habt ihr Beide (Du und Holzmichl) meine Albträume durcheinander gewirbelt. Denn mit jedem Tag der ohne hoffnungsvolle Neuverpflichtung vergeht, wird meine Sorge, daß es sich 18/19 um eine „Ausgerechnet-Saison“ handelt, immer größer 😉 Ich kann mich nämlich nicht erinnern, daß wir schon jemals eine Saison hatten, in der wir so vielen Ex-Spielern jede Woche begegneten, wie das in der kommenden Saison passieren wird.
        Aber da mit dieser Mannschaft, mit diesen Trainer und mit den heute Verantwortlichen alles ein bisschen anders zu sein scheint, sollte auch das ein Ende finden. (Hoffmers !)

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