Gegnergespräch: Jubeln wo andere weinen #mitLinx

Der Vorstand Sport des SV Linx im Gespräch mit Felix Amrhein.

Unser Gegnergespräch der Woche führte Felix bei Total beGlubbt mit Marc Schuhmacher. Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Total beGlubbt und Clubfans United präsentieren wir eine gekürzte schriftliche Zusammenfassung des Interviews, das in voller Länge bei meinsportradio.de zu hören ist.

Im Gegnergespräch spreche ich sonst mit Fans des gegnerischen Vereins, heute aber mit dem Vorstand Sport des SV Linx, Marc Schuhmacher. Der 21. Mai muss für euch ein besonderer Tag gewesen sein, als ihr als Underdog gegen den damals höherklassigen FC 08 Villingen aus der Oberliga Baden-Württemberg in die DFB-Pokal-Hauptrunde eingezogen seid. Hallo Marc, lass uns einmal eintauchen in dein Gefühlsleben am 21. Mai 2018.

Hallo Felix! Wir gingen den Tag entspannt an, Villingen war der absolute Favorit. Ich bin selbst Fan der Villinger Mannschaft, die haben 15, 16 Top Athleten. Im Jahr davor waren sie mal in die Verbandsliga abgestiegen, da spielten wir gegen sie: toller Fußball, ein Verein mit Stadion für 1.200 Zuschauern im Schnitt. Das ist einfach eine andere Hausnummer als hier. Daher sind wir wirklich entspannt und mit viel Vorfreude auf diesen Tag nach Lahr gegangen. Die Erwartungshaltung war gering, wir wollten uns einfach gut verkaufen und nicht 4:0 oder 5:0 verlieren. Wir wollten ein bisschen mithalten und dass wir in den letzten 20 Minuten das Spiel so gedreht haben, hat uns echt alle umgehauen. Damit hat auch keiner gerechnet. Der Druck wäre natürlich höher gewesen, wenn wir gegen einen Ligakonkurrenten oder tiefer gespielt hätten, dann hätte man gewinnen müssen. Dann ist natürlich das Geld vor Augen, aber gegen Villingen sind wir nie in Versuchung geraten überhaupt nur dran zu denken.

Es war ein verrücktes Spiel. Erst in Rückstand geraten, dann durch einen unhaltbar abgefälschten Kopfball zurück ins Spiel gekommen und in den letzten Minuten dreht das Spiel komplett als Adrian Vollmer das Siegtor macht. Bis zur Auslosung am 8. Juni war dann ein wenig Zeit. Was geht einem so im Kopf rum? Spielt man mit dem Gedanken, die ganz große Nummer zu ziehen? Oder hofft man doch eher auf einen Gegner, bei dem man sich vielleicht doch Chancen ausrechnet?

Es gab für uns zwei Gruppen. Die ‚Big 5′ – Bayern, Dortmund, Schalke, der HSV als Zuschauermagnet – auch wenn er jetzt Zweitligist ist – oder vielleicht Mönchengladbach. Da hätten wir so um die 20.000 Zuschauer gehabt. Und dann gab es den zweiten Topf – und das ist der Rest. Da muss man dann überlegen, ob man doch zu Hause spielt. Nürnberg ist hinsichtlich dieser Überlegung so ein bisschen ’nicht Fisch, nicht Fleisch‘. Für ein ganz großes Stadion über 20.000 Zuschauer reicht es nicht, unser Stadion aber auch nicht, weil allein Nürnberg 3.000 Zuschauer mitbringt. Und so war es für uns nicht ganz einfach ein passendes Stadion zu finden. Mit Kehl haben wir nun einen passenden Standort gefunden, der 7.100 Plätze fasst (Anm. der Redaktion: 12.000 Besucher, davon 630 Tribünensitzplätze und 300 Sitzplätze teilüberdacht laut SV Kehl). 5.000 Karten schon sind verkauft, das könnte an der Tageskasse also schon eng werden. Ich gehe von ausverkauft aus.
Daher: Nürnberg war insoweit schwer einzuschätzen, aber wir freuen uns natürlich wahnsinnig über Nürnberg. Der Club ist Tradition, sein Stadion ein Klassiker und die Fans, die Nürnberg hat, dafür können sie wirklich dankbar sein, die gehen durch dick und dünn – in letzter Zeit mehr durch dünn. Von daher: Super Los, aber schwer einzuschätzen.

Sprechen wir über Geld. Der Umzug in das andere Stadion ist mit Kosten verbunden, aber die Einnahmen aus Ticketverkauf und die TV-Gelder spülen sicher einiges in die Kasse. Lässt einen das rosig in die Zukunft blicken?

Wir planen so, dass das Event sich selbst trägt. Das heißt, dass wir über die Einnahmen, wie Getränke und Speisen, die Kosten, die wirklich exorbitant sind, decken. Zu den Kosten gehören die Miete für das Stadion, aber auch Toilettenhäuschen, Stromaggregate, Zäune oder Sicherheitspersonal. Wahnsinn, was da alles auf einen zukommt. Und von den Eintrittsgeldern geht die Hälfte noch an den 1. FC Nürnberg.
Also vom Spiel selbst bleibt leider nicht viel hängen, aber dafür haben wir noch die Fernsehgelder – und für die ist der Aufwand es dann schon wert.

In Kehl habt ihr schon mal im Pokal gespielt, 1994 ausgerechnet gegen die Nürnberger Fanfreunde aus Schalke. Konnte man von den Erfahrungen damals profitieren?

Wir haben den Planungsordner von damals bekommen, aber viel geholfen hat das nicht. Die Sicherheitsanforderungen sind gestiegen und vieles hat sich geändert. Aber wir haben schon ein paar Tipps bekommen, auf was man aufpassen muss und woran man nicht immer gleich denkt.
Aber es ist schon extrem, was man für so ein Spiel an einem Samstagnachmittag, für diese 90 Minuten an Zeit investiert. Sicherheitskonzept erstellen, mit Polizei abstimmen, Feuerwehr, Parkkonzept – das sind alles Dinge, die sind für einen Amateurverein eigentlich nicht machbar. Was da auch mein Vorstandskollege Matthias Vollmer, der die Organisation unter sich hat, und Vorstandskollege Stefan Senn, der für das Marketing zuständig ist, mit Verstärkung von Frank Wendling in den letzten Wochen geleistet haben, geht an die Grenze.

Lass uns über das Sportliche sprechen. Linx hat zum Saisonauftakt gegen Spielberg 2:1 gewonnen – die übrigens mit Edmond Kapplani im Kader, der manchem bekannt sein dürfte. Fast parallel hat der Club sein Testspiel gegen Valladolid gewonnen. Bereitet man sich auf so ein Spiel gegen einen Bundesligisten professioneller vor? Schickt man jemand zur Beobachtung des Testspiels? Oder sagt man sich: Die sind eh in allem viel besser, wir versuchen einfach ins Spiel zu kommen, sich nicht überrennen zu lassen und dann mal schauen, wie sich alles entwickelt?

Wir haben leider nicht die Ressourcen und die Manpower, um jemand zum Testspiel zu schicken. Aber unser Trainer ist Fußball-versessen genug, er hat sich sicher die Aufstellung angesehen und was dort bei Eckbällen und Standards gemacht wird. Und auf wen man besonders aufpassen muss, aber wir müssen eh auf alle elf aufpassen. – Wir gehen aber sicher nicht ins Spiel, nur um dabei zu sein. Jeder Sportler, der Wettbewerbssport betreibt, will etwas für sich rausholen – und sei es nur ein gewonnener Zweikampf, ein erfolgreiches 1-gegen-1, ein Torschuss oder eine Vorlage. Wir wollen den Nürnbergern Paroli bieten und schauen, was dabei herauskommt.

Gibt es die Befürchtung, dass dieses Pokalspiel ein Knackpunkt sein könnte? Entweder weil man unter die Räder gerät oder einfach weil man die Anspannung verliert?

Es gab schon Bedenken, dass man das Spiel davor gegen Spielberg und das Verbands-Pokalspiel nicht ernst nimmt, sich schont oder Angst hat in einen Zweikampf zu gehen. Aber wir haben gegen Spielberg und auch das Pokalspiel gewonnen. Das hat mich schon beeindruckt, das – trotz Nürnberg im Fokus – nicht aus den Augen verloren zu haben. Das fand ich toll und am Mittwoch geht es gleich gegen den SSV Reutlingen. Mit Stadion und allem
drum und dran. Das ist schon wieder das nächste Highlight. Die Jungs hangeln sich gerade von Highlight zu Highlight. Daher denke ich nicht, dass wir in ein Loch fallen.
Die Jungs sind auch einfach vom Alter her zu abgezockt. Wir haben eine ältere Mannschaft, im Schnitt um die 28, die haben schon alle irgendwelche große Spiele gehabt, wie Pokalspiele oder Relegationsspiele. Das können sie schon einordnen.

Es ist also auch im Falle des Erfolgs nicht davon auszugehen, dass einer von oben anklopft und den Kader auseinander reißt. Aber euer Trainer ist mit 36 noch jung – und jung ist im Trend. Angst, dass, wenn ihr euch gut verkauft, Sascha Reiss bald in einer höheren Liga coacht?

Ich fände es super, wenn er irgendwann mal ein Angebot bekäme aus der höheren Liga! Weil er einfach ein Fußball-versessener Mensch im positiven Sinne ist. Charakterlich einwandfrei. Und wenn der SV Linx Sprungbrett für Trainer und Spieler ist, dann finde ich das super. Wer eine Auskunft über einen Spieler oder über den Trainer möchte, dann kann er mich gerne anrufen. Dafür sind wir ja hier. Wir haben schon mal einen Spieler ins Profigeschäft gebracht, so vor 3-4 Jahren. Ich finde, das ist eine Auszeichnung für unseren Verein, wenn sowas passiert.

Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen. Wir danken Marc für seine Zeit und wünschen allen einen fantastischen Tag, auch wenn wir ganz ehrlich darauf hoffen, dass Linx verliert. Oder ob doch wahr wird, was auf der Startseite des SV Linx zu lesen ist? „Den Goliath zum David machen #mitLinx“.


Das Interview führte Felix Amrhein mit Marc Schuhmacher für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 15.8.2018. Redaktionell überarbeitet von Alexander Endl.

Ein Gedanke zu „Gegnergespräch: Jubeln wo andere weinen #mitLinx

Kommentare sind geschlossen.