Typisches Pokalspiel, trotzdem weiter #undepp #fcn

Der 1. FC Nürnberg setzt sich beim SV Linx am Ende verdient mit 2:1 durch, das Spiel stand zwischenzeitlich aber auf der Kippe

Michael Köllner wollte wohl der Aufstiegself nochmal Vertrauen schenken, weder Mathenia noch Bauer, Tillman oder Knöll fanden sich auf der Aufstellung wider, befanden sich aber auf der Bank. Den Schalter umlegen war die Devise gegen den Fünftligisten, in den Pflichtspielmodus starten. Doch wie schwer Theoerie und Praxis sind, erlebten an diesem Nachmittag nicht nur der FCN, sondern auch die Bayern oder der amtierende Pokalsieger Eintracht Frankfurt.

Nach 4 Minuten hätten alle schon mal wach sein müssen, Venturin prüft Bredlow aus fast 40 Metern und der muss sich mächtig strecken. Danach übernimmt der frischgebackene Bundesligist das Kommando, versucht vor allem über die Außen und den agilen Fuchs sich den Gegner zurecht zu legen. Doch lange blieb es nur bis zum Strafraum gefällig, gefährlich wurde es nur nach Standards, insbesondere Salli köpfte eine hochkarätige Chance aus 2 Metern über den Querbalken. Doch Salli blieb aktiv, kam nur wenige Minuten später erneut zum Abschluss und prüfte den Keeper von Linx, im Folgenden erobert Salli den Ball und wird gefoult. Den fälligen Freistoß zirkelt Leibold gekonnt an den Pfosten, von wo der Ball zu Ishak kommt, der gedankenschnell reagiert und den Ball einschiebt.

Damit war im Grunde der schwerste Teil geschafft, der Amateurverein geknackt. Im Folgenden gleich mehrfach gute Szenen, die zum 2:0 hätten führen können. Doch die Phase dauerte nur 5 Minuten und der Pokal zeigte mal wieder sein Gesicht. Nach steilem Zuspiel kommt es zum Laufduell zwischen Henkel und Leibold, der es mit Routine zu lösen versucht, dabei aber ins Straucheln kommt und die unorthodoxe Beinstellung des Gegners nicht mehr umgehen kann. Ein Elfmeterpfiff irgendwo zwischen 50:50-Entscheidung und freche Schwalbe – oder wie der insgesamt schwache Sky-Moderator formulierte: „geschickt gemacht“. Das 1:1 ein kleiner Bruch im Spiel des Club, der vor allem auch gleich mit der nächsten Entscheidung des Schiri hadern durfte, als eine klare „Schutzhand“ eines Linxer Spieler nicht mit dem fälligen Elfmeter auf der Gegenseite quittiert wurde. So ging es trotz 19 Torschüssen des FCN mit 1:1 in die Pause, auch weil davon nur 4 auf das Tor gingen.

Köllner brachte Bauer für Valentini in Halbzeit 2, am Spielverlauf änderte sich wenig, es wurde sogar noch etwas fahriger. Der Club kam noch weniger in Abschlusspositionen und die wenigen wurden vertändelt, gerade weil man in der Box nicht konsequent genug zu Werke ging. Das machte es Linx fast leicht, das Spiel ausgeglichen zu gestalten, wenn man „ausgeglichen“ so begreift, das nun auf beiden Seiten nur noch wenig konstruktives gelang. Köllner brachte Palacios für Salli, doch große Impulse gelangen auch diesem im Folgenden nicht, auch wenn eine gute Chance für den Einwechselspieler zu Buche stand.

In der 74. Minute dann beinahe die Sensation: Rubio kommt freistehend zum Kopfball, der ihm zwar gründlich misslingt, der Ball dennoch von der Schulter gefährlich wurde und knapp über die Latte streicht. Köllner reagiert und bringt noch Knöll für Fuchs, um nun die Entscheidung zu zwingen. Doch trotz vieler Ecken und diverser Halbchancen ist es auf einmal Linx, die in persona ihres sonst so treffsicheren Goalgetters Vollmer den Sieg im wahrsten Sinne des Wortes „auf dem Fuß“ hat. Doch Vollmer zögert in Anbetracht der unerhofften Großchance frei vor Bredlow eine Sekunde zu lang, so dass Leibold den Ball noch wegspitzeln kann. Fast im Gegenzug macht Ishak das erlösende 2:1 für den FCN. Die Methode, den Ball auf Zrelak zu chippen, der per Kopf in den Strafraum ablegt, war schon im ganzen Spiel mit das gefährlichste Mittel des Club, in der 88. Minute zahlte sie sich endlich aus und Ishak schnürte den Doppelpack. Die Entscheidung, auch wenn die letzten Minuten nicht immer von Souveränität geprägt sind.

Liest man den Spielverlauf, liest es sich wie ein klassischer Pokalfight gegen einen unterklassigen Gegner, bei dem sich der Bundesligist aufgrund Überheblichkeit oder fehlender Einstellung gerade noch der Blamage entziehen konnte. Mit etwas Abstand und Sachlichkeit kann man aber auch konstatieren, was Behrens nach dem Spiel mit „Linx hatte mehr Glück gehabt“ zusammenfasst. Läuft es normal, steht es nach den ersten 45 Minuten 3:0 für den Bundesligisten. Neben dem 1:0 stand eigentlich ein zwingender Handelfmeter zu Buche und eine gehörige Portion Glück, dass nicht wenigstens eine der 3-4 Großchancen des Club, vor allem die von Salli sei genannt, im Netz gelandet war. Das Gegentor mehr eine Schwalbe oder wenigstens Stürmerfoul denn ein Elfmeter – so wird aus einer zwar wenig spektakulären, aber doch einseitigen Sache auf einmal ein spannendes Spiel. Dass es dann in Halbzeit 2 zu wackligen Beinen bei der jungen Nürnberger Truppe kam und beinahe noch zur Sensation kommt, ist dann mehr Konsequenz aus der unnötigen Spielkonstellation. Am Ende darf aber kein Zweifel bestehen, dass die bessere Mannschaft sich durchgesetzt hat.

Ob das Spiel eine Signalwirkung auf die kommende Saison hat, darf freilich bezweifelt werden. Es war nicht nur der Club, der sich heute wie so viele andere davor in Runde 1 schwer tat gegen unterklassige Gegner. Der FCN wird kaum in die Verlegenheit kommen, gegen einen so tief stehenden Gegner in der Bundesliga zu treffen und die Bürde des Spiel machens auferlegt bekommen. Dass man mit Ishak einen waschechten Stürmer in den Reihen hat, der seinen Torriecher nicht verloren hat, stimmt im Gegenteil positiv.

Glückwunsch an Linx für die couragierte Leistung. Glückwunsch aber auch an den FCN, die erste Runde doch gemeistert zu haben. Wenn man am Ende sich durchsetzt, ist der Rest nur eine Randnotiz im Pokal – sogar für die Bayern, deren mühsames 1:0 gegen den SV Drochtersen/Assel die wahrscheinlich größere Überraschung bisher war, noch größer als das Ausscheiden der Eintracht in Ulm.

Pokal ist nur einmal im Jahr ist damit auch 2018 abgehakt. Und auch wenn man sich nicht mit Ruhm bekleckert hat, so ist das Image des „sich zum Deppen machen“ eben auch überholt. Auch das ist vielleicht gerade in Anbetracht des Spielverlaufs eine hoffnungsvoll stimmende Botschaft. Aber wenn das allein die Skeptiker nicht befrieden wird: Kubo kommt ja auch noch und wird es schon richten.

7 Gedanken zu „Typisches Pokalspiel, trotzdem weiter #undepp #fcn

  • Volle Zustimmung! Genauso sehe ich es auch: „Die Kleinen“ wissen genau, dass sie „die Großen“ zum Zittern bringen können (siehe FC Bayern, VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt). Im Pokal geht’s ums Weiterkommen im KO-Modus, alles andere ist egal, auch und gerade das Wie. Doch genau das Wie ist wiederum in der Bundesliga entscheidend, weil es dann nicht auf das einzelne Spiel, sondern auf die Dauerleistung = Gesamtabschlussrechnung ankommt. Fazit: Draus lernen, weitermachen, weitersiegen. Ich bin trotz allem irgendwie optimistisch und freue mich („olympisch“) auf 34 Clubspiele in der BL.

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  • Eine Randbemerkung noch, den Stadionsprecher hätte Linx etwas besser auswählen dürfen. In unserem Block kam es nicht gut an, als Er das 0:1 durch Ishak für den 1.FC Kaiserslautern verkündete

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    • Und Sky hätte den Kommentator etwas besser auswählen dürfen …

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  • Also doch nicht alles so aussichtslos. :mrgreen:
    Danke für den Bericht.
    Jetzt steigt die Spannung täglich bis zum Saisonstart. Mal sehen, wie die Hertha mit unseren ehemaligen Talenten gegen uns mithalten kann :).

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  • Sehr guter Bericht .
    Alles richtig eingeschätzt!
    Danke wieder Alexander Endl.

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  • Die schlechte Chancenverwertung war gestern das größte Manko. Besonders krass war das Auslassen der 100%igen durch Salli und Bauer. Wenn ein Bundesligist in solchen Situationen den Ball nicht ins Tor bringt, kriegt er auch gegen einen Fünftligaaufsteiger Probleme und es liegt eine Pokalsensation in der Luft. In Spielen gegen Bundesligisten sollte unsere Mannschaft in solchen Situationen ein Tor erzielen, sonst wird sie nicht viele Sensationen schaffen. Und die wird sie brauchen, wenn sie die Klassen halten will…

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    • Korrekt. Macht man seine Chancen rein erübrigt sich auch die Kritik an den Medien, deren Berichterstattung dann anders ausgesehen hätte.
      Meinte Köllner nicht nach dem letzten Testspiel man werde zum Saisonstart die Dinger reinmachen? Scheinbar terminiert er selbigen auf den 25.08. und klammerte den Pokal aus.

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