Gegnergespräch: Mit dem Rücken zur Wand und mit dem Latein am Ende #fcnvfb

Vor dem DFB-Pokalspiel des 1. FC Nürnberg gegen Hansa Rostock im Gespräch mit einem Fan des Gegners.

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix mit VfB-Fan Lennart (Rund um den Brustring) unterhalten. Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels.

Zweiter in der Rückrundentabelle der Bundesliga im vergangenen Jahr, jetzt Tabellenletzter – wie ist denn die Stimmung im Schwabenland?

Schlecht, sehr schlecht. Europa war zwar nicht unsere Ambition, aber doch gesichertes Mittelfeld. Die Stimmung ist am Boden. Zehn Spiele, nur ein glücklicher Sieg, im Pokal raus und schon wieder den Trainer gewechselt – zum sechsten Mal in Folge in einer Saison. Diesmal allerdings notwendig. Es geht nicht nur mir so: Wir sind alle mit dem Latein am Ende. Wir haben doch alles schon durchgemacht: Abstieg, Aufstieg, totaler Neustart. Bis auf Gentner alle Positionen gewechselt. Und trotzdem sind wir wieder Tabellenletzter. Und das, obwohl wir so viel Geld in die Mannschaft im Sommer steckten. Ich kann es nicht erklären. Sportchef, Trainer, Mannschaft – es kommt schon wieder alles zusammen.

Spulen wir nochmal zurück: 35 Mio. im Sommer ausgegeben, darunter Castro, Didavi und große Talente aus Manchester und Argentinien. Woran liegt es, dass die Neuzugänge nicht den erhofften Qualitätssprung bringen?

Eine Frage, die wir uns auch alle stellen. Zumindest von Castro hatten wir erwartet, dass er ein Schlüsselspieler wird – der ist aber völlig neben der Kappe. Dann verlängert nach einigen hin und her Badstuber und ist jetzt zusammen mit Pavard auch neben der Spur. Bei jungen Spielern denkt man ‚die brauchen noch‘, aber wenn auch erfahrene Spieler nicht ihre Leistung abrufen… – das ist dann so eine Gemengelage.

Eine Gemengelage ist auch die Verletztenliste – vor allem fällt Rückkehrer Didavi aus, der vielleicht als ordnende Hand im Mittelfeld geplant war. Fällt so vielleicht das ganze geplante Spielkonzept in sich zusammen?

Das ist schwer zu beurteilen. Korkut wusste Didavi ja auch vor der Verletzung nicht so richtig einzusetzen, auch weil Korkut keinen richtigen Plan für das Offensivspiel hatte und nur auf Defensive setzte. Gegen Hannover standen insgesamt nur zwei offensive Spieler auf dem Platz. Danach war Didavi verletzt. Wie und ob Weinzierl ihn einbauen kann, ist unklar. Die Fähigkeiten hat er sicher, aber er kann es halt nicht zeigen wegen seiner Verletzung. Mal wieder.

Schwieriger Auftakt in der Liga. Wie war die Stimmung nach vier Spielen?

Man war etwas enttäuscht, vor allem, dass man gegen Düsseldorf kein Tor geschossen hat. Und wenn man später dann sieht, dass die gegen Frankfurt sieben Dinger kassieren, ist das schon ein bisschen peinlich. Aber auch wenn man auf das Spiel gegen die Bayern zurückblickt denkt man ‚die waren ja scheinbar doch nicht so unbezwingbar‘. Damals dachte man ‚Das wird vielleicht noch‘, muss man halt Bremen und Hannover schlagen…

Dann kam die Niederlage gegen Leipzig, der erste und einzige Sieg gegen Bremen, um dann aber gegen Hannover zu verlieren, die damals Tabellenletzter waren. Danach wurde der Trainer gewechselt, nach deiner Ansicht ja richtig – warum?

Weil Korkut es nicht geschafft hat, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Er hat nach Wolf die Mannschaft stabilisiert und mit dem Prinzip: Früh ein Tor schießen und dann den Ball rauskloppen“ in einen Lauf kam. Den Lauf hat er gut verwaltet, aber es war da schon klar: So kannst du nicht in die neue Saison gehen. Du wirst nicht immer früh ein Tor schießen und kannst dann den Mannschaftsbus vors Tor stellen. Trotzdem spielte Korkut weiter derart defensiv wie gegen Hannover – da war klar: Es kann mit ihm nicht weitergehen.

Dann kam Weinzierl, der nun als „Schlechtester Trainerstart aller Zeiten“ gegen die Statistik kämpft, zugegeben bei einem denkbar schlechten Startprogramm für einen Trainer mit Dortmund, Hoffenheim und den formstarken Frankfurtern. Wie schätzt du Weinzierl ein?

Unterschiedlich. Er lässt offensiver spielen, gute Ansätze mit Flügelspiel, aber dann fällt man unerklärlicherweise durch individuelle Fehler immer wieder total auseinander. Ich hab keine Ahnung, wie das am Samstag laufen wird.

Ein Ergeben findet im Kopf statt. Der FCN kennt das in dieser Saison auch schon, konnte sich dann aber immer wieder zum nächsten Spiel hin daraus befreien. Beim VfB sagt man allerdings, dass es vielleicht doch nicht nur Kopfsache ist, sondern auch die Fitness nicht stimmt. Eine Ansicht, die du teilst?

Die Diskussion, ob die Fitness fehlt, wird in den sozialen Medien schon lange geführt. Vom Verein wird das erst nach dem Ende von Korkut thematisiert, sonst hätte man ja den amtierenden Trainer an den Karren fahren müssen. Wir sind aber auch oft schon früh in Rückstand geraten – und überhaupt: Ich kann mir bei der aktuellen modernen Leistungsdiagnostik nicht vorstellen, dass man so eklatante Defizite nicht bemerken würde. Daher ist mir das zu einfach und da sind auch die individuellen Aussetzer, das hat nichts mit Kondition zu tun.

Sechs Tore bisher – selbst wenn man hinten immer die Null stehen hat reicht das ja nicht zu Siegen in zehn Spielen. Was fehlt vorne?

Da sind wir bei Gomez, der aus fünf Metern so neben das Tor köpft, dass das eigentlich gar nicht geht. Dann die Sache mit González, der einfach nicht trifft, und Thommy, der nur einmal einen guten Pass in die Spitze hatte. Wir spielen meist so lang um den Strafraum rum, bis wirklich jeder Verteidiger seine Position eingenommen hat.

Fehlt es an Tempo und individueller Klasse?

Es fehlt an der zündenden Idee.

Steht der VfB in Nürnberg mit dem Rücken zur Wand?

Mehr an der Wand geht gar nicht. Aber in Stuttgart sagt man sich – bei allem Respekt –: Wenn nicht jetzt gegen Nürnberg, wann denn dann? Gegen Düsseldorf haben wir ja schon gespielt.

Auch bei einem Sieg: Acht Punkte wären ja auch zu wenig bis zum Winter. Gegen wen will man denn sonst noch gewinnen?

In Nürnberg gewinnen und dann irgendwie in einen Lauf kommen… Aber wie schon gesagt: Wir sind mit dem Latein am Ende.

Was macht dir Angst, was macht dir Hoffnung für Samstag?

Angst macht mir, dass Nürnberg mit voller Power in das Spiel gehen wird, weil man da jedes Spiel als Außenseiter so rein geht und jeder weiß, dass man als Aufsteiger nur mit Kratzen, Beißen und Kämpfen durchkommt, und man als VfB dann davon überrollt wird. Hoffnung macht mir, dass es nicht mehr schlechter werden kann…

Ein Fatalismus, den man in Nürnberg kennt…

Wenn man alles auswechselt und dann noch 30 Mio. investiert hat, bleibt nur noch Fatalismus. Leider.


Der Podcast in voller Länge

Podlove Player: Ungültige URL

Audiolänge: 29:32 | Moderator: Felix Amrhein


Das Interview führte Felix Amrhein mit Lennart für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 08.11.2018. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

18 Gedanken zu „Gegnergespräch: Mit dem Rücken zur Wand und mit dem Latein am Ende #fcnvfb

  • Wenigstens hat der VfBäh immer noch anständig Fans: Angeblich wird das Frankenstadion mit 50.000 Zuschauern seit Jahren fast voll sein.

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  • Wollen wir mal hoffen, dass es aus Club-Sicht nicht eines dieser berühmten „Ausgerechnet“-Spiele wird: „Ausgerechnet gegen uns…“.

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  • Gomez darf heute gerne treffen und ab nächsten Spieltag nen Lauf haben-wenn wir mindestens eins mehr machen.
    Insgesamt hab ich den VFB schon lieber in der ersten Liga als manch andeee Mannschaft.
    Schon allein weil sie ein guter Gegner beim Pokalsieg waren.

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    • Na, wenn das Endl the Hut sagt! 😀
      Es könnte wirklich so ein saisonwegweisendes Spiel werden: So ein klarer 3:0 Heimsieg gegen einen direkten Konkurrenten, das wäre was. Am Ende der Saison würden wir als 14. dann Resümieren, daß nach diesem Heimsieg die Weichen für den Bundesligaverbleib gestellt wurden.
      Aber Töffis Gedankengang ist leider eben nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen.

      Wäre, wäre, Fahradkette! Könnte auch als Ergebnis herauskommen.

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  • Meiner einer ist extrem nervös, hoffentlich sind die Jungs diesmal von der ersten Sekunde an auf dem Platz.
    Der VfB weiß, dass sie bei uns unbedingt punkten müssen, am besten gewinnen – und wenn sich dieses Bewusstsein, dass man ab jetzt ja nur noch gewinnen kann, da es schlechter nicht mehr geht, in den Köpfen festsetzt und all die bisherigen Blockaden löst, bringt der VfB natürlich eine Qualität auf den Platz, die es schwierig werden lässt. Die dürfen mit ihrem vielbeschworenen Knotenlöser gerne noch bis Saisonende warten.

    Der Club muss heute von Anfang an direkt draufgehen, nicht wieder – wie so oft – nebenherlaufen. Man darf heute keinen Zweifel daran lassen, dass man um jeden Zentimeter fightet und dieses Spiel mit aller Macht gewinnen will.
    Meinetwegen kann es heute auch gerne 11 gelbe Karten für uns geben (jeder natürlich nur ein Kreuz), denn Augsburg hat es zumindest eine Halbzeit erfolgreich vorgemacht, wie man den Gegner mit Härte und Entschlossenheit beeindruckt.

    Auf geht’s, Männer! Das ist Bundesliga!

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      • Uralter Bahnschau-Sprech! Erst bolzen, drei Ecken Elfer, dann Bugs Bunny. Dann „Väter der Klamotte“ und Fuzzy. Rückblickend ist „sersn“ als Begrüßung unterirdisch, aber „was geht, Alder“ ist letztlich schlimmer, zumal mit komischen Faust-Ritualen verbunden.
        Hausaufgaben?

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        • Für die, die bei „Bahnschau“ nur denken ‚hä?‘ (also alle außer Dude und Markazero): so heißt ein Spiel- und Bolzplatz auf der Höhe in Ansbach-Eyb, mit Blick auf die Bahn.

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          • Pfaffengreuth, nicht Eyb (des is unten – wenn der Ball beim Schaukelball roofliechd).

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            • Eyb, nicht Pfaffengreuth (der Höhenweg markiert die Grenze). Ich WUSSTE, dass exakt dieser Dialog entstehen würde 🙂 [musste den genauen Grenzverlauf aber auch erst recherchieren..]

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            • Interessant: hab‘ mich beim Stichwort „Bahnschau“ direkt dran erinnert, wie unsere autonome Bolzfläche von der Stadt mittels einer halb zentral verbauten Tischtennisplatte entschärft werden sollte (weil ist ja ein SPIELplatz, Bolzen schtreng verpooten!), wir daraufhin einfach um die Platte herum gebolzt und außerdem „Fußball-Tischtennis“ erfunden haben. Letzteres wiederum wird seit ein paar Jahren als Innovation verkauft. „Teqball“ heißt das nun, wofür sogar speziell geschwungene ‚Tischtennis’platten entwickelt wurden. Gibt im Netz Videos, die z.B. Ronaldinho beim Teqball zeigen (technisch waren wir damals nicht GANZ so weit, aber wir hatten ja auch keine geschwungene Platte zur Verfügung..).

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              • Oben links waren meine Glanzparaden zu bewundern (kurz vor. dem Sandkasten), an der Baby-Fichte.Mit der Tischtennisplatte war der Zauber vorbei bzw. hab ich den Oberschenkel-Knochen von Markus Keim gesehen und bin fast in Ohnmacht gefallen.

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  • Man kann kein Fußballspiel vorhersagen, die können ja alle kicken und der VFB hat als Einzelspieler natürlich Qualität, aber mein Bauchgefühl sagt mir wir holen heute 3 Punkte, weil ich glaube der VFB ist verunsichert und hat sich einfach noch nicht zusammengefunden und hoffe die Eigenschaft bei uns sticht heute.

    „Aus dem Gewühl erst Fuchs dann Mühl!“

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  • Bin heute mal wieder im Stadion und hoffe auf ein packendes Spiel mit einem Clubsieg. Bin sehr gespannt auf die Aufstellungen, auch was die des VFB angeht. Auf gehts.

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