Gegnergespräch: Die Freiburger Säge und Bornemanns Erbe #FCNSCF

Der SC Freiburg tritt zum Schlussakkord des Fußballjahr 2018 beim 1. FC Nürnberg an. Genug Gesprächsstoff für Felix und Michael.

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Michael Schröder (Füchsletalk) unterhalten. Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels.

Das Interview

Wir müssen natürlich erstmal über die jüngsten beiden Spiele sprechen, denn das nährt die Hoffnung der Glubberer. Der SC Freiburg hat jeweils gegen den Tabellenletzten gespielt und lediglich einen Punkt geholt. Was ist da schief gelaufen? Bis dato war die Ausbeute ja durchaus in Ordnung, RB Leipzig geschlagen und auf einmal ist ein wenig Krisenstimmung im Breisgau.

Über die letzten Spiele will man eigentlich gar nicht sprechen. Gerade gegen die Teams, die man unbedingt hinter sich lassen, gewinnt man nicht. Erklärung könnte sein, dass wir keine Lücken finden, wenn der Gegner uns den Ball überlässt. Die Legende vom brasilianischen Fußball aus dem Breisgau ist doch längst überholt, dafür fehlt der kreative Freak-Spieler. Wir sind ein gut eingespieltes Kollektiv, in dem jeder seine Funktion hat – das sieht man exemplarisch an Petersen, der enorm defensiv eingebunden ist und damit vorne auch oft fehlt. Leider fehlt Nicolas Höfler, unser Motor auf der Doppel-Sechs, der einfach andere Spieler besser macht, wenn er spielt.

Also gut gegen den Ball und Mannschaften die den Ball fordern aber mit Problemen wenn man selbst kreativ werden muss. Liegt das auch daran, dass Mike Frantz zuletzt auf außen spielen musste und nicht im Zentrum? Ist das auch eine Frage der 4-4-2-Formation mit Doppelsechs?

Die Doppelsechs ist eine Dauerbaustelle, da hier viele verletzt fehlen. Mike Frantz, ein absoluter Führungsspieler, spielt sogar jetzt dort, fehlt dann aber als Antreiber nach vorne. – Gegen Fortuna Düsseldorf, mit Verlaub die schlechteste Bundesliga-Mannschaft, die man bisher gesehen hat, hat man sogar verloren … erschreckend. Wenn man ein nächstes Level erreichen will, wovon man ja oft spricht, muss man solche Spiele gewinnen.

Ich hab irgendwie immer den Eindruck gehabt, dass Freiburg gut darin ist Punkte zu holen wenn es darauf ankommt. Wieso funktioniert das diese Saison nicht oder ist mein Eindruck da verschoben?

Den Eindruck hab ich so gar nicht – vielleicht nur eine Wahrnehmung aus der Ferne. Von Duisburg bis Gütersloh hab ich da ganz andere Erinnerungen. – Es geht nicht um groß oder klein, stark oder schwach, es geht um: Haben wir Platz oder nicht.

Dann ist die Historie wohl doch der Grund für eine falsche Wahrnehmung meinerseits. Stichwort: Freiburg gewinnt gegen Nürnberg immer. Aber lass uns mal einen Vergleich zur letzten Saison ziehen. Da hattet ihr nach 16 Spieltagen die exakt gleiche Bilanz (4S, 6U, 6N). Die Tordiffenrenz sieht dieses Jahr deutlich besser aus. Wenn du die beiden Situationen vergleichst, wie fällt dein Fazit aus?

Letztes Jahr war der Dezember viel schöner. So schnell kann es gehen. Vor zwei Wochen dachte man noch nach dem Leipzig-Sieg: Wir haben ja schon 17 Punkte und noch drei vermeintlich leichte Spiele vor uns, das wird eine ruhige Winterpause! Jetzt haben wir nur einen Punkt mehr und wie es in Nürnberg ausgeht ist noch offen. Leipzig war übrigens mit 3:0 der höchste Freiburg-Sieg unter Streich aller Zeiten. Das glaubt man so erstmal gar nicht, aber Siege für den SC Freiburg sind eigentlich immer eine enge Kiste.

Wenn man auf die komplette Hinrunde zurückblickt, wirkt sie sehr wechselhaft. Wie hast du sie erlebt?

Wir nennen es „die traditionelle Freiburg-Säge“ – Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage. Wir spielen selten zwei stabile Spiele hintereinander. Hoch und runter gehört scheinbar zur DNA des Vereins. Jetzt fragt man sich allerdings nach dem Hannover-Remis, da man nach der Logik ja hätte verlieren und dann gegen Nürnberg gewinnen müssen: Remis? Geht es danach eigentlich mit „hoch“ oder „runter“ weiter?

Der SC Freiburg will den nächsten Schritt gehen. Was heißt das für den SCF auch vor dem Hintergrund der Marktwerte? Freiburg steht dort auf dem Relegationsplatz.

Der Freiburg-Fan träumt nachts vom sicheren Mittelfeld-Platz. Und das zeigt wie realistisch man im Breisgau ist. Mit dem neuen Stadion will man wieder zu Mainz und Augsburg aufschließen, das ist aktuell der nächste Schritt. Um eben damit in die Lage zu kommen, die Spieler wieder 1-2 Jahre länger halten zu können. Eine eingespielte Mannschaft länger zusammenhalten hat uns auch immer sportlich gut getan. Aber nun ist es eben wieder alles etwas enger und es zeigt sich, wie man das auch beim 1. FC Nürnberg erlebt, dass man als kleiner Verein eben bestimmte Verletzungen nicht so ohne weiteres wegsteckt. – Trotzdem: Bei uns wird es keine verrückten Sachen im Winter geben. Auf Schalke will ich das nicht ausschließen. Und das ist auch der Unterschied. Es Überlegungen, das Wort „unaufgeregt“ in das Wappen aufzunehmen. Daran wir sich ganz sicher nichts ändern und vielleicht hat das Bornemann (Anm.d.Red.: 2000-2002 Leiter der Freiburger Fußballschule) ja als Erbe zu euch aus Freiburg mitgebracht.

Lass uns noch kurz über das Spiel am Samstagnachmittag sprechen. Welche Spieler werden bei euch im Fokus stehen? Was erwartest du für eine Partie?

Mike Frantz, tatsächlich. Er nimmt das Spiel sehr ernst und er meinte sogar, er würde noch Leute kennen – wahrscheinlich auf der Geschäftsstelle, ok, vielleicht noch Petrak. Luca Waldschmidt und Petersen – aber da muss man nicht viel zu sagen. Die Frage ist für uns aber eine andere: Bekommt der SC den Kopf frei nach dieser englischen Woche. Sitzt im Kopf „Wenn wir jetzt gewinnen, dann…“ oder doch eher „Wenn wir jetzt verlieren, dann…“? Darauf könnte es wirklich ankommen, aber so viel Selbstbewusstsein sollten wir ja eigentlich haben.

Abschließend noch eine Personalie, die schon fast in Vergessenheit geraten ist. Was ist eigentlich mit Patrick Kammerbauer?

Ein ganz komischer Transfer zu einem ganz komischen Zeitpunkt. Neun von zehn Fans kennen ihn gar nicht. Es war sogar ein Running Gag vor einer Pressekonferenz nach Kammerbauer als Kaderoption zu fragen… Gespielt hat er nie. Dabei hatte man sich vereinsseitig ja wirklich um ihn bemüht, das war kein Spontan-Transfer nach zwei Telefonaten. Bei uns gab es aber schon immer mal Spieler, die regelmäßig im Kader waren, aber eigentlich nie spielten – Andreas Bornemann zum Beispiel (Anm.d.Red.: 1991-2000 als Profi-Spieler im Verein mit insgesamt 8 Einsätzen). Aber nochmal zu Kammerbauer: Wenn du nicht nach ihn gefragt hättest.. Ich hatte ihn auch glatt vergessen. Für den Spieler ist das sicher traurig, am Engagement liegt es ja nicht. Vielleicht mal was für die Sky-Doku.


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 30:34 | Moderator: Felix Amrhein


Das Interview führte Felix Amrhein mit Michael Schröder für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 20.12.2018. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

7 Gedanken zu „Gegnergespräch: Die Freiburger Säge und Bornemanns Erbe #FCNSCF

  • Die Crux als Clubfan ist es doch, sich, Vereinen wie Freiburg,Düsseldorf, Hannover(ohne Kind) oder anderen vermeintlich kleineren(vom Etat her) Vereinen, wesentlich näher zu fühlen als RB,Dortmund oder Bayern.
    Aber durch das direkte Konkurenzverhältnis und daraus resultierenden schmerzhaften Niederlagen und Niedergänge ein viel angespannteres Verhältnis zu haben.
    Mir sind solche Vereine wie Freiburg wesentlich sympathischer als Andere.
    Aber die 3 Punkte müss(t)en trotzdem her

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  • Laut NN könnte der verrückte Professor heute Palacios als Rechtsverteidiger vor einer Dreierkette aufstellen:

    Bredlow
    Mühl-Margreitter-Ewerton
    Palacios-Petrak-Kubo-Leibold
    Misidjan-Perreira
    Ishak

    Rotation plus Systemumstellung?
    Na ich erwarte eh nix vom heutigen Stadionbesuch. Die Biere mit den Kumpels sind sowieso Höhepunkt und Spaß genug.

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  • Die Aufstellung wäre für viele vorstellbar und durchaus passend. Alle drei späten Neuzugänge war auch selten bislang.

    Die Erfahrung zeigt:
    MK stellt nie so auf, wie es für viele vorstellbar und durchaus passend erscheint.

    Insofern wäre die Aufstellung eine kleine bis mittlere Überraschung.

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  • Spieltipp 0:2
    Früher Elfmeter für Fallburg in der 2. Spielminute, dann unser übliches Lüftchen aufs gegnerische Tor und in der 87. Minute Elfmeter für Fallburg wegen Notbremse. Beide haut Petersen rein.
    Der Fallburger Rumpelstilzchen Trainer protestiert nach 5 Spielsekunden schon beim 4. Offiziellen wegen eines Einwurfs.
    Warum der Typ als intelligent gilt, hat sich mir nie erschlossen. Auf der nach unten offenen Umsympathenliste belegt er einen der drei letzten Plätze.

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    • Dir ist das Unternbiberter offenbar nicht bekommen, weil es wird ein dreckiges 1-0!

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