Michael Köllner? Ja! Aber… | Teil 1

Trainerdiskussionen gehören zum Fußball, vor allem, wenn man Tabellenletzter ist. Im ersten Teil unserer Gegenüberstellung von Argumenten Für und Wider geht der Blick auf den eingeschlagenen Konsolidierungskurs, die Kaderzusammenstellung, bisherige Spielerentwicklung und die oft kritisierte Rotation. In weiteren Teilen werden Themen wie „Fehlende Erfahrung und Lerneffekt“, Dankbarkeit, Spielsystem, Harmlosigkeit und Naivität, Nachwuchsarbeit und NLZ und die weiteren Aussichten im Mittelpunkt stehen.

Läuft es im Fußball richtig schlecht, bemüht man schnell und gern die „Mechanismen der Branche“, um sein Handeln zu erklären, man beruft sich auf den steigenden „Druck der Medien und des Umfelds“ oder wenn alles nicht hilft, muss es eben der berühmte letzte Stein sein, der noch umgedreht werden musste, der Impuls, der zu setzen war, oder eben die letzte Patrone, damit das, was nicht passieren darf, nicht eintritt – der Abstieg. Wenn man das nicht tun will, wie im Fall Nürnberg mit seinem bedingungslosen Vertrauen in Köllner seitens Bornemann und Aufsichtsrat, besteht erhöhter Erklärungsbedarf.

Druck, Erwartung, Ziele – das alles lässt im Profi-Bereich die Messlatte für erfolgreiches Arbeiten gern auch höher liegen als eine realistische Einschätzung es einem eigentlich diktiert. Da muss der Torwart dann eben auch mal einen „Unhaltbaren halten“, die Stürmer müssen die wenigen Chancen eben effizienter nutzen, da muss auch mal eben einer „irgendwie über die Linie“ oder die „Überraschung“ glücken. Wie genau das auszusehen hat, wird in der Regel als Aufgabe des Trainer gesehen, während der Sportvorstand ihm dazu Spieler holen muss, die eben auch mal keiner am Zettel hat und trotzdem der Knaller sind, bezahlt vom Geld, das keiner hat, aber eben mal investiert werden muss.

Es hat ja niemand behauptet, dass Fussball einfach wäre. Clubfans United versucht das Stimmungsbild (siehe Umfrage), das sich sowohl hier wie auch auf Twitter ähnlich gespalten zeigt, mit Thesen abzubilden, und kommt nicht umhin dies genau so zu tun, wie es letztendlich wohl auch ist: Vielleicht irgendwo dazwischen oder vielleicht ist auch beides richtig. Und weil es im Fussball eben als erstes am Trainer anfängt, liegt der Fokus auf der Frage:

Michael Köllner – alles richtig gemacht?

 

Ja! Aber…
Konsolidierungskurs
Der FCN hat schon vor Jahren den Anschluss verpasst und fährt nun der Musik hinterher. Das ist auch mit einem Kraftakt und damit verbunden erneut hohen Risiken nicht zu kompensieren. Die Basis muss verändert und dort ein neuer Grundstein für die Nachwuchsarbeit gelegt werden. Wenn dies zum erneuten Abstieg führt, ist das einzukalkulieren. Sonst droht über kurz oder lang der finanzielle Totalschaden. Der schnellste Weg zur Konsolidierung ist der Klassenerhalt in diesem Jahr. Diesem Ziel nicht alles unterzuordnen, erscheint fahrlässig. Daher ist in dieser Saison kein Platz für Experimente, für Spielereien, für langfristige Entwicklungen über den Mai 2019 hinaus. Mit einem zweiten Jahr Bundesliga in Folge würde vieles einfacher, auch das Entwickeln von Plänen.
Kaderzusammenstellung
Ohne finanziellen Handlungsspielraum bleibt nur das am Markt, was übrig bleibt. Sprich: Spieler, die bei denen, die mehr Geld haben, Zweifel ob deren Verpflichtung auslösten. Und da quasi alle Vereine der Bundesliga mehr Geld haben (plus noch ein paar aus der 2. Liga), wird das Feld klein. Zweifel können bestehen ob der Verletzungsanfälligkeit, Integrationsfähigkeit oder Entwicklungspotenzial.

Wenn man also kein Geld hat trotzdem auch noch ein längerfristiges Ziel verfolgen soll, ist die Auswahl per se klein und immer ein Wagnis. Vor dem Hintergrund sind alle Neuzugänge kleine Wundertüten und die, die ’noch‘ da sind, auch weil sie bisher keiner abwerben wollte, über das Maß hinaus weiterzuentwickeln, was man bisher von ihnen gesehen hat.

Ein schwierige Aufgabe, die viele Rückschläge und Trial & Error inkludiert. Köllner stehen damit nicht die Spieler zur Verfügung, die er vielleicht gerne hätte, sondern die, die überhaupt zu bekommen bzw. zu halten waren.

Köllner ist lange genug im Verein und seine Position stark genug, so dass er bei der Transferpolitik ein gehöriges Wort mitsprechen kann. In Sachen Kaderzusammenstellung wirken die Aussagen Flip-Flop, die dann getroffenen Maßnahmen inkonsequent. Erst hieß es, der Kader sei stark genug, um in der Liga zu bestehen und Neuzugänge somit nicht nötig, dann wird wieder auf den großen Abstand zur Konkurrenz verwiesen. Wenn Neuzugänge, dann solche, die sofort helfen und auch keine Integrationsprobleme insbesondere bei der Sprache haben, gekommen sind drei Spieler, die keinerlei Bundesliga-Erfahrung haben und kaum des Deutschen mächtig sind. Selbst wenn alle neuen Spieler für sich genommen durchaus Sinn machen würden, ist unter dem Strich nicht erkennbar, ob man denn nun ernsthaft versucht die Klasse zu halten oder das Jahr nutzt, um Spieler mit Perspektive für den Verein zu entwickeln. So dürfte mindestens Kubo und Pereira nach der Saison wieder Geschichte sein, haben aber Perspektivspielern in der Zeit den Kaderplatz blockiert. Wenn die Spieler ein ernsthafter Versuch gewesen sein sollten, den Klassenerhalt zu sichern, wären andere Spielertypen naheliegender gewesen, insbesondere solche Typen wie Galasek oder Simons, die allein durch ihre Präsenz einer unerfahrenen Mannschaft Halt geben konnten.
Spielerentwicklung
Junge Spieler zu entwickeln, die zudem nicht zu den umworbenen Top-Talenten der Liga bis dato zählten, braucht Geduld. Ältere Spieler nochmal besser zu machen, ist eine Meisterleistung. Alles gleichzeitig zu tun ist eine Herkulesaufgabe – insbesondere dann, wenn Verletzungen und Formschwächen von Führungsspielern und Leistungsträgern dazukommen, an denen sich andere orientieren. Köllner musste quasi alle Spieler (mit wenigen Ausnahmen wie Mathenia, Petrak, Ishak und Bauer) überhaupt an die Bundesliga heranführen, manche gar aus der Regionalliga Bayern. Dies gelang in den ersten Spielen gut, einzelne haben sogar ad hoc den Sprung geschafft wie ein Mühl und ihre grundsätzliche Bundesliga-Tauglichkeit bewiesen, andere zumindest phasenweise, wie Leibold oder Rhein. Rückschläge u.a. verletzungsbedingt waren absehbar. Gerade bei einer derart starken bis übermächtigen Konkurrenz, die zudem gezielt Schwachstellen auch zu identifizieren und auszunutzen weiß. Köllner ist im Herzen Jugendtrainer und weiß daher besser als mancher alter Haudegen, wie man auf Strecke denken muss, um Spieler wirklich zu verbessern. Das kostet manchmal kurzfristigen Erfolg, wird sich langfristig aber auszahlen. Entwicklung ohne Raum für Entwicklung, und dazu gehören erlaubte Fehler, Festhalten trotz Schwäche etc., ist undenkbar (außer man hat genug Geld und kauft einfach nach, was nicht gleich funktioniert…). Die Bundesliga ist nicht die Regionalliga Bayern oder gar die U17-Bundesliga. Wer keinen kurzfristigen Erfolg hat, ist langfristig nicht mehr da. Das mag hart klingen, doch die Realität im Profifußball ist nun einmal so. Daher sind Entwicklungsexperimente a la Fuchs oder Rhein gerade in der aktuellen tabellarischen Situation fehl am Platze. Darüber hinaus ist in Sachen Spielerentwicklung festzumachen, dass sich von den Spielern des Kaders sich im vergangenen halben Jahr nur wenige Spieler sichtbar weiterentwickelt haben. Der angesprochene Mühl ist einer davon, doch Spieler wie Behrens oder Leibold spielen deutlich schwächer als in den letzten Jahren, haben eigentlich einen Rückschritt gemacht oder sich zumindest nicht an das Niveau der Bundesliga angepasst. Dazu war Köllner nicht in der Lage die drei späten Neuzugänge, die rein fußballerisch definitiv auf Bundesliganiveau sind, einzubauen. Die Mannschaft über das Individuum zu stellen ist ein durchaus erstrebenswert. Im Bezug auf die Punkteausbeute muss man zum Teil aber die Fähigkeiten des Einzelnen (im Falle von Kubo und Pereira ist das die Vorwärtsbewegung) herausstellen und so einbauen, dass ihre Schwächen (im Falle von Kubo und Pereira die Defensivabsicherung) weniger ins Gewicht fallen. Gelingt das nicht, ist das dem Trainer durchaus anzulasten.
Rotation
Die Sehnsucht nach den 11 Freunden am Platz, die sich blind verstehen und eine eingeschworene Gemeinschaft bilden, ist so alt wie der Fußball selbst. Sie ist aber weder zeitgemäß, was allein den Kadergrößen und den Belastungen geschuldet ist, noch Realität. Mannschaften, die über Jahre das gleiche Gesicht haben, gibt es quasi nicht mehr – von Bundesliga bis Kreisklasse. Stammplatzgarantien nur ob der Kontinuität willen zu vergeben ist daher nicht nur anachronistisch, es führt auch nicht weiter. Gerade wenn der Kader selbst zumindest auf dem Papier sogar in Bestbesetzung jedem Gegner unterlegen ist, ist die Hoffnung darauf, dass Eingespieltheit dies schon kompensieren wird, mindestens genau so viel oder wenig Erfolg versprechend wie eine Rotation. Köllners Rotation ist zudem kein Selbstzweck sondern kombiniert zwei Ansätze: Belohnung von (Trainings-)Leistung und Anpassungsfähigkeit an die Aufgabe. Leistung unter der Woche zu belohnen ist der Hebel für individuelle Entwicklung, da Fleiß und Lernbereitschaft gefördert wird. Anpassung an den Gegner verspricht zumindest die Aussicht auf die Chance, den Gegner überraschen zu können oder dessen Schwachstellen ausnutzen zu können. Hat der Gegner hierauf wiederum eine gute Antwort … Sicherlich rotiert Köllner nicht um des Rotierens willen. Dennoch ist es bezeichnend, dass der FCN seit März keine zwei Spiele in Folge mit derselben Startformation bestritten hat. Ein (anonymer) Spieler wird in der BILD zitiert: „Wir richten uns zu sehr nach unseren jeweiligen Gegnern.“ Genau dieser Vorwurf, gepaart mit der Analyse, dass sich offensiv keine Routinen eingespielt haben, zeigt, dass die Rotation nicht zielführend, ja sogar schädlich ist. Zur Rotation auf dem Platz kommt aber noch die Rotation im Kader hinzu, Spieler rotieren von der Tribüne in die Startelf von der Startelf auf die Tribüne und legen Zwischenstopps auf der Bank ein. Edgar Salli ist monatelang komplett außen vor, um dann plötzlich in München eingewechselt zu werden.  Dass dies nicht nur auf Zuschauer, sondern auch auf Spieler wie Inkonsequenz wirkt, ist nachvollziehbar. Natürlich kann sich Köllner auf die Trainingsleistungen berufen, doch auch hierin steckt (ein Stück weit) die Argumentation eines Jugendtrainers. Ausgereifte Profis trainieren nicht immer im Vollgas und können trotzdem im Spiel alles geben. Dies muss (im Gegensatz zum Jugendfußball) nicht immer sanktioniert werden.

Hinweis: Der Artikel ist eine Gemeinschaftsproduktion von Alexander Endl und Florian Zenger und bildet auch in der Dialektik nicht die Meinung eines einzelnen ab.

Hier in Teil 2 geht es um „Fehlende Erfahrung und Lerneffekt“, Dankbarkeit, Spielsystem, Harmlosigkeit und Naivität, Nachwuchsarbeit und NLZ und die weiteren Aussichten.


23 Gedanken zu „Michael Köllner? Ja! Aber… | Teil 1

  • Es geht doch nicht um 11 Freunde 🙂 .. sondern es geht um Automatismen, um blindes Verstehen – no Look – dafür muss man nicht mal den Kopf heben und der Paß kommt in den richtigen Raum. Jeder der schon mal einen Mannschaftssport ausgeübt hat kennt es, wenn man blind weiß, wie seine Nebenspieler laufen, sich verhalten und das ist bei der Handlungsschnelligkeit der 1. Liga einfach ein großes Plus und vermeidet das ein oder andere Missverständnis auf Platz. Was bei uns ja schnell zu Gegentoren führen kann.

    Ganz kann man Rotationen natürlich nicht vermeiden (Verletzungen, taktisch gewissen Anpassungen). Aber Köllner scheint mir hat das Maß dafür noch nicht gefunden, zumal wir keine 22 Spieler auf dem selben Leistungsniveau haben, wie Spitzenmannschaften.
    Auch Kovac hatte dann wieder Erfolg als er, ermahnt von den Granden in seinem Verein, sich auf eine Kernformation festlegte nach anfangs auch wildem rotieren.
    Ich habe bei Köllner das Gefühl er vernachlässigt Basics im Überlebenskampf 1. Liga und will einfach zuviel Fußballl taktisch und technisch obwohl er die Spieler auf dem Leistungsniveau dafür nicht hat.

    Mit den Basics meine ich zum Beispiel.
    Warum ist der FCN (schon in der 2. Liga weit hinten) eigentlich die Mannschaft mit dem geringsten Pressingdruck auf den Gegner (glaube Florian hat darüber Zahlen gennant) ..das sind doch Dinge, die ich auch einem limitieren Kader abverlangen kann und dann kommen Mannschaften wie Leipzig oder Dortmund vielleicht nicht ganz so auf Hochtouren wie gegen uns passiert.

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    • Ich würde um eine Erklärung bitten, was du dir von einem höherem Pressing erwarten würdest. Kann ja im Umkehrschluss nur bedeuten, dass entweder die Lücke zwischen Viererkette und denen die vorne pressen extrem groß ist, oder, dass die Abwehr ebenfalls extrem hoch stehen muss um diese Lücke möglichst klein zu gestalten.

      Je nachdem, welche Variante du wählst, hat der Gegner entweder das Mittelfeld komplett für sich oder spielt lange Pässe und schickt die eigenen Offensivkräfte ins Laufduell – was bei unserer Besetzung in der Abwehr reinstes Gift wäre.

      Pressing ist schön und gut, aber du brauchst vorne Leute, die das auch in Ballgewinnen umwandeln können und eine Defensive, die damit umgehen kann, wenn genau diese Ballgewinne nicht gelingen.

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      • Es geht nicht um die Höhe des Pressings sondern um Pressingdruck, daß man es intensiv egal auf welcher Höhe damit beginnt. Wir haben den niedrigsten Wert der Liga. (Koeffizient Passzahl des Gegners bis eine Defensivaktion folgt) Florian hat eine Zahl erwähnt gegen Bayern hatten wir da sogar eine sagenhafte 83 ein unwirklicher, Wert der eigentlich nie vorkommt. Vielleicht ist Bayern kein gutes Beispiel, wo es karer wird, aber da haben wir zb. noch nichtmal versucht den Gegner an irgendetwas zu hindern. Zieht sich aber auch durch die anderen Spiele und das sind solche Basic die man nicht mit der ewigen Budget Leier erklären kann sondern mit den Vorgaben des Trainers.

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        • Wie gesagt, eine Philosophie-Frage. Wenn ich hinten gut stehe, kann der Gegner gerne Handball um den 16er spielen. Blöder ist, wenn einer zu früh drauf geht, die Formation auflöst und dem Gegner Tür und Tor öffnet.

          Schau dir an, wie unsere Gegentore fallen. Das sind nicht die großartig herausgespielten Tore, sondern die Aktionen, wo uns der Gegner mit 2-3 guten Pässen völlig aufmacht.

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          • Schau dir an, wie unsere Gegentore fallen. Das sind nicht die großartig herausgespielten Tore, sondern die Aktionen, wo uns der Gegner mit 2-3 guten Pässen völlig aufmacht.

            darum gehts ja, warum können die das so ungestört

            Wir haben die meisten Gegentore der Liga. Mich würde mal interessieren, ob wir überhaupt schon mal so viele hatten nach eine Vorrunde. Da muß in meinen Augen auch ein Systemfehler sein, denn ganz so schlecht wie die Zahlen, sehe ich unseren Kader nicht.

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            • Scheint tatsächlich so zu sein, dass das unsere Erstliga-Hinrunde mit den meisten Gegentoren ist. Trotzdem ist das nach zwei derben Klatschen mit alleine schon 0:13 Toren halt nicht so wahnsinnig ungewöhnlich, finde ich. Abgesehen von diesen zwei Spielen sind es ja immerhin ’nur‘ 25 Gegentore in 15 Spielen.. 30-35 Gegentore nach 17 Spielen kommen in der Liga sehr oft vor. Auch 38 oder mehr gab es in den letzten zehn Jahren immer wieder mal: Hoffenheim, Bremen, HSV, Hertha und Gladbach. Letztere einmal sogar 47.

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            • Nur nach Gegentoren betrachtet waren ausser den beiden Klatschen und dem Spiel gegen Schalke die übrigen Spiele im üblichen Rahmen eines Abstiegskandidaten.
              Deshalb sehe ich die Defensive etwas anders, als es oft dargestellt wird. Das Problem ist viel mehr, dass der Ball in der Offensive zu schnell verloren wird, keine Tore geschossen werden und damit keine Entlastung zu Stande kommt.
              Was man der Abwehr vorwerfen kann, dass der Spielaufbau von hintenheraus nicht gut funktioniert, es landen zu viele Bälle gleich wieder beim Gegner.
              Mal sehen was da nach der Winterpause gezeigt wird.

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              • Nur nach Gegentoren betrachtet waren ausser den beiden Klatschen und dem Spiel gegen Schalke die übrigen Spiele im üblichen Rahmen eines Abstiegskandidaten.

                Die erwähnten Spielen haben ja stattgefunden, die kann man nicht rausdividieren oder unterschlagen. Dazu kommt für mich, gerade in der letzten „3 Spiele“ Woche, die Tore fallen einfach zu leicht. Daß wir dann vorne ebenso keine schießen ist dann noch ein anderes Problem. (die letzten 5 oder 4 Spiele ohne eigenes Tor) Ich finde unser Kader könnte schon ein bisschen mehr, wenn sich dann Köllner auch noch eifrig hinstellt nach! der Vorrunde und jedesmal verlautbart er sieht bei sich keine Fehler, dann paßt da einfach was nicht.

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                • Das hat mit unterschlagen nichts zu tun, sondern mit statistischer Aufbereitung. Eine Mannschaft mit 34 Gegentoren kann in jedem Spiel zwei Gegentore bekommen haben, kann aber auch 16 mal zu Null gespielt und ein Spiel 0:34 verloren haben. Extremwerte rauszunehmen erhöht im Normalfall die Aussagekraft.

                  Aufschlüsselung unserer Spiele:
                  Zu Null: 2
                  Ein Gegentor: 6
                  Zwei: 4
                  Drei: 2
                  Vier: –
                  Fünf: 1
                  Sechs: 1
                  Sieben: 1

                  Ohne die drei Ausreißer bekommen wir im Schnitt 1,43 Gegentore – das wäre im Bundesligavergleich im oberen Mittelfeld. Selbst wenn wir jedes unserer Ausreißer-Spiele nur 0:3 verloren hätten, würde man uns immer noch als Bundesliga-Durchschnitt ansehen.

                  Es sagt dir aber noch mehr, und zwar, dass wir in 12 von 17 Saisonspielen realistische Chancen auf Punkte hatten.

                  Wenn man sich beispielsweise die Verteilung der Gegentore bei Stuttgart und Hannover anschaut, sieht man, dass die wesentlich öfter deutlich unterlegen waren, aber halt nie mehr als vier Gegentore bekommen haben.

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                • Das interessiert nur die Tabelle nicht ob da nur drei Ausreisser im Torverhältnis mit dabei sind, am Ende wird es sehr eng werden im Abstiegskampf und da kann das Torverhältnis 1 Punkt wert sein. Leverkusen hat letztes Jahr zb. wegen 1 Tor schlechter den CL Platz versäumt. Und so kann es im Abstiegskampf genauso gehen.

                  Davon abgesehen für eine ehrliche Analyse muss man natürlich die vielen Gegentore gegen Leipzig, Dortmund, Schalke mit berücksichtigen. Das waren die Ergebnisse eines Drittligisten. was da schief läuft bei uns was die Abstiegs Mitbewerber Düsseldorf, Freiburg, Augsburg viel besser machen gegen die sogenannten „Großen“

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                • Das waren die Ergebnisse eines Drittligisten. was da schief läuft bei uns was die Abstiegs Mitbewerber Düsseldorf, Freiburg, Augsburg viel besser machen gegen die sogenannten „Großen“

                  Die Spielidee von Düsseldorf ist vor allem gegen die „großen“ Mannschaften deutlich defensiver, die stellen sich erst mal mit 10 Mann hinten rein und versuchen mit 2-3 Kontern über das Spiel einen Glückstreffer zu setzen, insbesondere gegen die Bayern ist ihnen das gut gelungen.

                  Augsburg will nur das Spiel des Gegners kaputt machen, dafür gehen sie körperlich immer an die Grenze zum Foul, oft auch darüber hinaus, allein durch die Spielunterbrechungen kann man da schon den Rythmus einer höherklassigen Mannschaft stören.

                  Bei Freiburg ist es nicht viel anders als bei Augsburg, wobei ich da insgesamt ein besseres Mannschaftsspiel sehe.

                  Alle drei Spielstile erlauben aus meiner Sicht keine echte Entwicklung der Mannschaft, sind aber für den Underdog tendenziell die „einfachste“ Möglichkeit mitzuhalten.

                  Bei uns sehe ich bei allen Unzulänglichkeiten die Idee „auch“ spielerisch Paroli zu bieten. Das kann man dann wagemutig nennen, oder meinetwegen auch tollkühn und gegen Dortmund, Leipzig und Schalke ist das auch richtig in die Hose gegangen. Gegen Bayern hat aus meiner Sicht gar nichts geklappt, das Spiel ist für mich kein Maßstab.

                  Aber gegen die anderen Gegner hatten wir unsere Chancen, wenn Bredlow und/oder Mathenia eine mittelprächtige Runde gespielt hätten und Ishak im ersten Spiel in Berlin den Elfer reinbringt, dann hätten wir sicher 5-6 Punkte mehr gehabt und wären über dem Soll.

                  Klar hätte wenn und aber helfen nichts, nach der Hinrunde sind wir jetzt zu Recht letzter.

                  Für mich sind die Hauptgründe dafür die mangelnde Chancenverwertung, gerade als Underdog darfst Du 100%ige nicht so liegenlassen wie wir und die Torwartposition. Bei der Chancenverwertung kann ich mir vorstellen, dass die Mannschaft ohne Neuzugang besser werden kann, die drei Neuzugänge aus dem Sommer haben noch Luft nach oben, ebenso Ishak und auch Palacios sehe ich auf einem guten Weg.

                  Aber bei der Torwartposition würde ich handeln, wenn es eine Option gibt.

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  • Sehr guter Artikel, der treffend meine innere Zerrissenheit hinsichtlich des Kurses des FCN beschreibt! Was ist richtig, was falsch, gibt es in der finanziellen Situation des Clubs überhaupt den einen, goldenen Weg?

    Gut, dass nicht ich als hoch emotionaler Fan die Planungen machen darf/muss…

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  • Genau meine Meinung. Sehr guter Artikel der genau dass anspricht was falsch läuft.

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  • An xandl !
    Wir sind hier nicht beim Skispringen oder beim Eiskunstlauf, wo Noten vergeben werden und dann die beste und schlechteste Note aus der Wertung genommen werden.
    Die einzig maßgebliche und auch nicht zu beschönigende Statistik ist die Tabelle und da kannst Du den Wert der Gegentore ablesen.
    Aber vielleicht gibt es ja seit dieser Saison eine neue Regelung mit Streichergebnissen ?
    Könnte man dann nicht umgekehrt sagen, daß unsere Siege Extremwerte sind ?
    Auch streichen, denn sie verfälschen die Statistik
    Habt Spaß mit xandl‘s Statistiktabelle, wahrscheinlich ist der Club nach dem nächsten 0:8 Deutscher Meister

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    • Die Siege sind in der Tat Extremwerte, weil es dabei um unsere beiden zu-Null-Spiele handelt. Dennoch sind wir damit doch wesentlich näher am statistischen Mittel dran als mit sieben Gegentoren.

      Wichtig ist es doch in erster Linie, dass man Spiele so gestalten kann, dass Punkte drinnen sind. Für ein-zwei Tore waren wir, abgesehen von der Schlussphase der Saison, immer gut, damit kann man sich ausrechnen wie viele Tore wir bekommen dürfen.

      Wenn du Streichergebnisse willst, musst du Freiburg-Fan werden.

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    • 20 Gegentore in 14 von 17 Spielen darf man als Aufsteiger durchaus als Indiz dafür nehmen, dass in der Defensivarbeit nicht alles grundsätzlich Mist ist. Ich bezweifle zudem, dass in diesen 14 Spielen mit einer hier vielfach gewünschten Betonanrühr-Bällerausschlag-aggressiv-(Gegen)Press-und-auf-Basics-und-Stammelf-konzentrier-Taktik weniger Gegentore und vor allem mehr Punkte entstanden wären.

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      • Man kann ja weiterhin taktisch flexibel bleiben je nach Situation, man kann gerne Kombinationsfußball spielen gegen Gegner auf Augenhöhe wo wir es können, aber auch Beton anrühren gegen Gegner, bei denen wir es Nicht! können und spielerisch überfordert sind. Daß wir in Dortmund versuchen „mitzuspielen“ statt uns auf Überlebensmechnismen zu besinnen, darüber hat ganz Fußballdeutschland geschmunzelt wenn nicht gelacht. Diese Fail-Tactics haben wir 90 Min durchgezogen und hätten uns damit sogar noch mehr Tore fangen können als dieses 0:7.

        Wir sind eben nicht mehr in der 2. Liga, wo unser Kader auch qualitativ mit zum oberen Drittel zählt. Aber Köllner will stur immer seine Vorstellung des spielerisch Ansatzes, seine Vorstellungen von Fußball so schön sie in der Theorie sind weiterentwickeln. Wir haben aber bei weitem nicht das Personal, um der oben Tabellenhälfte „spielerisch“ Paroli zu bieten. Gleichzeitig haben wir den geringsten Pressingdruck der Liga, das paßt für einen Aufsteiger alles so nicht zusammen. Mir kommt Köllner da einfach etwas zu stur und zu theoretisch vor. Das gibt der Mannschaft keine Sicherheit.

        Wenn Köllner dann nach der Vorrunde als Tabellenletzter mit einem unäglichen Torverhältnis sich hinstellt und jedesmal wiederholt bei sich sieht er keine Fehler, dann finde ich schrillen die Alarmglocken aber heftig.

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  • Toller Artikel, mit vielen richtigen Argumenten. Ich finde es grundsätzlich richtig, dass man die Extremspiele BvB und Leipzig zwar nicht komplett bei Seite wischt, jedoch dennoch als Ausreißer versteht. Für meine Bewertung der Hinrunde hat jedoch gerade das Leipzig-Spiel eine neuralgische Bedeutung. Für mich hatte es noch einmal eine andere Qualität als das Debakel in Dortmund. Während das Spiel in Dortmund in der Tat auch von unglücklichen Begleitumständen, wie abgefälschten Bällen, Bredlows Fehlern und auch Toren in den letzten 10 Minuten geprägt war und so auch „nur“ 0:4 – also „normal“ – hätte ausfallen können, war das Spiel in Leipzig ein Desaster, das letztendlich eigentlich zweistellig hätte ausgehen müssen (nach 60 Minuten mit 10 Mann hat Werner beim Stand von 0:6 sogar einen Elfer verschossen). Dieser Umstand und die Tatsache, dass Köllner in 90 Minuten nicht reagiert hat und im Gegenteil die Mannschaft komplett verheizt hat, hat m.E, zu einem erkennbaren Bruch des Teams geführt. Körpersprache und Zutrauen waren in den weiteren Spielen danach erkennbar geringer und hat kontinuierlich bis zum Hinrundenende weiter nachgelassen. Wir hatten danach nur noch eine über 90 Minuten starke Leistung beim 1:1 gegen Frankfurt. Die Mannschaft glaubt nicht mehr an sich und insbes. nicht mehr an den Trainer. Das zeigt sich m.E. auf dem Platz und auch in Interviews. So interpretiere ich die jüngste Behrens-Aussage „alle, auch Trainer, müssen sich hinterfragen“ in der BILD definitiv nicht als „Teamwork“, sondern als Hilferuf und letzte Möglichkeit über den Druck von Presse und Öffentlichkeit den überfälligen Trainerwechsel zu initiieren. Über Grethlein/Bornemann, die gewohnt, den Kopf in den Sand stecken, ist das längst nicht mehr möglich. Insofern könnte Köllner m.E, jetzt auch taktisch umstellen wie er will: zum einen erwarte ich von Bornemann trotz immerhin 3 Mio. Transferbudget im Gegensatz zum Wettbewerb keine Verstärkungen, zum anderen vertrauen die Spieler dem Trainer nicht mehr. Unabhängig davon: wer nach 17 Spielen gerade mal 11 Punkte erzielt hat, hat am Ende kaum etwas richtig gemacht. Ob das jetzt zu viele Gegentore, zu wenig eigene Tore, wenig Effektivität bei Standarards o.Ä. ist. Wenn ich als Verein für die Rückrunde also nicht klar in kurzfristige Verstärkungen investiere, oder einen neuen Trainer hole, steige ich einfach sang- und klanglos ab. Und wenn ich die mannschaftliche Entwicklung bzw. Geschlossenheit als Schlüssel für den Klassenerhalt ausrufe (hatten wir ja auch schon wie alle Aufsteiger erfolglos in der Hinrunde ausgerufen), gleichzeitig es intern zwischen Mansch oft und Trainer nicht stimmt, das jedoch ignoriere und wegrede, dann kann es einfach nicht funktionieren. Das ist einfach nur verantwortungslos. Es spricht Bände, wenn die Verantwortlichen die nächste Nebelbombe werfen, wenn sie bei den Rückkehrern Löwen und Behrens von gefühlten „Neuzugängen“ sprechen, obwohl Behrens 14 von 17 Spielen in der Vorrunde absolviert hat und Löwen zu Gunsten von Fuchs in vielen Spielern von Köllner überhaupt nicht als Stammspieler berücksichtig wurde. Die Liste der Kritikpunkte ist noch viel länger, alleine bleibt zumindest für mich festzuhalten, dass das Duo Bornemann/Köllner uns sicher in die 2.Liga zurückführen wird. Das wäre an sich weder Überraschung, noch zwingend Kollateralschaden. Ich befürchte jedoch, dass die fehlenden Zeichen der Verantwortlichen, wie eine Trainerdemission i.V.m. einem Team, das nicht an sich glaubt, oder glaubwürdige Transferverstärkungen, so viel Porzellan zerdeppert, dass uns Stützen im Gefüge, wie Leibold, Ishak (warum wurde sein Vertrag, der nur noch 1,5 Jahre geht, nicht längst verlängert?), Misidjan, verlassen und wir mit einem schwachen und zusätzlich geschwächten Führungsduo in Liga 2 wieder bei Null anfangen. Die Konsequenzen werden ein deutlicher Rückgang des Zuschauerinteresses und damit weitere finanzielle Engpässe sein, bis man irgendwann mit einem neuen Aufsichtsrat viel zu spät reagiert. Ich hoffe sehr, dass ich nicht gewaltig irre.

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    • Ergänzend zum Behrens-Zitat noch Mathenia (Quelle: Bild): „Man sieht daran, wie schnelllebig das Fußball-Geschäft ist. Letztes Jahr war Michael Köllner der gefeierte Aufstiegsheld und kurze Zeit später interessiert das im Fußball niemanden mehr, weil man nur an den Ergebnissen gemessen wird. Von uns hat er jegliche Rückendeckung, weil wir sehen, wie er tagtäglich arbeitet und sich akribisch vorbereitet.“

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    • Hübsche Freud’sche Fehlleistung im Schlussatz. Aber menschlich verständlich, schließlich hofft jeder primär, NICHT gewaltig zu irren. 🙂

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      • Da hast Du recht: ich sollte das ein oder andere durchaus zweimal Korrektur lesen und um Typus/Autokorrekturfehler bereinigen…

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  • „Wenn die Spieler ein ernsthafter Versuch gewesen sein sollten, den Klassenerhalt zu sichern, wären andere Spielertypen naheliegender gewesen, insbesondere solche Typen wie Galasek oder Simons, die allein durch ihre Präsenz einer unerfahrenen Mannschaft Halt geben konnten.“
    Darum holen sie jetzt Ilicevic! Die haben bei Euch gelesen, Respekt! 🙂

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