Gegnergespräch: Erfolgsfaktoren? Ruhe bewahrt, keine Trainerdiskussion, Mannschaft entwickelt – und Fortuna #F95FCN

Vor dem Auswärtsspiel des 1. FC Nürnberg bei Fortuna Düsseldorf – das sagen die Fortuna-Fans.

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Hendrik Schaefer unterhalten. Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels.

Das Interview

Wie verlief die bisherige Saison? Entspricht sie deinen Erwartungen nach dem Aufstieg? Es lief ja nicht immer rund bei Fortuna Düsseldorf.

„Wir sind Fortuna, wir können alles. Daher hat der Saisonverlauf nicht wirklich überrascht. Dass der Anfang schwer wurde, war zu erwarten, denn viele Spieler kamen und gingen, die Mannschaft musste sich erst finden. Es folgten gute Spiele, wie der Sieg gegen Hoffenheim oder das Auswärtsspiel in Leipzig, dann ein Knick mit sechs Niederlagen in Folge. Aber auch das war keine große Überraschung. Auch in der Zeit war erkennbar, dass die Mannschaft nicht generell überfordert wirkte und immer gut im Spiel war. Daher war dann die Erleichterung groß, dass der Knoten am Ende der Hinrunde mit dieser Siegesserie platzte. Mit deren Ausmaß hatte man dann aber nicht gerechnet. Allem voran das 2:1 zu Hause gegen Dortmund. Daher: Ja, die Saison verläuft mehr als zufrieden stellend. Vor allem auch der Start in die Rückrunde, nach dieser Posse im Winter um Friedhelm Funkel. Umso wichtiger dann die Siege gegen Augsburg und Stuttgart.“

Gab es im Zuge dieser Niederlagenserie das Gefühl, dass es vielleicht doch nicht für die Bundesliga langt?

„Gerade wenn man an das Spiel in Frankfurt denkt (Anm.: 7:1), kamen schon Zweifel. Gefolgt vom katastrophal schlechten Heimspiel gegen Wolfsburg. Aber es war ja durchaus die Erwartungshaltung, dass es bis zum Ende Abstiegskampf sein wird, und die Saison ist ja noch lang. Das 4:1 gegen Hertha dann ein Befreiungsschlag. Ja, es kamen zwischenzeitlich Zweifel auf, aber es war sehr beruhigend, dass man nicht anfing Friedhelm Funkel in Frage zu stellen. Natürlich gab es einige, die fragten ob er noch der richtige wäre nach sechs Niederlagen in Folge, aber insgesamt ist es im Umfeld ruhig geblieben und das war ein wichtiger Faktor, dass man es schaffte aus diesem Tal wieder herauszukommen.“

Wie erklärst du es dir, dass die Mannschaft zum Ende der Hinrunde so ins Rollen kam und diese Siegesserie nach der Winterpause gegen Augsburg auch noch veredeln konnte?

„Es sind Kleinigkeiten. Z.B. die Personalie Kevin Stöger, der als Neuzugang in der Phase aufblühte. Da hatte die Mannschaft sich gefunden. Dann hatte man auch das Glück ein Spiel wie in Freiburg zu gewinnen – psychologisch sehr wichtig. Gegen Dortmund kam dann der Glaube zurück, auch gegen die Großen mithalten zu können, auch wenn die folgenden Siege gegen Augsburg und Hannover doch sehr glücklich waren. – Am Ende hat sich bezahlt gemacht, dass kontinuierlich weiter gearbeitet und die Ruhe bewahrt wurde im Verein. Man verdiente es sich, weil man im Verein die Ruhe bewahrt hat, es keine Trainerdiskussion gab und so die Mannschaft kontinuierlich weiter entwickelt wurde.“

Friedhelm Funkel sprach davon, dass die Mannschaft im Laufe der Saison viel gelernt hat. Kannst du das auf dem Platz beobachten? Ist es vielleicht auch etwas das in den Köpfen der Spieler stattgefunden hat?

„Gegen Leverkusen hatten wir gefühlt 9:0 Torschüsse am Anfang und verlieren das Spiel. Dazu im Vergleich die Spiele gegen Dortmund, Hannover oder Freiburg, in denen wir stabil blieben und dann das Spiel an uns reißen konnten. Also eine Mischung aus Lernen seine Chancen zu nutzen und eine Portion Glück.“

Düsseldorf hat bisher eine gute Bilanz gegen die direkte Konkurrenz und sich damit bereits gut abgesetzt. Wirkt die Situation vielleicht schon zu sicher? Fürchtest du, dass der ein oder andere es nun womöglich zu leicht nimmt und die Fortuna am Ende doch wieder unten reinrutscht?

„Ich zitiere mich selbst: Wir sind Fortuna, wir können alles. Wir erinnern an die letzte Aufstiegssaison, da hatten wir zum vergleichbaren Zeitpunkt nur 1, 2 Punkte weniger und sind am Ende mit 30 Punkten abgestiegen. Das ist noch sehr präsent. Es sind noch sehr viele Spiele zu spielen und es kann noch so viel passieren. Die magischen 40 Punkte braucht es dieses Jahr vielleicht nicht, aber die Heimspiele gegen Stuttgart vor zwei Wochen und jetzt gegen Nürnberg sind die Spiele, die man unbedingt gewinnen muss. Aber selbst dann: Durch ist man noch nicht.“

Düsseldorf begrüßt mit Kevin Stöger und Kaan Ayhan zwei wichtige Rückkehrer gegen Nürnberg. Gleichzeitig kommt das Spiel für Adam Bodzek und Marcel Sobottka zu früh, Jean Zimmer hat sich im letzten Spiel gegen Leverkusen einen Außenbandriss zugezogen. Wiegen die Rückkehrer die anderen drei auf? Wie bewertest du die personelle Situation?

„Die Ausfälle waren zuletzt wichtige Spieler, aber der Kader ist breit und müsste das auffangen können. Mit Stöger kommt aber ein Denker und Lenker zurück, der doch sehr gefehlt hat.“

Benito Raman und Dodi Lukebakio sind die Toptorschützen im F95-Trikot. Spiegeln die Zahlen ihren Wert wieder? Oder sind sie für das Spiel der Fortuna gar nicht so essentiell?

„Auch wenn Raman oft von der Bank kam, sind es tatsächlich die entscheidenden Spieler in der Offensive. Lukebakio ist aber noch ein sehr junger Spieler und taucht auch mal eine Weile ab. Und dann darf man eben Stöger nicht vergessen.“

Der kicker schrieb über Kenan Karaman, dass er seine Chance nicht genutzt hätte. Erwartest du ihn gegen Nürnberg trotzdem in der Startelf?

„Dass er zuletzt gegen Stuttgart am Platz stand hat durchaus überrascht, da hätte man Duksch oder Hennings erwartet, er hat seine Sache aber gut gemacht und ein Tor geschossen. Gegen Leverkusen war es dann wieder nicht so gut. Gegen Nürnberg ist er aber eine Option. Funkel ist ja bekannt dafür, dass er immer wieder mit seinen Ideen bzgl. Aufstellung alle überrascht.“

Zum Abschluss natürlich die Frage: Was erwartet den 1. FC Nürnberg am Samstagabend?

„Wir werden alles daran setzen, das Spiel zu gewinnen. Für die allermeisten ist das das wichtigste Heimspiel der Rückrunde. Es wäre wichtig ein schnelles Tor zu schießen, um die Hoffnungen der Spieler des 1. FC Nürnberg, die nach dem 0:0 gegen Dortmund wieder etwas breitere Brust haben, früh im Keim zu ersticken.“


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 22:53 | Moderator: Felix Amrhein


Foto: Hendrik Schuur / Fan-Plakat aufgenommen im Rheinstadion zu Düsseldorf Ende 1996 – Alle Rechte vorbehalten.

Das Interview führte Felix Amrhein mit Hendrik Schaefer für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 21.02.2019. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

12 Gedanken zu „Gegnergespräch: Erfolgsfaktoren? Ruhe bewahrt, keine Trainerdiskussion, Mannschaft entwickelt – und Fortuna #F95FCN

  • Wenn ich mir die Pressekonferenzen so ansehe, bedauere ich den Trainerwechsel. Wenn der Boris aber morgen gewinnt, verzeihe ich ihm.

    2

    6
    Antwort
    • Was genau findest Du daran so viel schlechter?
      Ich empfand die PK sehr gut, kompetent und auf den Punkt, ohne all die Ähhhs und Ausschweifungen.
      BS kommt recht sympatisch rüber.

      4

      0
      Antwort
      • Das stimmt schon. Ich finde auch, dass er recht sympathisch und fokussiert rüberkommt. Mir persönlich ist er nur etwas zu glatt. Ich mochte den Michael vom Typ her lieber, weil er kantiger und unkonventioneller war. Seine PKs haben mich mehr amüsiert. 😀
        Das ist aber nur eine ganz subjektive Einschätzung und soll natürlich keine Kritik an Schommers sein.

        3

        1
        Antwort
        • stimmt, der „Unterhaltungswert“ ist geringer, anfänglich hatten MKs PKs den für mich auch, aber der ist mir schon etwas länger abhanden gekommenen.

          2

          0
          Antwort
  • Ich finde die PKs mit Schommers deutlich angenehmer und mehr auf den Punkt ohne die ewig langen Monologe und Erklärungen, wie die Fußballwelt funktioniert. Auch bemerkenswert, wie er trotz der schwierigen Lage so eine fokussierte Lockerheit ausstrahlt. Ich denke im Moment genau das richtige..

    4

    3
    Antwort
  • Mir ist egal wie Schommers bei PK’S rüberkommt. Das Spiel gegen Düsseldorf zählt. Das wird die erste Nagelprobe für ihn. Bin auch gespannt wann sich endlich was in Richtung Sportvorstand tut beim Club.

    3

    0
    Antwort
    • Angeblich ist Johannes Spors, derzeit Chefanalytiker und Chefscout beim HSV (vorher tätig bei RB, Hoffenheim und Född), die heißeste Spur. Durch die Verpflichtung von Michael Mutzel als HSV-Sportvorstand (ab April) könnte es sein, dass für ihn dann dort kein Platz mehr ist. Das muss sich aber wohl erst noch herausstellen, könnte aber erklären, warum man bisher nichts Weiteres seitens des FCN hört. Falls man ihn denn tatsächlich am liebsten haben wollen würde.

      0

      0
      Antwort
        • Dem Zentralorgan für exklusive Gerüchte und heiße Spuren nach zu urteilen als Sportvorstand, auch weil dies für ihn selbst „lukrativer“ wäre. Vielleicht ja gleichzeitig auch als Chefscout, Chefanalyst und Kaderplaner. Vielleicht hat er sogar eine Spieler-Lizenz, er ist schließlich deutlich jünger als Pizarro, oder einen Führerschein der Klasse D…

          0

          0
          Antwort
          • Die Frage wäre doch welche Spieler er in Eigenverantwortung für den HSV gescoutet hat, die verpflichtet wurden und irgendwie in unserer Profil passen würden.
            Und welche sportliche Kompetenz bei uns erkennen kann wer der passende für uns ist.

            0

            0
            Antwort
  • Oh nein, wieder ein Negativrekord möglich. Somit stehen die Chancen auf einen Sieg heute Abend schlecht!

    0

    0
    Antwort
  • Praktisch genau seitdem Meeske in WOB weilt, marschiert der Verein ohne Ende!
    Wahnsinn! It´s magic! 😀

    0

    0
    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.