Ganz egal, woran ich grade denke…

„Fraili kenni na Draudmann“, sagte Alfred (klick), „deer woor in di fuchdsga Johr wohrschainli da bessde daidsche Doorwadd. Wenna nedd in Englond gschbilld hädd, weera wohrschainli Welldmaasda gworn doomollds in da Schwaidds, obba doomollds senn ja Legjoneere nuch nedd inn di Nadsionoolmannschaffd beruufm worn, dess iss ja erschd schbeeda kumma, dass aana, woo imm Auslond gschbilld hodd, aa inn da Nadsjonoolmannschaffd schbilln hodd därfm.“

„Und wie war der Film?“, fragte mich Hannes (klick).

„Unterm Strich enttäuschend“, erwiderte ich. „Eine Schmonzette. Ein rührseliges Schuld-und-Sühne-Melodram (klick und klick). Aber als Freund des Fußballs schaut man sich das natürlich an.“

„Kommt ja schließlich nicht alle Tage vor, dass im Kino ein Fußballfilm gezeigt wird“, sagte der Wirt und stellte ein Pils vor mich auf den Tresen.

„In einer Szene musste ich an Schommers denken…“

„An Schommers?“, wunderte sich Hannes.

„Ja, an Schommers. Ich habe den ganzen Film über darüber nachgedacht, ob Schommers immer noch daran glaubt, dass der Club den Klassenerhalt schafft.“

„Du bist ne Marke“, sagte der Wirt. „Gehst ins Kino und dann denkst du doch nur an den Club.“

„Klar hab‘ ich an den Club gedacht. Wahrscheinlich hättest du auch an den Club gedacht. Wenn der Trainer von St. Hellens Town zu seinem Vereinspräsidenten – ich glaube jedenfalls, dass es der Präsident war, ist aber auch egal – wenn der sagt: „Wir schaffen das“, obwohl seine Mannschaft kurz vor Saisonende tief im Abstiegssumpf steckt und nicht den Eindruck erweckt, das Blatt noch wenden zu können, dann frage ich mich, ob Schommers zu Gretlein heute das Gleiche sagt. Wobei natürlich einzuräumen ist, dass die Situationen nicht absolut vergleichbar sind. Zu dem Zeitpunkt, wo der Trainer von St. Hellens Town das zu dem sichtlich verdutzten Präsidenten sagt, weiß er, dass in den nächsten Spielen ein Wundermann im Kasten seines Teams stehen wird. Da ist Schommers in einer schlechteren Lage, denn Aussicht auf eine Rettung bringende Last-minute-Verstärkung hat er keine.“

„Ann naai-a Doorwadd brauchda obba nedd, da Glubb. Da Kibba iss imm Mommend da bessde Moo vomm Glubb. Die braichaddn ann gschaidn Schdirma, woo vorna di Dinga naimochd. Unnd ann firs Middlfeld, woo di Dinga aufleechd…“

„Na ja“, sagte Hannes, „in den nächsten Spielen stehen immerhin Pereira und Misidjan wieder zur Verfügung. Und Kubo hat in dem Testspiel gegen den Siebten der der ersten tschechischen Liga zwei Tore geschossen (klick).“

„Der soll gegen Augsburg zwei Tore schießen!“, versetzte der Wirt.

„Und dann nochmal zwei gegen Stuttgart!“, ergänzte ich.

„…Die braichadn fassd fir alle Felldschbiela-Bossidsjonna a Vaschdärgung. Obba wohrschainli weers edsad eh dsu schbeed. Die senn obbgschdieng. Dess Ding is gloffm. Denn Riggschdond kossd nimma aufhooln (klick), doo missasd ja fassd di gandse Mannschaffd ausweggsln, wenndsd nuch a Schongs hoom willdsd.“

„Freilich“, gab Hannes zu, „muss man davon ausgehen, dass es wieder runtergeht. Aber in der zweiten Liga haben wir dann eine Top-Mannschaft, die den sofortigen Wiederaufstieg anpeilen kann.“

„So sicher bin ich mir da nicht“, entgegnete ich. „Wenn du mich heute fragst, ob der Club gegen Regensburg, Heidenheim und wie die Vereine alle heißen drei Punkte holen kann, kann ich nur antworten: Wird man sehen. Ich weiß es nicht.“

„Zumal“, sagte der Wirt, „damit zu rechnen ist, dass einige Stammspieler in der nächsten Saison nicht mehr da sein werden. Mathenia – Stichwort Torwart – soll ja schon Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt haben (klick). Man kann nur hoffen, dass Behrens bleibt…“

„Deer hodd obba geecha Franggfurd aa voorm Door vasoochd. Deer muss doch dess Aans-null firn Glubb machng. Vellich frai zumm Kubbfboll issa kumma, glai amm Onfong vomm Schbill, vellich frai. Woor a saubare Flanggn, doo mussa dess Aans-null machng, soo a Schongs därfsd nedd wegglossn, wenndsd a Schbill gwinna willdsd…“

„Aber Behrens ist wenigstens noch einer, von dem Torgefahr ausgeht“, sagte der Wirt. „Sein Drehschuss kurz vor Schluss war klasse. Leider hat Trapp phänomenal reagiert.“

„Behrens muss bleiben“, pflichtete ich bei. „In der zweiten Liga ist er auf alle Fälle ein Mann, der den Unterschied ausmachen kann. Glaube ich zumindest. Oder will ich zumindest glauben. Aber den Rest dieser Saison kann man sich eigentlich sparen. Weiß nicht, ob ich mir die restlichen Spiele überhaupt noch anschaue. Hat doch keinen Sinn.“

„Woss willdsdn dann machng, wenndsd da die Schbiele nedd ooschausd?“

„Keine Ahnung“, sagte ich und nahm einen Schluck aus dem Glas: „Ins Kino gehen.“

„Dann kossd da glai die Schbiele ooschaua. Wall, wenndsd ins Kieno gehsd, denggsd omm Ennd eh widda blooß onn Glubb“, sagte Alfred und aus den Boxen klang:

KLICK.

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

6 Gedanken zu „Ganz egal, woran ich grade denke…

  • Super Tresengespräch, habe am Ende sehr lachen müssen, denn so geht es wohl einigen unter uns, die wir am Ende (oder in der Mitte, oder sogar manchmal auch am Anfang von was auch immer) doch nur an den Club denken. Und Deine Meinung über den Trautmann-Film muss ich zu meiner großen Enttäuschung teilen.
    Ich empfehle Dir zum Ausgleich „Us“ („Wir“) von Jordan Peele – wobei… naja, entspricht letztlich auch wieder nur der schmerzhaften Fragmentisierung des Clubberer-Ichs, bietet aber aufgrund der grandiosen Inszenierung und der Spannung Chancen, dass man zumindest während des Films nicht zwangsclubgetriggert wird wie bei „Trautmann“.

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  • Top Lied von der Band mit einem Autor, der eins der besten Bücher rausgebracht hat. Und die Tresengeschichten sind sowieso immer lesenswert.

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  • Sehr schön!!! 😄
    Na dann werde ich mir den Film nicht im Kino ansehen, sondern als Familienschmonzette per Streaming…

    Heute ist aber weder Club, Schommers oder Trautmann im Fokus, sondern das hier:

    https://youtu.be/VQ_5nehW3A8

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  • Ein Element of Crime Song mit einem Blumfeld-Bild, dass ist ja wie im Kino an den Club denken.

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    • Stammt die Textzeile nicht von Kraftklub (mit K!)?

      Ganz egal woran ich grade denke, am Ende denk ich immer nur an dich!

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  • Wie ich gerade gegoogelt habe, gibt es von der Band „Kraftklub“, die mir bis jetzt unbekannt war, ein Lied mit dem Titel „Am Ende“, in dem diese Textzeile vorkommt. Es handelt sich aber um ein komplett anderes Lied mit einem ansonsten komplett anderen Text. Aber womöglich wird „Element of Crime“ bewusst zitiert.

    Ja, das Bild zeigt wirklich nicht die Musiker von „Element of Crime“, sondern die der auch mir bekannten Band „Blumfeld“. Dank an Christian-Berlin für diesen Hinweis und Entschuldigung dafür, dass ich das Bild nicht auswechseln kann.

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