„Wenn du gut spielst und nichts rumkommt, spielst du irgendwann auch schlecht.“

Vor dem Spiel des 1. FC Nürnberg gegen den FC Augsburg – das sagen die Fuggerstädter(innen).

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Kristell Gnahm (Auf die Zirbelnuss) unterhalten. Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels.

Das Interview

Vor einigen Wochen hätte man auf das Spiel einen ganz großen „Kellerkampf“-Stempel gedrückt. Im Gegensatz zum 1. FC Nürnberg hat sich der FC Augsburg aber seit der Winterpause etwas aus dem Keller entfernt. Wie kam es dazu?

„Das ist eine gute Frage und wenn wir die Antwort wüssten, ging es uns vielleicht noch besser als eh schon. Wahrscheinlich haben wir aber einfach das Glück, das fairerweise jetzt in dem Maße kommt, wie es vorher in der Saison fehlte. Uns ist einfach ein bisschen mehr gelungen als davor. Denn tatsächlich war es oft einfach nur Pech, dass man überhaupt da in den Abstiegsstrudel hineinrutschte, denn man hat sich lange Zeit gut präsentiert und nur die Punkte nicht bekommen, die man für seine Spielweise eigentlich verdient gehabt hätte. Und wie es dann immer so ist: Wenn du gut spielst und nichts rumkommt, spielst du irgendwann auch schlecht. In der Rückrunde dachte man, es geht so weiter, aber die letzten Spiele machen dann nun doch viel Mut. Vor allem gegen stärkere Gegner konnte viel Selbstbewusstsein getankt werden, auch wenn man dann gegen schwächere Gegner auch zuletzt oft nicht gut aussah. Das sind aber auch andere Spiele.“

Individuelle Fehler

Interpretiere ich es also richtig, dass meine Wahrnehmung des Augsburger Fußballs korrekt ist? Der FCA spielt eher wie ein Mittelfeldteam, steckt aber im Abstiegskampf und keiner weiß so richtig warum.

„Wer den FC Augsburg und seine Spielweise vor allem zu Saisonbeginn gesehen hat, dann war es nicht gerecht, dass man so wenig Punkte geholt hat. Es wurde sehr sehr gut mitgespielt und man spielte definitiv nicht wie ein Absteiger, bei dem man in der Regel oft schnell benennen kann, welche Mannschaftsteil nicht funktioniert. Weder haben einzelne Spieler nicht gepasst noch gab es klare Zuweisungen, dass es bspw. in der Verteidigung eben nicht geklappt hätte. Individuelle Fehler haben viele Punkte gekostet, aber nie die gleichen und auch nie an der gleichen Stelle. Der eine machte einen Schnitzer, der andere kann ihn nicht ausbügeln und schon hast du ein Spiel verloren. Oft auch noch in der Nachspielzeit, wobei man nicht sagen könnte, dem FCA fehle Fitness. Manuel Baum stellt seine Mannschaft in der Regel sehr gut auf den Gegner ein und man kann richtig erkennen, dass die taktische Marschroute auch aufging. Trotzdem haben dann die Punkte gefehlt. Jetzt scheint als hätte die Misere ein Ende gefunden. Vielleicht war es das Quäntchen Selbstbewusstsein, das man braucht um die kleinen Misserfolge auf dem Platz wegzustecken und zu einem sagt: Komm, es geht gleich wieder.“

Unterschiedsspieler

Individuelle Fehler kennt man auch beim Glubb gut. Augsburg hat aber im Gegensatz zum FCN eine Lebensversicherung in Person von Finnbogason (10 Tore in 15 Spielen). Ist es das was den FCA von den vier Mannschaften dahinter unterscheidet?

„Das wäre zu einfach. Finnbogason ist zwar ein guter Spieler, aber eben oft verletzt. Oder anders: Wäre er nicht so oft verletzt, würde er auch nicht beim FCA spielen. In Augsburg weiß man was man an ihn hat und diese Wertschätzung tut ihm sicher gut. Ihn am Platz zu haben ist allein wertvoll, weil er die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber er ist nicht allein in der Offensive gefährlich. Bspw. ein Ji, der seit dem Asien-Cup wie ausgewechselt wirkt.“

Der angesprochene Ji kehrt mit einer Knieblessur aus der Länderspielpause zurück. Wie schwer würde sein Ausfall wiegen?

„Ji war in guter Form und würde Baum mehr Möglichkeiten bieten. Aber nachdem man bisweilen eine Verletztenliste hatte, die sich las wie die Startelf in der Hinrunde, ist man gewohnt Lösungen zu finden, wenn einer ausfällt.“

Zähes Spiel erwartet

Was ist gegen Nürnberg vom FCA zu erwarten. Spiele gegen Top-Mannschaften sind ja doch immer ein wenig anders geartet als gegen Teams die in etwa auf Augenhöhe sind. Wie hat sich Augsburg zuletzt gegen Hannover präsentiert und ist gegen den FCN ähnliches zu erwarten?

„Die Hoffnung ist mit der Leistung an das Heimspiel gegen Hannover anzuknüpfen, die letzten Auswärtsspiele gegen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte waren allerdings nahezu dramatisch. Hoffentlich zeigt man nicht dieses Gesicht. Man erinnert sich auch an sehr zähe und anstrengende Spiele in Nürnberg und erwartet das auch wieder. Der Club wird kaum versuchen den FCA von Anfang an wegzuhauen. Gegen Hannover war allerdings die erste Halbzeit auch nicht schön anzuschauen, hat dann aber die Kurve gekriegt. Es wäre in der Tat ein bisschen typisch FC Augsburg, wenn man in Nürnberg kompletten Mist aufspielt.“

Absteigen will keiner

Die Distanz zwischen Augsburg und Nürnberg ist nicht so weit. Wie nimmt man den FCN bei euch wahr?

„Zweischneidig. Man freut sich, wenn andere bayerische Mannschaften zurück in der Bundesliga sind, man erinnert sich allerdings auch an viele weniger schöne und zähe Partien. Und wenn man selbst seine Probleme in der Tabelle hat ist es durchaus beruhigend zu sehen, wenn andere unten nicht rauskommen. Den Abstieg wünscht man natürlich nicht. Aber man will eben auch selbst nicht absteigen.“

Ist der FCA bei eigenem Sieg und Niederlagen von Stuttgart und Hannover gerettet?

„Es würde mehr Sicherheit geben. Aber der FCA muss jede Saison gegen den Abstieg kämpfen, daher wird man nicht zu früh sich in dieser Sicherheit zu wiegen. Jetzt hat man einen Platz gut gemacht, aber erst wenn der Abstand noch etwas größer wird, wird man etwas ruhiger schlafen können. Richtig gefeiert wird aber erst, wenn es auch wirklich sicher ist. Es kommen jetzt richtig wichtige Spiele auf uns zu, da hat man die Hoffnung, dass man gerade noch rechtzeitig die Formkurve hinbekommen hat.“


Der Podcast in voller Länge (inkl. Vorbericht FRÜF – Frauen reden über Fußball)

Audiolänge: 22:10 | Moderator: Felix Amrhein


Die Pressekonferenz aus Augsburg

Die Pressekonferenz aus Nürnberg

Steckbrief Clubfans United

Clubfans United, das Fußballmagazin für Fans des 1. FC Nürnberg. Spielberichte, Analysen, Medien-Monitoring – Aktuelle News, Kolumnen und Kommentare. Podcast in Zusammenarbeit mit Total beGlubbt von meinsportpodcast.de. Weitere Informationen….
Foto: Alexander Endl / Alle Rechte vorbehalten. Das Interview führte Felix Amrhein mit Kristell Gnahm für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 27.03.2019. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

7 Gedanken zu „„Wenn du gut spielst und nichts rumkommt, spielst du irgendwann auch schlecht.“

      • Dem kann ich so nicht zustimmen. Wir hatten auch danach noch gute Spiele im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ich nenne da mal – trotz der Rahmenbedingungen – das Spiel gegen Leverkusen, aber vor allem auch die Partien nach dem „Winterstopp“ waren zum Teil mehr als ok, bspw. das Spiel in Mainz oder auch gegen Bremen. Selbst Hannover war kein schlechtes Spiel – dummerweise in Unterzahl bestritten, was letztendlich nicht zu kompensieren war.

        Ich verstehe daher die Aussage und auch die Intention nicht, wenn man dies behauptet. Aber Flo wird mich sicher erhellen. 🙂

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        • Intention ist zu sagen, dass ich das mit dem „gut spielen“ ohne Ertrag für ne zu freundliche Darstellung der Zeit (nicht nur, aber besonders) unter Köllner halte. Ich schätze aber Leverkusen (Danke, Pfütze) und Mainz (0.3 xG) auch nicht als „gute“ Spiele ein. Bremen war im Rahmen gut, aber da gab‘s ja auch Ertrag. Man kann sich sicher trefflich streiten, was „gut“ ist, aber für „gut“ fehlte mir in fast allen Spielen das Offensivspiel (das hat sich nicht geändert), aber eben auch die defensive Kompaktheit (das hat sich geändert).

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          • Darüber ist sicher trefflich zu streiten, was denn „gut“ ist bei so einer Unterlegenheit…

            Die Ausgangsthese war aber ja: „Wenn du gut spielst und nichts rumkommt, spielst du irgendwann auch schlecht.“ Und da sehe ich schon Parallelen. Man hatte nach den ersten „guten“ Spielen, als man in Berlin am Punkt schnupperte, gegen Mainz den Dreier liegen ließ und auch später bspw. die Eintracht am Rand der Niederlage hatte „gute“ Kritiken (Remember Sammer) für mutiges Spiel, das ja auch durchaus Erfolg versprach. Es fehlten dann aber doch die Ergebnisse. Und mit zunehmender Zeit verlor man nicht nur die Punkte sondern eben auch das „gute Spiel“ (aka gute Ansätze in die Offensive). Das meinte ich mit dem Zitat ja auch nur.

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          • Ich kann deiner Beurteilung oder deinem Maßstab folgen, was ich, und das beziehe ich nicht auf Dich, nicht verstehen kann ist die Gefühlslage im Umfeld,der Fans oder hier, das dieser Maßstab nur bei Spielen unter MK anzulegen war und jetzt ist es eh schon wurscht.
            Die Aussage der Augsburger würde ich nicht auf die Goldwaage legen-je länger ein Spiel her ist umso mehr glänzen doch die erzielten Punkte und umso weniger Punkte dabei herauskommen umso mehr beschäftigt man sich mit der Art und Weise-ist halt fantypisch

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  • Tja, das Stuttgart-Spiel war für mich der Knackpunkt der Saison: Ein spielerisch erbärmlicher und insgesamt völlig blutleerer Auftritt gegen einen keineswegs überlegenen Gegner. Für mich ist das bis heute das größte Rätsel der Saison, was damals in der Zeit zwischen dem Heimspiel gegen Frankfurt, dem Remis in Augsburg und der dann folgenden desolaten Vorstellung gegen Stuttgart intern passiert ist.
    Für mich war das Spiel so gravierend, dass ich mich hier nur noch als Leser und kaum noch mit Beiträgen beteilige. In meinen Augen ist es extrem ärgerlich, dass sich Köllner durch etliche Fehleinschätzungen so angreifbar gemacht hat. Ich hätte die Saison mit dem so oder so erwartbaren Abstieg lieber mit ihm zu Ende gespielt und ihn auch als den richtigen Trainer für die nächste Zweitliga-Saison gesehen. Das wäre allemal besser gewesen als die sich gefühlt ins Unendliche dehnende Phase ohne sportliche Leitung.

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