Zwischen Déjà-vu und Eskalation

Die Stimmen vor dem Spiel VfB Stuttgart gegen 1. FC Nürnberg.

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Jasmin (Brustring Talk) unterhalten. Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels. Ebenso die offiziellen Pressekonferenzen aus Nürnberg und Stuttgart.

Das Interview

Nach dem 5:1 gegen Hannover 96 hatte der VfB Stuttgart den Relegationsplatz gefühlt sicher. Seit dem letzten Wochenende gibt es beim 1. FC Nürnberg wieder Hoffnung. Natürlich hat der VfB noch immer vier Punkte Vorsprung, aber vor dem Hintergrund des direkten Duells, fühlt sich das Spiel aus FCN-Sicht wie eine Riesenchance an. Wie ist es aus Stuttgarter Sicht?

„Es fühlt sich bedrohlich an. Zwar sind die Gegner nach Hannover nicht unbedingt leicht gewesen (Anm. d. Red.: Dortmund, Heidenheim, Frankfurt), aber gerade weil man auf dem Relegationsplatz steht. Man hatte eher gehofft nochmal an Schalke heranzukommen, um diesen Platz zu verlassen, jetzt sind es sechs Punkte Abstand und das direkte Duell ist am 34. Spieltag. Jetzt muss man schon hoffen, dass man dann wenigstens noch in Schlagdistanz ist.“

Du hast es angesprochen, dass das Auftreten des VfB Stuttgart besser geworden ist. Am letzten Wochenende gab es zwar eine 3:0-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt, aber auch da präsentierte man sich eine Halbzeit lang wirklich gut. Wie hast du das Spiel gesehen?

„Gerade weil man gut mitgehalten hat und zwischenzeitlich das 4te Tor in der 45. Minute bekam, ist das bemerkenswert. Aber man hat auch Entwicklung gesehen, weil man danach nicht komplett auseinander gefallen ist und es besser wegstecken konnte. Auftreten und Mentalität war besser, auch wenn es am Ende eine klare 3:0 Niederlage wurde.“

Ist es ein Stuttgarter Problem, dass man nach einem 1:0 oft noch ein zweites, drittes oder viertes Gegentor bekommt? Es gab keine derben Klatschen wie sie der FCN gegen Dortmund oder Leipzig kassierte, aber eben doch einige Spiele in denen der VfB drei oder vier Tore eingeschenkt bekam.

„Für mich sind die regelmäßigen 3-4 Gegentore bei weitem genug. Es sind vor allem die individuellen Fehler, die nicht auf die eigentlich gut eingestellte Defensive zurück zu führen ist. Das hat man jetzt insgesamt besser im Griff, lässt sich aber immer noch zu oft relativ einfach ausspielen. Da merkt man dann auch im Vergleich zur letzten Rückrunde doch was Selbstbewusstsein ausmacht. Mit jedem Erfolg steigt das Selbstbewusstsein und wenn dann sieht, dass man es doch kann, läuft es auf einmal. Hier muss man wieder hinkommen, um genug Punkte holen zu können. Kämpfen und probieren – und Spiele wie gegen Nürnberg sind dann die, die man da gewinnen muss. Denn Relegation will man ja eigentlich auch nicht.“

Der VfB muss in den kommenden Wochen auf Christian Gentner und Gonzalo Castro verzichten. Es scheint diverse Möglichkeiten zu geben wie Markus Weinzierl auf die Ausfälle reagieren kann. Wer wird die beiden deiner Meinung nach ersetzen?

„Eigentlich geht es nur um eine Position. Ascacibar war vorher Stammspieler und hat nur gerade seine 10te Gelbe Karte abgesessen, mit dem ist zu rechnen. Die zweite Position hatte sich Gentner und Castro geteilt. Didavi als Ersatz kann man wegen Fitness ausschließen, Pavard evtl. nach vorne ziehen oder man bringt Aogo.“

Eine weitere Diskussion dreht sich um die Offensive. Gegen Nürnberg wird Stuttgart wohl auch spielerisch gefordert sein und selbst etwas für das Spiel tun müssen. Gomez und Gonzalez haben wenn sie zusammen auf dem Platz stehen eine deutlich bessere Quote. Sollte Weinzierl mit der Doppelspitze agieren oder favorisierst du eine abwartendere Haltung? Der FCN ist schließlich zum Siegen verdammt.

„Nach vorne! Ein Tor kann immer fallen, gerade beim VfB. Ob Gonzalez oder Gomez war bisher keine Verbesserung, vielleicht sollte es mal mit beiden probieren, muss dann nur nach hinten gut absichern. Aber in einem Heimspiel sollte man offensiver spielen und Tore schießen. Ein Punkt hilft ja auch nicht viel weiter. Aber Weinzierl hat zuletzt mit seinen Wechseln eher defensiver agiert.“

Nürnberg ist auswärts nach wie vor sieglos. Der VfB wiederum präsentiert sich zu Hause deutlich stärker als in der Fremde. Wie froh bist du, dass Stuttgart in dieser richtungsweisenden Partie ein Heimspiel hat?

„Ein klein wenig hat man das Gefühl eines Déjà-vu von der Situation vor dem Spiel gegen Hannover. Auch damals gab es eine Fan-Karawane von Cannstädter Bahnhof, um sich gemeinsam einzusingen und einzuschwören. Die Stimmung in Stuttgart vor dem Spiel ist auch wieder sehr gut, die Unterstützung der Mannschaft ist sehr groß. Das ist auch die Hoffnung auf dieses Gänsehautgefühl wie gegen Hannover in der Kurve, was der Mannschaft vielleicht auch hilft. Da war dieses Zuversicht, dass wenn es darauf ankommt, die Mannschaft die Leistungf auch bringt. Hannover war an dem Tag allerdings auch gar nicht gut, aber trotzdem muss man ja erstmal fünf Tore schießen.“

Lass uns abschließend in die Glaskugel blicken. Wie groß würde das Nervenflattern werden, wenn der FCN am Samstag wirklich bis auf einen Punkt heranrückt?

„Das kommt auf die Geschichte des Spiels an: Ist es eine knappe Niederlage? Oder eine hohe? Eher unglücklich oder hat man sich zerlegen lassen? Es ist ein großer Unterschied, ob man mit 3:0 dann verliert oder man ein 1:0 kassiert und Nürnberg sich dann hinten rein gestellt hat. – Das Spiel hat aber auch das Potenzial, dass bei einer entsprechenden Niederlage die Stimmung im Umfeld zu kippen beginnt. Bis jetzt ist die Stimmung positiv, aber man mag es sich kaum ausdenken wie es bei einer Niederlage wäre. Das Restprogramm hat es ja auch in sich. Bei wem will man noch punkten? Augsburg vielleicht. Und auf keinen Fall will man am letzten Spieltag auf Schalke fahren, wenn es dann noch um alles geht. Wir hatten schon einige Herzschlagfinale am 34. Spieltag, aber das würde sicher nochmal alles übertreffen.“


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 22:48 Minuten | Moderator: Felix Amrhein


Die Pressekonferenz aus Stuttgart

Die Pressekonferenz aus Nürnberg

Steckbrief Clubfans United

Clubfans United, das Fußballmagazin für Fans des 1. FC Nürnberg. Spielberichte, Analysen, Medien-Monitoring – Aktuelle News, Kolumnen und Kommentare. Podcast in Zusammenarbeit mit Total beGlubbt von meinsportpodcast.de. Weitere Informationen….
Foto: Hendrik Schuur / Alle Rechte vorbehalten. Das Interview führte Felix Amrhein mit Jasmin für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 03.04.2019. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

11 Gedanken zu „Zwischen Déjà-vu und Eskalation

  • Also der Weinzierl PK nach zu urteilen ist beim VFB alles absolut klar die 3 Punkte gegen den FCN sind eigentlich bereits verbucht auch wenn es „zäh“ würde. Auch von Freunden aus Stuttgart hört man gleiches man glaubt das ganze VFB Elend kulminiert sich in 3 Punkten gegen den FCN. Na dann…wir müssen es nur noch spielen 🙂

    6

    1
    Antwort
    • Was den Druck betrifft erscheint mir Weinzierl aber deutlich angeschlagen, im Gegensatz zu unserem Sonnyboy Schommers. Das werden unsere Punkte! Und danach zaubern wir Huub noch ein paar Falten mehr ins Gesicht.

      6

      0
      Antwort
  • Hoffentlich bekommen unsere Spieler morgen nicht das Hosenflattern? VfB Stuttgart auswärts hört sich zwar im ersten Moment ziemlich schwer an, jedoch ist es, wenn man es genau anschaut nur der Name, der Respekt einflösen lässt. Diese Mannschaft ist im Moment alles andere als stark. Der Club kann selbstbewusst ins Stadion einlaufen. Beide Mannschaften sind auf Augenhöhe und mit einem Lauf wie die zweite Halbzeit gegen Augsburg ist hier ein Sieg durchaus drin und keine Sensation. Wenn Ishak gut drauf ist, traue ich ihm jederzeit zu, echte Torgefahr auszustrahlen.

    8

    0
    Antwort
  • Wer mehr Druck hat lässt sich doch kaum beantworten,bei einer Niederlage von Stuttgart und einem gleichzeitigen Sieg von Augsburg und Schalke ist Stuttgart der Relegationsplatz beinahe sicher, weil nach oben dann auch der Abstand zu groß ist, zusätzlich zu der sicherlich großartigen Stimmung, wenn man sogar gegen Nürnberg verliert.Und der Club wäre dran, bis auf einen Punkt.Allerdings wäre im Falle eines Unentschiedens, zumindest der Relegationsplatz sicher und der Abstand abhängig von den anderen Zwei eventuell sogar verkürzt, wohin gegen bei einem Stuttgarter Sieg unter günstigen Umständen der Anschluss an Augsburg und Schalke hergestellt ist.
    Der Club hat im Endeffekt nur noch eine Option- Sieg- und ganz ganz schwach Unentschieden, wenn in der Folge…
    Ein Sieg würde Stuttgart sicherlich in die gleiche Depression stürzen, wie deren Erfolg bei uns, auch das ist nicht unwichtig.
    Allen Saisonstatistiken nach wird es ein später Sieg mit einem Tor Unterschied (beide Teams treffen a, äußerst selten und b, so gut wie nicht in der ersten halben Stunde)
    Ein Favorit ist kaum erkennbar.

    3

    1
    Antwort
  • Wer mehr Druck hat lässt sich doch kaum beantworten,bei einer Niederlage von Stuttgart und einem gleichzeitigen Sieg von Augsburg und Schalke ist Stuttgart der Relagationsplatz beinahe sicher,

    Ja aber um überhaupt über andere Spiele nachzudenken, müssen sie erstmal selber ihre 3 Punkte holen morgen.

    1

    1
    Antwort
  • vfb daimler stuttgart
    zu besiegen
    mit vollem einsatz ( net so lasch wie daham des hinspiel)
    und a weng
    hopefully fortune…
    doi, doi, doi 🙂

    schau mer halt a mal…

    5

    0
    Antwort
  • Weinzierl erinnert mich bei dieser PK an einen Cowboy, der sein totes Pferd durch die Wüste zieht… Im Grunde weiß er, dass es aus ist, auch wenn er es sich noch nicht eingestehen will.

    Die Überheblichkeit, dass er die drei Punkte gegen uns schon fix einkalkuliert hat, bestraft unsere Mannschaft morgen hoffentlich.

    7

    0
    Antwort
  • Ziemlich ruhig hier. Naja, es ist eigentlich alles gesagt und jeder weiß, wie wichtig dieses Spiel heute ist. Die Angst heute zu verlieren sitzt jedem Clubfan tief im Nacken, weil er das schon oft genug mitgemacht hat. Hoffentlich keine Blackouts oder rote Karten gegen uns. Heute gehts wirklich ans Eingemachte.

    2

    0
    Antwort
  • Cool wäre es, wenn der Club irgendwie das erste Tor schießen würde, das würde schon mal sehr helfen. Im Hinspiel war man viel zu verzagt und flatterhaft, um deutlich angeschlagenere Schwaben in Verlegenheit zu bringen, da erhoffe ich mir heute einen anderen Auftritt, der zumindest mit einem so klar erkennbaren fighting spirit daherkommt, dass die VfB-Spieler wenigstens damit beeindruckt werden können.
    Der Rest ist dann vermutlich mehr oder weniger Tagesform und auch Glück bzw. Effizienz, siehe Mainz gestern.

    Also, in die Hände spucken und bis in die letzte Körper- und Nervenfaser daran glauben, dass man was mitnehmen kann, Clubspieler! Und auch bei Rückstand eine Körpersprache zeigen, die den Glauben an einen Sieg vermittelt.

    1

    0
    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.