„Kaderplaner oder Chefscout? Beides!“ – Palikuća kündigt Veränderungen an #FCN

Der neue Sportvorstand, Robert Palikuća, wurde heute offiziell vorgestellt.

Das Auffälligste war der Bedacht, mit der Robert Palikuća jedes Wort wählte. Vor jeder Antwort hielt der neue Sportvorstand des FCN inne und legte dann erst los. Verbale Schnellschüsse sind also wohl nicht zu erwarten vom 40-Jährigen, der am Montag im Max-Morlock-Stadion der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Dabei eröffnete der dreifache Familienvater dann auch, dass sein erster Arbeitstag am Morgen bereits um 6 Uhr beim gemeinsamen Frühstück mit einem Videoanalysten des FCN in Düsseldorf begonnen hatte. Pendeln nach Düsseldorf wird Palikuća aber kaum. Stattdessen wird die „Familie (…) viele Flugmeilen sammeln, sich eine Bahncard besorgen“, denn der neue Sportvorstand „muss seine ganze Energie in die Arbeit legen“. Die werde zu Beginn seiner Tätigkeit aus vielen Gesprächen bestehen, ehe es dann „möglicherweise auch zu Veränderungen kommen“ kann.

„Ich bin ein Teamplayer“

Wie diese Veränderungen aussehen könnten, das machte Palikuća dann an zwei Stellen deutlich. Zum einen beantwortete er die Frage, ob der FCN einen Chefscout oder einen Kaderplaner benötige, mit einem entschiedenen „Beides!“. Er stellte direkt danach auch klar, dass er damit nicht eine Person meine, die mit beiden Aufgaben betraut würde, sondern tatsächlich „mindestens zwei“ verschiedene Personen.

„Ich bin ein Teamplayer. Ich werde versuchen ein Team aufzustellen, das die Ziele erreicht, die wir uns setzen. (…) Ich bin großer Fan von einer breiten Aufstellung mit guten Leuten, die sich mit der Aufgabe identifizieren, die im Team arbeiten können, die meinungsstark sind, die Workaholics sind, die Erfolg haben wollen“, fasste Palikuća seine Ansichten zusammen. Der neue Sportvorstand teilt also die Auffassung der meisten Beobachter, dass eine Strukturreform in der sportlichen Leitung beim FCN unumgänglich ist. Er erläuterte auch, dass er bei Fortuna Düsseldorf vor neun Jahren begonnen hatte, als der Verein 15 oder 16 Mitarbeiter hatte. Er wollte damit wahrscheinlich deutlich machen, dass er weiß, wie eine breitere Aufstellung eines Vereins zu vollziehen ist.

Tschechien und Slowakei als potentielle Märkte

Die andere klare Veränderung zu Andreas Bornemann versteckte sich in einem Detail, als Palikuća über die Kaderplanung sprach. „Man muss schnell sein, wenn man nicht die nötigen Mittel hat“, erklärte der neue Boss. Von seinem Vorgänger kamen dagegen stets ganz andere Ansichten. Der verwies stets darauf, dass spät die Türen aufgingen, die anderweitig womöglich geschlossen blieben. In Sachen Kaderplanung zeichnete Palikuća dann auch ein relativ klares Bild von den potentiellen Neuzugängen: „Spieler, die sowohl das Zeug haben sofort wieder aufzusteigen als auch Spieler, die die Klasse halten. Spieler, die zu diesem Verein passen, die zu dieser Stadt passen.“

Wer genau diese Spieler sind, ließ Palikuća natürlich offen. Er deutete aber an, dass er in den vergangenen zwei Wochen sich bereits Gedanken gemacht habe. „Ich habe meine Schattenteams“, gab er zu Protokoll. Ebenso, dass er am Sonntag mit einer für den FCN interessanten Person sogar gesprochen habe. In der Merkur Spiel-Arena, während des Spiels der Fortuna gegen den FC Bayern. Darüber hinaus deutete der Vorstand auch an, dass Märkte wie die Slowakei und Tschechien für einen Verein wie den FCN jenseits des direkten Umlands besonders ergiebig sein könnten.

„Der sozialen Verantwortung gerecht werden“

Offen ließ Palikuća Boris Schommers‘ Zukunft beim FCN und verwies darauf, dass es in der jetzigen Saisonphase ungünstig sei, solche Diskussionen zu führen: „Man darf da die Konzentration nicht stören. Es wäre fahrlässig, da jetzt einzugreifen.“ Gleichzeitig gab er der Hoffnung Ausdruck, dass die Saison noch etwas dauern würde: „Wir haben hoffentlich noch sieben Pflichtspiele. Es gibt eine sehr positive Entwicklung. Man sieht das auch an der Körpersprache, an den Interviews, die die Jungs in letzter Zeit gegeben haben. An der Art und Weise, wie sie die Spiele angehen.“

Egal, wie die Saison ausgeht, als Ziel formulierte Palikuća: „Die Erwartungshaltung ist, dass sich der Verein mittelfristig in der Bundesliga etablieren kann.“ Er wiederholte damit eine Aussage, die so auch von Marketingvorstand Niels Rossow im Januar gewählt wurde, ergänzte sie aber um eine Philosophie: „Es geht darum eigene Nachwuchsspieler heranzuführen und zu Profis auszubilden, aber auch die, die es nicht schaffen, zu guten Menschen heranzuziehen und der sozialen Verantwortung gerecht zu werden, die ein Verein hat.“

Der erste Eindruck, den Palikuća hinterließ, war ein positiver. Überlegt, aber bestimmt, trat der 40-Jährige auf, sprach wunde Punkte an ohne ins Nachtreten zu verfallen. Er lehnte an einer Stelle sogar dezidiert ab, negativ über die Vorgänger zu sprechen. Doch auch Palikuća wird sich nicht an Worten, sondern an Taten messen lassen müssen, denn schon der Theaterdirektor in Goethes Faust wusste: „Der Worte sind genug gewechselt,/Laßt mich auch endlich Taten sehn!(…) Was hilft es, viel von Stimmung reden?/ Dem Zaudernden erscheint sie nie. (…) Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen/Probiert ein jeder, was er mag;(…)So schreitet in dem engen Bretterhaus/Den ganzen Kreis der Schöpfung aus,/Und wandelt mit bedächt’ger Schnelle/Vom Himmel durch die Welt zur Hölle.“

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22 Gedanken zu „„Kaderplaner oder Chefscout? Beides!“ – Palikuća kündigt Veränderungen an #FCN

  • Guter erster Eindruck – Herzlich Willkommen, das vernimmt man gerne sich breiter und kompetenter bei Scouting und Kaderplanung aufzustellen.

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    • Seit längerem mal wieder einer Meinung 😉

      Nach den letzten Meldungen hatte ich ja die Befürchtung, dass man wieder davon abrücken könne, sich in der sportlichen Leitung breiter aufzustellen, als es hieß, dass diese Entscheidung alleine dem neuen Sportvorstand obliegen würde, nachdem es ja zu Beginn der Suche ja auch von AR-Seite hieß, dass neben dem Sportvorstand noch jemand weiteres kommen solle.
      Gut, dass Palikuca direkt klar macht, dass er kein Einzelkämpfer sein will, sondern noch mind. 2 Leute holen wird.
      Ich könnte mir vorstellen, dass es sich bei der „für den FCN interessanten Person“, mit der er verhandelt hat, nicht um einen Spieler sondern einen Kandidaten für einen der beiden Posten gehandelt hat.

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      • Ich bin da auch völlig offen wie er sich in Sachen unseres derzeitigen Trainers positioniert, man muß ihm jetzt mal das Vertrauen geben, daß er diese Dinge federführend in die Hand nimmt. Zwischen den Zeilen konnte man ja ein wenig Tendenz raushören was er zum Trainer denkt.. „Es sint ja noch 7 Pflichtspiele“ … hoffentlich.
        Ich glaube die Messlatte liegt bereits, die Relegation erreichen. Es schimmerte so durch auch für den Trainer.

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        • Sogar ich kann Dir diesmal zustimmen 😉

          Breiter aufstellen ist genau in meinem Sinn, das war eines der Hauptprobleme von Bornemann, zu wenig Auswahl. Zwar hat er auch gute Leute rangeschafft (Pereira, Mathenia) aber halt auch diese seltsame Nullrunde im Winter hingelegt. Das sollte jetzt nicht mehr passieren, da bin ich zuversichtlich.

          Auch sonst machte der „Neue“ einen guten Eindruck, Schaun mer mal…

          Zur Trainerfrage, da glaube ich nicht, dass es allein an der Relegation liegt, denn die liegt ja gar nicht mehr in unserer Hand. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, vielleicht 6 – 9 Punkte holen und dann kann man dem Trainer nichts vorwerfen. Das könnte reichen, aber ob es reicht, hängt davon ab, was Stuttgart macht. Man kann ja das Trainerschicksal nicht an die Leistung von Stuttgart koppeln 😉

          Aber wenn wir jetzt die Runde gut zuende spielen, wird der Trainer unabhängig vom Ligaverbleib bleiben.

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  • Was man aber jetzt auch nicht vergessen darf, ist dass nicht nur die Struktur der sportlichen Leitung einer Reform bedarf, sondern auch die Vereinsstruktur.
    Diese hat sich nun erneut als ungeeignet erwiesen, um während einer Saison schnell und zielbringend reagieren zu können. Hier muss sich auch unbedingt etwas ändern, es müssen definitiv Lösungen gesucht werden, wie man im Falle eines Falles eine wochenlange Handlungsunfähigkeit vermeiden kann. Es kann ja v.a. auch nicht der Regelfall sein, dass ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat neben seinen eigenen Verpflichtungen monatelang quasi Vollzeit für die Personalsuche aufwendet.
    Schlussendlich muss geschaut werden, wie man mehr Sportkompetenz in die Kontrollgremien bekommen kann (da muss v.a. das Bewerbungs- und Wahlprozedere angepasst werden).

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    • Da kann ich nur sagen: sehr richtig erkannt! Das ist auch mein Ansatz, warum ich in den letzten zwei Jahren meine Satzungsänderungsanträge eingebracht hatte. Leider sind sie inhaltlich untergegangen, da ich zu den MV – Terminen nicht vor Ort sein konnte. Es geht darum, aus der Mitgliedschaft heraus ein paar kleine Signale in Richtung ein wenig Aktualisierung / Professionalisierung / Fortschritt zu senden. Die Strukturen sind leider sehr starr, eingefahren und unflexibel. Das Interesse an Veränderung ist kaum vorhanden. Die Satzung entspricht in einigen Passagen einfach nicht mehr der heutigen Lebenswirklichkeit.

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  • Ach so, ich vergaß:

    Herzlich willkommen, Robert Palikuca!

    Sich mit einem Kennedy-Zitat einzuführen ist nicht das Schlechteste 😉

    Zum Glück war es nicht das falsche :mrgreen:

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  • Bemerkenswert fand ich auch die Aussagen zur sozialen Verantwortung. Das hört man selten, aber wenn man drüber nachdenkt, gefällt mir das richtig gut. Und v.a. hat er damit völlig recht!

    Jetzt gilt es, aus Fehlern zu lernen und den Verlust (Bornie) zu einem Gewinn für den Verein zu machen!

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  • Interessant an Palikucas Aussage, dass man schnell sein müsse bei der Kaderplanung, wenn man nicht viel Geld hat, ist, dass dies ja nicht nur im Gegensatz zur Transferpolitik von Bornemann steht, sondern er damit auch Grethleins Aussagen widerspricht, dass man hier nichts verpasse, auch wenn es etwas länger dauert, bzw. dass auch Kandidaten gesagt hätten, dass hier keine Eile herrschen würde, sondern es absolut ausreichend sei, Ende April loszulegen.
    So energisch, wie Palikuca nun zu Werke geht, vermittelt aber doch den Eindruck, dass es höchste Eisenbahn ist, um hier voranzukommen.

    Insgesamt erweckt das den Eindruck, als ob die Ansicht, dass man sich nicht sputen müsse, den Verhandlungen mit Krösche entsprungen sind, der damit auch einfach mehr Bedenkzeit haben wollte…

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    • Tatsächlich glaube ich mich zu erinnern, dass Düdo zum Aufstieg schon einige Transfers fix hatte, bevor wir überhaupt angefangen haben. Mir gefällt dieser Ansatz gut, weil dann zu Trainingsbeginn der Großteil des neuen Teams bereits steht und die Trainingslager und komplette Vorbereitung mitmachen kann.

      Grethleins Erklärungen zur Findungsphase waren zwar aalglatt, aber ich habe trotzdem das Gefühl gehabt, dass er uns für dumm verkaufen wollte 😉

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    • Wenn du jetzt noch zwei Leute finden musst, die für Kaderplanung und Scouting zuständig sind, dann fängt die Kaderplanung für unseren Kader, wann an?Außer die Spieler machen das selber -siehe Erras und Löwen.Das wäre dann allerdings hoffentlich endlich mal die Konsolidierung.

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      • Ich denke du kannst da ganz beruhigt sein, daß Palikuca das auch kann bis die neuen Leute da sind und jetzt nicht darauf wartet.

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      • Nach meinen völlig unmaßgeblichen ersten Eindruck vom Palikuca, denk ich, er weiß, worum es gerade wirklich geht. Nämlich eine schlagkräftige Mannschaft für die kommende Zweitligasaison zusammenzuhalten und zusammenzukriegen. Sollte der Club das schier Unmögliche noch schaffen, in Liga 1 zu bleiben, kann sich Palikuca dann, wenn dieser Verbleib wirklich fest steht, dran machen, die Manschaft zu ergänzen und soweit zu verbessern, dass im kommenden Jahr nicht wieder 20 sieglose Spiele in Folge zusammenkommen.

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  • Ich denke die Wahrheit liegt in der Mitte, bei festen Verpflichtungen halt ich es für sinnvoll frühzeitig versuchen das klar zu machen, allerdings bei Leihen da ergeben sich eben oft gegen Ende einer Transferperiode Sondergelegenheiten, wenn klar wird, es wird mit einem Spieler akutell nicht geplant oder der neue Trainer sieht es so nachdem er sich ein Bild gemacht hat vom Kader, abgeben will man ihn auch nicht, das klappt dann wohl eher last minute, wie bei Pereira.
    Da ist Bornemann, wenn man das fußballerische sieht mit Pereira tatsächlich ein Rohdiamant ins Netz gegangen, aber man hatte das Gefühl das ging in Köllners verkopften Spielsystemen und Disziplindenken erstmal lange Zeit unter.

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    • Das beste ist dann eben die Mischform: die eigenen Spieler, die man fest verpflichtet, frühzeitig holen und zum Ende der Transferperiode noch ein paar Superschnäppchen-Ergänzungsleihen machen.

      Dann bleiben wir auch nächste Saison drin 😉 (da schommert der Optimist wieder durch 😀 )

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  • Seit 75 Jahren bin ich Club-Fan und wäre überglücklich, wenn das Club-Management endlich „Bundesliga-Reife“ erreichen könnte.
    Trotz der großen Club-Vergangenheit, waren die letzten Jahrzehnte für die Anhänger trostlos.
    Aber man soll ja nie aufgeben!!!!

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