„Der Individualität mit Kampf und Leidenschaft den Schneid abkaufen.“

Stimmen vor dem Spiel Bayer 04 Leverkusen gegen den 1. FC Nürnberg.

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Max unterhalten.

Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels. Ebenso die offiziellen Pressekonferenzen aus Nürnberg und Leverkusen.

Wer gegen Unterhaching eine Meisterschaft verspielt … – Das Interview

Bayer Leverkusen hat in der Winterpause den Trainer gewechselt. Heiko Herrlich musste gehen, trotz nur 3 Punkten Rückstand auf den letzten Europa League Platz. Übernommen hat Peter Bosz. Dieser legte als Trainer von Borussia Dortmund erst einen furiosen Start hin um anschließend abzustürzen. In Leverkusen ist es nicht so verlaufen. Die Formkurve der Werkself ist ein Auf und Ab. Im DFB-Pokal und in der Europa League schied man aus und auch in der Bundesliga lief es nicht reibungslos. Wie verlief die Rückrunde aus Fansicht?

„Kurios war jedenfalls, dass Herrlich am Ende eine kleine Erfolgsserie hinlegen konnte – und trotzdem entlassen wurde. Hier fehlte vielen das Verständnis. Das wurde nicht besser als bekannt wurde, dass Peter Bosz sein Nachfolger sein würde. Von einem ‚Griff ins Klo‘ war da durchaus zu hören.

Die Rückrunde startete gut – bis auf den Auftakt gegen Gladbach. Man war in fast allen Spielen in allen statistischen Werten überlegen – allerdings auch schon gegen Gladbach. Es werden nur oft die Chancen nicht genutzt, die Tore nicht erzielt und der Deckel nicht drauf gemacht. Das zieht sich durch die Rückrunde mit dem negativen Höhepunkt der drei Niederlagen Bremen, Leipzig und Hoffenheim in Folge, bei dem auf dem Platz auch nicht schlecht aussah. Bosz legt viel Wert auf Ballbesitz mit einer eher abwartenden, geduldigen Haltung. Wenn aber die Tore nicht fallen, wird man mit zunehmender Spielzeit anfällig für Konter.“

Restprogramm mit Hindernissen

Das Restprogramm für Leverkusen scheint sehr machbar. Mit Frankfurt bekommt man nur noch ein großes Kaliber. Ansonsten sind die Gegner mit Nürnberg, Augsburg, Schalke und Hertha durchaus schlagbar. Ist der Spielplan Bayers Trumpf im Kampf um die europäischen Plätze?

„Das Bayer-Dauerproblem: Wer Meisterschaften gegen Unterhaching verspielt, sollte auch nicht davon ausgehen gegen Nürnberg, Augsburg und Schalke neun Punkte zu holen. Man ist der klare Favorit, aber schon im Hinspiel wurde aufgezeigt wie es gehen kann: Der Individualität mit Kampf und Leidenschaft den Schneid abkaufen.“

Die drei Spiele andauernde Niederlagenserie gegen Bremen, Hoffenheim und Leipzig zeichnete sich vor allem durch zahlreiche Gegentore aus. Woran lag das?

„Die größte Schwachstelle sind die Außenverteidiger. Wendell und Weiser haben in der Rückwärtsbewegung noch viele individuelle Fehler.

Die Mannschaft tut sich gar nicht schwer damit Chancen zu erspielen, aber dann damit die Treffer zu erzielen. Während die Gegner, wenn die Pressing-Linien einmal überspielt sind, haben es sehr einfach. Mannschaften, die diese Räume bespielen, haben es da durchaus leichter gegen Leverkusen als Mannschaften, die aus einer rein defensiven Haltung heraus agieren und nicht so spielstark auf die Außenverteidiger zulaufen.“

System vor Individualität

Wie hat Peter Bosz das System in Leverkusen angelegt? Ich war etwas überrascht, dass Julian Brandt im Zentrum und Kai Havertz dafür auf dem Flügel zu finden ist. Ist das eine der Entscheidungen die Boszs Fußball bei Bayer prägen?

„Bosz selbst ist sehr systemtreu (4-3-3) – sogar dann, wenn er die Spieler dafür nicht zur Verfügung hat. Viele Fans würden sich da mehr Flexibilität wünschen, gerade wenn Kai Havertz auf dem Flügel sich quasi selbst aus dem Spiel nimmt, er ist viel schwieriger zu verteidigen, wenn er aus der Mitte kommt. Bosz setzt mehr auf System als auf die individuelle Klasse der einzelnen Spieler und beraubt sie so manchmal ihrer Stärken. Auch, wenn es – wie in Leipzig – nicht funktioniert. Da hat Rangnick taktisch umgestellt, Bosz auf seinem System beharrt – und so ist u.a. die Niederlage entstanden.“

Ist das Offensivspiel von den bereits erwähnten Havertz und Brandt abhängig und welche Rolle spielt Kevin Volland? Den hat man immer gar nicht so auf dem Zettel, dabei sprechen 12 Tore und 9 Vorlagen durchaus für ihn.

„Wahrscheinlich zu groß. Entsprechend werden sie in der Regel auch erst sehr spät ausgewechselt. Im Übrigen ein allgemeiner Vorwurf an Bosz: Spät und nur positionsgetreu zu wechseln. Volland ist ein zweischneidiges Schwert, weil er am Platz nicht wirklich präsent ist, dafür aber den Platz schafft, den Havertz und Brandt brauchen. Havertz ist ein außergewöhnlicher Spieler. Die Frage ist: Können Havertz und Brandt nur miteinander?“

Top oder Flop – das entscheidet Bayer selbst

Unter Bosz gibt es bislang nur Top oder Flop. Bislang stehen 7 Siege und 5 Niederlagen zu Buche. Wieso kennt Leverkusen nur die Extreme?

„Bayer spielt ein sehr laufintensives Spiel mit vielen Sprints. Bosz möchte das perspektivisch ändern. Niemand hätte es gewundert, wenn man gegen Stuttgart am Ende noch den Ausgleich bekommen hätte.“

Zum Abschluss noch ein kurzer Blick auf den 1. FC Nürnberg. Der FCN hat unter Schommers nur 8 Gegentore in 7 Spielen kassiert und dabei auch offensivstarke Mannschaften vor Probleme gestellt. Wie nehmen die Bayer-Fans den FCN wahr?

„Die Rollen sind klar verteilt. Ob man sich am Ende trotzdem schwer tut, wird mehr an der eigenen Leistung als an der des Gegners liegen. Und da es eine junge Mannschaft ist, fällt es da sehr schwer eine Prognose abzugeben und ich erwarte ein nervenaufreibendes Spiel. “


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 28:43 Minuten | Moderator: Felix Amrhein


Die Pressekonferenz in Leverkusen

https://twitter.com/bayer04fussball/status/1119238704307101696

Die Pressekonferenz aus Nürnberg


Steckbrief Clubfans United

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Foto: Hendrik Schuur „Die Teams begrüßen das Publikum bei Bayer Leverkusen – 1. FC Nürnberg im Frühjahr 1993“ / Alle Rechte vorbehalten.

Das Interview führte Felix Amrhein mit Max für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 17.04.2019. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

5 Gedanken zu „„Der Individualität mit Kampf und Leidenschaft den Schneid abkaufen.“

  • Heute vor fünf Jahren, auf den Tag genau, live im Stadion, ein Holländer trainierte den Club-man bereute diese Liebe nicht, der Club ging mit 1:1 in die Pause und verlor 1:4.Mein Neffe heulte damals noch nach jeder Niederlage und war für Stunden untröstlich.Danach erschien ein Prinz, es war kein Märchen.
    Ich hoffe mal Geschichte wiederholt sich nicht.

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  • Also spannender können Spieltage aus unserer Sicht kaum mehr sein, erstmal benötigen wir 3 Punkte, jedesmal das unmögliche versuchen 🙂 dann muss man noch auf Hannover und auf Stuttgart schaun in Augsburg ..uff. Da muss heute mal wieder ganz schön viel richtig laufen…auch jenes, was wir nicht beeinflussen können.
    Meinen Sohn 8J. habe ich aus Kinderschutzgründen rausgenommen aus dieser Saison – schon etwa Ende Köllner Zeit, da saß er nur jedesmal frustriert da im Club Trikot und fragte Papa – warum gewinnen die nie? Das muss er sich nicht mehr antun.

    Wenn man überlegt nächster Spieltag kommen die Bayern (im engen Duell mit Dortmund), da kann man nur hoffen, daß heute diesen Spieltag was geht.

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  • Wenn ich unser Restprogramm ansehe und das in Verbindung mit unserer Unfähigkeit selbst gegen unterirdischste Gegner wie zuletzt Schalke oder Stuttgart einen klaren Dreier einzufahren, dann kann ich schwerlich an einen Klassenerhalt über die Erreichung des Relegationsplatzes glauben. Vielleicht ist heute ein Pünktchen auch ohne den dauerverletzten Pfütze drin, aber bei den restlichen Spielen daheim gegen die Bauern, auswärts in VWBurg, daheim gegen Gladzbach und auswärts in Fallburg bin ich nicht überzeugt, daß wir da irgendetwas holen werden. Und gewinnen tun wir eh keines mehr.
    Schade, eine Saison, in der mindestens die Erreichung des Relegationsplatzes real möglich war, wurde clubtypisch in den Sand gesetzt. Ich sag nur Illicevic oder lediglich zwei von fünf verwandelte Elfmeter. Natürlich war das erwartbar, traurig stimmt es einen aber dennoch.

    Saison 2018/19? Versimmbld.

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  • Also wenn die Leverkusener rund um den Strafrafraum spielen, kommen mir Bilder von schwindelerregenden Karussellfahrten in den Sinn…

    Wenn das mal gut geht….

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  • Für mich kein Elfer, aber vorher schon Freistoß. Löwen kommt aus dem Tritt und läuft sich deshalb fest.

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