Der Kader 2019/20 – Die Torhüter

Wie jeden Sommer stellen wir auch nach dieser Saison Überlegungen zum Kader an. Wir beginnen im Tor, wo der Verein am Dienstag wichtige Weichen stellte.

Gleich drei Vertragsverlängerungen gab der FCN am 21.5. bekannt. Am meisten schlug dabei sicher ein, dass Stammkeeper Christian Mathenia seinen bis 2021 laufenden Vertrag um weitere drei Jahre verlängerte. „Maschinia 2024“ ließ der Club über die sozialen Medien verlauten und machte damit – jenseits des mittelmäßigen Wortspiels – klar, dass Christian Mathenia auf absehbare Zeit im Verein bleiben wird. Sportvorstand Robert Palikuća ging sogar so weit den 27-Jährigen indirekt in eine Reihe mit den Ären bildenden Torhüter Köpke und Schäfer in Reihe zu stellen: „Über die Jahre hat den 1. FC Nürnberg immer wieder die Konstanz im Tor ausgezeichnet. Wir sind sicher, dass Christian die Klasse hat, eine Ära zu prägen.“

In der Schlussphase der Saison waren Gerüchte über das Interesse einiger Bundesligisten (u.a. Fortuna Düsseldorf) aufgetaucht. Palikuća bestätigt dies auch in der Pressemitteilung: „Christian hatte verschiedene lukrative Anfragen von anderen Vereinen“ schiebt aber gleichzeitig seinem neuen Kompetenzteam einen ersten Erfolg zu: „[D]och unseren Kaderplanern ist es gelungen, ihn von der vielversprechenden Perspektive beim FCN zu überzeugen.“

Mathenia mit ordentlichen statistischen Werten

Mathenia war in der abgelaufenen Rückrunde Stammtorwart des FCN, absolvierte in der Bundesliga für den Club 22 Spiele (40 Gegentore, 2 Spiele ohne Gegentor). Zuvor war er bereits für Darmstadt (33 Spiele, 51 Gegentore, 8 Spiele ohne Gegentor) und Hamburg (38 Spiele, 57 Gegentore, 9 Spiele ohne Gegentor) in der Bundesliga aufgelaufen. Mit Darmstadt war er 2014/15 (34 Spiele, 26 Gegentore, 17 Spiele ohne Gegentor) aus der Zweiten Bundesliga aufgestiegen. Diesen Erfolg zu wiederholen ist nun das Ziel beim FCN.

Der gebürtige Mainzer taucht in einigen statistischen Kategorien der abgelaufenen Bundesligasaison recht weit vorne auf. Mit 5,43 Schüssen pro 90 Minuten kamen in der Liga nur auf den Kasten von Hannovers Esser (6,64) und Augsburg Kobel (5,89) mehr Abschlüsse des Gegners. Es wundert daher auch nicht, dass Mathenia in der Kategorie meiste Paraden pro 90 Minuten mit 3,66 die zweitmeisten gehaltenen Bälle aller Bundesligakeeper mit mindestens 17 Spielen zu Buche stehen hat und auch nicht, dass Esser mit 4,69 in dieser Wertung vorne liegt.

Auch Klandt und Wendlinger verlängern

Doch nicht nur mit Christian Mathenia verlängerte der Club die Verträge, sondern auch mit U19-Torwart Jonas Wendlinger und – etwas überraschend – mit Patric Klandt. Beide Schlussmänner erhalten Lizenzspielerverträge bis zum 30.6.2021. Klandt kam vor der Saison ablösefrei vom SC Freiburg, wo er ein Jahr als zweiter und zwei Jahre als dritter Torwart im Kader war und lediglich zu zwei Einsätzen im DFB-Pokal 2015/16 sowie einem Einsatz am letzten Spieltag der Saison 2015/16, als der Aufstieg der Breisgauer bereits feststand, kam. Auch beim Club machte Klandt kein Spiel bei den Profis, spielte aber viermal in der Regionalligamannschaft. Klandt ist inzwischen 35 Jahre alt und hat in den letzten vier Spielzeiten genau ein Ligaspiel im Profibereich gemacht – war aber zuvor sieben Jahre lang unumstrittener Stammtorwart beim FSV Frankfurt in der 2. Liga – was die Weiterbeschäftigung durchaus überraschend macht. Kicker (S. 33) und BILD (Printausgabe, S. 13) berichten am 23.5. übereinstimmend, dass Klandt nach Ablauf des Vertrags als Spieler in die Vereinsarbeit eingebunden werden soll, der kicker spekuliert über eine „Ausbildung zum Torwarttrainer“.

Nicht überraschend ist dagegen, dass Jonas Wendlinger einen Lizenzspielervertrag erhält. Der 18-Jährige war in der vergangenen Saison in beiden Profitrainingslagern dabei und in der U19 einer der besten und konstantesten Akteure. Der Sohn des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Karl Wendlinger war im Sommer 2017 aus der Akademie des Tiroler Fußballverbands nach Nürnberg gewechselt und gilt im Verein gemeinhin als bester Torwart im Nachwuchsbereich, der mit guten Reflexen gesegnet ist. Gleichzeitig wird er „künftig als Stammkeeper der U21 in der Regionalliga Bayern zum Einsatz kommen“, wie der FCN vermeldete. Bereits in dieser Saison durfte der Österreicher zweimal dort aushelfen. Beim 0:0 in Schalding-Heining und beim 1:0-Sieg in Rosenheim blieb er jeweils ohne Gegentor.

Was passiert mit Bredlow?

Offen war nach diesen Personalentscheidungen vor allem die Zukunft von Fabian Bredlow. Der war im Aufstiegsjahr Stammtorwart gewesen und war auch als Nummer Eins ins Bundesligajahr gegangen, hatte dann aber seinen Stammplatz in der Rückrunde – trotz dessen Verletzung in der Hinrunde – an Mathenia verloren und dürfte nun als klare Nummer Zwei gegenüber diesem gelten, gerade da dieser als sportlicher wie emotionaler Führungsspieler von den Verantwortlichen gepriesen wird. Für Bredlow, der oftmals den Anspruch formuliert hatte, Stammtorhüter zu sein, eine sportlich eher missliche Lage. Sein Vertrag lief am Ende der Saison 2019/20 aus. Es gab zu Beginn für die Torhüterposition in der Saison 2019/20 also drei Szenarien:

1.) Der Club geht mit der Torhüterreihenfolge 1. Mathenia, 2. Bredlow, 3./4. Klandt, 3./4. Wendlinger in die neue Saison.
2.) Der FCN trennt sich von Fabian Bredlow und verzichtet auf einen Neuzugang im Tor, die Reihenfolge stellt sich dann wie folgt dar: 1. Mathenia, 2./3. Klandt, 2./3. Wendlinger
3.) Der Club und Fabian Bredlow gehen getrennte Wege und der Verein holt einen neuen zweiten Torwart: 1. Mathenia, 2. Neuzugang, 3./4. Klandt, 3./4. Wendlinger

Es ging also in diesem Sommer im Tor um die Frage, was mit Fabian Bredlow passieren wird, alles andere war mit den Pressemitteilungen vom 21.5. bereits geklärt, so dass Palikuća den FCN auf der Torwartposition als „sehr gut aufgestellt“ (Kicker, 23.5., S. 33) sieht. Bredlow selbst erklärte am 23.5. gegenüber der BILD (Artikel hinter Paywall, im Print S. 13), dass der Verein signalisiert habe, mit ihm in die kommende Saison gehen zu wollen: „Meinem Berater wurde ja auch zum Saisonende gesagt, dass man mich gerne behalten will. Aber wenn man nur noch ein Jahr Vertrag hat und der Konkurrent einen Kontrakt bis 2024 bekommt, muss man auch Alternativen prüfen.“ Des Weiteren stellte er klar, dass er „noch“ nicht so weit gehen würde, an Abschied zu denken, fügte aber hinzu: „Ich habe in der Aufstiegssaison gezeigt, was ich kann und will zukünftig natürlich nicht nur auf der Bank sitzen.“ Am 20.6. fehlte Bredlow dann zum öffentlichen Trainingsauftakt, da er sich nach Vereinsangaben „in Verhandlungen mit einem anderen Verein“ befand. Einen Tag später wurde sein Wechsel zum VfB Stuttgart publik gemacht, laut kicker beträgt die Ablösesumme ungefähr 300.000 Euro.

Es ist also klar, dass Variante 1 aus den Überlegungen nun herausfällt und es war abzuwarten, ob der FCN einen weiteren Torwart verpflichtet oder mit den drei Keeper Mathenia, Klandt, Wendlinger in die neue Saison geht. Am 5.7. wurde dann klar, dass sich der FCN für Variante 3 entschieden hat. Der Österreicher Andreas Lukse, der unter Canadi in Altach gespielt hatte, wechselt an die Noris. Der 31-Jährige hat ein Länderspiel für Österreich bestritten und kommt als klare Nummer Zwei nach Nürnberg.

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13 Gedanken zu „Der Kader 2019/20 – Die Torhüter

  • Also Option 2. würde ich ausschließen, bzw. hielte ich für einen Fehler. Bei Klandt ist einfach die Frage, ob er wirklich noch das Zeug zu mehr als dem Notnagel bzw. Torhüter fürs Training hat und Wendlinger bringt es für seine Entwicklung nichts, auf der Bank zu sitzen.

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    • Wenn man das wählen würde, wäre es wahrscheinlich so, dass im Fall der Fälle Wendlinger eher die zwei wäre und dann spielen würde und Klandt weiter Reserve und sonst Klandt halt auf der Bank säße und Wendlinger Regionalliga spielt.

      Ich rechne aber auch eher mit Variante 3 als mit Variante 2 im Falle eines Abgangs.

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      • Wäre auch möglich, aber mir wäre die Personaldecke dann zu dünn, auch für den Trainingsbetrieb.
        Zumal ich denke, dass man schon zwei ligataugliche Torhüter im Kader haben sollte, ob Klandt und Wendlinger dieses Kriterium noch bzw. schon erfüllen, kann ich nicht beurteilen, habe aber meine Zweifel.

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  • Am wahrscheinlichsten erscheint mir
    4. Bredlow findet einen Verein und verlässt den FCN. Der Club verpflichtet einen jungen, ambitionierten „Konkurrenten“ zu Wendlinger. Die Reihenfolge wäre dann
    2.Liga
    (1) Mathenia
    (2) Klandt
    RL BY
    (3) Wendlinger
    (4) Neuzugang

    Bei einer Verletzung von Mathenia, traue ich Klandt die Rolle der Nummer 1 auf Zeit in Liga 2 zu, sehr wahrscheinlich wäre aber dann ein Wechsel auf Wendlinger spielt, Klandt bleibt auf der Bank, das meinte, glaube ich Florian mit im Falle eines Falles auch.

    Festzuhalten bleibt, dass hier sehr gut im Hintergrund gearbeitet wurde. Natürlich hat man die Chance der familiären Vernetzung in die Region (schwangere Partnerin stammt aus Würzburg) nutzen können und die Verantwortlichkeiten werden da sicher noch klarer (Palikuca schiebt Erfolg zu…). Aber man hat da jetzt ein breiteres Kometenzteam, Manpower hilft da sicher. Und ja, auch das Verhalten der Fans, v.a. der Kurve spielt hier eine wichtige Rolle – ich hoffe das bleibt so. Die gruseligen Zeiten mit Trikot abgeben etc. scheinen Geschichte zu sein.

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  • Sauber, einen der besten deutschen Torhüter in der zweiten Liga zu haben, kann keinesfalls schaden!
    Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Funkel beschwert sich über Palikuca, Palikuca weist die Beschwerde von sich und Oliver Sorg für die rechte Abwehrseite und Felix Lohkemper für die Offensive sind auch schon im Anmarsch. Beide wären ablösefrei und würden sogar in das frühere Profil „deutschsprachig + Transfer hilft sofort weiter“ reinpassen.

    Endlich kommt mal Leben in die Bude.

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    • Felix Lohkemper ist inzwischen offiziell bestätigt:
      https://www.fcn.de/news/artikel/club-verpflichtet-felix-lohkemper/

      Find ich gut!!
      In der vergangenen Saison hat er in 29 Spielen (22 von Beginn, ab 14.Spieltag Stamm)
      6 Tore und 3 Torvorlagen geliefert.
      Am besten daran: Wir haben wieder jemand der Derbys gegen Fürth gewinnt!!
      Gegen Fürth hat er im Hin- wie im Rückspiel für Magdeburg jeweils 1 Tor und 1 Assist geliefert!!!

      Willkommen beim Club, Felix Lohkemper!

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      • Dafür, dass er bei einem Absteiger gespielt hat, der insgesamt nur 35 Tore erzielt hat, ist das eine ausgezeichnete Quote. Deutlich mehr, als irgendwer bei uns geschafft hat.

        Mit 24 im besten Alter und noch Entwicklungspotential. Gefällt mir!

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  • Die langfristige Mathenia-Verpflichtung hat mich sehr gefreut, denn er ist beim Club stabiler geworden als beim HSV, übernimmt Verantwortung und identifiziert sich mit dem Verein, hat damals, als Köllner Bredlow den Vorzug gab, nie (öffentlich) gemeckert, scheint also charakterlich und vom Leistungsvermögen her ein Torhüter zu sein, der möglicherweise wirklich eine neue Ära prägen könnte.

    Die Verträge für Wendlinger und Klandt halte ich aus der Ferne ebenfalls für nachvollziehbar, sofern man bei Weggang Bredlows einen weiteren ambitionierten Keeper verpflichtet. Klandt hatte ich in seiner Zeit beim FSV Frankfurt immer als äußerst reaktionsschnellen und für Zweitligaverhältnisse sehr guten Torhüter wahrgenommen, den ich schon damals gerne als zweiten Mann hinter Schäfer gesehen hätte. Warum sollte er das verlernt haben? Er wird sich sicherlich auch durch sehr gute und (den jüngeren Kollegen) dienliche Trainingseinstellung für eine Weiterbeschäftigung empfohlen haben, so dass er insbesondere im Trainingsalltag wichtig sein dürfte, um das Niveau hochzuhalten und den jüngeren Keepern mit seiner Erfahrung weiterzuhelfen.

    Im Tor sehe ich den Club also für 2019/20 sehr gut aufgestellt. Daran dürfte es nicht scheitern.

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  • Pingback:Der Kader 2019/20 – Torhüter – Clubfans United – Ochsner Sports

  • Im kicker von heute heißt es, dass Klandt nach seinem Vertrag in die Vereinsarbeit eingebunden werden soll, vermutlich verbunden mit einer Torwarttrainer-Ausbildung.

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  • Um sich diese Transfers leisten zu können, müssen auch Spieler aus dem akutellen Kader verkauft werden. Laut, kicker’ steht dabei Virgil Misidjan (25) weit oben auf der Liste. Im Sommer für drei Millionen von Ludogorez Rasgrad gekommen soll der pfeilschnelle Außenspieler nach nur einem Ligatreffer in 23 Spielen wieder abgeben werden. Auch Misidjan selbst würde die Clubberer gerne verlassen.

    Marvin Mehlem (21) von Darmstadt 98 und Marvin Bakalorz (29) von Mitabsteiger Hannover 96 haben bei Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca Interesse geweckt. (fussballtransfers.com)

    Darmstadt da kommt doch unser Scout grad her und H96 ist wohl ein beliebtes Reiseziel-solider Zweitligakader scheint das neue Ziel zu sein-wenn die Mischung dann stimmt kann es ja was werden

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