In Bayreuth kann man verlieren

Ich trat an den Tresen und Alfred sagte: „Woorsd du baim Schbill?“

„Klar“, antwortete ich. „Ich musste ja hin. War meine Pflicht.“

„Worumm?“

„Mir oblag die Aufgabe, die Mannschaftsaufstellungen und taktischen Formationen für den Spielbericht (klick) durchzugeben.“

„Dann warst du ja der wichtigste Mann im Stadion“, sagte der Wirt und stellte ein Pilsglas unter den Zapfhahn.

„Wenn man so will“, erwiderte ich.

„Die dswaide Holbdsaid hobbi aa gsääng. Wall, iech kenn ann vo die Ordna. Deer hoddmi naiglossn.“

„Wollte eigentlich auch hin, aber dann hat meine Mutter angerufen und mich gebeten, sie zu ihrer Schwester zu fahren.“

„Doo hossd nedd vill vabassd…“

„Auf alle Fälle weniger, als die Club-Spieler im Passspiel verpasst haben“, bemerkte ich.

„…woor a schwochs Schbill vomm Glubb. Obba in da dswaidn Hollbdsaid mussa in Fiehrung geh. Doo woora dann scho a Dsaidlong omm Drigga. Doo hodda scho guude Schongsn ghabbd und noochm Dswaa-aans hodda Bech ghabbd, wie da Boll baim Fraischdooß onn Bfossdn ganga iss.“

„Ja“, stimmte ich zu, „da hatte Misidjan Pech, allerdings hätte er vorher das 2:1 für den Club machen müssen, nach einer mustergültigen Vorarbeit von Fuchs…“

„Doo mussa doch na Boll oonehma, soo ann Boll muss a Broofi doch oonehma kenna!“

„… und Fuchs hatte auch beim Stand von 1:1 eine Riesenchance, die er kläglich vergeben hat, war eine gute Kombination über Rhein und Misidjan und Fuchs war völlig frei.“

„Woor halld amoll widda dibbisch Glubb. Da Glubb iss omm Drigga und dann grichda dess Door. Nooch aana Eggn grichda sei Door. Inn da Obbwehr woora aa nedd suferään, da Glubb.“

„Bei Kontern wurde einem mehrmals angst und bange. Da stand man oft zu hoch und das hat der Regionalligist im Umkehrspiel beherzt ausgenutzt, besonders beim 1:0.“

„Hat Lohkemper gespielt?“, fragte Hannes.

„Ja.“

„Und?“

„Hatte ein paar gute Szenen, dass 1:1 hat er mit einem Pfostentreffer vorbereitet, Knöll stand richtig und hat zum Ausgleich abgestaubt. Aber kurz vor Schluss hat Lohkemper in guter Schussposition, statt abzuziehen, den Ball weitergegeben. Wahrscheinlich, weil er mit links nicht schießen kann.“

Der Wirt stellte das Pils vor mich auf den Tresen und ich nahm einen Schluck.

„Worumm hoddn da Ieschagg nedd gschbilld?“

„Im Spielbericht steht: aus privaten Gründen (klick)“, sagte der Wirt.

„Aha“, ließ Hannes vernehmen.

„Vielleicht private Verhandlungen in Hamburg (klick, klick)“, mutmaßte ich.

„Wollen wir nicht gleich wieder das Schlimmste vermuten“, entgegnete der Wirt und grinste.

„Testspiel ist Testspiel und ein Testspiel ist eine Trainingseinheit“, räsonierte Hannes. „Da sollte man auf das Ergebnis nicht allzu viel geben. Besonders bei dieser Hitze.“

„Da Glubb hodd geecha die Olldschdodd aa scho Bflichdschbiele valoorn. Und aa, wenn ka Hidds woor. Sogoor dahaam hodda scho geecha di Olldschdodd valoorn (klick).“

„In Bayreuth kann man verlieren“, stellte ich fest.

„Und was gibt’s in taktischer Hinsicht zu vermelden?“, fragte Hannes.

„4-4-2. Raute im Mittelfeld mit abkippendem Sechser.“

„Woss firra Seggsa?“

Abkippender Sechser (klick).“

„Waaf nedd soo gschwolln doheer, gibbma lieba a Kibbm!“

[Zum Spiel: klick, klick.]

Ein Gedanke zu „In Bayreuth kann man verlieren

  • In Bayreuth kann man verlieren. Nicht aber als ambitionierter Zweitligist. Da zählt die Mourinho-Prämisse, dass man immer gewinnen muss, oder, wenn man schon nicht gewinnt, auf keinen Fall verlieren darf!

    Gegen einen unterklassigen Gegner darf man nach harter Trainingswoche auch einmal einen mäßigen Tag erwischen. Dass aber so viele Spieler, die sich beim neuen Trainer zeigen müssen und um einen Platz in der ersten 11 bewerben, so schwach auftreten, lässt hinsichtlich der Qualität des Kaders (auch mental) Fragezeichen stehen.

    Langsam kann ich nachvollziehen, wieso Palikuca hinsichtlich Neuzugängen von mindestens noch fünf sprach.

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