Nikola Dovedan: Möhwald 2.0? Löwen 3.1?

Mit Nikola Dovedan hat der FCN den ersten „großen“ Transfer des Transferfensters unter Dach und Fach gebracht. Dem Vernehmen nach plant Damir Canadi mit seinem Landsmann im offensiven Mittelfeld. Aber ist Dovedan damit nun eher Löwen-Ersatz, Möhwald-Ersatz oder doch ein vollständig anderes Kaliber? Ein Blick auf die Daten soll helfen.

Kategorie: Key Passing

Dovedan kommt in den letzten drei Jahren auf 27 Tore bei einem xG-Wert von 16,3 und damit auf ein ΔxG von 10,7*. Also ungefähr elf Tore mehr als man eigentlich auf Grund der Situationen, in denen der Abschluss gesucht wurde, hätte erwarten können. Die Diskrepanz kommt vor allem aus der letzten Spielzeit, in der Dovedan den xG-Wert um 5,6 übertraf. Aber auch 2017/18 (+1,9) und 2016/17 (+3,2) erzielte der Österreicher mehr Tore als auf Grund der Qualität der Chancen zu erwarten gewesen wäre. Ein Offensivspieler, der das dreimal in Folge schafft, hat zumindest bewiesen, dass es kein statistischer Ausrutscher ist, sondern er tatsächlich zumindest eine gewisse Abschlussstärke besitzt. Zum Vergleich: Hanno Behrens kommt in dieser Zeit auf ein ΔxG von -3,65, Eduard Löwen auf +4,55, Kevin Möhwald auf +3,97.

In eine ähnliche Richtung zielt die „Goal Conversion Rate“, also die Prozentzahl der Schüsse, die ins Tor gingen. Da landet Dovedan für die vergangenen zwei Spielzeiten bei knapp 15% und damit deutlich höher als Eduard Löwen (11,5%) oder Kevin Möhwald (9,5%), einzig Hanno Behrens (17,4%) liegt darüber, allerdings werden bei Behrens alle Werte durch die Tatsache, dass er lange der designierte Elfmeterschütze war, leicht verfälscht. Die 2,23 Schüsse, die Dovedan pro 90 Einsatzminuten abgab, liegen dann auch vor Löwen (1,54) und Behrens (1,49), aber hinter dem abschlussfreudigen Möhwald (2,42). Letzteres unterstreicht in Kombination mit der Trefferquote und den xG wiederum, dass Möhwald deutlich mehr Schüsse aus wenig aussichtsreichen Positionen (v.a. Fernschüsse) versucht als Dovedan.

Dovedan spielte bislang nah am Tor

Kategorie: Passspiel

Dass Dovedan bislang insgesamt näher zum Tor spielte als Löwen oder Möhwald zeigt sich auch an einer anderen Statistik. Pro 90 Minuten auf dem Feld berührte Nikola Dovedan den Ball in der Zweiten Bundesliga 2,41-mal im Strafraum. Möhwald kommt für alle drei Zweitligasaisons auf 1,80, Löwen in erster und zweiter Liga auf 0,94 und Behrens in der Bundesliga auf 1,83 und der Zweiten Liga auf 2,15 (mit einem Ausrutscher nach oben 2017/18, als er offensiver agierte und auf einen Wert von 2,78 kam). Dovedan ist also in der Spielanlage als offensiverer Spieler als die zentralen Mittelfeldspieler der letzten Jahre anzusehen. Gleichzeitig ist Dovedan anhand dieser Daten auch schon sichtbar kein klarer Strafraumspieler wie z.B. Terrode (5,13), Adamyan (4,88) oder Cordoba (4,83) es sind.

Das sieht man auch an den Positionsbeschreibungen: In Heidenheim spielte Dovedan zwar 3014 Minuten in der Spitze, davon entfiel aber die meiste Zeit auf die Rolle als hängende Spitze. Hinzu kommen 138 Minuten auf der linken Außenbahn, 47 auf der rechten Außenbahn und 981 im zentralen Mittelfeld. Auch unter Canadi in Altach spielte Dovedan knapp 58% seiner Einsatzminuten in der Spitze. Dovedan ist damit von der ganzen Ausrichtung deutlich offensiver anzusehen als die bisherigen zentralen Mittelfeldspieler, es ist sogar zu erwarten, dass Canadi Dovedan in einem System mit zwei Angreifern als hängende Spitze einsetzen wird.

Dovedan ist auch kein klassischer Aufbauspieler im zentralen Mittelfeld. Das zeigen auch seine Passwerte. Mit einer Passgenauigkeit von 69% in den letzten beiden Jahren liegt er deutlich unter den Werten von Möhwald (84%), Löwen (79%) oder Behrens (76%) in diesem Zeitraum, wobei Dovedan auch deutlich weniger Pässe pro 90 Minuten (20,8) spielt als die anderen (Möhwald: 48; Löwen: 43,5; Behrens: 33,9).

Lösungen auf engem Raum

Kategorie: Angriffsspiel

Wie kommt Dovedan aber auf seine hohen Vorlagenwerte? Dovedan steht bei 10 Vorlagen in den letzten beiden Jahren und damit deutlich höher als Behrens (5), Löwen (5) und Möhwald (3) in diesem Zeitraum. Zum einen kommt er trotz deutlich geringerer Passanzahl zu einer ähnlichen Frequenz an „Key Passes“, also Zuspielen, die zu einem Abschluss führen. Dovedan liegt hier bei 0,3 pro 90 Minuten und damit höher als Möhwald (0,21), Löwen (0,28) und knapp hinter Behrens (0,34). Zum anderen ist Dovedans Passgenauigkeit von 67,2% im letzten Spielfelddrittel, also auf engem Raum, nur der von Kevin Möhwald (74,7%) unterlegen. Hanno Behrens (56,5%) und Eduard Löwen (63,9%) haben hier deutlich schlechtere Werte. Dovedan ist darüber hinaus von allen vier auch der mit der höchsten Passquote bei Schnittstellenbällen (36,5%; Behrens: 30%, Löwen: 34,8%; Möhwald: 34,5%).

Im Vergleich zu den anderen drei Spielern ist Dovedan auch im Dribbling erfolgreicher und versucht dies auch häufiger: 4,78 Dribblings pro 90 Minuten bei einer Erfolgsquote von 67,7% stellen bessere Werte dar als die von Behrens (1,38; 65,3%), Möhwald (2,35; 62,8%) und Löwen (4,37; 62%). Er liegt damit auch weit vor den reinen Angreifern im Kader des FCN (Ishak: 1,72; 61,1%; Knöll: 1,57; 63,2%; Zrelak: 1,12; 52%), aber auch deutlich hinter Spielern wie Misidjan (10,25; 70,5%) oder Pereira (8,08; 71,8%), die mit deutlich mehr Platz und Anlauf arbeiten als der näher am Tor spielende Dovedan.

Defensive Schwächen

Kategorie: Defensive

Wo Dovedan deutlich schwächer ist als die anderen Akteure ist in der Defensivarbeit. Mit 2,08 erfolgreichen Defensivaktionen pro 90 Minuten liegt er weit hinter Behrens (5,88), Löwen (5,39) und Möhwald (4,88) und das obwohl er in ähnlich viele defensive Duelle (5,38 in 90 Minuten) geht wie die anderen. Inwiefern ihn dies im Pressingsystem von Damir Canadi zum Nachteil gereichen wird, wird abzuwarten sein. Sicher nicht gern sehen wird Canadi dass er auch häufiger Foul spielt (2,37 in 90 Minuten) als nahezu alle anderen Spieler, die der FCN im Kader hat.

Dovedan ist also – um die Frage aufzugreifen – ein anderer Spieler als das, was man in den letzten Jahren in der Offensive erlebt habt. Einer mit hoher Qualität, aber eben auch ein ganz eigener Typ, kein Möhwald 2.0 oder Löwen 3.1, sondern – wie er selbst in seiner Vorstellung sagte: Der Niko.

*Alle Daten und Grafiken stammen von Wyscout. Benutzung unter der Journalistenlizenz des Anbieters.

22 Gedanken zu „Nikola Dovedan: Möhwald 2.0? Löwen 3.1?

  • Danke. 🙂

    Ich habe keinen Zugriff auf das Datenmaterial, aber gefühlt wäre Kiyotake der Spieler mit Club-Vergangenheit, den ich am ehesten für einen Vergleich mit Dovedan heranziehen würde. Sowohl was Spielweise als auch Positionierung angeht.

    Die Fouls die im letzten Absatz angesprochen werden sehe ich relativ unkritisch, weil die viel weiter vorne passieren als bei den anderen drei genannten. Das werden großteils Aktionen im Gegenpressing sein, wo der Gegner zumindest im Aufbau behindert wird, wenn schon keine Balleroberung gelingt.

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    • Ich hab zu danken, ohne Dich wäre ich nicht auf den Ansatz gekommen. 😉

      Das mit den Fouls habe ich deshalb drin gelassen, weil sie auch über den Werten den Club-Stürmer liegen, natürlich trotzdem nur bedingt vergleichbar, weil der Club 837 Fouls in den letzten zwei Jahren beging, Heidenheim aber 1003-mal Foul gespielt hat.

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  • Mich erinnert Niko ein wenig an Eckes. Ein schneller Dribbler, der das 1:1 sucht auch gegen mehrere Gegner….
    Seine Spielweise ist was fürs Auge

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  • Wie jetzt? Kein Möhwen und auch kein Löhwald 1.3 dieser neue Eckes?
    Mei ist das alles kompliziert.

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    • Mal so ein Gedanke, warum machen wir es nicht wie der HSV und nehmen Robert Glatzel auch gleich mit vom FCH, wie er im DFB Pokal Viertelfinale beim FC Bayern im Station die 3 Tore für Heidenheim gemacht hat habe ich immer noch im Kopf, das war außergewöhnlich, zudem trifft er konstant gut in der 2. Liga, 25J. Vertrag bis 2020 also eigentlich muß Heidenheim verkaufen, wenn er nicht verlängert.

      Zu Dovedan bei ihm habe ich ein sehr gutes Gefühl, er strahlt die Gefahr im offensiven Mittelfeld, die uns lange fehlte. Könnte ein sehr wichtiger Baustein sein. Well done!

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  • Wahrscheinlich ist er für uns finanziell eine Nummer zu groß und deshalb illusorisch, aber er hat mir im U21 gegen Deutschland sehr gut gefallen: Sasa Kalajdzic, an dem wohl Stuttgart dran ist. Er ist jung, 2,00m groß (!) und dennoch beweglich und spielerisch gut.

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    • Guter Spieler, aber ich bin mir fast sicher, dass er schon 2-stellige Millionenbeträge kosten würde 😉

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      • Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Der hat erst ein Jahr im Profifußball hinter sich, hat noch ein Jahr Vertrag und spielt bei der Admira. Mit zehn Millionen Euro würden die zwei Jahre lang ihren Etat decken… Im Winter war von zwei Millionen Euro die Rede, jetzt wo deutsche Klubs interessiert sind kann ich mir vorstellen, dass die Admira pokert, aber mehr als vier Millionen halte ich für völlig unrealistisch.

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        • 4 Mio. wäre für ihn wohl eine Investition wert, da das Wiederverkaufspotenzial nach nur einer gelungenen Saison sicher ein Vielfaches wäre. Nur muss man halt kurzfristig Ablöse und Gehalt trotzdem stemmen können…

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        • Reiner Geyer legt bestimmt ein gutes Wort ein, wenn der Club anfragt. 😀

          3,5 Mio. € würd ich da auch als realistisch einstufen, es hieß aber, dass Stuttgart wohl schlechte Karten hat wegen anderer Anfrage, da vermute ich mal, der Club hätte die dann auch.

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        • Jetzt verstehe ich warum Borni die Scouting Abteilung weitgehend aufgelöst hat, er mußte ja nur bei CU mitlesen 🙂 Schland u. Österreich decken wir auf jeden Fall ab. Schwarmintelligenz und Google so können wir uns an jedes Talent herangoogeln dazu die Zenger Daten. Was braucht man mehr.

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  • Mal was anderes: Wird das Elfmeterschiessen Bestandteil des kommenden Trainingslagers werden? Weiß das jemand?

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  • Ich verliere gerade ein wenig den Überblick über die vielen Offensivkräfte, die wir haben: gehen wir mal davon aus, dass selbst wenn Ishak geht, wir noch einen ligatauglichen Mittelstürmer benötigen und holen. Dann haben wir mit dem, Knöll und Zerlak 3 Mittelstürmer (Besong lassen wir mal in der U21) und mit Hack, Lohkemper, Misidjan, Akolo, Keck, Palacios 6 Außenstürmer/Offensivkräfte.

    Das sind wohl mindestens 2-3 zu viel. Misidjan und Akolo werden wohl mehr oder weniger gesetzt sein, Lohkemper und Hack als Neuverpflichtungen auch.

    Gibt es Gerüchte, wer uns noch von Knöll/Zrelak/Palacios/Kerk verlässt?

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      • ich sagte doch, dass ich (und meine Autokorrektur) den Überblick verlieren :-). Aber Hack und Keck hat was, das schauen sich bestimmt die Kollegen der BILD ab und machen was Originelles daraus. Gab es nicht mal Mick und Mack bei den Bauern?

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    • Da hast Du aber wirklich den Überblick verloren. Wir haben Dovedan verpflichtet, nicht Akolo. 😉

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      • Nein, nein. Aber Dovedan ist ja nicht als klassischer Stürmer, sondern eher als 10er, eingeplant. Und nachdem Akolo unabhängig von der Personalie Dovedan noch gehandelt wird, gehe ich einfach davon aus, dass entweder er oder zumindest eine Außenstürmeralternative noch auf dem Zettel von Palikuca stehen.

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  • Ich wollte schon immer für meinen Verein spielen. Dabei hatte ich meine Karriere eigentlich schon lange beendet.

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  • Ewerton ist schon wieder verletzt. Leistenprobleme. Vllt war der Verkauf ganz gut.

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