DFB-Pokal: Canadis Umstellungen zeigen Wirkung, Club in Runde 2

Der 1. FC Nürnberg setzt sich in der 1. Runde des DFB-Pokal beim FC Ingolstadt knapp, aber verdient durch. Den goldenen Treffer zum 1:0 Auswärtserfolg erzielte Neuzugang Dovedan in der 87. Minute nach Maßflanke von Kerk.

2. Spieltag 2019/2020
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Archiv: Ingolstadt

Bis auf eine turbulente Anfangsphase konnte der Favorit sich über 90 Minuten in einem intensiven Spiel deutlich gegenüber der 0:4 Pleite in der Liga gegen den HSV stabilisieren und zeigte auch offensiv bessere Ansätze. Dazu trug sicher auch Coach Canadi bei, der gegenüber dem Hamburg-Spiel gleich sechs Neue aufbot und dabei auch deutlich offensivere Akzente setzte. Der bei wohl jedem Top Anbieter im Wettbereich leicht favorisierte Club konnte damit seiner Rolle gerecht werden.

Zwei aberkannte Tore und eine vermeintliche Notbremse

Knapp zwei Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball im Tor von Lukse, der Mathenia, der aus familiären Gründen passte, vertrat. Mit einem simplen Kurze-Ecke-Trick war der Flankengeber vollkommen unbedrängt und servierte maßgenau auf den aufgerückten Keller, der nur noch einnicken musste. Zum Glück für die Clubberer stand aber ein Ingolstädter im Abseits direkt vor Lukse. Eine unstrittige Entscheidung, da hier durchaus ein Irritieren des Torwarts gegeben war. Dennoch ein Wachrüttler, der die Skeptiker in Reihen der Clubfans schon Übles ahnen ließ. Sechs Minuten später allerdings Aufregung auf der anderen Seite. Endlich einmal schnelles Umschalten und Ishak bedient Kerk, der nach innen und auf das Tor zieht, dabei aber beim Eindringen in den Strafraum ungestüm vom Ingolstädter Verteidiger angegangen wird und zu Boden geht. Eine Diskussion, ob dies nun als Notbremse, mit Gelb bzw. Rot und Freistoß oder als Elfmeter mit Gelb gewertet werden müsste, erübrigte sich schnell, denn des Schiris Pfeife bliebt komplett stumm – eine fragwürdige Entscheidung von Siebert.

Das Spiel wogte im Folgenden intensiv, aber auf mäßigem Niveau hin und her, bis auf einmal der Ball in Ingolstadts Maschen lag. Geis hatte eine Ecke auf Sörensen gezirkelt, der den Ball per Kopf versenkte – doch auch diesmal entschied Siebert auf „kein Tor“, denn Dovedan stand in der Nähe des Ingolstädter Keeper in einer Abseitsposition, ohne allerdings einzugreifen. Eine deutlich strittigere Entscheidung als noch in der 2. Minute, denn hier ging der Ball doch eher unhaltbar für den Keeper ins Tor und die Behinderung durch Dovedan war eher theoretischer Natur. Vielleicht eine Art Konzessions-Entscheidung.

Intensives Spiel ohne große Höhepunkte

Im Folgenden verlief das Spiel intensiv und abwechslungsreich weiter bis zur 78. Minute, wobei der Eindruck, dass der Club nun mehr und mehr das Heft in die Hand bekam und das Spiel zu dominieren begann, greifbar war. Canadi tauschte Margreitter für den angeschlagenen Sörensen und zugleich Sorg mit Valentini, dem vielleicht noch die Luft fehlt für intensive 90 oder gar 120 Minuten nach seiner langen Verletzung. Vor allem Kerk und Medeiros kamen immer besser zur Geltung und auch Ishak verdiente sich Fleißpunkte. So entstanden immer wieder gute Chancen und auch Torgefahr, während Ingolstadt nur noch durch Konter gefährlich wurde. Als der Schwede dann mit Wadenproblemen seine Auswechslung andeutete, machte sich schon Knöll bereit, als die am Ende Spiel-entscheidende Aktion ihren Lauf nahm. Wieder Kerk, der sich auf links durchsetzte, bringt eine gute Flanke in die Mitte und findet dort Dovedan, der sich geschickt von seinem Verteidiger lösen konnte und so den Tick eher am Ball war.

Ein sauber herausgespieltes Tor, das Canadi auch sofort zum Umdisponieren veranlasste und statt Knöll nun Erras ins Spiel brachte. Eine verständliche Maßnahme in Anbetracht der nur noch verbleibenden wenigen Minuten. Die Schanzer, die auch schon zu viele Körner im Spiel gelassen hatten, hatten nun keine Mittel mehr gegen den FCN, der bereit und in der Lage war den knappen Vorsprung nach Hause zu bringen.

Fazit

Canadis Reaktion auf die HSV-Pleite zeigte sich als wirkungsvoll. Mit mehr offensivem Material am Platz und einem 4-1-4-1 in der taktischen Formation war der Club deutlich aktiver nach vorne, ohne dabei gegen den „Geheim-Favoriten“ in diesem Spiel, immerhin grüßte Ingolstadt nach Traumstart in Liga 3 ungeschlagen von Platz 1, die Defensive zu sehr zu vernachlässigen. Nach der turbulenten Anfangsviertelstunde kam der Club immer besser in Tritt und zeigte endlich auch spielerische Ansätze, auch wenn hier noch viel Luft nach oben bleibt. Aber immerhin, ein Anfang und das lange erhoffte Signal auch an die Fans, dass hier etwas am Entstehen ist. Als kleine Gewinner des Spiels dürften sich zwei aus dem Altbestand des Kaders fühlen: Kerk und Mühl. Kerk wirkte spritzig und agil mit vielen Ideen und technisch guten Ansätzen, Mühl war der erhoffte ruhende Pol, der nicht davor zurückschreckte mit resoluten Aktionen kritische Situationen unprätentiös zu klären. Aber auch Ishak und Medeiros zeigten, wie auch der Matchwinner Dovedan, dass man hier durchaus auf die Zukunft hoffen darf. Und last but not least: Johannes Geis. Der Neuzugang in dieser Woche, der vielleicht etwas überraschend gleich in der Startelf stand, zeigte, dass er die ordnende Hand, der „Umschalter“ im Mittelfeld sein kann, den man so sehr vermisste.

Ein am Ende verdienter und mit zunehmender Spielzeit auch souveräner Erfolg als Resultat einer geschlossenen Mannschaftsleistung, die gegenüber Ingolstadt dann auch den Unterschied zwischen einem Drittligisten und einem ambitionierten Zweiligisten belegte. Keinen großen, aber darauf kommt es dann ja auch gar nicht an. Viele Teams der 2. Liga dürften sich in etwa auf dem Level der Schanzer auch bewegen. Und so heißt es in Nürnberg einmal mehr: Pokal ist nicht nur einmal im Jahr.

7 Gedanken zu „DFB-Pokal: Canadis Umstellungen zeigen Wirkung, Club in Runde 2

  • Interessant, dass das Spiel hier eher positiv gesehen wird. Mir gefiel die Vorstellung bis zur 70. Minute nicht sonderlich gut. Extrem viele (unnötige) Fehlpässe, teilweise direkt zum Gegner. Dazu wieder viel „hintenrum“ und einige hochkarätige Chancen für den FCI (z.B. Direktschuss Kutschke von der Strafraumlinie). Ein besserer Gegner verwertet da eine Chance. Mich hat vieles an die Dresden Partie erinnert, lediglich die dominante Schlussphase werte ich als Zeichen einer langsamen Entwicklung. Weiterhin positiv: der personelle und taktische Wechsel. Canadi scheint i.d.S. nicht stur an seinem Konzept festzuhalten (vgl. als Gegenbeispiel: Köllner, Michael).

    Last but not least:
    Wenn Palikuca/Canadi Mühl verkaufen, dann bin ich stinksauer!

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    • Ich bin da bei dir, das Spiel war zwar wesentlich amüsanter anzuschauen als unsere ersten beiden Partien, aber man hatte schon das Gefühl, dass uns ein stärkerer Gegner für diese Spielweise bestraft hätte. Unser größtes Problem, dass es so wirkt als würde da ein Team für die Defensive und ein Team für die Offensive auf dem Platz stehen, habe ich trotz Geis auch gestern so wahrgenommen.

      Was wir da an hohen Bällen über das Mittelfeld hinweg gespielt haben, kann man wahrlich nicht mehr als kontrollierten Aufbau bezeichnen, Behrens Spiel bestand ja im Grunde daraus sich irgendwie in hohe Bälle zu werfen und diese weiterzuleiten… Ich glaube daher, dass diese Formation zu unausgeglichen für die zweite Liga ist und wir dringend einen dritten Mann im zentralen Mittelfeld benötigen – und im Gegenzug versuchen sollten, die Außenverteidiger stärker ins Spiel nach vorne einzubeziehen.

      Mühl war in meinen Augen besser als das, was wir von Margreitter bisher gesehen haben (überrascht wohl wenige), dabei, Kerks Leistung positiv zu sehen, tue ich mir hingegen schwer. In meinen Augen sind da extrem wirre Laufwege dabei (hebt beim vermeintlichen 1:0 der Ingolstädter die Abseitsfalle um zwei Meter auf; orientiert sich im gegnerischen Strafraum weg vom Ball obwohl er die einzige Anspielstation ist), er wirkt im Anlaufen und Zweikampf weiterhin extrem zögerlich (er läuft nie durch, wenn es so ausschaut als könnte der andere vor ihm am Ball sein) und in der Zentrale ist er für mich viel zu zögerlich und ungenau und unterbricht damit oft gute Angriffe. Auch in der Situation wo es Elfmeter geben hätte müssen, hätte er uns mit besserer Ballannahme wohl in Führung bringen können/müssen. Er hat natürlich auch gute Momente, wie die Vorlage oder seinen Zidane-Trick, aber in der Gesamtbetrachtung ist mir das zu wenig.

      Dass das Tor fällt als Kerk auf außen spielt und Dovedan in der Mitte, kommt übrigens alles andere als überraschend, daher habe ich unsere taktische Ausrichtung über weite Teile der zweiten Hälfte nicht verstanden.

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  • Hat hier eigentlich schon jemand Mathenia zum Nachwuchs gratuliert? Falls nicht, mach ich’s halt: Herzlichen Glückwunsch und herzlich willkommen, neuer Erdenbürger!

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  • Ah, der FCN richtet im neuen „Club-Haus“ auch eine „Passwand“ ein:
    „Bist du der Mittelfeldstratege, der seine Mitspieler mit gezielten Pässen in Szene setzen kann? Beweise deine Pass-Skills an unserer interaktiven Fußball-Passwand.“
    Das nenn‘ ich mal ein innovativ-präventives Spezial-Scouting für den Fall, dass das mit Geis doch nix so recht wird!

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