Analyse: Nach der Pause zielstrebiger

Analyse zu FC Ingolstadt 04 – 1. FC Nürnberg 0:1 (0:1) – Der Club zieht in die zweite Runde des DFB-Pokal ein, weil er spät trifft und sich offensiv verbessert zeigt.

1. Die Grundordnung
2. Der Schlüssel zum Spiel
3. Das Spiel war entschieden, als
4. Das Fazit
5. Die Stimmen
6. Die Statistik
7. Noten

1. Die Grundordnung…

Abb.1: Startformation

… war nominell ein 4-1-4-1. (Abb. 1) Vor der Viererkette, der mit Valentini (für Sorg) und Mühl (für Margreitter) im Vergleich zum Montag zwei neue Spieler angehörten, spielte Behrens als defensiver Mittelfeldspieler. In der Viererreihe rochierten Kerk (für Jäger in der Mannschaft), Medeiros und Dovedan regelmäßig ihre Positionen. Einzig Neuzugang Geis (für Erras im Team) blieb fast durchgehend im Zentrum. Vor dem Vierermittelfeld spielte Ishak (ersetzte Hack) als einzige Spitze. Auch im Tor veränderte Canadi im Vergleich zum Montag. Für Christian Mathenia, welcher der Geburt seiner Tochter Ilvy beiwohnte, spielte Andreas Lukse.

Nach der Pause stellte Canadi dahingehend um, dass er Medeiros nun fest auf die rechte Außenbahn beorderte, während Kerk und Dovedan auf links rochierten, wobei Kerk meist zentraler spielte. Gaus und Keller auf der Ingolstädter linken Seite hatten mit Medeiros erhebliche Probleme, wenn dieser ins Dribbling ging. Eine Viertelstunde vor Schluss tauschte Canadi dann doppelt, aber positionsgetreu: Sorg ersetzte Valentini, Margreitter den angeschlagenen Sörensen.

Gerade als der Trainer den dritten positionsgetreuen Wechsel mit Knöll für Ishak vollziehen wollte, fiel der Nürnberger Führungstreffer. Canadi wechselte Ishak zwar dennoch angeschlagen aus, statt Knöll kam aber Erras ins Spiel. Damit war auch ein Formationswechsel begründet. Man spielte nun wie am Montag mit Fünferkette, brachte die Partie tiefstehend zu Ende. (Abb. 2)

Abb. 2: Grundformation nach dem Tor

2. Der Schlüssel zum Spiel …

… war – wie schon in Dresden – die Chancenverwertung. Während Ingolstadt seine guten Chancen (Bilbija 37., Elva 80., Kutschke 90.+3) ausließ, nutzte der Club seine Chance durch Dovedan spät im Spiel, nachdem er zuvor auch schon Gelegenheiten hatte liegen lassen (Ishak 51., 54., Medeiros 78.). Der Unterschied zum Spiel in Dresden lässt sich allerdings schon am Chancenspielfilm (Abb. 3) ablesen: Vor allem nach der Pause hatte der FCN zahlreiche Torgelegenheiten, schoss 17-mal aufs Tor, in der Vorsaison gab man nur dreimal (in Linx, in Stuttgart, gegen Schalke) innerhalb von 90 Minuten mehr Schüsse ab. So gesehen darf man auch auf jeden Fall im Vergleich zum Montag eine Verbesserung im Spiel nach vorne attestieren.

Festzumachen ist diese Verbesserung vor allem an der klaren Steigerung in der Zweiten Halbzeit. Ob dies nun an den schwindenden Kräften der Gegner oder einer Verbesserung beim FCN lag, wird nicht nachzuvollziehen sein. Was nachzuvollziehen ist, dass sich die Pressingintensität von 14,6 zugelassenen gegnerischen Pässen pro Defensivaktion vor der Pause auf 5,8 nach dem Seitenwechsel steigerte. Der Club ging nach dem Seitenwechsel also deutlich aggressiver zu Werke als davor.

Auch in Sachen Passspiel änderte sich nach der Pause etwas. Nicht nur der Anteil der Pässe für Raumgewinn und ins letzte Drittel steigerte sich, sondern auch deren Genauigkeit. Vor dem Seitenwechsel kamen nicht mal zwei Drittel der Pässe, die Raumgewinn von mehr als zehn Metern erzielen sollten, an. In der zweiten Halbzeit waren es dagegen 85%. Auch hier merkt man, dass der Club sich nach der Pause deutlich steigerte und eben insgesamt offensiv zielstrebiger wurde.

Abb. 3 Chancenspielfilm

3. Das Spiel war entschieden, als …

… Peter Kurzweg in der vierten Minute der Nachspielzeit auf der linken Seite einen zu ihm gespielten Einwurf gezielt zwischen seinen beiden Mitspielern hindurch spielte, so dass der Club Einwurf hatte. Da war klar, es würde keinen letzten langen Ball in den Strafraum geben. Keine allerletzte Gelegenheit.

4. Das Fazit …

… könnte man mit „Schritt für Schritt zum Fortschritt“ überschreiben. Offensiv sah man gerade nach dem Seitenwechsel einen deutlichen Schritt nach vorne. Dies lag definitiv daran, dass Iuri Medeiros seine individuelle Klasse immer wieder auf den Platz brachte (77% gewonnene Offensivduelle, 89% erfolgreiche Dribblings) und Johannes Geis sofort das Kommando im Mittelfeld übernahm. Dass Geis vor dem 1:0 den zweiten Ball abfängt und Iuri Medeiros den Ball auf Kerk verlagert, war also durchaus symptomatisch für das FCN-Spiel. Aber auch in Sachen Spielanlage war erstmals nicht nur in Ansätzen erkennbar, wie Canadis Tempofußball aussehen soll.

Diese Verbesserungen in der Offensive und die Tatsache, dass der Club ohne Gegentor blieb, soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Defensive eine Reihe an guten Chancen zuließ. Gerade in Sachen Gedankenschnelligkeit ließ die Abwehr noch einiges zu wünschen übrig. Gleich zweimal wurde der Club von schnell ausgeführten Standards überlistet: Sowohl bei Kellers irregulärem Treffer nach einer Ecke als auch bei Bilbijas Großchance nach einem schnell ausgeführten Freistoß.

Wofür der Erfolg in Oberbayern jedoch sicher gut war: Zur Beruhigung des Umfelds nach einer hypernervösen Woche: Hohe Niederlage im ersten Heimspiel, Aufregung um den Einspruch im Zusammenhang mit diesem Spiel, deutschlandweite Kommentierung dieser Maßnahme, Gerüchte um einen plötzlichen Wechsel von Mikael Ishak nach England. Ein Pokalaus hätte sehr wahrscheinlich die Erhitzung weiter potentiert, so aber kann nun erst einmal in Ruhe weitergearbeitet werden.

5. Die Stimmen…

Damir Canadi: „Es war ein sehr intensives Spiel. Ich muss meinem Team ein Kompliment aussprechen. Sie ist als Mannschaft geschlossen aufgetreten und hat immer an sich geglaubt. In der zweiten Halbzeit haben wir es noch besser gemacht, als in der ersten. Da hat man noch ein wenig die Nervosität gemerkt. Nach der Pause haben wir sicherer gespielt. Dovedan war im entscheidenden Moment da, das zeichnet ihn aus. Im Pokal zählt das Weiterkommen, das ist uns gelungen.“

Jeff Saibene: „Es war ein Spiel auf Augenhöhe mit Einsatz, Spannung und Chancen auf beiden Seiten. Wir haben drei, vier klare Chancen, daraus müssen wir ein Tor machen. Nürnberg hat dagegen im richtigen Moment zugeschlagen. Trotzdem war es ein guter Auftritt meiner Mannschaft, aus dem wir viel Energie mitnehmen werden.“

Nikola Dovedan: „Das war ein Weltklasse-Ball von Kerki. Zum Glück ist er am Ende reingegangen. Ich lauere gerne auf meine Chance, am Ende ist es ein verdienter 1:0-Sieg. Nach der Niederlage haben wir versucht, den wichtigen Sieg einzufahren. Das tut uns allen gut. Kombinationsmäßig war es schon deutlich besser als am Montag. Wir werden aber weiter arbeiten und müssen uns verbessern. Wir sind viele neue Spieler, werden weiter an uns arbeiten und dann glaube ich, dass wir in ein paar Wochen richtig guten Fußball spielen können.“

Björn Paulsen: „Das war ein gutes Spiel zweier sehr gut organisierter Mannschaften, die beide eine klare Idee haben, wie sie Fußball spielen wollen. Wir haben unglücklich verloren. Der Klassenunterschied war im Abschluss zu erkennen. Beide Teams hatten ihre klaren Chancen, aber Nürnberg hat seine genutzt.“

6. Die Statistik…

Ingolstadt Nürnberg
Grundlagen
0 Tore 1
16 (2) Schüsse (aufs Tor) 17 (6)
353 (80,4%) Pässe (angekommen) 570 (82,9%)
38,9% Ballbesitz 61,1%
125 Ballverluste 132
3 Ecken 6
nicht erhoben Laufleistung (in km) nicht erhoben
13 Fouls 7
Advanced Metrics
1,22 xG 1,17
n.a. (Pokal) xP n.a. (Pokal)
14,77 PPDA 9,32
3,8 APPP 5,48
Auffälligkeiten
15,3% (75,9%) Anteil lange Bälle (erfolgreich) 10,53% (36,7%)
32,8% Offensivduelle gewonnen 50,0%
17 (10) Flanken (erfolgreich) 15 (8)
9 (3) Konter (mit Abschluss) 5 (0)

7. Die Noten …

Spieler CU-Note Kicker NZ BILD WhoScored
Andreas Lukse 3- 3
CU-Urteil: Anfangs mit Wacklern, die aber folgenlos blieben, mit längerer Spieldauer immer sicherer.
Enrico Valentini 3 3
CU-Urteil: Grundsolide in der Defensive, nach vorne gute Zusammenarbeit mit Kerk, aber noch mit Luft nach oben.
Lukas Mühl +4 4
CU-Urteil: Ab und zu etwas langsam und mit fahrigem Aufbau. Defensiv aber weitgehend solide.
Asger Sörensen 3- 4
CU-Urteil: Ähnlich wie Mühl mit manchmal überhastetem Aufbau. Defensiv etwas sicherer als der Nebenmann.
Tim Handwerker 4 4
CU-Urteil Gegenspieler Beister brachte ihn ab und zu an seine Grenzen, nach vorne bemüht, aber mit wenig Durchsetzungskraft.
Hanno Behrens +3 3
CU-Urteil: In defensiverer Rolle mit vielen abgefangenen und eroberten Bällen (30), im Aufbau mit wenig Fehlern, aber auch wenig Tiefe.
Sebastian Kerk +3 2
CU-Urteil: Mit Traumflanke vor dem 1:0, auch sonst mit vielen Ideen im Vorwärtsspiel. Probleme noch in der Durchsetzungsfähigkeit defensiv wie offensiv.
Iuri Medeiros 2 2
CU-Urteil: Im Zentrum noch etwas gehemmt, nach der Pause auf der rechten Außenbahn quirlig, emsig und technisch stark. Mit der entscheidenden Spielverlagerung vor dem 1:0.
Johannes Geis +3 2
CU-Urteil: Stabilisierte das Aufbauspiel des FCN sofort, mit klugen Pässen, wenn auch gerade in die Tiefe noch mit zu viel Streuung. Dürfte mit mehr Anbindung noch besser werden.
Nikola Dovedan +3 2
CU-Urteil: Wie in Dresden der Matchwinner dank seines späten Tores. Davor mit einigen unnötigen Fehlpässen, aber auch mit Ideen.
Mikael Ishak +4 4
CU-Urteil: Hatte einige gute Chancen und erarbeitete sich diese auch, war aber im Abschluss sehr langsam. Besser eingebunden als in Dresden oder gegen Hamburg, wirkte trotzdem unglücklich.
Georg Margreitter
CU-Urteil: Kam für den angeschlagenen Sörensen. Leistete sich einen katastrophalen Pass, der zu einer guten Chance führte. Sonst unauffällig.
Oliver Sorg
CU-Urteil: Kam in der Schlussphase für Valentini, fiel nicht weiter auf. 
Patrick Erras
CU-Urteil: Ersetzte Ishak nach dem Führungstor, als Canadi auf Fünfterkette umstellte. 

Hier alle Artikel bei Clubfans United zum Spiel und zum Gegner

20 Gedanken zu „Analyse: Nach der Pause zielstrebiger

  • zielstrebiger….das ist ein sehr gutes Stichwort! Leider war ich nicht zielstrebig und so ist mir jetzt im Sommer ein Fan-T-Shirt, Größe „L“ mit FCN – Logo und Zeppelin durch die Lappen gegangen. Wurde wohl nur für sehr kurze Zeit über den FCN Onlineshop abgegeben. Vielleicht kann hier jemand helfen? Würde mich sehr freuen.
    Ansonsten sage ich nur 1-0….das reicht – alles andere ist zweitrangig. Erinnere mich noch mit Grauen an das letzte Spiel gegen ein Jeff Saibene – Team damals 0-1 Niederlage auf der Alm mit Gegentor kurz vor Abpfiff.
    Insofern alles gut – schönen Sonntag!

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  • Schade, schade, schade.
    Ich hätte Wehen Wiesbaden, und vor allem dem Chemnitzer FC das Weiterkommen gegönnt.
    Jetzt müssen wir uns halt doch noch für die Klatsche am Montag, sowie dem Pokalaus im letzten Jahr revanchieren.
    Vorausgesetzt die Auslosung bringt genau diese Paarung.
    Aber, das wäre schon ein sehr großer Zufall.

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  • Der KSC hat gerade chancenlose H96 im Pokal besiegt.
    Der gute Ligastart vom KSC ist kein Zufall, das ist eine gut eingespielte Truppe. Viele Balleroberungen durch konsequente Atacke auf den Ballführenden. Dann sehr schnelle gezielte Umschaltbewegung. Zudem ging für H96 kein Weg an der gut stehenden Abwehr vorbei. Der gute Slomka macht jetzt schon einen angezählten Eindruck
    Bin schon auf unser Duell mit dem KSC gespannt, wird jedenfalls nicht einfach.

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    • Der KSC, im Pokal souverän weiter und in der Liga auf Platz 1.
      Die scheinen einen tollen Trainer zu haben! Wie heisst denn der?
      Sicherlich ein Unbekannter aus einem Alpenstaat, die sind ja gerade „in“, oder? 😛

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        • Der kam von so einem Traditionverein, der er clever als Sprunbrett genutzt hat, meine ich.

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            • Und mein Kompagnon, KSC-Fan mit Dauerkarte, sagt immer, der Trainer kann was, der macht jeden Spieler besser und kann alle Abgänge super ersetzen. Wäre doch eigentlich auch ein Trainer für uns, oder? Klares Spielsystem, findet immer wieder die richtigen Spieler für Abgänge, meist sogar für kleines Geld. Macht die Spieler besser. Was will man mehr?

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                • Ich denke der Trainer ist ja nur der eine Baustein, der andere ist welchen Kader er zur Verfügung hat, damit meine ich auch nicht unbedingt teuer, sondern wie der Kader zusammenpaßt, wie die Spieler sich entwickeln. Vielleicht hat das sein Sportdirektor Kreuzer etwas besser hinbekommen in Puncto Stimmigkeit.

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                • Aber es hieß doch gerade, dass es Schwartz wäre, der App dieser einer beim KSC bewirkt, der die Abgänge super ersetzt, der Spieler besser macht usw… Hab ich irgendwie alles bei uns nicht gesehen, kann mich in erster Linie an das ständige Lampentieren ob der vielen Abgänge, die teilweise schon ein halbes Jahr oder noch länger zurücklagen…

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                • Paderborn war auch mal Erster-in der Ersten Liga-ich dachte man soll nicht zu früh in der Saison urteilen..
                  Ihr Schwarzseher

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                • In dem Dorf bauen sie gerade ein neues, modernes und vor allem reines Fußballstadion, also das Dorf baut und zahlt das Stadion. Wenn ein Dorf das kann, dann sollte das doch die Metropolregion Nürnberg auch hinbekommen.

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                • Vor allem, wenn der Landesvater aus eben dieser Metropolregion stammt. Da sollte nicht nur die Region das hinbekommen, sondern auch das Land mithelfen 😉

                  Vielleicht müsste man ihm sagen, dass das 3 % bei der nächsten Wahl bringt 😉

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                • Unser fränkischer Landesvater fischt jetzt auf der Ökoseite, der baut lieber Bienenstöcke

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  • Zitat Optimist:

    „Vielleicht müsste man ihm sagen, dass das 3 % bei der nächsten Wahl bringt.“

    Sagen würde ich ihm das schon…

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    Antwort
  • Meine Heimatstadt ein Dorf ??
    Na das wüsste ich…
    Dieses ganze Dorf ist seit Jahren eine große Baustelle.

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